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Die
Bundesrepublik Deutschland
und die Deutsche Demokratische Republik
(DDR) wurden 1949 gegründet; 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei.
Der deutsche Nationalstaat,
dessen staatsrechtlicher
Status und völkerrechtliche Identität
mit der Bundesrepublik fortgesetzt wird, besteht als solcher seit 1871,
wenn auch mit territorialen Veränderungen und wechselnden politischen Systemen.
Er war ursprünglich ein Zusammenschluss verschiedener souveräner
Einzelstaaten des deutschen Sprachraums,
die – nur lose miteinander verbunden – wechselnde Bündnisse
untereinander eingegangen waren und sich teilweise auch gegeneinander in
militärisch ausgetragenen Konflikten feindlich gegenüber standen.
Der Schwerpunkt in diesem Überblick liegt auf politischer
beziehungsweise Ereignisgeschichte
der genannten Regionen, zurückgehend bis zur archäologisch
erfassbaren Vorgeschichte. Dagegen finden sich strukturgeschichtliche
Themen (Sozialgeschichte,
Wirtschaftsgeschichte,
Kulturgeschichte
u. a.) eher in den Hauptartikeln der einzelnen Epochen, auf die im
Artikel hingewiesen wird.
Vorgeschichtliche Zeit
Der älteste Nachweis von Vertretern der Gattung
Homo auf dem
Gebiet der heutigen Bundesrepublik ist der 600.000 oder 500.000 Jahre
alte Unterkiefer von Mauer,
des Typusexemplars
von
Homo heidelbergensis.
Etwas jüngere Funde stammen vom Fundplatz Bilzingsleben
sowie von
Homo steinheimensis;
bekannte Funde sind schließlich auch die Schöninger Speere.
Aus Homo heidelbergensis ging vor 130.000 Jahren der Neandertaler (Homo
neanderthalensis) hervor, der – sofern die klimatischen Bedingungen
es zuließen – nahezu 100.000 Jahre lang auch in Deutschland lebte. Da
Deutschland während der letzten Phase der Eiszeit zur Kältesteppe
(Tundra) wurde und die polare Vereisung bis ins nördliche Niedersachsen
vordrang, dürfte Deutschland während des mittleren Aurignacien bis
weit in das Mittelpaläolithikum
hinein so gut wie unbewohnt gewesen sein, und Spuren menschlicher
Besiedlung fehlen für die Zeit nach circa 30.000 v. Chr. für sehr lange
Zeit. In der Jungsteinzeit
entwickelten sich durch den zugewanderten modernen Menschen
(Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche)
Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind
einige Funde erhalten, wie etwa die in Sachsen-Anhalt gefundene Himmelsscheibe von Nebra,
eine Metallplatte mit Goldapplikationen aus der Bronzezeit, die darauf
hindeutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie
betrieben wurde, und die damit die älteste konkrete Himmelsdarstellung
ist, die weltweit je gefunden wurde.
Ethnogenese
In
der Jungstein- und Bronzezeit wurde das heutige Gebiet Deutschlands
nach- und nebeneinander von der bandkeramischen,
der schnurkeramischen
und der Glockenbecherkultur
besiedelt. Allmählich bildeten sich in der Bronze- und
Eisenzeit auf
seinem Gebiet verschiedene indoeuropäisch
sprechende Volksgruppen und Stämme heraus.
Diese entstanden aus eingewanderten indoeuropäischen Stämmen bzw. deren
Nachfahren, die sich mit den seit Ende der letzten Eiszeit ansässigen „Ureinwohnern“
und auch später fortwährend mit durchziehenden Völkern bzw.
Siedlern (Ethnogenese)
vermischten. Die Nachfahren der in Nordeuropa und Norddeutschland auf
dem Gebiet der Nordischen Bronzekultur siedelnden Gruppen wurden in der
Antike unter dem
Begriff Germanen
zusammengefasst. Weitere Gruppen waren unter anderem:
-
die indogermanischen Kelten im
heutigen Süddeutschland,
die Europas
Kultur in weiten Landstrichen bis zur Spätantike
prägten.
-
die von den Germanen als Wenden (lat.
Veneti) bezeichnete Ethnie, die in der Antike als
eigenständige indogermanische Volksgruppe östlich der Germanen
siedelte. Nach der Völkerwanderung übertrugen die neu entstandenen
Deutschen diesen Namen auf eingewanderte westslawische Stämme im
heutigen östlichen Niedersachsen (Wendland), östlichen Holstein (mit
Liubice/Lübeck), in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (mit
Vineta/Jumme), die sich ihre Selbständigkeit bis zu ihrer
Unterwerfung im Gefolge des „Wendenkreuzzugs“
im 13. Jahrhundert erhielten.
-
der so genannte Nordwestblock,
Bevölkerungsgruppen im nordwestlichen Mitteleuropa, die in den
letzten Jahrhunderten v. Chr. eine vom Keltischen und Germanischen
verschiedene indoeuropäische Sprache sprachen und um Christi Geburt
germanisiert wurden.
Während der Ausbreitung des Römischen Reiches
und später während der Völkerwanderung
siedelten dazu Römer im heutigen Süd- und Westdeutschland, deren Truppen
den Süden und Westen Germaniens entlang der Donau und des
Rheins bis etwa
ins 5. Jahrhundert besetzten. Diese stammten als Legionäre aus allen
Gebieten des römischen Reiches wie z. B. Hispanien, Illyrien, Syrien,
Gallien, Afrika. Während der Völkerwanderung blieben dazu Angehörige
weiterer Volksgruppen wie etwa der Sarmaten oder
Hunnen im
heutigen Deutschland zurück.
Nach der Abwanderung fast aller Germanen östlich der Elbe wurden diese
Gebiete von Slawen besiedelt,
deren Land erst durch die Ostkolonisation
deutscher Zuwanderer vom 11. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert sowie
im Rahmen der Eingliederung ins Heilige Römische Reich
wieder Bestandteil der deutschen Geschichte wurden.
Aus all diesen Menschen bildete sich (mit späteren Einwanderern) das
heutige deutsche Volk, das durch die Völkerwanderung und die
Reichsbildung der Franken
sprachlich überwiegend germanisch, jedoch durch das Erbe des Römischen
Reiches und das Christentum kulturell stark romanisch geprägt wurde.
Insofern ist es gerechtfertigt, seine Geschichte mit den germanischen
Stämmen der Antike beginnen zu lassen.
Antike

Germanische
Stämme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)
Erste Erwähnung finden einige keltische und
germanische
Stämme bei den Griechen und
Römern (v. A.
Caesar und Tacitus) in der
vorchristlichen Zeit. Um 500 v. Chr. war das heutige Süddeutschland
keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die
Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte südwärts, so dass um
Christi Geburt die Donau die ungefähre Siedlungsgrenze zwischen Kelten
und Germanen war. Hierdurch gelangten keltische Orts- und Gewässernamen
sowie keltische Lehnwörter in den
germanischen Wortschatz.
Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des
Rheins und
südlich der Donau zum Römischen Reich,
von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau)
sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die
römischen Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die
Provinzen
Germania Superior,
Germania Inferior
und
Raetia. Auf
die Römer gehen Städte wie Trier, Köln, Bonn, Worms und Augsburg zurück,
die zu den ältesten Städten Deutschlands
zählen. Die Römer führten Neuerungen in Hausbau und Handwerk ein, die
zum Teil bis heute fortwirken. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die
Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Auch Siedler
aus allen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien,
wanderten ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau
sesshaft. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens liefert im Jahr 98 der
römische Schreiber Tacitus.
Mittelalter
Frühmittelalter etwa 395 bis 919
Nachdem viele germanische Stämme schon ab dem 1. Jahrhundert nach Süden
drängten, wird seit dem Einfall der Hunnen 375 von
der Völkerwanderung
gesprochen, die im 5. Jahrhundert ihren Höhe-, im 6. Jahrhundert ihren
Schlusspunkt fand und 476 zum Untergang Westroms führte.
Viele germanische Stämme wanderten damals nach West-, Ost- und Südeuropa
bis hin nach Nordafrika. In die nunmehr fast menschenleeren Gebiete des
heutigen Ostdeutschland wanderten im 7. Jahrhundert bis zur
Elbe-Saale-Linie slawische Stämme
ein. Fast im gesamten Raum östlich der Elbe wurde daher bis ins hohe
Mittelalter slawisch
gesprochen
(Germania
Slavica).
Sprachforscher schätzen, dass etwa ein Drittel der heutigen deutschen
Familiennamen slawischen Ursprungs sind. Der Hauptteil West- und
Mitteleuropas wurde ab dem 6. Jahrhundert vom Frankenreich
eingenommen, das heutige nordwestliche Deutschland von den Sachsen
beherrscht.

Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun
(843)
Das Frankenreich Karls des Großen,
für das vor allem die Merowinger die
Grundlage gelegt hatten, einte das Gebiet des kontinentalen Zentraleuropa
zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensüdrand. Nach Karls Tod wurde es 843
im Vertrag von Verdun
unter seinen Enkeln dreigeteilt. Das westfränkische Reich
sollte die Grundlage vor allem für die Entwicklung des Königreichs
Frankreich
bilden. Das Ostfränkische Reich
ist eng mit der Geschichte des späteren Heiligen Römischen Reiches
verknüpft.
Mit seiner Teilung 843 begann der Zerfall des Frankenreichs. Der Sohn
Karls des Großen, Ludwig der Fromme,
konnte dessen Einheit noch wahren. Als Nachfolger bestimmte er seinen
ältesten Sohn Lothar I. Dieser
bekam das Mittelreich und die Kaiserwürde, Karl der Kahle
den Westteil und Ludwig der Deutsche
den Ostteil. Nach dem Tod der Söhne Lothars I. wird das einstige
Mittelreich aufgeteilt unter Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen.
Nach Ludwigs Tod 876 wird dann das ostfränkische Reich unter seinen drei
Söhnen Karlmann, Ludwig dem Jüngeren
und Karl dem Dicken
ebenfalls aufgeteilt. 880 wird die Grenze zum westfränkischen Reich
festgelegt, die das gesamte Mittelalter beinahe unverändert das Deutsche
Reich von Frankreich scheiden sollte. Der ostfränkische König Karl der
Dicke konnte nach dem Tod seiner Brüder und des westfränkischen Königs
das Fränkische Reich nochmals kurze Zeit vereinigen, wurde aber nach
kraftloser Herrschaft im Osten von seinen Neffen Arnulf von Kärnten,
einem Sohn Karlmanns, 887 verdrängt. Mit Arnulfs Sohn Ludwig dem Kind
starb 911 der letzte ostfränkische Karolinger. Um
ihre eigene Macht nicht zu gefährden, wählten die Herzöge den
vermeintlich schwachen Frankenherzog Konrad I. zu
ihrem König (911–919).
Hochmittelalter
Ottonen 919 bis 1024

Das Heilige
Römische Reich um 1000
Konrad I. (911–919), der nach seiner Wahl erfolglos die karolingische
Tradition bewahren wollte, folgte der Sachsenherzog Heinrich I. aus
dem Geschlecht der Liudolfinger oder
Ottonen nach.
Heinrich I. verteidigte das Reich gegen Einfälle von Ungarn und Slawen.
Neben dem fränkischen Erbe trat nun immer mehr eine eigene gemeinsame
Identität hervor. Zum Nachfolger bestimmte Heinrich I. seinen Sohn
Otto I.. Dieser
versuchte zuerst die neu entstandenen Stammesherzogtümer seiner Macht zu
unterstellen, stützte sich jedoch zur Sicherung seiner Macht immer mehr
auf die Kirche (Reichskirchensystem).
955 besiegte Otto die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld
– dieser Sieg wird später zur Geburtsstunde der Deutschen
stilisiert
950 wurde Böhmen und ab 963
Polen zeitweise
lehnsabhängig vom römisch-deutschen Herrscher. Otto erweiterte sein
Herrschaftsgebiet um Teile Italiens. Nach der Heirat mit Adelheid von Burgund
nannte er sich eine kurze Zeit König der Langobarden. 962
erreichte Otto endgültig seine Anerkennung als König von Italien und
danach die Kaiserkrönung durch den Papst. In Süditalien geriet er in
Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser.
Sein Sohn Otto II.
heiratete schließlich die Kaisernichte Theophanu,
Süditalien verblieb jedoch bei Byzanz. Otto II. erlitt 982 gegen die
Araber eine
vernichtende Niederlage.
Die Gebiete östlich der Elbe (Billunger
Mark und die Nordmark) gingen
im großen Slawenaufstand
größtenteils für etwa 200 Jahre wieder verloren. Ottos Sohn, Otto III., starb
bevor er seinen Plan, die Machtbasis nach Rom zu verlegen,
verwirklichen konnte; im Kongress von Gnesen im Jahre
1000 erkannte er den polnischen Herrscher Boleslaw I. Chrobry
als Mitregent im Reich an. Der letzte Ottonenkönig Heinrich II.
hatte sich in mehreren Kriegen gegen Polen (König Boleslaw I. Chrobry)
und Ungarn (König Stephan I.) zu
behaupten. Unter ihm wurde aber das Reichskirchensystem weiter
ausgebaut. Unter den Ottonen erscheint
vermehrt die Bezeichnung
regnum teutonicum.
Salier 1024 bis 1125
1024 wählten die deutschen Fürsten den Salier Konrad II. zum
König. Er erwarb 1032 das Königreich Burgund.
Sein Nachfolger Heinrich III.
setzte auf der Synode von Sutri
drei rivalisierende Päpste ab, ernannte den Reformer Clemens II. zum
Papst und ließ sich von ihm 1046 zum Kaiser krönen. Kurz darauf erließ
er ein Verbot der Simonie. Während
der Regierungszeit Heinrichs IV.
eskalierte der so genannte Investiturstreit,
in dem die Kirchenreformer
dem Kaiser Simonie vorwarfen. Heinrich erklärte Papst Gregor VII. für
abgesetzt. Nun bannte der Papst
den König. Um den Kirchenbann zu lösen, unternahm Heinrich IV. den
Gang nach Canossa.
1084 setzte er Papst Gregor wiederum ab und ließ sich in Rom von Gegenpapst Clemens III. zum
Kaiser krönen. Sein Sohn Heinrich V.
verbündete sich schließlich mit den Fürsten gegen ihn und setzte ihn ab.
Ein längerer Krieg wurde durch den Tod des Vaters 1106 verhindert. Unter
Heinrich V. kam es 1122 im Wormser Konkordat
zum Ausgleich mit der Kirche. Nach Heinrichs Tod wählten die Fürsten
Lothar III. von Supplinburg
zum König. Durch die Unterstützung der mächtigen Welfen für Lothar
gegen den Staufer Friedrich
wurde ein das ganze 12. Jahrhundert andauernder Streit zwischen Welfen
und Staufern begründet.
Staufer 1138 bis 1254
Nach dem Tod Lothars 1138 wurde der Staufer Konrad
III. König. Dieser erkannte Lothars Schwiegersohn, dem Welfen Heinrich dem Stolzen,
dessen Herzogtümer ab. Konrads Nachfolger Friedrich I.
versuchte den Ausgleich, indem er den Welfen Heinrich den Löwen
1156 mit den Herzogtümern seines Vaters, Sachsen und Bayern, belehnte.
Heinrich der Löwe unterwarf als neuer Lehnsherr von 1147 bis 1164 die
Slawen in Mecklenburg und
Pommern.

Hildegard von
Bingen
Hildegard von Bingen
wusste geschickt Machtkonstellationen für die Gründung von Klöstern
einzusetzen und korrespondierte mit der damals bekannten Welt. Im Vertrag von Konstanz
1153 erreichte Friedrich I. („Barbarossa“)
die Kaiserkrönung. Er besiegte die nach mehr Selbständigkeit strebenden
lombardischen
Städte. Als Alexander III.
Papst wurde, begann der Kampf zwischen Kaiser und Papst erneut. Nach der
Niederlage bei Legnano musste
Friedrich Alexander als Papst anerkennen. 1180 entzog Friedrich Heinrich dem Löwen,
der seine Italienpolitik nicht mehr unterstützte, dessen Herzogtümer.
1181 erhob Friedrich die pommerschen Greifen in den
Rang deutscher Reichsfürsten. Ab 1187 übernahm Friedrich I. die Führung
der Kreuzfahrer. 1190
starb er in Syrien.
Friedrichs Sohn, Heinrich VI.,
wurde dank der Heirat mit der normannischen
Prinzessin Konstanze 1194 König von Sizilien. Als Heinrich VI. 1197
starb, kam es zu einer Doppelwahl des Staufers Philipp von Schwaben,
des Bruders Heinrichs VI und des Welfen Otto IV., einem
Sohn Heinrich des Löwen. Nach der Ermordung Philipps 1208 wurde Otto IV.
König. Der Papst unterstützte aber wegen des Italienzuges Ottos den Staufer Friedrich II.,
dem Sohn Heinrich VI. 1214 brachte die Schlacht bei Bouvines
die Entscheidung für Friedrich. Dieser regierte sein Reich von seiner
Heimat Sizilien aus. Die Regierung in Deutschland überließ er seinem
Sohn Heinrich. 1235
setzte er statt Heinrich dessen Bruder Konrad IV. ein.
1220 wurde Friedrich zum Kaiser gekrönt. Es kam zum Machtkampf mit Papst
Gregor IX., der
den Kaiser 1227 bannte. Dennoch erreichte Friedrich im Heiligen Land die
Übergabe Jerusalems. Der
Konflikt setzte sich auch fort, als Innozenz IV.
Gregors Nachfolge antrat. Innozenz erklärte den Kaiser 1245 gar für
abgesetzt. Friedrich II. starb im Dezember 1250. Nach seinem Tod tobte
der Kampf des Papstes gegen die Staufer weiter. 1268 wurde der letzte
Staufer, der sechzehnjährige Sohn Konrads IV., Konradin, im
Kampf um sein sizilianisches Erbe gegen Karl von Anjou in
Neapel öffentlich
hingerichtet.
Spätmittelalter
Im
14. Jahrhundert führten Überbevölkerung, Missernten und
Naturkatastrophen zu Hungersnöten. 1349/50 starb ein Drittel der
Bevölkerung an der Pest und ein
Großteil der Juden flüchtete aufgrund von Pogromen nach
Polen.
Interregnum und beginnendes Hausmachtkönigtum
1254 bis 1313
Nach dem Ende der Staufermacht verfiel die Königsmacht im Spätmittelalter
immer mehr. Der König stützte sich nur noch auf ein geringes Reichsgut
und musste versuchen, seine Hausmacht zu
erweitern. Als neuer Machtfaktor erwiesen sich inzwischen die Reichsstädte. Die
Landesfürsten (die späteren Kurfürsten) wählten in einer
verfassungsrechtlich bemerkenswerten Doppelwahl sowohl Richard von Cornwall
aus England als auch Alfons von Kastilien
zum König. Dies verschaffte den Wählenden, also regionalen Kräften, die
Möglichkeit, ihre eigene Macht zu Ungunsten der Zentralmacht weiter
auszubauen. Beide Gewählten waren aber zu schwach sich im Reich
durchzusetzen, strebten eher nach der Kaiserkrone. Richard war ganz
selten im Reich, Alfons hat es nie betreten. Zeitgenossen sprachen schon
damals vom „Interregnum“,
der königslosen Zeit.
Das Interregnum wurde 1273 durch die Wahl Rudolf von Habsburg
beendet. Rudolf ebnete dem Haus Habsburg den Weg
zu einer der mächtigsten Dynastien im
Reich, doch gelang es ihm nicht, die Kaiserkrone zu erlangen. Seine
beiden Nachfolger, Adolf von Nassau
und Albrecht I.,
standen im Konflikt mit den Kurfürsten. 1308
wurde der Luxemburger Heinrich VII. zum
König gewählt. Dieser konnte 1310 seine Hausmacht um Böhmen erweitern
und erlangte 1312 die Krönung zum Kaiser. Im Vertrag von Namslau
1348 erkannte Kasimir der Große
von Polen die
Zugehörigkeit Schlesiens zu
Böhmen – und
damit zum Heiligen Römischen Reich
– an, versuchte später jedoch beim Papst, diesen anzufechten.
Ludwig IV. der Bayer und Karl IV. 1314 bis
1378

Goldene Bulle
Karls IV.
Nach dem Tod Heinrichs setzte sich nach einer Doppelwahl 1314 der Wittelsbacher Ludwig der Bayer
gegen die Habsburger durch. 1327 zog Ludwig nach Italien und wird im
darauffolgenden Jahr in Rom zum Kaiser gekrönt. Im Kampf des Kaisers
gegen den Papst, dem letzten des Mittelalters, bestätigten die
Kurfürsten im Kurverein von Rhense
1338, dass ein von ihnen gewählter König nicht vom Papst bestätigt
werden müsse. Eine von den Luxemburgern
geführte Opposition gegen Ludwigs Hausmachtpolitik formierte sich 1346.
Der Luxemburger Karl IV. wird von
seinen Anhängern mit Unterstützung des Papstes zum Gegenkönig gewählt.
Der Tod Ludwigs 1347 verhinderte einen längeren Krieg. Karl IV. verlegte
seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Böhmen. Er gewann unter anderem die
Mark Brandenburg
zu seinem Hausmachtkomplex hinzu.
1348 wurde in Prag die erste
deutschsprachige Universität
gegründet.
1355 wurde Karl zum Kaiser gekrönt. Die Goldene Bulle von
1356 stellte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs eine Art
Grundgesetz dar. Ihr Hauptziel war die Verhinderung von Gegenkönigen und
Thronkämpfen. Karl glaubte, damit die Machtstellung des Hauses Luxemburg
zementiert zu haben.
Beginnender Aufstieg Habsburgs 1378 bis 1493

Das Heilige
Römische Reich um 1400
Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Königsmacht endgültig. Der ältere
Sohn Karls IV, Wenzel wird 1400
von den Kurfürsten wegen Untätigkeit abgesetzt. Nach dem Tod des
Nachfolgers Ruprecht I. von der Pfalz
aus dem Hause Wittelsbach 1410 wird mit Wenzels Bruder Sigismund wieder
ein Luxemburger gewählt. Er erreichte zwar 1433 die Kaiserkrönung, war
jedoch nicht in der Lage, das Königtum zu stabilisieren. Eine
Reichsreform scheiterte an Eigeninteressen der Landesherrscher. Durch
die Einberufung des Konzils von Konstanz
konnte er allerdings das Abendländische Schisma
beenden.
Mit dem Tod Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in männlicher Linie.
Die Habsburger traten 1438 mit Albrecht die
Nachfolge an. Von 1438 bis 1740 und von 1745 bis zum Ende des Reiches
1806 sollte das Haus Habsburg nun den römischen König stellen.
Unter der langen Regierung von Friedrich III.
(1440-1493) wurde der Grundstein für die spätere habsburgische
Weltmachtpolitik gelegt.
Frühe Neuzeit
Maximilian I. 1486 bis 1519
Maximilian I.
erwarb durch Heirat das Herzogtum Burgund, zu dem
die reichen Niederlande
gehörten, für sein Haus und behauptete es im Krieg gegen Frankreich.
Sein Enkel Philipp der Schöne
wurde mit der Erbin des spanischen Weltreiches vermählt. Maximilian war
wegen der Türkenkriege auf
die Unterstützung der Reichsstände angewiesen. 1495 wurde auf dem Wormser Reichstag
eine Reichsreform beschlossen. Maximilian nahm 1508 ohne päpstliche
Krönung den Kaisertitel an. Er beendete damit für alle Zeiten die
Wallfahrten Deutscher Könige zur Kaiserkrönung nach Rom. Grund waren
verschiedene schwelende Konflikte mit Frankreich und Venedig, dessen
Truppen viele Alpenpässe versperrt hatten. Durch seine Heiratspolitik
kamen neben der spanischen Krone auch Böhmen und Ungarn von den Jagiellonen zum
Herrschaftsbereich der Habsburger.
Reformation und Gegenreformation 1517 bis 1618

Martin Luther
Mit der Publikation seiner 95 Thesen gegen
den Ablasshandel
durch Martin Luther
setzte 1517 die Reformation ein.
1519 wurde der Habsburger Karl V. König.
Unter ihm stieg Habsburg zur Weltmacht auf.
Außenpolitisch war er in ständige Kriege zur Abwehr der Osmanen sowie
gegen Frankreich und den Papst verwickelt. Dadurch war seine Stellung im
Reich selbst schwach und er konnte die Ausbreitung der Reformation nicht
verhindern.
In
den Jahren 1522 bis 1526 wurde in etlichen Ländern und Städten des
Reichs die Lehre Luthers eingeführt. Die Reformation wurde somit vom
Landesherrn durchgeführt, der auch zum Landesbischof
wurde. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, wollte
die Duldung der Lutheraner aufheben. Dagegen protestierten die
evangelischen Landesfürsten. Daher leitet sich seit dem die Bezeichnung
Protestanten für
Anhänger der evangelischen Glaubensrichtung ab..
Die schlechte Lage der Bauern hatte schon im 15. Jahrhundert zu
regionalen Aufständen der Bauern geführt, während der Reformationszeit
kam es 1524 bis 1526 zu einem Bauernkrieg. 1525
wurde ein Bauernheer unter Führung von Thomas Münzer bei
Frankenhausen
vernichtet.
Im
Schmalkaldischen Krieg
von 1546/1547 kam es erstmals zum Kampf der Katholiken unter Führung des
Kaisers gegen die Protestanten. Der Kaiser gewann den Krieg, konnte aber
das Augsburger Interim
nicht durchsetzen.
Als sich die Fürsten über die Religionsgrenzen hinweg gegen ihn erhoben,
verzichtete Karl V. 1556 zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf
Spanien und machte seinen Bruder Ferdinand zu
seinem Nachfolger im Reich. Der neue König hatte bereits 1555 den Augsburger Religionsfrieden
ausgehandelt.
Unter dem Eindruck der Reformation begann die katholische Kirche eine
innere Reform. Zudem setzte die Gegenreformation
ein. Diese bestand zum einen in der Verfolgung von Zweiflern an der
offiziellen päpstlichen Lehre durch die Inquisition, zum
anderen entstanden neue Orden, von denen
die Jesuiten eine
führende Rolle bei der Rekatholisierung erlangten.
Dennoch war die Religionspolitik von Ferdinands Sohn und Nachfolger
Maximilian II.
vergleichsweise tolerant, während in Frankreich zur selben Zeit
Religionskriege wüteten. Maximilians Sohn Rudolf II. zog
sich dagegen in seiner Residenz Prag immer mehr aus der Wirklichkeit
zurück, so dass die religiösen Konflikte weiter anschwollen. Es kam zum
Kölner Krieg, als der dortige Erzbischof zum Protestantismus übertrat,
und in den zum Reich gehörenden Niederlanden verschärfte sich der
Widerstand gegen das streng katholische Regiment der spanischen
Habsburger.
Die protestantischen Fürsten schlossen sich 1608 unter Führung Friedrichs von der Pfalz
zur Union zusammen.
Entsprechend schlossen sich die katholischen Fürsten 1609 unter Führung
des Bayernherzogs Maximilian I. zur
Liga zusammen.
Dreißigjähriger Krieg 1618 bis 1648
Nachdem Kaiser Rudolf II. die
Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Matthias
abgetreten hatte, schränkt dieser die den Protestanten gewährten Rechte
wieder ein. 1618 kam es deshalb zum Prager Fenstersturz,
bei dem zwei kaiserliche Räte von böhmischen Standesvertretern in der
Prager Burg zum Fenster hinausgeworfen wurden.
Nach dem Tod des Kaisers wurde der Führer der Union, Friedrich von der
Pfalz, 1619 zum König von Böhmen erklärt. Der neue Kaiser Ferdinand II. zog
mit dem Heer der katholischen Liga nach Böhmen. In der Schlacht am Weißen Berge
1620 wurde das böhmische Heer besiegt. Nach der Flucht Friedrichs
besetzte Tilly die Pfalz
und die Oberpfalz. Der
Bayernherzog Maximilian I. bekam die Pfälzer Kurfürstenwürde.
Der Dänenkönig Christian IV.
rückte 1625 mit seinem Heer in Norddeutschland ein. Er wurde aber vom
kaiserlichen Heer unter Tilly und dem böhmischen Adligen Wallenstein
besiegt. Pommern, Jütland und
Mecklenburg
wurden vom katholischen Heer besetzt.
Nach dem Ende des dänischen Krieges erließ der Kaiser 1629 das Restitutionsedikt.
Besorgt wegen seiner erheblich gestiegenen Machtfülle erreichten die
Reichsstände auf dem Regensburger
Kurfürstentag 1630 die Absetzung seines Feldherrn Wallenstein.
Nun griff der Schwedenkönig Gustav II. Adolf
ins Kriegsgeschehen ein. Bei Rain fiel 1632
Tilly. Der Kaiser setzte daraufhin Wallenstein wieder ein. Bei der
Schlacht von Lützen
1632 fiel der Schwedenkönig.
Wallenstein wurde 1634 erneut abgesetzt und bald darauf ermordet. Um die
Schweden vom deutschen Boden zu vertreiben, schloss der Kaiser mit dem
protestantischen sächsischen Kurfürsten einen Sonderfrieden, den Frieden von Prag,
1635.

Das Heilige
Römische Reich 1648
Das katholische Frankreich griff 1635 auf schwedischer Seite ein, jedoch
konnte keine der beiden Seiten den Krieg für sich entscheiden. Große
Teile des Reiches wurden verwüstet. Der Vorkriegsstand der Bevölkerung
wurde erst wieder um 1750 erreicht. Der neue Kaiser Ferdinand III.
bemühte sich bereits seit 1637 verstärkt um Friedensverhandlungen, aber
Deutschland war längst zum Spielball fremder Mächte geworden, wodurch
sich das Leid der Bevölkerung weiter verlängerte. Die seit 1642
laufenden Verhandlungen führten am 24. Oktober 1648 zum Westfälischen Frieden.
Der
Friedensschluss beinhaltete eine Abtretung von Teilen Lothringens und
des Elsass' an Frankreich. Die Niederlande und die Schweiz schieden
offiziell aus dem Reich aus. Die Stellung der Reichsstände und der
Territorien wurde gestärkt und der Augsburger Religionsfriede bestätigt.
Bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn wurde nicht mehr von der
Bevölkerung dasselbe verlangt. Die Macht des Kaisers wurde noch weiter
eingeschränkt, seine Durchsetzungskraft beruhte in der Zukunft nur noch
auf der Stellung seiner Dynastie.
Das Heilige Römische Reich zerfiel in 382 souveräne und halbsouveräne
Territorien. Dieses Reichsgebilde wurde vom zeitgenössischen
Staatsrechtler Samuel Pufendorf
als „Monstrum“ oder „durch göttliche Fügung bewahrtes Unding“
bezeichnet. Pufendorf verwendete aber auch als einer der ersten den
Ausdruck „Deutschland“.
Absolutismus 1648 bis 1789
-
Hauptartikel: Absolutismus

Friedrich
Wilhelm I. von Brandenburg
Die Zerstörungen und Bevölkerungsverluste des Dreißigjährigen Kriegs
förderten die Entwicklung staatlich gelenkter Wirtschafts- und
Sozialpolitik. Verbunden mit der merkantilistischen
Wirtschaftsform war das Entstehen der absolutistischen
Herrschaftsform nach Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV.
Unter Kurfürst Friedrich Wilhelm
begann seit 1640 der Aufstieg Preußens. Der
nachfolgende Kurfürst Friedrich III. ließ sich 1701 zum König Friedrich I.
in Preußen krönen. Die Standeserhebung gelang nur, da er als Herzog
von Preußen über ein Territorium außerhalb der Grenzen des Heiligen
Römischen Reiches verfügte, das völlig souverän vom Reich war. Gegen
eine Zahlung von Zwei Millionen Talern und der Entsendung eines
Truppenkontingentes für die Reichsarmee,
stimmte der habsburgische Kaiser Leopold I.
schließlich zu. Der Aufstieg Brandenburg-Preußens,
später einfach nur als Königreich Preußen bezeichnet, führte zum Dualismus mit
Österreich, der
Deutschlands Innenpolitik bis 1866 bestimmen sollte.
Unter dem Habsburger Kaiser Leopold I. war
das Reich der zweifachen Bedrohung durch die Osmanen und den
Expansionsdrang Frankreichs unter Ludwig XIV. ausgesetzt. 1683 konnte
der Kaiser mit Unterstützung einiger deutschen Fürsten und des Polenkönigs Jan III Sobieski,
der die Schlacht am Kahlenberg
bei Wien gegen Kara Mustafa
gewann, die Türken vor Wien schlagen und
aus Ungarn vertreiben.
Dadurch wurde aber ein Krieg gegen Frankreich verhindert, zu dem schon
gerufen werden sollte. Frankreich hatte sich – die außenpolitische
Gelegenheit nutzend – unter Ausschluss der verfassungsgemäßen
Gegebenheiten die freie Reichsstadt Straßburg und
andere elsässische Gebiete in sein Territorium einverleibt, obwohl diese
Gebiete Reichsstände waren.
Durch die Wahl des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I.
1697 zum König von Polen kam es bis
1763 zu einer Personalunion von
Sachsen und Polen, die durch den Großen Nordischen Krieg
und den Polnischen Thronfolgekrieg
unterbrochen wurde. Ebenso gab es von 1714 bis 1837 eine Personalunion
von Hannover und
England.
Das Aussterben der spanischen Habsburger löste 1701 den Spanischen Erbfolgekrieg
aus, der mit dem Tod von Joseph I. eine
für Habsburg ungünstige Wende nahm, allerdings auch die Kräfte
Frankreichs erschütterte. Das österreichische Haus Habsburg war unter
Leopold I. und Joseph I. dennoch zur europäischen Großmacht geworden.

Gottfried Wilhelm von Leibniz
Das Aussterben der österreichischen Habsburger im Mannesstamm mit Kaiser
Karl VI. führte
1740 zum Österreichischen Erbfolgekrieg.
Der Wittelsbacher Karl VII. wurde
zum neuen Kaiser gewählt, Friedrich II.
fiel im habsburgischen Kronland Schlesien ein.
Karls VI. Tochter Maria Theresia
konnte die Kaiserkrone für ihren Gemahl Franz I. zwar mit
britischer Hilfe schließlich gegen preußische Hegemonialansprüche
verteidigen, sie verlor aber im Siebenjährigen Krieg
1763 Schlesien endgültig an Preußen.
Schweden verlor durch seine Niederlage im Großen Nordischen Krieg
(1700-1721) gegen Russland, Dänemark, Sachsen-Polen und Preußen fast
alle Besitzungen im Reich. Durch die drei Teilungen Polens
1772, 1793 und 1795 konnten Österreich und Preußen erhebliche
Gebietsgewinne verzeichnen.
Die Aufklärung hielt
Einzug in Preußen unter Friedrich dem Großen
(der Alte Fritz), der nach den Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus
herrschte. Auch in Österreich hielt die Aufklärung unter Kaiser Joseph II.
Einzug. Sie führte jedoch nicht zu Reformen, die die feudalen
Machtverhältnisse erschütterten. Josephs Bruder und Nachfolger Leopold II.
musste einen Teil der Reformen in den österreichischen Erblanden wieder
zurücknehmen.
Das „lange 19. Jahrhundert“ 1789 bis 1918

Das Heilige
Römische Reich am Vorabend der Französischen Revolution 1789
In
Folge der Französischen Revolution
kam es 1791 zum Bündnis von Preußen und Österreich gegen Frankreich.
Nach anfänglichen Erfolgen des halbherzig geführten Feldzuges geriet die
Koalition nach der Niederlage von Valmy im
September 1792 in die Defensive. Es folgten bis 1809 noch vier weitere
Koalitionskriege
gegen Frankreich.
1799 übernahm Napoleon I. in
Frankreich die Macht. Österreich musste die Österreichischen Niederlande
abtreten. Die linksrheinischen Gebiete Deutschlands fielen nach dem
Frieden von Lunéville
1801 ebenfalls an Frankreich. Als Kompensation für ihre linksrheinischen
Gebietsverluste erhielten die mittleren deutschen Fürsten 1803 im Reichsdeputationshauptschluss
rechtsrheinische Gebiete ehemals reichsunmittelbarer
Stände und aus Kirchenbesitz. Zudem erhielten Hessen-Kassel, Baden und
Württemberg die Kurstimme, was eine protestantische Majorität im
Kurverein brachte.
Da
er wegen der neuen Mehrheiten unter den Kurfürsten nicht mehr sicher
sein konnte, die deutsche Kaiserwürde auch weiterhin für das Haus
Habsburg zu sichern, erhob sich der habsburgische Kaiser Franz II.
1804, er war gleichzeitig Erzherzog von Österreich, wie Napoleon selbst
zum Kaiser von Österreich. Dieser Vorgang stellt einen Verfassungsbruch
dar, da Österreich als Teilstaat des
Heiligen Römischen Reiches und damit als Reichsstand nicht
völlig souverän war. Das deutsche Staatsoberhaupt nahm damit offenkundig
seinen eigenen Staat nicht mehr ernst.
1805 unterlag Österreich in der Dreikaiserschlacht
bei Austerlitz. Es
musste seine oberitalienischen Gebiete an das Königreich Italien und
Vorarlberg und Tirol an Bayern abtreten. Zu Beginn des Jahres 1806 erhob
Napoleon Bayern und Württemberg zu
Königreichen, einige Monate später auch Sachsen. Als sich
16 deutsche Fürstenhäuser 1806 zum Rheinbund
zusammenschlossen, legte Kaiser Franz II., auch
unter dem Druck Napoleons, die deutsche Kaiserkrone nieder, nachdem er
schon 1804 das Kaiserreich Österreich gegründet hatte, um mit Napoleons
Kaiserkrönung gleichzuziehen.
Dies bedeutete das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,
das 842 Jahre Bestand gehabt hatte. Diese Übergangszeit wurde auch die
Franzosenzeit
genannt, in der sich das Bewusstsein an die geänderten Umstände anpassen
musste.

Friedrich Wilhelm III. von Preußen
Am
16. Oktober 1806 kam es infolge des vierten Koalitionskrieges gegen
Frankreich zur Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt.
Napoleons Truppen rückten daraufhin in Berlin ein. Im Frieden von Tilsit
1807 verlor Preußen die Hälfte seines Staatsgebietes, darunter unter
anderen die nach der zweiten und dritten Teilung Polens erlangten
Gebiete (Großpolen,
Masowien und
Danzig) an das
Großfürstentum Warschau.
Preußen blieb nur auf russische Intervention hin als gedachter
„Pufferstaat“ erhalten. Ebenso musste Österreich die nach der dritten
Teilung Polens besetzten Gebiete an das Großfürstentum Warschau
abtreten. Der Aufstand in Tirol unter dem
Freiheitskämpfer Andreas Hofer
wurde von Napoléons Truppen niedergeschlagen.
In
Preußen kam es aufgrund der verheerenden Niederlage zwischen 1807 und
1813 zu einer Reformbewegung (Preußische
Reformen) unter Stein und Hardenberg. Die
preußische Armee
wurde durch Scharnhorst und
Gneisenau
grundlegend reformiert, ebenso das Bildungswesen von
Wilhelm von Humboldt
und weitere Gebiete.
Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug
1812 kam es in Preußen zu Aufständen. Als der preußische General Yorck von Wartenburg
im Dezember 1812 eigenmächtig in der Konvention von Tauroggen
einen Waffenstillstand mit Russland vereinbarte, verbündeten sich der
preußische König auf Druck der Bevölkerung mit dem Zaren gegen
Frankreich.
Nach dem Beitritt Großbritanniens, Schwedens und Österreichs zum Bündnis
wurde Frankreich in der Völkerschlacht bei Leipzig
im Oktober 1813 entscheidend geschlagen. Die Rheinbundstaaten wechselten
daraufhin auf die Seite der Alliierten. Die Befreiungskriege
gegen Napoleon führten in Deutschland zu einem neuen
Nationalbewusstsein.
Im
Frühjahr 1814 zogen die verbündeten Truppen in Paris ein.
Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen. Als er 1815 erneut in Frankreich
die Macht an sich riss, besiegte ihn ein deutsch-britisches Heer in der
Schlacht bei Waterloo
am 18. Juni 1815 endgültig.
Restauration und Vormärz 1814 bis 1848

Auf dem Wiener Kongress
restaurierte Fürst von Metternich
alte Regimes von Gottes Gnaden
Auf dem Wiener Kongress
kam es unter der Leitung Metternichs zur
Neuordnung Europas. Ziel des Wiener Kongresses war die dauerhafte
Sicherung des Friedens durch Schaffung eines neuen Gleichgewichts
zwischen den Großmächten, aber auch die Wiederherstellung (Restauration)
des alten politischen Systems. In der Heiligen Allianz
vereinbarten Österreich, Preußen und Russland, alle revolutionären und
nationalstaatlichen Bewegungen zu bekämpfen.
Preußen erhielt sein Gebiet aus der zweiten Polnischen Teilung
samt Danzig zurück,
das Rheinland, Westfalen und den
nördlichen Teil Sachsens, Österreich behielt das Gebiet aus der ersten
Teilung Polens (Galizien),
verzichtete auf die österreichischen Niederlande und bekam dafür Venetien, die
Lombardei und
Gebiete auf dem Balkan.
Frankreich konnte das Elsass behalten. Weiter wurde der Deutsche Bund ins
Leben gerufen, dem 39 souveräne Fürsten, darunter auch die Könige
Großbritanniens, Dänemarks und der Niederlande, angehörten.

Die 39
Bundesstaaten des Deutschen Bundes
Beschlussorgan des Deutschen Bundes war der Bundestag, der
unter österreichischem Vorsitz in Frankfurt am Main
tagte. Die Wünsche der Bevölkerung nach Schaffung eines einheitlichen
deutschen Nationalstaates wurden von den Fürsten nicht berücksichtigt.
Nach der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue
1819 ließ Metternich in den Karlsbader Beschlüssen
die Burschenschaften
und alle anderen politischen Vereinigungen verbieten und führte eine
umfassende Zensur ein. Letztlich konnte er aber nicht das weitere
Erstarken der deutschen Nationalbewegung in der Zeit des so genannten
Vormärz
verhindern. 1817 versammelten sich zahlreiche Studenten auf dem Wartburgfest.
Bestärkt durch die Julirevolution in
Frankreich fand die Bewegung im Hambacher Fest
vom 27. bis 30. Mai 1832 mit 30.000 Teilnehmern einen neuen Höhepunkt.
Wirtschaftlich wurde Deutschland durch den am 1. Januar 1834 gegründeten
Deutschen Zollverein
geeint. Die einsetzende Industrialisierung
und der Bau der ersten Eisenbahnlinien brachten einen wirtschaftlichen
Aufschwung mit sich.
Revolution 1848/1849

Jubelnde
Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen in Berlin am 19. März
1848
Die Februarrevolution 1848
in Frankreich führte in den deutschen Staaten zur Märzrevolution.
In Österreich kam es zu Straßenkämpfen. Am 13. März trat Metternich
zurück und floh nach Großbritannien.
Kaiser Ferdinand erließ
im April 1848 eine Verfassung und gewährte dem Volk eine bewaffnete
Bürgerwehr. In den von den österreichischen Habsburgern
beherrschten Fürstentümern Ober- und Mittelitaliens, in Ungarn und den
slawischen Gebieten kam es zu Aufständen, die aber von den Truppen des
Kaisers niedergeschlagen wurden.
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV.
gestattete auf Druck der Bevölkerung die Ausarbeitung einer Verfassung
und gestand den Bürgern Versammlungs- und
Pressefreiheit
zu. Kleinere Staaten wie Baden versuchten, Unruhen durch die Berufung
liberaler und nationaler Regierungsmitglieder vorzubeugen. Dennoch
wurden im weiteren Verlauf der Revolution gerade Sachsen und Baden zu
Zentren radikaldemokratischer Aufstände.
Anfang Mai fanden in allen Staaten Wahlen zu einer Deutschen Nationalversammlung
statt. Diese wurden jedoch nur in sechs Staaten direkt gewählt. In allen
anderen Staaten wurde ein indirektes Verfahren über Wahlmänner
angewandt.
Im
Parlament waren
sowohl konservative Monarchisten als auch Liberale und Republikaner
vertreten. Während Akademiker und das Bildungsbürgertum dominierten,
hatten Arbeiter und Bauern im Parlament keine Vertreter.
Am
18. Mai kam es zur Bildung einer vorläufigen Zentralregierung unter der
Leitung eines Reichsverwesers.
Die Regierung wurde von den deutschen Fürsten anerkannt, war wegen
fehlender eigener Armee, Polizei und Beamtenschaft aber weitgehend
machtlos.
Die Nationalversammlung musste nun die Grenzen eines zukünftigen
deutschen Nationalstaates festlegen. Favorisiert wurde zuerst die so
genannte großdeutsche Lösung.
Da Österreich aber nur unter Einschluss seines gesamten Gebietes dazu
bereit war, entschied man sich für die kleindeutsche Lösung.
Diese sah die Bildung eines deutschen Staates unter Ausschluss
Österreichs vor.
Am
28. März 1849 wurde die sogenannte Paulskirchenverfassung
verabschiedet, die einen Bundesstaat mit zentraler Regierung unter
Leitung eines erblichen Kaisertums und einem Reichstag als Legislative
vorsah. Die Verfassung bildete eine Grundlage für die Weimarer Verfassung
und das Grundgesetz.
Weiter wurde ein allgemeines Wahlrecht vereinbart.
Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. am 2. April die
Kaiserkrone ablehnte, zogen die meisten deutschen Staaten ihre
Abgeordneten aus Frankfurt zurück. Aufstände in Dresden, der
Pfalz und Baden zur Erzwingung der Verfassung wurden niedergeschlagen.
Eine Minderheit der Abgeordneten widersetzte sich einer Abberufung und
tagte in Stuttgart weiter.
Die letzten Revolutionäre ergaben sich am 23. Juli in Rastatt. Die
Verfassung konnte somit nie in Kraft treten. Zahlreiche in der Folge
politisch Verfolgte wanderten vor allem nach Amerika aus.
Reaktionsära und Norddeutscher Bund 1849 bis
1871
In
der Folge wurden während der Revolution gemachte Zugeständnisse
rückgängig gemacht. In Österreich errichtete Schwarzenberg ein
neoabsolutistisches Regime. In anderen Bundesstaaten wie in Preußen
blieben einige Errungenschaften wie die Verfassungen und die
Gewerbefreiheit erhalten.

Equilibrist
der Macht innen und außen: Otto von Bismarck
1850 wurde der Deutsche Bund wiedergegründet. Gemeinsam wandten sich die
Staaten insbesondere mit koordinierten polizeilichen Maßnahmen während
der Reaktionsära
gegen die Opposition. Nach der Zulassung von politischen
Zusammenschlüssen 1860 entstanden in Deutschland neue Parteien und
Gewerkschaften. 1863 gründete Ferdinand Lassalle
den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein,
der schließlich in der bis heute bestehenden Sozialdemokratische Partei Deutschlands
(SPD) aufging.
1859 begann der Preußische Verfassungskonflikt,
der 1862 zur Ernennung Otto von Bismarcks
zum preußischen Ministerpräsidenten und zu einer Stärkung des Königs
gegenüber dem Parlament führte.
1864 kam es zum Krieg Preußens
und Österreichs gegen Dänemark. Auslöser war die Annexion Schleswigs durch
Dänemark. Mit Zustimmung der europäischen Großmächte eroberten beide
deutsche Staaten die Herzogtümer Holstein, das bereits seit dem frühen
Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und nach 1815
auch zum Deutschen Bund gehört hatte und lediglich vom dänischen König
regiert wurde, und Schleswig.

Aufstieg und Fall eines Gründers in
der Gründerzeit:
Bethel Henry Strousberg
spannte in guten Jahren ein Eisenbahnnetz über Preußen
und halb Europa
Den 1866 folgenden Deutschen Krieg
gegen Österreich konnte Preußen durch seinen Sieg bei Königgrätz für
sich entscheiden. Es annektierte das Hannover, Nassau, Kurhessen, Hessen-Homburg,
Schleswig-Holstein
und Frankfurt. Der
Deutsche Bund löste sich auf. Darüber hinaus wurde der Norddeutsche Bund
unter Führung Preußens gegründet. Die Unabhängigkeit Bayerns,
Württembergs und Badens wurde auf Drängen Frankreichs anerkannt.
Im
Anschluss kam es zu Spannungen zwischen Frankreich und Preußen. Anlass
für den Deutsch-Französischen Krieg
von 1870/1871 war die Kandidatur Leopolds von Hohenzollern
auf den spanischen Königsthron. Napoléon III.
provozierte den Krieg, in dem er Gebiete am Rhein forderte und Bismarck
reagierte mit der Emser Depesche.
Nach der Kriegserklärung durch Frankreich konnte Preußen alle deutschen
Staaten und die übrigen europäischen Großmächte auf seine Seite ziehen.
Das Frankreich Napoléons III.
wurde durch den Sieg bei Sedan zur
Kapitulation gezwungen. In Paris bildete
sich daraufhin eine republikanische Regierung, die die Forderungen
Preußens ablehnte.
Dieses hatte eine Fortsetzung des Krieges zur Folge, der erst 1871 mit
der Kapitulation
Frankreichs endete. Im Frieden von Frankfurt am Main
wurde Frankreich zur Abtretung Elsass-Lothringens und zur Zahlung einer
Kriegsentschädigung
verpflichtet.
Kaiserreich 1871 bis 1918

Das Deutsche
Reich 1871
Durch das Zugeständnis der Reservatrechte
konnte Bismarck die süddeutschen Staaten zum Beitritt zum Norddeutschen
Bund bewegen. Die Gründung des dadurch entstandenen Deutschen Reiches
wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Schloss Versailles
vollzogen. Der preußische König erhielt den Titel eines
Deutschen Kaisers.
Die Reichsverfassung von 1871
betonte das monarchische Element. Damit war aber die Zukunft
Deutschlands entscheidend vom Geschick seiner Kaiser abhängig. Preußen
verfügte über zwei Drittel der Landfläche und Bevölkerung und damit über
ein Vetorecht bei
Verfassungsänderungen im Bundesrat.
Bismarck verfolgte eine Politik wechselnder Bündnispartner (siehe auch
Tendenzpolitik).
Im Rahmen des Kulturkampfes von
1871 bis 1886 gegen die katholische Kirche verbündete Bismarck sich mit
den Liberalen. Wenngleich einige Maßnahmen nach Beendigung des
Kulturkampfes wieder zurückgenommen wurden, blieben zum Beispiel die
Einführung der Zivilehe und die
staatliche Aufsicht über das Schulwesen erhalten.

Wilhelm I.
Einen weiteren Gegner Bismarcks stellten die Sozialisten dar. Die
Stimmung in der Öffentlichkeit nach einem Attentat auf
Kaiser Wilhelm I. nutzte
Bismarck 1878 zur Durchsetzung der Sozialistengesetze.
Diese konnten die Verbreitung sozialistischer Ideen aber nicht
verhindern.
Parallel dazu versuchte Bismarck durch eine Sozialgesetzgebung
einer Radikalisierung der Arbeiter entgegenzuwirken. So wurde 1883 eine
Krankenversicherung,
1884 eine Unfallversicherung
und 1889 eine Rentenversicherung
eingeführt. Weitergehende Forderungen der Sozialdemokraten lehnte
Bismarck aber ab.
Wirtschaftlich wurde infolge des durch die Reichsgründung
entstandenen einheitlichen Wirtschaftsraums und begünstigt durch die
französischen Zahlungen von Kriegsentschädigung ein rasantes
Wirtschaftswachstum ausgelöst. Dieses mündete aber 1873 in die
Wirtschaftskrise („Gründerkrach“).

Werner von Siemens
Außenpolitisch verfolgte Bismarck eine Politik des Gleichgewichts der
Großmächte. Durch den Aufstieg zur stärksten Großmacht auf dem Kontinent
weckte Deutschland die Ängste seiner Nachbarn. Um Bündnisse der übrigen
Großmächte gegen Deutschland zu verhindern, baute Bismarck mit
diplomatischem Geschick ein Bündnissystem
auf, das auf eine Isolierung Frankreichs hinauslief.
Um
die Ängste der übrigen Großmächte zu dämpfen, verzichtete Bismarck nach
der Krieg-in-Sicht-Krise
1875 auf territoriale Erweiterungen, stellte als Konzession an den
Zeitgeist jedoch 1884 die kolonialen
Erwerbungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Reiches. Die
wirtschaftliche Bedeutung dieser Kolonien blieb
jedoch gering.
Im Dreikaiserjahr
1888 starb Wilhelm I. und Wilhelm II.
folgte seinem Vater Friedrich III.,
der todkrank nur 99 Tage regiert hatte. Als 1890 Wilhelm II.
Bismarck als Reichskanzler
entließ, folgte eine Kurswende in der deutschen Außenpolitik. Im
Gegensatz zu seinem zurückhaltenden Vorgänger nahm der neue Kaiser die
Außenpolitik selbst in die Hand (persönliches
Regiment). Das führte zunehmend zu
einer Isolation Deutschlands.
Die Innenpolitik war stark vom Strukturwandel
und der sozialen Frage
geprägt. Reichskanzler Caprivi
(1890–1894) verfolgte einen Kurs sozialer Reformen. Weitere politische
Reformen scheiterten jedoch.
Die Kanzlerschaft von Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
(1894-1900) brachte zwar innenpolitisch die Verabschiedung des Bürgerlichen Gesetzbuches,
1896 aber auch eine weitere Verschärfung des Konfliktes mit der Sozialdemokratie
(Zuchthausvorlage),
außenpolitisch den Beginn der imperialistischen
deutschen Weltpolitik bei einer versuchten Wiederannäherung an Russland und
einer Verschlechterung der Beziehungen zu Großbritannien (Krüger-Depesche,
Samoa-Konflikt,
Flottenwettrüsten).
Der Selbstherrlichkeit des Kaisers konnte der alte Kanzler kaum etwas
entgegensetzen. Unter dem Nachfolger Bernhard von Bülow
(1900-1909), der die kaiserlichen Ambitionen offen unterstützte, nahm
allerdings durch die „Daily-Telegraph-Affäre“
auch das Ansehen Wilhelms II. Schaden. Die Beziehungen zu England und
Russland verschlechterten sich weiter. Der nächste Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg
(1909-1917) versuchte einen Ausgleich mit England, konnte jedoch das
Bündnissystem nicht durchbrechen. England hatte sich in Kolonialfragen
mit Frankreich ausgeglichen, die Balkanfrage brachte Russland an die
Seite der beiden Westmächte. Mit dem Deutschen Reich verbündet blieben
Österreich-Ungarn
und das Osmanische Reich.
Erster Weltkrieg
Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand
am 28. Juni 1914 in Sarajewo löste
schließlich den Ersten Weltkrieg
aus. Nicht nur der Einfluss der Politik, auch die Macht des Kaisers
schwand zusehends, faktisch regierte die Oberste Heeresleitung
unter Paul von Hindenburg
und Erich Ludendorff.
An der Ostfront siegreich, verschlechterte sich im Laufe des
Stellungskrieges an der Westfront die Versorgungslage zusehends. Als im
Oktober 1918 noch einmal die Flotte gegen die
Royal Navy
auslaufen sollte, meuterten die Matrosen.
Der Matrosenaufstand
breitete sich innerhalb weniger Tage über ganz Deutschland aus und wurde
zur Novemberrevolution.
Am 9. November verkündete Reichskanzler Max von Baden die
Abdankung des
Kaisers. Wilhelm II. beugte sich dieser Entscheidung und ging ins Exil.
Max von Baden übergab die Regierungsgewalt an Friedrich Ebert.
Am Nachmittag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann
die Republik aus.

Das Deutsche
Reich 1919–1937
Am
10. November 1918 bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten
eine provisorische Regierung. Am 11. November wurden durch einen Waffenstillstand
die Kampfhandlungen eingestellt. Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin der
sogenannte Reichsrätekongress
statt.
Zahlreiche Reformen traten in Kraft, das Frauenwahlrecht
und der Achtstundentag
wurden eingeführt. Der Spartakusaufstand
im Januar 1919 wurde von Freikorps
niedergeschlagen. Die kommunistischen Anführer Rosa Luxemburg
und Karl Liebknecht
wurden dabei ermordet. Bis Mitte 1919 wurden auch alle weiteren
Versuche, sozialistische Räterepubliken in
Deutschland zu etablieren, von Reichswehr- und
Freikorpsverbänden
gewaltsam niedergeschlagen. Zuletzt am 2. Mai 1919 die Münchner Räterepublik.
Am
19. Januar wurde die Nationalversammlung
gewählt. Sie trat nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen.
Die Nationalversammlung wählte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und
Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Nach der Weimarer Verfassung
war das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie. Sie sah
allerdings einen starken Reichspräsidenten
als Ersatzkaiser vor und konnte durch eine qualifizierte Mehrheit
vollständig geändert werden.
Am
28. Juni musste Deutschland im Versailler Vertrag
zahlreiche Gebiete abtreten sowie seine Kolonien dem Völkerbund
unterstellen. Die Vereinigung Deutschlands mit Österreich wurde
untersagt. Deutschland und seinen Verbündeten wurde die alleinige
Kriegsschuld gegeben und es wurden Reparationsforderungen
gestellt. Das Saarland war dem Völkerbund unterstellt und das Rheinland
entmilitarisierte Zone. Außerdem gab es massive Beschränkungen für die
deutsche Armee.
Das Ausbleiben von demokratischen Reformen in Militär, Justiz
und Verwaltung, der als Schanddiktat empfundene Versailler
Vertrag und die
Dolchstoßlegende
waren ein schweres Erbe für den neuen deutschen Staat, der als
Republik ohne Republikaner bezeichnet wurde.

Lise Meitner
und Otto Hahn
schufen mit ihrer Forschung
Theorie und Werkzeug für die
erste Kernspaltung
in Berlin
1920 kam es zum Kapp-Putsch und
zu mehreren politischen Morden. Bei den Reichstagswahlen gab es große
Stimmengewinne für extreme Parteien. Gemäß dem Versailler Vertrag fanden
in einigen Grenzgebieten Volksabstimmungen über die zukünftige
Gebietszugehörigkeit statt. Schleswig wurde
nach zwei Volksabstimmungen zwischen Dänemark und Deutschland geteilt.
Nordschleswig kam
wieder zu Dänemark, Südschleswig
blieb bei Deutschland. Nach einer Volksabstimmung vom 11. Juli blieben
die Bezirke Allenstein und Marienwerder bei Preußen. Am 20. September
kamen Eupen und Malmedy (bei
Aachen) zu Belgien, nachdem eine Eintragung der Bewohner in öffentliche
Listen eine entsprechende Mehrheit ergeben hatte.
1921 wurde die Reichswehr
geschaffen. Oberschlesien
wurde nach einer zum Teil von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägten
Volksabstimmung zwischen Deutschland und Polen geteilt.
1922 begannen Deutschland und die Sowjetunion
diplomatische Beziehungen im Vertrag von Rapallo.
Im
Januar 1923 besetzten französische Truppen das Ruhrgebiet, um
ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung
unterstützte den ausbrechenden
Ruhrkampf. In
den folgenden Monaten kam es zu einer galoppierenden Inflation,
die erst im November durch eine Währungsreform
beendet wurde.
Bayern wurde zum Sammelbecken rechter, konservativer Kräfte. In diesen
Klima vollzog sich der Hitlerputsch.
Adolf Hitler
wurde zwar festgenommen und verurteilt, aber bereits nach wenigen
Monaten wieder freigelassen.
1924 begannen eine Phase der relativen Stabilität. Trotz aller Konflikte
schien die Demokratie zu siegen. Die Neuordnung der Währung und die im
Gefolge des Dawes-Plans
gewährten Kredite leiteten
die Goldenen 20er Jahre ein.
Im
Februar 1925 starb Friedrich Ebert,
als Nachfolger wurde Paul von Hindenburg
gewählt.
Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann
versuchte gemeinsam mit Aristide Briand
eine Annäherung an Frankreich und eine Revision der Versailler Vertrags,
was sich im Locarnovertrag
1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926
zeigte.
Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise
1929 leitete den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein. Im Sommer
1932 erreicht die Arbeitslosenzahl die Höhe von sechs Millionen. Ab 1930
wurde Deutschland von Präsidialkabinetten
ohne Rückhalt im Parlament regiert.
Es
kam zu einer Radikalisierung der politischen Lage und zu
Straßenschlachten zwischen der NSDAP und der
KPD. 1931
schlossen sich rechte Kräfte in der Harzburger Front
zusammen, die NSDAP wurde bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932
stärkste Kraft. Am 28. Januar 1933 erklärte der Reichskanzler Kurt von Schleicher
seinen Rücktritt.
Am
30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf
Hitler zum Reichskanzler: Dies markierte das Ende der Weimarer Republik
und den Beginn der Diktatur des
Nationalsozialismus,
der eine Variante des Faschismus war.
Hindenburg löste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Nach dem
Reichstagsbrand
am 28. Februar 1933 schränkte eine Notverordnung von
Reichspräsident Hindenburg die Grundrechte ein.
Die KPD wurde verboten und viele ihre Mitglieder verhaftet. Das so
genannte Ermächtigungsgesetz
gab der Regierung dazu uneingeschränkte Gesetzgebungsbefugnisse.
Danach wurden innerhalb kurzer Zeit auch die restlichen demokratischen
Parteien verboten, wenn sie sich nicht selber auflösten. Die ersten
Konzentrationslager
zur Inhaftierung politischer NS-Gegner, vor allem von Kommunisten und
Sozialdemokraten, entstanden.
In
den folgenden Monaten wurden die bisherigen Länder gleichgeschaltet,
ebenso die Presse und die
Gewerkschaften.
Im April begann der Boykott jüdischer
Geschäfte und die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst. Im
Juni/Juli wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche
unter Leitung eines Reichsbischofs
zusammengeschlossen. Die „Deutschen Christen“
propagierten ein „judenreines“ Evangelium und
waren „dem Führer ergeben“. Als Gegenbewegung bildete sich im September
innerhalb der evangelischen Kirche der Pfarrernotbund,
aus dem im Juni 1934 die Bekennende Kirche
hervorging. In ihr sammelten sich evangelische Christen, die Übergriffe
des Staates auf die evangelische Kirche und zum Teil den
Nationalsozialismus als solchen ablehnten (unter anderem Dietrich Bonhoeffer,
Martin Niemöller,
Gustav Heinemann).
Mit dem Vatikan schloss
Deutschland ein Konkordat, das
die Stellung der katholischen Bischöfe in Deutschland sicherte und de
facto zugleich eine Zurückhaltung der katholischen Kirche mit Kritik am
Nationalsozialismus zusicherte (mit einer Reihe von Ausnahmen, z. B.
Kardinal von Galen).
1934 wurde die Justiz gleichgeschaltet. Durch politische Morde nach dem
angeblichen Röhm-Putsch – so
wird der Vorgänger im Amt als Reichskanzler Kurt von Schleicher
mit seiner Frau ermordet – erstickte Hitler auch jede mögliche
Opposition auch innerhalb der NSDAP und entmachtete die
SA zugunsten der
Wehrmacht. Er
ließ sich außerdem nach Hindenburgs Tod am 2. August zum „Führer“,
Reichskanzler und obersten Befehlshaber ernennen. Die Reichswehr wurde
nun auf ihn persönlich vereidigt. Auch die Berufsbeamten mussten einen „Führereid“
ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Ämter verloren.

Brain Drain
mit Gewalt: führende Vertreter der Wissenschaften
wie Emmy Noether
werden vertrieben
In
der folgenden Zeit wurde das gesamte gesellschaftliche Leben von
NS-Organisationen wie Hitler-Jugend,
Deutsche Arbeitsfront
und KdF durchdrungen.
Maßnahmen wie der Autobahnausbau,
die teilweise schon von Vorgängerregierungen vorbereitet oder begonnen
worden waren, beseitigten die Arbeitslosigkeit.
Die Kriegsvorbereitung, für die der Autobahnbau keine Rolle spielte,
sicherte danach den wirtschaftlichen Aufschwung; zu einer wesentlichen
Steigerung des Lebensstandards kam es aber wegen der Priorität der
Aufrüstung nicht.
1935 wurde das Saarland nach
einer Volksabstimmung
wieder ins Deutsche Reich integriert. Auf
dem Reichsparteitag
wurden die Nürnberger Rassengesetze
beschlossen, die die Ausgrenzung und Isolierung der Juden begründeten.
1936 marschierte die Reichswehr in das entmilitarisierte Rheinland ein
und brach damit den Versailler Vertrag.
Im August fanden in Berlin die Olympischen Spiele
statt, die Hitler als Propagandabühne für die Weltöffentlichkeit nutzte.
Ein Vierjahresplan
von 1936 sollte Deutschland bis spätestens 1940 kriegsbereit machen. Das
Regime unterstützte ab 1936 zusammen mit Mussolinis Italien auch
militärisch den faschistischen General Franco im Spanischen Bürgerkrieg
gegen die dortige Republik. Für Hitler bot der spanische Bürgerkrieg die
Gelegenheit, die Einsatzfähigkeit seines Militärs im Kriegsfall zu
testen.
1938 erwirkte Hitler den Anschluss Österreichs und
im Münchner Abkommen
den Anschluss des Sudetenlandes an
Deutschland. Daraufhin schloss Stalin mit Hitler
den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt.
Am 9. November inszenierten die Nazis die Reichspogromnacht
und legten in zahlreichen Synagogen Feuer.
Als Zivilpersonen getarnte SA- und SS-Angehörige
misshandelten und ermordeten viele Juden unter den Augen der Polizei,
die meist stillhielt.

Buchenwald
bei Weimar am 24. April 1945.
Im
März 1939 marschierten Hitlers Truppen auch in die so genannte
Rest-Tschechei
und das Memelland ein.
Ihr Angriff auf Polen
am 1. September 1939 löste dann den Zweiten Weltkrieg
aus. Am 3. September erklärten zunächst Großbritannien und Frankreich
Deutschland den Krieg. Nach dem Sieg der Wehrmacht und der Roten Armee
über
Polen wurde
dessen Westteil zum deutschen Generalgouvernement
erklärt, während die Sowjetunion den
Ostteil des Landes besetzte. So teilten Hitler und Stalin Polen infolge
ihres Paktes untereinander auf.
Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939 verübte
der Einzelkämpfer Georg Elser ein
Bombenattentat
auf Hitler während einer NS-Propagandaveranstaltung
im Münchner Bürgerbräukeller,
das aber scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Explosion sofort
nach seiner Rede den Saal verließ. Elser wurde wenig später gefasst,
interniert und kurz vor Ende des Krieges im April 1945 im KZ Dachau
ermordet.
Im
„Blitzkrieg“
folgten schnelle deutsche Besetzungen von Dänemark, Norwegen, den
Beneluxstaaten
und Frankreich 1940.
Hitlers Popularität in der deutschen Bevölkerungsmehrheit war auf ihrem
Höhepunkt. Die geplante Invasion Großbritanniens (Unternehmen
Seelöwe) misslang jedoch, weil die
deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England
trotz intensiver Bombardierung strategischer Ziele (Flugplätze,
Radarstationen, Luftrüstungsindustrie) nicht die völlige Lufthoheit über
Großbritannien erringen konnte und das Erringen dieser als die
wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Invasion der britischen
Inseln angesehen wurde.
1940/41 eroberte die Wehrmacht mit den Streitkräften Italiens, Ungarns und
Bulgariens
gemeinsam Jugoslawien und
Griechenland.
Beide Länder wurden unter den verbündeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer
Eroberung folgte ab 1943 jedoch ein zermürbender Partisanenkrieg.
Mit zur Unterstützung Italiens entsandte Deutschland im Januar 1941 das
Afrikakorps in
die damalige italienische Kolonie Libyen.
Am
22. Juni überfiel Deutschland die Sowjetunion. In
dem als Blitzkrieg geplanten „Unternehmen
Barbarossa“ drangen Wehrmacht und
Waffen-SS bis vor
Moskau und Leningrad vor. Im
Winter 1941/42 kam sie jedoch vor Moskau ins Stocken.
Am
11. Dezember 1941 erklärte Deutschland den USA, die
Großbritannien und seit Juli 1941 die UdSSR mit Gütern versorgten, den
Krieg.
Im
Verlauf einer neuen Offensive im Osten im Sommer 1942 drangen Wehrmacht
und Waffen-SS bis an den Don und in den
Kaukasus vor. Die
Schlacht um Stalingrad
im Winter 1942/1943 war einer der Wendepunkte des Krieges. Bis Ende 1943
hatte die Sowjetunion weite Gebiete zurückerobert. Am 13. Mai 1943
mussten die Achsenmächte
(Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.

Großdeutsches
Reich 1943
Inzwischen war der Holocaust, der
von langer Hand geplante beispiellose Völkermord an den
Juden, im Gang. Schon seit September 1941 mussten Juden den Judenstern
tragen. Nach ihrer Entrechtung, Enteignung, Ghettoisierung
und Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten in den eroberten
Ostgebieten beschlossen die führenden Nazis im Januar 1942 auf der
Wannseekonferenz
die „Endlösung der Judenfrage“. In extra dazu errichteten Vernichtungslagern
(„Aktion
Reinhard“) im besetzten Osten Europas
wie Auschwitz, Treblinka oder
Majdanek wurde
die Ermordung der Juden nun industriell betrieben. Bis zum Kriegsende
wurden etwa 6 Millionen europäische Juden ermordet, von denen die Juden
in Polen mit über 3 Millionen Opfern den größten Anteil stellten.
Sinti und Roma
waren weitere Opfergruppen des gezielten Völkermords. Massenmorde wurden
auch an anderen, in der nationalsozialistischen Ideologie als
„Untermenschen“ eingestuften Völkern, insbesondere den Polen und Russen begangen.
Schon vor dem Völkermord an den
Juden in seiner industrialisierten Form nach der Wannseekonferenz hatten
die Nationalsozialisten bei der sogenannten Aktion T4 im
Rahmen ihres „Euthanasieprogramms“,
der „Vernichtung
lebensunwerten Lebens“ die Methode der
„Vergasung“
von größeren Menschengruppen in den Jahren zwischen 1939 und 1941
getestet. Diesem „Programm“ waren etwa 100.000 geistig, psychisch und
körperlich behinderte Menschen in mehreren deutschen
Behindertenanstalten zum Opfer gefallen. Der mutige öffentliche Einsatz
des katholischen Bischofs von
Münster Clemens August Graf von Galen
gegen die Ermordung der Behinderten hatte schließlich zur Einstellung
des NS-Euthanasieprogramms geführt.
Ab
1939 (Angriff auf Krefeld) begann der Bombenkrieg der Alliierten auf
deutsche Städte, durch den etwa 760.000 Zivilisten ums Leben kamen. Ab
Ende 1944 flohen viele Deutsche aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches
vor der anrückenden Roten Armee. 1944
konnte diese weite Teile von Südosteuropa
erobern. Am 6. Juni begann die Invasion der
westlichen Alliierten in der Normandie,
nachdem sie schon zuvor nach der Landung auf Sizilien von
Süden her Italien eroberten und gegen Deutschland im Vormarsch waren. Am
20. Juli scheiterte ein Attentat und ein
Putschversuch von Wehrmachtsangehörigen und Mitgliedern der
Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises
gegen Hitler.
Auch in
anderen Kreisen der Bevölkerung regte sich der Widerstand. Waren es in
den Jahren 1933/1934 noch Aktivisten der verbotenen SPD und KPD, die mit
Flugblättern Zeichen setzten, so opponierten jetzt Jugendliche und
Studenten gegen die nationalsozialistische Führung und gegen den Krieg.
Viele Jugendliche waren der Uniformierung überdrüssig und hoben sich
durch betont englische Kleidung, lässiges Gehabe oder sowjetrussische
Widerstandslieder von den „angepassten“ und „gleichgeschalteten“ Leuten
ab. So entstanden beispielsweise „Die Schlurfs“, die „Proletenmeute“,
die „Kittelbachpiraten Gladbeck“ und die bekannte Gruppe der
„Edelweißpiraten“, die mit den üblichen rigorosen Maßnahmen bekämpft
wurden. In mehreren Städten gab es Jugendkonzentrationslager.

Gebietseinbußen Deutschlands 1919 und 1945
Ende 1944 und Anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung
Deutschland nach dem Krieg. Nach Beginn ihrer Winteroffensive am 12.
Januar 1945 eroberte die Rote Armee Ostpreußen,
Pommern und
Schlesien und
holte vielfach die fliehende Zivilbevölkerung
ein. Im April erreichten die sowjetischen Truppen die Reichshauptstadt
und es kam zur Schlacht um Berlin.
Hitler tötete sich am 30. April im Bunker der Reichskanzlei,
nachdem er testamentarisch Admiral Karl Dönitz zu
seinem Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht
bestimmt hatte. Neben Hitler töteten sich in der Folge auch andere
führende Funktionäre, so Joseph Goebbels,
Heinrich Himmler.
Am 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete Generaloberst Jodl
– von Dönitz hierzu autorisiert – die bedingungslose Gesamtkapitulation
der deutschen Wehrmacht, die, durch Unterzeichnung einer weiteren
Kapitulationsurkunde ratifiziert, am Tag darauf in Kraft trat.
Der Zweite Weltkrieg, den Deutschland in Europa entfesselt hatte,
dauerte in Südostasien, wo der Krieg schon 1937 vom mit Deutschland im
Antikomintern-Pakt
verbündeten Japan ausgelöst
worden war, noch bis zum 12. August 1945 an. Er forderte insgesamt etwa
60 Millionen Tote.
In
den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung wurden die
meisten noch verbliebenen Deutschen v. a. im Rahmen der Westexpansion Polens
aus Ost- und Ostmitteleuropa vertrieben,
insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen. Infolge der Vertreibungen
wurden ca. 2,1 Millionen Deutsche in den Tod getrieben und Tausende
ermordet.

Die
Besatzungszonen
Im
historischen Bewusstsein Europas und der
Welt wird der Sieg über das nationalsozialistische Deutschland bis heute
am 8./9. Mai als Tag der Befreiung
gefeiert. In der deutschen Bevölkerung jener Zeit wurde diese Befreiung
je nach politischem Standort allerdings differenzierter aufgefasst. Für
die
KZ-Häftlinge,
Emigranten und politisch Verfolgten war es nach zwölf Jahren Tyrannei eine
Befreiung im buchstäblichen Sinn des Wortes. Für die Alliierten, zumal
in Deutschland, war die Befreiung Deutschlands zunächst eher ein
Nebeneffekt. In der Direktive JCS 1067 vom April 1945 stellten
sie fest: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung,
sondern als besiegte Feindnation.”
Nach dem Einmarsch der Roten Armee kam es zu einer großen Zahl von
Vergewaltigungen
deutscher Frauen. Der angebliche Aufruf der sowjetischen Propaganda,
deutsche Frauen zu vergewaltigen, ist bereits seit langem widerlegt und
soll nachweislich falsch sein (Gerücht des Reichspropagandaministeriums,
November 1944). In der DDR war das Thema „Massenvergewaltigungen
durch die Rote Armee“ ein Tabu.
Die Drei Mächte USA, Großbritannien
und UdSSR trafen sich
im Juli/August 1945 zur Potsdamer Konferenz.
Dort einigten sie sich auf die Grundsätze Demokratisierung, Entnazifizierung,
Entmilitarisierung,
Dezentralisierung.
Das Land wurde in vier Besatzungszonen
aufgeteilt. Die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie
sowie die Stadt Stettin wurden
unter polnische Verwaltung, das nördliche Ostpreußen unter
die Verwaltungshoheit
der Sowjetunion gestellt; über sie sollte erst im Zuge eines Friedensvertrages
mit Deutschland endgültig entschieden werden. Elsass-Lothringen
fiel wieder an Frankreich. Österreich wurde wieder von Deutschland
abgekoppelt, d. h. der völkerrechtliche
Zustand vor dem „Anschluss“ wiederhergestellt, und für sich ebenfalls in
vier Besatzungszonen aufgeteilt.

General Dwight D. Eisenhower
und Lt. General Lucius D. Clay
auf dem Flugplatz Gatow
in Berlin
Für Deutschland wurde ein gemeinsames Verwaltungsorgan, der Alliierte Kontrollrat,
gebildet, die Viersektorenstadt
Berlin bekam eine gemeinsame Stadtverwaltung aller vier Mächte, die
Alliierte Kommandantur.
Der Wiederaufbau und die Bildung von Bundesländern und demokratischen
Parteien begannen. Im Oktober 1945 wurden die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse
eingeleitet.
Die Besatzungsmächte gingen in ihren Zonen jeweils eigene Wege, wobei
die westlichen Mächte Großbritannien, Frankreich und USA im Zuge des
aufkommenden Ost-West-Konflikts
tendenziell zunehmend gegen die UdSSR zusammenarbeiteten.
1947
fanden einige Versuche einer Einigung über die Zukunft
Gesamtdeutschlands statt, die allerdings an der starren Front
ostdeutscher Ministerpräsidenten scheiterten, die zuerst gemeinsame
Wahlen gefordert hatten – allerdings wohl im Sinne der SED. Fortan waren
die Westmächte bestrebt, einen eigenen westdeutschen Staat in ihren
Zonen aufzubauen.
In
der sowjetischen Besatzungszone
Ostdeutschlands (SBZ)
wurden sehr bald die Weichen für den Sozialismus
gestellt. SPD und KPD wurden zur SED
zwangsvereinigt und Schlüsselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der
Deutschen Wirtschaftskommission
wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur
Steuerung der Wirtschaft erhielt.
Die britische und die
US-amerikanische Zone
schlossen sich Anfang 1947 zur Bizone zusammen
(die formelle Erweiterung dieser mit der französischen zur
Trizone sollte
dann erst im April 1949 erfolgen). Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der
Wiederaufbau, der Osten musste diese Hilfen auf sowjetischen Druck
jedoch ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes
wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ geschaffen.
Am
20. Juni 1948 fand in den Westzonen auf Betreiben der westlichen
Alliierten eine Währungsreform
statt. Sie bildete die Grundlage für das spätere Wirtschaftswunder.
In der SBZ wurde im Gegenzug eine eigene Währung
eingeführt. Am 24. Juni führten die Westmächte die Westmark auch in
West-Berlin ein,
die Sowjets antworteten darauf mit der Berliner Blockade.
Der Westteil der Stadt wurde fast ein Jahr lang von den USA und
Großbritannien über die Berliner Luftbrücke
mit den notwendigsten Gütern versorgt. Die Sowjets hoben im Mai 1949 die
Blockade wieder auf. Berlin blieb aber im Mittelpunkt der Politik der
Siegermächte.
Am
20. März 1948 verließen die Sowjets aus Protest gegen die Londoner Sechsmächtekonferenz
den Alliierten Kontrollrat. Am 1. Juli 1948 übergaben die Westmächte den
Ministerpräsidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente,
eine Aufforderung zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung. Auf
der so genannten Rittersturz-Konferenz
im Juli 1948 wurde die Gründung einer
Bundesrepublik Deutschland
beschlossen.
Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee
beriet ein Sachverständigenausschuss für Verfassungsfragen die
Grundlage für die Arbeit des Parlamentarischen Rates.
Dieser trat am 1. September in Bonn zusammen und
erarbeitete dort das Grundgesetz.
Nachdem dieses von allen Ländern außer Bayern angenommen und von den
Westmächten genehmigt wurde, wurde es am 23. Mai 1949 verkündet. Damit
war die Bundesrepublik Deutschland gegründet.
Ende Mai 1949 fand in der SBZ der dritte Deutsche Volkskongress
statt. Die Mitglieder wählten den Zweiten Deutschen Volksrat als
ständiges Organ. Der Volkskongress nahm die Verfassung für
eine
Deutsche Demokratische Republik
einstimmig an. Am 7. Oktober wurde die DDR gegründet. Die Deutsche Teilung
war damit ein Faktum der Geschichte.

-
Konrad
Adenauer auf der Rückseite einer 2-DM-Münze
Am
14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten
Deutschen Bundestag
statt, die CDU/CSU
wurde stärkste Fraktion. Konrad Adenauer
wurde Mitte September zum Bundeskanzler,
Theodor Heuss zum
Bundespräsidenten
gewählt. Im November wurde das Petersberger Abkommen
geschlossen. Am 16. Januar 1950 wurde die Lebensmittelrationierung
abgeschafft.
Andere Erblasten aus der Zeit des Nationalsozialismus erwiesen sich als
bedeutend langwieriger (siehe Vergangenheitsbewältigung).
Die Regierung Adenauers forcierte die Westintegration,
die Wiederbewaffnung
und schuf, begünstigt durch den Marshall-Plan der
USA, die politischen Rahmenbedingungen für das Wirtschaftswunder
der Bundesrepublik. Sie erhob den Alleinvertretungsanspruch
für Deutschland, und brach die Beziehungen mit Ländern ab, die die DDR
anerkannten (vgl. Hallstein-Doktrin).
Trotzdem unterzeichnete sie 1955 einen Vertrag mit der Sowjetunion,
damit die letzten deutschen Kriegsgefangenen
heimkehren konnten. Ebenfalls 1955 trat der Deutschlandvertrag
in Kraft, der das Besatzungsstatut
beendete – die Alliierten
behielten sich aber ein Vorbehaltsrecht,
was Deutschland als Ganzes
sowie den Status um Berlin
betraf und erst mit dem „Zwei-plus-Vier-Vertrag“
1990 aufgehoben wurde.
Die BR Deutschland
trat der NATO bei und die
Bundeswehr wurde
gegen den Widerstand einer aufkeimenden Friedensbewegung,
der „Ohne Mich-Bewegung“, gegründet.
Die Bundesrepublik war 1952 Mitbegründerin der Montanunion, der
Vorläuferin der
EG. 1951 wurden
der rechtsextremistischen
SRP und 1956 der
KPD, die als kleine Fraktion noch bis 1953 im Bundestag vertreten
gewesen war, vom Bundesverfassungsgericht Parteiverbote
ausgesprochen.
1957 wurde das Saarland wieder
Teil der Bundesrepublik. Im März begründeten die Römischen Verträge
die EWG. Im November
1959 wandte sich die SPD mit dem Godesberger Programm
endgültig vom Marxismus ab. 1959 wurde Heinrich Lübke
Nachfolger von Theodor Heuss als Bundespräsident.
Bis zum Bau der Berliner Mauer
1961 kamen Hunderttausende Flüchtlinge aus der DDR in den Westen
Deutschlands. Im Zuge des Aufbaus und der Vollbeschäftigung während des
so genannten Wirtschaftswunders wurden zunehmend Gastarbeiter, vor
allem aus Südeuropa, angeworben.
Im
Oktober 1962 musste infolge der Spiegel-Affäre
Verteidigungsminister Franz Josef Strauß
zurücktreten. Im Januar 1963 wurde der Élysée-Vertrag
zwischen Deutschland und Frankreich
unterzeichnet, mit dem eine grundlegende Aussöhnungspolitik mit dem
ehemals als historischen „Erzfeind“
Deutschlands bezeichneten Staat wurde. Am 15. Oktober trat Adenauer als
Bundeskanzler zurück.
Nachfolger wurde der so genannte Vater des Wirtschaftswunders
Ludwig Erhard. Er
trat bereits Ende 1966 zurück. Nun bildete Kurt Georg Kiesinger
eine Große Koalition
aus CDU/CSU und SPD Willy Brandt als Bundesminister des Auswärtigen
und Vizekanzler.
Diese wurde nur als Übergangslösung verstanden, jedoch erzielten sie
Erfolge in der Wirtschafts- und Innenpolitik.
1968 wurden die Notstandsgesetze
beschlossen. Die unzureichende Verarbeitung der NS-Vergangenheit, der
Bildungsnotstand,
der Protest gegen den Vietnamkrieg, die
Hippiebewegung
und die als veraltet empfundene Gesellschaftsordnung hatten den Widerstand der studentischen Jugend
mit sich gebracht. Durch deren Einfluss veränderten sich darauf
Alltagskultur und politisches Leben im Westen Deutschlands
erheblich.

Bundeskanzler Willy Brandt und der
amerikanische Präsident Richard Nixon
Im
März 1969 wurde Gustav Heinemann
Bundespräsident. Im September kam es nach der Bundestagswahl zu einem
Machtwechsel. SPD und FDP bildeten die Sozialliberale Koalition
unter Bundeskanzler Willy Brandt.
Diese Regierung betrieb eine neue Ostpolitik der
Annäherung an die Ostblockstaaten, die beim Kniefall von Warschau
am 7. Dezember 1970, einen international beachteten symbolischen
Ausdruck fand. Das Erfurter Gipfeltreffen
im März 1970 markiert den Beginn der Annäherung an die DDR. Brandts
Ostpolitik wurde vor allem innenpolitisch anfangs heftig kritisiert,
sodass die CDU 1972 sogar ein konstruktives Misstrauensvotum
versuchte, nachdem Abgeordnete aus SPD und FDP zur CDU/CSU
überwechselten und die Koalition die Mehrheit im Bundestag verlor.
1970 schloss die Bundesrepublik mit Polen den Warschauer Vertrag:
Auf die Gebiete östlich der DDR erhob sie nun offiziell keine Ansprüche
mehr und sprach sie faktisch Polen zu, auch wenn dies formalrechtlich
erst durch die Zustimmung der Alliierten 1990 geschah. Die DDR hatte
bereits mit dem Görlitzer Abkommen
1950 die Oder-Neiße-Linie als so genannte „Friedensgrenze“ anerkannt.
Die Innenpolitik
prägten die Liberalisierung des Rechtssystems, der Ausbau des sozialen
Netzes und Reformen des Bildungswesens.
Im Herbst 1973 wurde auch die Bundesrepublik Deutschland von der Ölkrise
getroffen, das Wirtschaftswunder war endgültig vorbei. Am 6. Mai 1974
trat Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre
zurück.
Helmut Schmidt
wurde Bundeskanzler, Walter Scheel
Bundespräsident. Die Ostpolitik wurde fortgesetzt, schließlich kam es
1975 durch die KSZE zu einem
Fortschreiten der Entspannungspolitik.
Innenpolitisch musste sich der Staat mit dem Problem des Linksterrorismus
der RAF
auseinandersetzen. Dieser erreichte im
Deutschen Herbst
1977 mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer
seinen Höhepunkt. Aber auch die wachsende Umwelt- und Friedensbewegung
waren Schwerpunkte dieser Zeit (vgl. auch Neue soziale Bewegungen).
1979 wurde Karl Carstens
Bundespräsident.
Aufgrund wachsender Spannungen kam es im September 1982 zum Bruch der
SPD/FDP-Koalition. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl durch
ein konstruktives Misstrauensvotum
Bundeskanzler. Die neue CDU/CSU-FDP-Regierung wurde durch die
Bundestagswahlen 1983 bestätigt. Die Grünen zogen bei
dieser Wahl als Vertreter der „Neuen sozialen Bewegungen“ erstmals in
den Deutschen Bundestag
ein und erlangten parlamentarisches Gewicht, nachdem deren Anhänger als
außerparlamentarische Opposition
viele Jahre lang in unterschiedlichen Zusammenhängen aktiv gewesen waren
(vgl. Frauenbewegung,
Neue Linke,
Atomkraftgegner,
K-Gruppen, Friedensbewegung
u. a.).
1984 wurde Richard von Weizsäcker
Bundespräsident. Anfang 1984 startete das Privatfernsehen
in Deutschland, ebenfalls 1984 kam es zur Flick-Affäre und
der Frage, ob die Republik käuflich sei. 1986 erschütterte die
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
Europa. Im selben Jahr wurde die Einheitliche Europäische Akte
unterzeichnet, die eine erste größere Reform der EG mit sich brachte und
ein wichtiger Schritt zur Europäischen Union
war. Im September 1987 besuchte mit Erich Honecker
erstmals ein DDR-Staats- und Parteichef die
Bundesrepublik.
Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Zustimmung der Siegermächte und
beider deutscher Parlamente kam es am 3. Oktober 1990 zur
Wiedervereinigung Deutschlands.
Emblem der SED
In
der neu geschaffenen Volkskammer wurde
Wilhelm Pieck zum
Staatspräsidenten und Otto Grotewohl
zum Ministerpräsidenten gewählt. Bis 1971 übte der Generalsekretär der
SED, Walter Ulbricht
die entscheidende Macht in der Deutschen Demokratischen Republik
aus. Die Hauptstadt war Ost-Berlin.
Im
Februar 1950 wurde das Ministerium für Staatssicherheit
(MfS, „Stasi“) gegründet. Im Juli wurde die Oder-Neiße-Linie
als polnische Westgrenze vertraglich vereinbart. Am 15. Oktober fanden
die ersten Volkskammerwahlen statt. Es wurde über eine Einheitsliste
gewählt, die nach offiziellen Angaben 99,3 Prozent der Stimmen erhält.
Die Wahlpraxis der Einheitsliste bestand bis 1989.
Am
1. Januar 1951 begann der erste Fünfjahresplan.
Im Frühjahr 1952 wurde in Deutschland über die Stalin-Note
debattiert, sie wurde schließlich vom Westen abgelehnt. Ende April
wurden die ersten Volkseigenen Betriebe (VEB)
gebildet und Anfang Juni die erste Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften (LPG).
Im
Mai 1953 beschloss die SED eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Es regte
sich Widerstand. Das Politbüro der SED
übte Selbstkritik und verkündete einen Neuen Kurs. Am 17. Juni
kam es zum Volksaufstand,
der mit Hilfe sowjetischer Truppen niedergeschlagen wurde.
In
den Jahren von 1949 bis 1961 hatten etwa drei Millionen Menschen die DDR
verlassen. Um ein
weiteres Ausbluten zu verhindern, riegelte die DDR am 13. August 1961
die Grenze zu Berlin (West) durch die Errichtung der Berliner Mauer
ab.
Anfang der 1970er kam es zu einer Annäherung zwischen DDR und
Bundesrepublik, maßgeblich durch Bundeskanzler Willy Brandt
initiiert. Die mit dem Erfurter Gipfeltreffen 1970 einsetzenden
Gespräche zwischen beiden Staaten führten zum Grundlagenvertrag
im Jahr 1972. Im Mai 1971 wurde Walter Ulbricht entmachtet, sein
Nachfolger als Erster Sekretär der SED wurde Erich Honecker.
Die DDR und die Bundesrepublik wurden 1973 Mitglied der UNO. Im Mai 1974
wurden die Ständigen Vertretungen
der beiden deutschen Staaten in Bonn und Ost-Berlin errichtet. Im
Ergebnis der KSZE wurde am 1.
August 1975 auch von beiden Staaten die Schlussakte von Helsinki
unterzeichnet.
1983 erhielt, durch Vermittlung von Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß,
die DDR einen Milliardenkredit aus der Bundesrepublik, der ihre
Stabilität sichern sollte. Im September 1987 kam es zum ersten
Staatsbesuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik.
Im
Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bürger der DDR über Ungarn, das am 2.
Mai seine Grenze zu Österreich
öffnete. Ab dem 11. September konnten DDR-Bürger auch über
bundesdeutsche Botschaften in osteuropäischen Staaten ausreisen.
Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die enttäuschten
Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten im Rahmen der
Friedensgebete der Evangelischen Kirche zu Protestdemonstrationen, die
sich, vor allem in Leipzig, sehr
schnell zu friedlichen Großdemonstrationen ausweiteten.
Am
18. Oktober trat Honecker zurück. Wenige Tage später folgte ihm die
gesamte DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer
geöffnet. Die friedlichen Proteste in Form der Montagsdemonstrationen
durch die DDR-Bevölkerung führten schließlich zum Sturz des SED-Regimes.
Am
3. Oktober 1990 wurde, gemäß Einigungsvertrag,
der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich
des Grundgesetzes der
Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 vollzogen.
Nach der Wiedervereinigung fanden im Dezember 1990 erstmals gesamtdeutsche Bundestagswahlen
statt. Helmut Kohl blieb
Bundeskanzler und
wurde erneut 1994 wiedergewählt. Das Zusammenwachsen der beiden
Landesteile, das Umsetzen fälliger Reformen in zahlreichen Bereichen und
das Zusammenwachsen der europäischen Staaten
sind Hauptthemen im heutigen Deutschland.
Die Truppen der Vier Mächte verließen weitgehend das Land, die
noch verbliebenen Militäreinheiten der Westalliierten
haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut.
Seit dem Inkrafttreten des Zwei-Plus-Vier-Vertrages
am 15. März 1991 ist Deutschland auch völkerrechtlich
ein in seinen „alten Rechten und Pflichten“ bestehender
souveräner Staat. Trotzdem sind heutzutage noch nicht alle Reste der
Kriegsfolgen beseitigt, wenngleich mittlerweile obsolet: Artikel
53 und 107 der UNO-Charta (die sogenannte „UN-Feindstaatenklausel“)[3]
erlauben ohne Beschlüsse des Sicherheitsrates Zwangsmaßnahmen gegen
solche Staaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen einen der
Unterzeichnerstaaten der Charta Krieg führten und erneut den Frieden
bedrohen.
Im
Rahmen der Wiedervereinigung verpflichtete sich Deutschland zur
Abrüstung auf zukünftig maximal 370.000 Soldaten. Territorial erkannte
die Bundesrepublik im November 1990 endgültig die Oder-Neiße-Linie
als völkerrechtlich verbindliche Grenze zu Polen an (siehe
Oder-Neiße-Linie).
Später (Januar 1997) folgten Deklarationen zur Aussöhnung mit der Tschechischen Republik.

Der Reichstag als Symbol
der „Berliner Republik“
Mit knapper Mehrheit (338 zu 320 Stimmen) beschloss der Bundestag am
20. Juni 1991, Bonn als
Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu
verlegen. Neben der Hauptstadt Berlin ist die Bundesstadt Bonn
mit der Mehrzahl der Ministeriumsbeschäftigten und zahlreichen
Bundesinstitutionen sowie Dienstsitzen von vier Verfassungsorganen
zweites politisches Machtzentrum Deutschlands. Es existieren jedoch auch
in anderen Städten Bundesbehörden. Der neue Sitz des Deutschen
Bundestags ist das von Grund auf renovierte Reichstagsgebäude
in Berlin, in dem erstmalig am 19. April 1999 eine Sitzung stattfand.
Bereits früher (bis in die 1970er Jahren) tagte dort das Plenum und
einige Ausschüsse, auch der Bundespräsident wurde dort gewählt. Seit
September 1999 ist die Bundesregierung endgültig in Berlin angesiedelt.
In
den neuen Bundesländern
wurde die Infrastruktur enorm verbessert und einige Regionen haben sich
gut entwickelt. Trotzdem waren die 1990er Jahre nach einem kurzen Boom
der Wiedervereinigung von wirtschaftlicher Stagnation,
Massenarbeitslosigkeit und Reformstau
geprägt. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der
rot-grünen Mehrheit im Bundesrat (sogenannte „Blockade“). Vor allem im
Osten entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft und angekündet
und die Arbeitslosigkeit ist deutlich höher als im Westen. Dies hat auch
zur Folge, dass gerade viele junge Menschen in den Westen ziehen. Es
gibt verstärkt rechtsextreme
Tendenzen. Die in „Partei
des Demokratischen Sozialismus“
umbenannte SED und heutige
Die Linke, ist
faktisch gleichstark mit SPD und CDU.
Mit der Unterzeichnung des Vertrages über die Europäische Union
1992 wurde die EG in die EU überführt, die
deutlich größere Kompetenzen hat. Der Vertrag sah auch die Einführung
einer gemeinsamen Währung (Euro)
vor und führte zu einer Änderung des Grundgesetzes, wobei auch das Ziel
eines Vereinten Europas festgeschrieben wurde. Bundeskanzler Kohl setzte
sich auch für die EU-Osterweiterung
ein.
Als die Bundesrepublik Jugoslawien 1991
zu zerfallen begann, war Deutschland eines der Länder, welches die
Anerkennung der Unabhängigkeit von Kroatien und
Slowenien durch
die westlichen Staaten massiv unterstützte. Eine direkte Teilnahme am
Zweiten Golfkrieg
zur Befreiung Kuwaits lehnte
die Bundesregierung mit Blick auf die historische Last ab. Stattdessen
leistete Deutschland finanzielle Unterstützung und ersetzte
Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der
Kämpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der Räumung von Seeminen im
Persischen Golf.
1994 wurde Roman Herzog
Nachfolger von Richard von Weizsäcker
als Bundespräsident.
Er wurde 1999 von Johannes Rau und
dieser 2004 von Horst Köhler
abgelöst.
In
den letzten Jahren wurde immer wieder der Ruf nach einem ständigen
deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat
laut, was im Ausland zunächst kritisch betrachtet, und im Zuge der
Verschlechterung des diplomatischen Verhältnisses zu den USA zunehmend
unrealistisch wurde. Nach der Wiedervereinigung beteiligte sich die
Bundeswehr auch
erstmals an „Out-of-area“-Einsätzen.
Bei der Bundestagswahl 1998
wurde die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Kohl vom niedersächsischen
Ministerpräsidenten Gerhard Schröder
abgelöst. Ursache war auch der Reformstau. Dies war die erste
echte Abwahl einer deutschen Bundesregierung, vorangegangene
Machtwechsel waren immer ein Wechsel des Koalitionspartners.
Die neue Bundesregierung aus
SPD und Bündnis 90/Die Grünen
ging Reformvorhaben an, diese wurden jedoch zumeist so weit entschärft,
dass ihre Wirkung sehr umstritten ist. Nachdem 2000 mit der
Versteigerung der
UMTS-Lizenzen
viel Geld in die Staatskasse gespült wurde, stieg die Verschuldung in
den folgenden Jahren aufgrund einer Wirtschaftskrise wieder.
Die Regierung setzte auch erste Ansätze für richtungsweisende
Veränderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010)
durch. Mittels der Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang
es, die Lohnnebenkosten (Rentenversicherungsbeiträge)
zu reduzieren. Allgemein wurde das Thema Ökologie stärker gewichtet,
beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs
oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen.
Im Rahmen der schon in den 1990er Jahren zugenommenen Öffnung des
Weltmarkts, der sogenannten Globalisierung,
verlagerten vor allem größere Unternehmen Produktionskapazitäten in
sogenannte Billiglohnländer, so dass das Phänomen Massenarbeitslosigkeit
bestehen blieb. Andere Reformen der rot-grünen Regierung waren etwa das
Lebenspartnerschaftsgesetz,
das neue Staatsbürgerschaftsrecht oder und das Gewaltschutzgesetz.
Während Schröder für einige Bundesratsabstimmungen CDU-regierte Länder
durch Zugeständnisse dazu bewegen konnte, im Sinne der Bundesregierung
abzustimmen, scheiterten andere Reformvorhaben von Rot-Grün, wie das
Verbraucherinformationsgesetz, an der CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat.
Am
1. Januar 2002 wurde der
Euro zum
offiziellen Zahlungsmittel in Deutschland. Durch die Bundestagswahl 2002
wurde die Koalition bestätigt, wenn auch nur denkbar knapp. Im August
2002 verursachte die Jahrhundertflut
an Elbe und Donau erhebliche Schäden. Im Herbst 2004 wurde der Vertrag über eine Verfassung für Europa
unterzeichnet und es gab gegen das parteiübergreifend verabschiedete
Hartz-Konzept,
das zum 1. Januar 2005 umgesetzt wurde, große Proteste. Durch die damit
verbundene Neuordnung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und die
Einbeziehung der Sozialhilfeempfänger in die Arbeitslosenstatistik stieg
Anfang des Jahres die Zahl der offiziell Arbeitslosen auf
über fünf Millionen.
Seit den Terroranschlägen in den USA
am 11. September 2001 sieht sich die Bundesrepublik Deutschland neuen
innen- und außenpolitischen Herausforderungen gegenüber. Nach dem Krieg der USA gegen Afghanistan
2002 sind Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan stationiert.
Außenpolitisches Aufsehen erregte Deutschland im Jahre 2003 während des
Irakkrieges, an dem sich Deutschland nicht mit Kriegseinsätzen
beteiligte. Dies führte zu Konflikten vor allem mit den
USA, aber zu
großen Sympathiebekundungen der deutschen Bevölkerung gegenüber
Schröder, der als Friedenskanzler charakterisiert wurde.
Unmittelbar nach der für die Sozialdemokraten
verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005
– der auch zu einem Regierungswechsel im Düsseldorfer Landtag und einer
Machtverschiebung im Bundesrat zugunsten der konservativ-liberalen
Opposition führte – kündigte der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering
und Bundeskanzler Gerhard Schröder
überraschend Neuwahlen für den Herbst 2005 an. Schröder stellte somit am
1. Juli. 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage
mit dem Ziel, diese absichtlich zu verlieren. Bundespräsident Horst
Köhler löste dann am 21. Juli. 2005 den Bundestag auf und so kamen
Neuwahlen, die durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur
Vertrauensfrage 2005 nicht als
verfassungswidrig befunden wurden. Bei der folgenden Bundestagswahl
erreichte die Regierungskoalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen
keine eigene parlamentarische Mehrheit mehr, es kam nach wochenlangen
Koalitionsverhandlungen zur Bildung der zweiten Großen Koalition
in der bundesdeutschen Geschichte aus CDU/CSU und SPD
unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die Regierungskoalition sah sich angesichts schleppenden Wirtschaftswachstums
und hoher Arbeitslosigkeit
einem enormen politischen Erwartungsdruck ausgesetzt. Das Kalkül der
Koalitionäre lag in der Hoffnung, eine breite parlamentarische
Regierungsmehrheit im Deutschen Bundestag
und Bundesrat könne
bedeutende Reformvorhaben wie die Gesundheitsreform und die Föderalismusreform,
die am 17. Dezember 2004 an Meinungsverschiedenheiten über
bildungspolitische Kompetenzen gescheitert war, leichter realisieren.
Vom 9. Juni bis 9. Juli war die Bundesrepublik Gastgeberland der Fußballweltmeisterschaft 2006.
Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft formulierten im Vorfeld des
Turniers große Erwartungen an den Wettbewerb und betonten die auch
kritisierte Forderung auf einen Mentalitätswechsel im Selbstverständnis
der Deutschen und eine Profilierung als freundlicher Gastgeber.
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