Bevölkerungsentwicklung von 1946–1985 (unterschiedliche Jahresabstände)
Einwohner
Nach Ende des
Zweiten Weltkrieges lebten in der
Sowjetischen Besatzungszone knapp 19 Millionen Menschen.
Die Bevölkerungszahl nahm in der DDR kontinuierlich ab. Das hatte
vornehmlich zwei Gründe:
-
Bis zum Bau
der
Berliner Mauer 1961 zogen oder flohen viele Menschen aus der DDR
in den Westen, vor allem in die Bundesrepublik (Familientrennung,
politisch motivierte
Flucht und Abwanderung zu besseren Arbeits- und
Lebensbedingungen). Auch nach 1961 gelangen einzelne Fluchtaktionen.
Die DDR wies Einzelpersonen, unter anderem im Rahmen des
Freikaufs politischer Häftlinge unter Entzug der
Staatsbürgerschaft der DDR aus. Auch der
Antrag zur ständigen Ausreise aus der DDR ermöglichte im Rahmen
eines langwierigen und mit Schikanen verbundenen Antrags die
Emigration aus der DDR.
-
Mit Einführung
der schwangerschaftsverhütenden Pille und der Legalisierung von
Schwangerschaftsabbrüchen nahm die Anzahl der Geburten ab
(„Geburtenknick“, „Pillenknick“).
Wie in anderen entwickelten Ländern auch ging der Trend generell von
der Großfamilie hin zu Familien mit ein bis zwei Kindern.
Einwohner und Berufstätige der DDR in Millionen Menschen (S. 8 und 17):
|
Jahr |
Einwohner (Mio.) |
Berufstätige
(ohne Lehrlinge, Mio.) |
|
1950 |
18,388 |
7,196 |
|
1960 |
17,188 |
7,686 |
|
1970 |
17,068 |
7,769 |
|
1980 |
16,740 |
8,225 |
|
1988 |
16,675 |
8,594 |
Sprache
Das Gebiet der DDR gehörte zum
deutschen Sprachraum. In einigen Kreisen der
Bezirke Dresden und
Cottbus waren auch die
westslawischen Sprachen
Obersorbisch und
Niedersorbisch als die Sprachen der
sorbischen Minderheiten staatlich anerkannt.
In den Schulen der DDR war bis zur
Wende
Russisch die zuerst gelehrte Fremdsprache. Zweite Fremdsprache war
meist
Englisch, sie wurde fakultativ gelehrt. Alternative, auch
fakultative, Fremdsprachen waren
Französisch, ganz selten
Spanisch (mit stärkerer landeskundlicher Orientierung auf Kuba), an
insgesamt vier Schulen
Tschechisch und bis in die 1960er-Jahre häufig, später an noch
einigen
EOS
Latein (etwa 2.000 Schüler pro Jahr) sowie an neun EOS
Altgriechisch,
an einzelnen Schulen auch andere Sprachen. Die Kenntnis einer zweiten
Fremdsprache war Voraussetzung für die Erlangung der Hochschulreife.
Deutsche Sprache in der DDR von Nord nach Süd
-
Von Rügen bis
in Höhe der Hauptstadt Berlin waren Dialekte der
ostniederdeutschen Sprache beheimatet (entsprach etwa 23 Prozent
der DDR-Einwohner).
-
Südlich einer
gedachten Linie, die vom nördlichen Harz über Magdeburg, Berlin,
Cottbus bis zur Oder verlief, schlossen sich Dialekte der
ostmitteldeutschen Sprache an. Sie wurden von der Mehrzahl der
Einwohner in den Bezirken Leipzig, Dresden, Halle, Karl-Marx-Stadt,
Erfurt, Gera, Cottbus und in der Hauptstadt Berlin gesprochen
(entsprach mehr als 70 Prozent der DDR-Einwohner).
-
Entlang der
DDR-Staatsgrenze in
Südthüringen und losgelöst davon weiter östlich im
Vogtland und im
Erzgebirge sprachen die Einheimischen vorwiegend
ostfränkische Mundarten (entsprach etwa 5 Prozent der
DDR-Einwohner).
Dialekte
-
Mecklenburgisch-Pommersch – in den Bezirken Rostock, Schwerin
und Neubrandenburg
-
Mark-Brandenburgisch – in den Bezirken Frankfurt (Oder), Potsdam
und Magdeburg
-
Berlin-Brandenburgisch – im Bezirk Potsdam und in der
Hauptstadt Berlin
-
Lausitzisch – in den Bezirken Dresden und Cottbus
-
Thüringisch-Obersächsisch – in den Bezirken Leipzig, Dresden,
Halle, Erfurt, Gera, Karl-Marx-Stadt und Suhl
-
Ostfränkisch – in den Bezirken Suhl und Karl-Marx-Stadt
-
Bairisch – In der Region
Adorf/Bad
Brambach
Religion
In der DDR gab es verschiedene
Religionsgemeinschaften. Die größten waren die
christlichen Kirchen, darunter die seit 1969 im
Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammengeschlossenen acht
evangelischen
Landeskirchen, die
römisch-katholische Kirche sowie verschiedene
Freikirchen, zum Beispiel der
Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR. 1950 gehörten
etwa 85 Prozent der DDR-Bürger einer evangelischen und etwa 10 Prozent
der katholischen Kirche an. Bis 1989 ging der Anteil der
Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung deutlich zurück: noch 25
Prozent der Bevölkerung waren Protestanten und 5 Prozent Katholiken. Der
Anteil der Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung stieg von etwa 6
Prozent auf etwa 70 Prozent 1989.
Daneben gab es
jüdische Gemeinden sowie vereinzelt ab den 1980er-Jahren
buddhistische,
hinduistische und
muslimische Gruppen. Die religiösen Organisationen waren die
einzigen legalen vom Staat unabhängigen Organisationen.
Religionsfreiheit war in der DDR in der
Verfassung festgeschrieben und wurde formal auch gewährt. Dennoch
versuchte die DDR mit unterschiedlichen Methoden, den Einfluss der
Kirchen zurückzudrängen und vor allem junge Menschen kirchlichem
Einfluss zu entziehen. Ihre schärfste Form hatte die antikirchliche
Politik der DDR Anfang der 1950er-Jahre. Sie gipfelte 1953 in der
Kriminalisierung der „Jungen
Gemeinden“. Dies führte zu zahlreichen Relegierungen von Schulen und
Universitäten, auch zu Verhaftungen, die im Juni 1953 jedoch wieder
zurückgenommen wurden. Auch danach blieb für bekennende Christen die
Möglichkeit zu studieren bzw. eine staatliche Laufbahn einzuschlagen
erschwert.
Zwar nahm die Zahl religiös gebundener Menschen erheblich ab, dennoch
konnte die Politik der DDR nicht verhindern, dass die christlichen
Kirchen ein eigenständiger gesellschaftlicher Faktor blieben. Die
Geschichte der Jahre 1989/90 zeigte dann, dass sich gerade in den
evangelischen Kirchen als halböffentliche Versammlungsräume ein großer
Teil der Menschen fand, teilweise ohne selber religiös zu sein, die zu
den Trägern der
friedlichen Revolution in der DDR wurden.
Staatssymbole

Staatswappen der DDR
(12. Januar 1950
–28. Mai 1953)

Staatswappen der DDR
(28. Mai 1953
–26. September 1955)
Drei waagerechte Streifen in den traditionellen deutsch-demokratischen
Farben
Schwarz-Rot-Gold mit dem
Staatswappen der DDR in der Mitte, bestehend aus
Hammer und
Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol des Bündnisses von
Arbeitern,
Bauern und
Intelligenz.
Erste Entwürfe des Wappens von
Fritz Behrendt enthielten nur Hammer und Ährenkranz, als Ausdruck
des
Arbeiter-und-Bauern-Staates. Die endgültige Version beruhte
hauptsächlich auf der Arbeit von
Heinz Behling.
Mit Gesetz vom 26. September 1955 wurde das Staatswappen mit Hammer,
Zirkel und Ährenkranz bestimmt, als Staatsflagge aber weiter „nur“
Schwarz-Rot-Gold. Mit Gesetz vom 1. Oktober 1959 wurde das Wappen in
die Staatsflagge eingefügt. Das öffentliche Vorzeigen dieser Flagge
wurde bis Ende der 1960er in der
Bundesrepublik Deutschland und
West-Berlin als ein Verstoß gegen
Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche
Maßnahmen verhindert (vergleiche Erklärung der
Innenminister von Bund und Ländern, Oktober 1959). Erst 1969
verfügte die
Bundesregierung, „dass die Polizei nirgendwo mehr gegen die
Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte.“
Auf Antrag der
DSU beschloss die erste frei gewählte
Volkskammer der DDR am 31. Mai 1990, dass das DDR-Staatswappen
innerhalb einer Woche in und an öffentlichen Gebäuden entfernt werden
sollte. Dennoch fand es bis zum offiziellen Ende der
Republik beispielsweise auf Dokumenten weiter vielfältige
Verwendung.
Der Text
Auferstanden aus Ruinen der
Nationalhymne der DDR stammt von
Johannes R. Becher, die Melodie von
Hanns Eisler. Seit Anfang der 1970er-Jahre wurde der Text der Hymne
aufgrund der Passage „Deutschland einig Vaterland“ aber nicht mehr
gesungen.
Geschichte
Siehe:
Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik
DDR als sozialistischer deutscher Staat von 1949 bis 1989

Wilhelm Pieck auf einer DDR-Briefmarke

Johannes Dieckmann (Briefmarke, DDR 1973)
Die Deutsche Demokratische Republik wurde am 7. Oktober 1949, fünf
Monate nach Gründung der
Bundesrepublik Deutschland, durch die von der Sowjetunion
eingesetzte Regierung als „sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat“
proklamiert. In politischer Hinsicht wurde von Beginn an eine
Parteidiktatur der
Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) errichtet. Weiter
war die DDR Teil des unter der
Hegemonie der
Sowjetunion stehenden
Ostblocks.
Otto Grotewohl wird der erste Ministerpräsident und
Wilhelm Pieck der erste und einzige
Präsident der DDR. Diese beiden Politiker setzten die
Zwangsvereinigung von
KPD und
SPD zur SED ins Werk, Drahtzieher war jedoch die sogenannte
Gruppe Ulbricht. Trotz der Vereinigung gab es nun im noch
einheitlich verwalteten Berlin weiterhin zwei Arbeiterparteien. Um ihre
Zulassung wurde weit oberhalb des
Kontrollrats gestritten, was mit einem Kompromiss endete: SED wie
SPD wurden mit alliiertem Beschluss vom 31. Mai 1946 in allen vier
Sektoren zugelassen. Nach dem Mauerbau beschloss die Berliner SPD auf
Empfehlung des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden
Herbert Wehner, ihre Kreisverbände im Ostsektor der Stadt
aufzulösen.
Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 als Erster Sekretär (bis 1953
Generalsekretär) des
Zentralkomitees (ZK) der SED der faktische Machthaber, 1971 bis 1989
gefolgt von
Erich Honecker (ab 1976 mit dem Titel
Generalsekretär) und zuletzt von
Egon Krenz (18. Oktober 1989 bis zum Rücktritt des gesamten
Politbüros der SED am 3. Dezember 1989).
Johannes Dieckmann (LDPD) wurde der erste Präsident der Volkskammer
bis 1969. Ihm folgten bis 1976 Gerald Götting (CDU), bis 1989 Horst
Sindermann (SED) und 1990 Günter Maleuda (DBD).
Politik und Wirtschaft 1952 bis 1961
Zunächst betrieb die Sowjetunion die Angleichung der DDR an das
zentralkommunistische System weniger stark, um die Chance auf eine
politisch neutrale und vielleicht auch sowjetisch dominierte deutsche
Einheit nicht zu verspielen. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit
der Ablehnung der
Stalinnote 1952 durch die Bundesregierung unter Konrad Adenauer und
durch die Westalliierten. Die Kollektivierung der
Landwirtschaft und die Verstaatlichung der Betriebe wurden massiv
vorangetrieben. Ebenso wurden staatliche Beteiligungen an
Privatbetrieben gefördert.
Auf der II. Parteikonferenz der SED vom 9.–12. Juli 1952 verkündete
Walter Ulbricht den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“. Kurz darauf
wurden mit der
Verwaltungsreform von 1952 die Länder der DDR aufgelöst und durch
Bezirke ersetzt. Am
17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin zu Demonstrationen gegen erhöhte
Arbeitsnormen, die sich in weiten Teilen des Landes zu teilweise sehr
umfangreichen Aufständen auch gegen die Politik der SED ausweiteten.
Diese wurden von den in der DDR stationierten sowjetischen Truppen
militärisch niedergeschlagen, wobei es zu Todesopfern kam.
Die Wirtschaft der DDR entwickelte sich aufgrund unterschiedlicher
Voraussetzungen (die DDR leistete umfangreiche Reparationszahlungen an
die Sowjetunion und verzichtete auf Grund des Drucks aus Moskau auf
finanzielle Leistungen aus dem
Marshallplan zum Wiederaufbau Europas), aber auch aufgrund der
Kollektivierung sowie der zunehmenden
Enteignung der Betriebe und der prinzipiellen Mängel der
Planwirtschaft langsamer als die der Bundesrepublik Deutschland.
Unter anderem aufgrund des Wirtschaftsgefälles, aus Furcht vor
Repressionen und Willkürmaßnahmen seitens der sowjetischen
Besatzungsmacht und später der DDR-Organe oder auch, weil wesentliche
Freiheiten nicht gewährt wurden, flohen schon ab 1945 viele Bürger in
den Westen. Seit der Errichtung der DDR verließen immer mehr Bürger die
DDR. Zwischen 1949 und 1961 flohen etwa 2,6 Millionen Menschen aus der
DDR einschließlich Ost-Berlin, davon allein 47.433 noch in den beiden
ersten Augustwochen 1961.
Vom Bau der Mauer 1961 bis zu ihrem Fall 1989

Innerdeutsche Grenze zwischen Thüringen (rechts) und Hessen (links), die
hier vom Grenzmuseum
Schifflersgrund (bei Bad Sooden-Allendorf) erhalten wird. Zu sehen
ist der Grenzzaun (einreihiger Metallgitterzaun) mit davorliegendem
Kontrollstreifen (Spurensicherungsstreifen) und Kolonnenweg mit
Fahrspurplatten, die eigentliche Grenze befand sich oberhalb des
mittlerweile bewaldeten Hangs.
Diese Abwanderung wurde für die DDR wirtschaftlich bedrohlich, da
überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat
verließen, obwohl „Republikflucht“
strafbar war. Geflüchtet wurde in erster Linie über
Berlin, wo die
Sektorengrenze zwischen West- und Ost-Berlin kaum zu kontrollieren
war, im Gegensatz zur schon seit 1952 scharf bewachten
innerdeutschen Grenze der DDR zur Bundesrepublik. In der Nacht vom
12. auf den 13. August begannen Volksarmisten, Volkspolizisten und
Angehörige der
Kampfgruppen der DDR, die Grenze rings um West-Berlin mit
Stacheldraht und Maschinenpistole „gen Osten“ abzusichern. Alle
Verkehrswege, wie der U- und S-Bahn-Betrieb, wurden unterbrochen. Seit
dem 13. August 1961 wurde die Grenze durch Sperranlagen,
lebensbedrohende Minensperren,
Selbstschussanlagen und gezielt schießende Grenzsoldaten noch
umfassender „gesichert“ und die Berliner Mauer gebaut, die zum Symbol
der
Teilung Deutschlands und
Europas wurde. Bei dem Versuch, dieses von der DDR als
„antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnete Sperrsystem zu überwinden,
wurden mehrere hundert Menschen an der innerdeutschen Grenze getötet.
Die durch die DDR verübten Menschenrechtsverletzungen, darunter die an
der innerdeutschen Grenze, wurden in der Bundesrepublik Deutschland von
der eigens eingerichteten
Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in
Salzgitter dokumentiert.
Nach dem Tod Wilhelm Piecks am 7. September 1961 wurde das Amt des
Präsidenten nicht mehr besetzt. Stattdessen wurde per Gesetz der
Staatsrat der DDR als „kollektives Staatsoberhaupt“ eingesetzt.
Erster Vorsitzender des Staatsrates wurde Walter Ulbricht.
Im Zuge der
Ostpolitik der bundesdeutschen Regierungen seit 1966, die
hauptsächlich von
Willy Brandt (Außenminister 1966–1969 und
Bundeskanzler 1969–1974) formuliert wurde, kam es beginnend mit dem
Erfurter Gipfeltreffen 1970 zu einer Annäherung zwischen der DDR und
der Bundesrepublik Deutschland. Diese gab ihren
Alleinvertretungsanspruch auf; die DDR erkannte an, dass die
Deutschen ein Volk sind, das lediglich in zwei Staaten lebte. Daraufhin
wurden 1973 beide deutsche Staaten Mitglieder der
UNO.
Am 6. April 1968 gab es den ersten und einzigen
Volksentscheid zur neuen „Sozialistischen“
Verfassung der DDR. Im Gegensatz zu den sonst üblichen Wahlausgängen
erreichte hier sogar der Nein-Stimmen-Anteil 5 %. Die markantesten Sätze
in der neuen Verfassung waren, neben der Fixierung der Führungsrolle der
SED, die Definition der DDR als „sozialistischer Staat deutscher Nation“
und die Formulierung aktueller Ziele wie etwa die „Herstellung und
Pflege normaler Beziehungen“ und die „Zusammenarbeit der beiden
deutschen Staaten“. Letzteres erzeugte in Moskau einigen Argwohn und man
begann dort daraufhin, Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht
zu favorisieren; auch durch Sätze wie vom „entwickelten Sozialismus in
der DDR“ hatte Ulbricht Missgefallen in Moskau ausgelöst. Erwähnenswert
ist, dass ein Volksentscheid, der bisher möglich war, mit dieser
Verfassungsreform abgeschafft wurde.
Am 3. Mai 1971 erklärte Ulbricht „aus gesundheitlichen Gründen“ den
Rücktritt von all seinen Ämtern bis auf das Amt des
Staatsratsvorsitzenden. Er starb am 1. August 1973. Erich Honecker
„beerbte“ ihn um all seine Ämter.
Am 7. Oktober 1974 kam es zu einer erneuten Verfassungsänderung. Alle
Textpassagen zur Wiedervereinigung als Verfassungsziel wurden entfernt.
Die Anbindung an die Sowjetunion deutlicher manifestiert; aus Ulbrichts
Satz „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer
Staat deutscher Nation“ wurde „Die Deutsche Demokratische
Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“.
Außerdem wurde die Wahlperiode von vier auf fünf Jahre verlängert und
die Befugnisse des Staatsrates so stark eingeschränkt, dass diesem
Organ lediglich Repräsentationsrechte blieben.
In den beiden Jahrzehnten bis 1989 blieb die DDR bedacht auf weitere
Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik. Dennoch wurden zahlreiche
Abkommen mit ihr geschlossen, die die Kontakte zwischen den Menschen
erleichterten, obwohl Moskau diese eher misstrauisch wahrnahm.
Der DDR brachten sie aber oft wichtige Devisen ein. Die von Honecker
proklamierte „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ sollte den
Lebensstandard heben, vor allem mehr Wohnungen zur Verfügung stellen,
blieb aber hinter den Erwartungen zurück. In den durch die gestiegenen
Ölpreise schwierigeren Jahren ab 1980 wuchs die Westverschuldung der DDR
bis an eine kritische Grenze zur Zahlungsunfähigkeit. Nur die Bonner
Kredite 1983 konnten eine drastische Wirtschaftskrise verhindern. Der
Besuch Honeckers 1987 in Bonn war der Höhepunkt seiner internationalen
Anerkennung, als bereits in der DDR die viel zu geringen Erhaltungs- und
Erneuerungsinvestitionen dazu führten, dass die Wirtschaft ins Stocken
geriet, die Altstädte verfielen und die Umwelt verkam. Nichts schien
sich mehr zu bewegen, die Ausreiseanträge gingen in die Höhe, die Jugend
glaubte nicht mehr an die
FDJ-Parolen. Im Einklang mit
Gorbatschows Systemkritik war der Boden für die
friedliche Revolution bereitet.
Politische Wende und Beitritt zur Bundesrepublik (1989/1990)

Hans Modrow
Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bürger der DDR über
Ungarn, das am 2. Mai 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte
und ab dem 11. September 1989 auch DDR-Bürgern offiziell die Ausreise
nach
Österreich erlaubte, sowie über die Botschaften der Bundesrepublik
Deutschland in ostmitteleuropäischen Staaten, vor allem in
Prag. Da die DDR-Führung die Umgestaltungspolitik des sowjetischen
Generalsekretärs
Michail Gorbatschow nicht nachvollziehen wollte, destabilisierte
sich die DDR zunehmend von innen heraus.
Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, die sich auch durch
einen vom bayerischen Ministerpräsidenten
Franz Josef Strauß im Jahre 1983 vermittelten Kredit aus der
Bundesrepublik Deutschland nicht hatte aufhalten lassen, und die auf der
sowjetischen
Perestroika-Politik beruhenden, von Honecker aber enttäuschten
Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten im Rahmen der
Friedensgebete besonders der Evangelischen Kirche 1989 zu regelmäßigen
Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem in
Leipzig, aber auch in anderen Städten, sehr schnell zu
Großdemonstrationen aus, die friedlich blieben – anders als die
Protestdemonstrationen wegen der erzwungenen Durchreise der
Botschaftsflüchtlinge aus Prag und
Warschau, die am
Hauptbahnhof Dresden zu heftigen Ausschreitungen führten.
Am 18. Oktober 1989 musste Honecker unter dem Druck der öffentlichen
Proteste zurücktreten, wie wenige Tage später die vollständige
DDR-Regierung. Am 9. November wurde die
Berliner Mauer geöffnet. Am 17. November wählte die Volkskammer
Hans Modrow, bisheriger 1. Sekretär der
Bezirksleitung der SED
Dresden, zum neuen
Vorsitzenden des Ministerrates. In dessen Regierungszeit wurden die
Runden Tische zur zweiten demokratischen Diskussionsebene. Die
Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung
führten schließlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes. Die unbewaffneten
Montagsdemonstranten blieben friedlich, und die bewaffneten Organe der
DDR, die vor allem 1989 noch mit Prügeleien und Verhaftungen auf die
Demonstrationen reagiert hatten, verzichteten, wohl auch angesichts der
zunehmenden Masse der Demonstranten, weitgehend auf die gewaltsame
Auflösung der Versammlungen. Der bewusste Verzicht auf Gewalt wurde am
deutlichsten bei der großen Leipziger Demonstration, in deren Vorfeld es
dazu öffentliche Absprachen zwischen SED-Bezirksleitung und prominenten
DDR-Bürgern (u. a.
Kurt Masur) gab. Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18.
März 1990 wurde die
Allianz für Deutschland, ein
Wahlbündnis aus
CDU-Ost,
DSU und
DA, mit 48,15 Prozent der abgegebenen Stimmen Wahlsieger. Auf Basis
des
Einigungsvertrags trat die Deutsche Demokratische Republik am 3.
Oktober 1990 der
Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 a. F. des
Grundgesetzes bei.
Politik
Verfassung

Ausschnitt aus dem
Buntglasfenster im Berliner
Staatsratsgebäude

Wappen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR
Die DDR verstand sich selbst als
sozialistischen Staat. Sowohl der Staatsaufbau als auch die
Organisation von Parteien und Massenorganisationen folgten den
Prinzipien des
demokratischen Zentralismus. Die eigentliche Macht ging von der
kommunistischen Partei, der
Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und deren Gremien
aus.
Dieser „Führungsanspruch“ der SED war seit 1968 wie folgt in Artikel 1
der
Verfassung der DDR festgehalten:
(Text 1968): „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein
sozialistischer Staat deutscher Nation. Sie ist die politische
Organisation der Werktätigen in Stadt und Land, die gemeinsam unter
Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei
den Sozialismus verwirklichen.“
(Änderung 1974): „Die Deutsche Demokratische Republik ist
ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die
politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung
der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“
Der
Ministerrat als
Regierung der DDR war laut Verfassung das höchste exekutive Organ
des Staates und wurde von der Volkskammer gewählt. Die Minister kamen
aus den verschiedenen Parteien der Nationalen Front, jedoch konnten in
der Praxis die entsprechenden Sekretäre und Abteilungsleiter im
Zentralkomitee der SED den Ministern Anweisungen erteilen.
Der
Staatsrat der DDR war – nach dem Tod des ersten und einzigen
Präsidenten
Wilhelm Pieck – als kollektives Präsidial-Gremium das
Staatsoberhaupt der DDR. Der
Staatsratsvorsitzende wurde bis zur Wende immer von der SED
gestellt.
Die
Behörden in der DDR wurden als Organe bezeichnet. Gegen
Entscheidungen oder Maßnahmen der Organe bestand kein Rechtsschutz,
Bürger hatten die Möglichkeit, eine Eingabe (Petition)
an Verwaltungen, beispielsweise den
Rat der Stadt, Parteigliederungen, die Volkskammer oder auch den
Staatsrat zu richten. Berechtigten Eingaben wurde gegebenenfalls
entsprochen, allerdings willkürlich und für den Bürger in nicht
nachvollziehbarer Weise. Der Obrigkeit unliebsame Eingaben, vor allem in
Bezug auf
Ausreiseanträge, konnten zu Repressalien zu Lasten des Bürgers
führen.
Die entscheidenden Machtstrukturen in der DDR befanden sich auf
verschiedenen
Ebenen und Arbeitsbereichen innerhalb der SED. Die politische
Entwicklung wurde durch das
Sekretariat des
Zentralkomitees der SED einerseits und dessen
Politbüro andererseits bestimmt. Diesen standen zentralistische
Strukturen zur Verfügung, die in allen Lebensbereichen präsent waren („Nomenklatura“),
einschließlich eines umfangreichen Überwachungsapparats, insbesondere
des
Ministeriums für Staatssicherheit.
Printmedien, Hörfunk und Fernsehen wurden zensiert, politisch
Andersdenkende litten unter Repressalien.
Zusätzlich erfolgte eine Politisierung der gesamten Gesellschaft. Mit
der Ideologisierung und der damit verbundenen Zensur in Medien,
Literatur und Kunst wurde gleichzeitig mit einer neuen Terminologie ein
Feindbild propagiert, welches vor allem die Jugend verinnerlichen
sollte.
Rechtssystem
Regelungen des
Bürgerlichen Gesetzbuches waren in der DDR zunächst übernommen
worden. 1976 wurde dieses durch das
Zivilgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik ersetzt.
Eigentums-, Patent- und Erbrecht waren eng begrenzt, das Vertragsrecht
war der
Planwirtschaft verpflichtet.
Auch die erste Verfassung aus dem Jahre 1949 enthielt noch bürgerlich
demokratische und
rechtsstaatliche Prinzipien wie die
Gewaltenteilung sowie
Grundrechte wie das
Recht auf freie Meinungsäußerung oder die
Versammlungsfreiheit, Föderaler Aufbau,
Rechtsstaatlichkeit wie auch die
Pressefreiheit und die Auswanderungsfreiheit wie auch eine
Unabhängigkeit der Gerichte und Rechtspflege. Einzelne Elemente blieben
auch in den späteren Verfassungen der DDR erhalten, wurden tatsächlich
aber nicht oder nur stark eingeschränkt gewährt. Der wesentliche Aspekt
war der in Artikel 1 festgeschriebene Führungsanspruch der SED, der erst
1989 abgeschafft wurde.
Die geringe Bindungswirkung der Verfassung und besonders die nicht
unabhängige
Judikative zeigte sich in Geheimverfahren wie u. a. den
Waldheimer Prozessen sowie auch im Umgang mit föderalen Elementen.
Die Eigenständigkeit der Länder wurde bereits in den 1950er-Jahren
zugunsten des Demokratischen Zentralismus abgeschafft, was in der
Verfassung aber erst 1968 beziehungsweise 1974 seinen Niederschlag fand.
Neben ihrem vorherrschenden Einfluss auf Gerichte nutzte die SED interne
Parteiverfahren (u. a.
Paul Merker) zur
Sanktionierung ihrer Mitglieder. Diese wurden nicht durch Gerichte
sondern durch die
Zentrale Parteikontrollkommission durchgeführt.
Da keine
Verwaltungsgerichtsbarkeit existierte, waren Grundrechte nicht
einklagbar − Rechtsschutz gegen staatliches Handeln wurde nicht gewährt.
Das Planungsrecht war Ausfluss der parteikontrollierten Planwirtschaft,
die Austragung von Konflikten verschiedener Gebietskörperschaften und
Behörden, wie etwa bei Infrastrukturprojekten, im Umweltschutz und
Denkmalrecht nicht vorgesehen bzw. geregelt.
Die für einen Rechtsstaat unabdingbare Unabhängigkeit der
Gerichte war ebenfalls nicht gegeben. Das Rechtswesen der DDR
entsprach damit nicht rechtsstaatlichen Standards.
Rechtsanwälte konnten ihre Tätigkeit in politisch relevanten
Verfahren nicht unabhängig gemäß ihrer berufsrechtlichen Verpflichtungen
ausüben, Akteneinsicht wurde nicht oder nur willkürlich gewährt,
Mandantengespräche mitunter vereitelt oder nur überwacht zugelassen.
Hiervon gab es jedoch Ausnahmen, wie der auch an West-Berliner Gerichten
zugelassene Rechtsanwalt und als DDR-Unterhändler im Kalten Krieg tätige
Rechtsanwalt Vogel.
Für die Rechtsprechung waren insbesondere das Strafgesetzbuch und die
Strafprozessordnung der DDR maßgeblich. Im Bereich des
Strafrechts wurde mitunter von der
DDR-Justiz auf Basis vager und unbestimmter Tatbestände wie
„Staatsfeindliche Hetze“, „Öffentliche Herabwürdigung“,
„Beeinträchtigung staatlicher und gesellschaftlicher Tätigkeit“,
„Rowdytum“, „Asoziales Verhalten“ oder „Ungesetzliche
Verbindungsaufnahme“ politisch unerwünschtes Verhalten kriminalisiert.
Aufgrund ihrer offenen und unscharfen Formulierungen widersprachen diese
Tatbestände insofern dem rechtsstaatlichen
Bestimmtheitsgrundsatz. Hinzu kam eine extensive und kaum
vorhersehbare Auslegung derartiger Tatbestände. Insbesondere in den
ersten Jahren der DDR wurden vielfach wegen „Boykotthetze“ äußerst harte
Strafen für mitunter objektiv harmlose Handlungen verhängt. Gerichte und
die
Staatsanwaltschaft waren in politisch bedeutsamen Verfahren aufgrund
von konkreten Vorgaben von Seiten der SED mitunter faktisch gezwungen,
entgegen der Rechtslage zu handeln.
Rechtliche Verpflichtungen der DDR gegenüber dem Ausland, wie etwa die
im Rahmen der
KSZE anerkannte Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten wie
auch die 1968 nachträglich in die DDR Verfassung eingefügte Freiheit des
religiösen Bekenntnisses verschafften Oppositionellen und Dissidenten
einen gewissen Freiraum.
Im Jahr 1988 registrierte man folgende abgeschlossene zivile
Strafverfahren (S. 396–397):
-
113
vorsätzliche Tötungen
-
10.134
vorsätzliche Körperverletzungen
-
940
Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen
-
1.204 sexuelle
Missbräuche von Kindern und Jugendlichen
-
960-mal Raub
und Erpressung
-
1.695
Verletzungen der Unterhalts- oder Erziehungspflichten
-
26.741
Diebstähle, Betrug oder sonstige Schädigung des
Volkseigentums
-
33.478
Diebstähle, Betrug oder sonstige Schädigung privaten Eigentums
-
746
Brandstiftungen oder fahrlässige Verursachung eines Brandes
-
156
Verletzungen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes
-
9.180
Verkehrsdelikte
-
175-mal
unbefugter Waffen- oder Sprengmittelbesitz
-
953-mal
Widerstand gegen staatliche Maßnahmen
-
1.882-mal
Rowdytum
-
1.934
Begünstigungen und Hehlereien
-
901
Urkundenfälschungen
Wie in allen sozialistischen Staaten bildete sich in der DDR ein
gesellschafts- und fachübergreifendes Arbeitsrecht heraus. Dies war
grundsätzlich vonnöten, da ja gerade aus der Arbeiterbewegung heraus die
Vermarktung der Arbeitskraft auf einem freien
Arbeitsmarkt als Ausbeutung abgelehnt wurde.
Hauptartikel:
Arbeitsrecht (DDR)
Parteien

Palast der Republik, Sitz der Volkskammer
Von 1949–1989 gab es folgende in der
Nationalen Front vereinte Parteien und Massenorganisationen.
Parteien:
-
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
-
Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD)
-
Christlich Demokratische Union (CDU)
-
Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD)
-
Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD)

Briefmarke zum 20-jährigen Bestehen der SED
Massenorganisationen:
-
Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD)
-
Freie Deutsche Jugend (FDJ)
-
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB)
-
Kulturbund (KB)
-
Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB)
Die staatlichen und politischen Strukturen der DDR enthielten formal
Elemente einer bürgerlichen Demokratie. In der
Volkskammer waren, neben der SED und von ihr dominierten
Massenorganisationen auch die
Blockparteien vertreten. Deren Mitglieder waren auf das Programm der
SED verpflichtet und in die Exekutive eingebunden.
Neben der Volkskammer existierten Volksvertretungen auf
Bezirkstagsebenen, Kreisebenen und kommunalen Ebenen. Die zu diesen
Gremien stattfindenden Wahlen waren aber weder
frei noch geheim, da nur eine vorher erstellte einheitliche
Kandidatenliste – die „Einheitsliste“ existierte und der Wahlakt unter
der Beobachtung von Wahlhelfern erfolgte.
Die Einheitsliste umfasste die in der
Nationalen Front organisierten Blockparteien und
Massenorganisationen.
Die Verteilung der Mandate und Ämter auf die Parteien und Organisationen
war von den Wahlen unabhängig und blieb über lange Zeiten konstant.
Der Einfluss der SED in der Volkskammer wurde zusätzlich dadurch
gesichert, dass die meisten Abgeordneten der Massenorganisationen auch
SED-Mitglieder waren. In ihrer 9. Wahlperiode (1986–1990) hatte die
Volkskammer folgende Zusammensetzung ihrer 500 Abgeordneten (S. 401):
-
SED: 127
-
DBD: 52
-
CDU: 52
-
LDPD: 52
-
NDPD: 52
-
FDGB: 61
-
DFD: 32
-
FDJ: 37
-
Kulturbund: 21
-
VdgB: 14
Davon waren 271 Abgeordnete als Arbeiter, 31 Bauern, 69 Angestellte, 126
Angehörige der Intelligenz und 3 als sonstige Abgeordnete ausgewiesen.
In der Geschichte der Volkskammer kam es lediglich einmal zu
Gegenstimmen, und zwar 1972 aus der CDU bei der Liberalisierung der
Regelungen zum
Schwangerschaftsabbruch.
Im
Wendejahr 1989 kam es zu zahlreichen Neugründungen von Parteien,
unter anderem
Neues Forum,
Demokratischer Aufbruch,
Sozialdemokratische Partei in der DDR und andere. Die SED versuchte
sich im Dezember 1989 durch eine programmatische Umbenennung in
Partei des Demokratischen Sozialismus von ihrem stalinistischen Erbe
zu befreien. Am 18. März 1990 traten diese Parteien zur
ersten und einzigen freien Volkskammerwahl an.
Öffentlichkeit und politische Auseinandersetzungen
Eine von der SED unabhängige freie
Meinungsbildung,
Öffentlichkeit und
zivilgesellschaftliche Elemente waren in der DDR nicht vorgesehen
(siehe hierzu auch den Hauptartikel
Zensur in der DDR).
Erhard Eppler schrieb von einem in der DDR auf die Spitze
getriebenen Anspruch einer verwissenschaftlichten Politik
– mit dem Anspruch einer alles umgreifenden Regelung über die
Parteilinie. Das
DDR-Strafgesetzbuch stellte „staatsfeindliche Hetze“ und den
„Missbrauch der Medien für die bürgerliche Ideologie“ unter Strafe, was
Autoren und Journalisten disziplinierte und neben den monopolisierten
Ressourcen Nachzensur
und Repressionen
von
Printmedien, Büchern, Radio und Fernsehen, Satire, Kunst und
Wissenschaft ermöglichte.
So waren auch sehr beliebte Medien, etwa das einzige Erotik-Magazin
der DDR in ihrer Auflage begrenzt. Aufführungen der wenigen politischen
Kabaretts der DDR (u. a.
Die Distel und die
Leipziger Pfeffermühle) waren zwar auf Jahre hin ausverkauft, die
Vorstellungen im Radio oder TV aber nur in Ausnahmen und
ausschnittsweise übertragen. Bei Büchern, insbesondere
Belletristik, führte das
Druckgenehmigungsverfahren
de facto zu einer Vorzensur und einer werkspezifischen Steuerung. So
war das Buch
Spur der Steine mit realistischen Szenen aus dem DDR-Alltag
unerwartet ein Bestseller geworden, der dazugehörige Film jedoch aus
demselben Grund kurz nach Erscheinen verboten worden.
Das Nichtvorkommen politischer
Skandale
wird als Zeichen diktatorischer
Unterdrückung einer eigenständigen Öffentlichkeit gesehen. Einzelne
Ausnahmen, skandalträchtige öffentliche Auseinandersetzungen in der DDR
etwa um Theateraufführungen der 1950er- und 1960er-Jahre,
1976 die Selbstverbrennung des Pfarrers
Brüsewitz, die
Ausbürgerung Wolf Biermanns wie auch die
DDR-Kaffeekrise ab 1977 bestätigen die Regel. Sie stehen auch in
engem Zusammenhang mit DDR-Bürgern zugänglichen Veröffentlichungen in
Westmedien. Zum Ende der DDR wurde zudem versucht, den Zugang zu
einzelnen Medien aus der Sowjetunion, wie etwa dem russischen
Pressespiegel Sputnik, einzuschränken.
Jürgen Kocka
und Detlef Pollack
betonen, der ambitiöse Anspruch der DDR-Obrigkeit auf totale und
allumfassende diktatorische politische Steuerung sei faktisch nicht
durchzusetzen gewesen. Es habe weiterhin gesellschaftliche Teilbereiche
gegeben, allen voran die
Kirchen, die informelle Netzwerke und Freiräume zugelassen hätten.
Auch die Unwägbarkeiten der Planwirtschaft hätten die Wahrnehmung
individueller Eigeninteressen und informelle Selbsthilfe eher gefördert.
Die programmatisch vorgegebene Westabschottung habe die faktische
Westorientierung der Bevölkerung nicht beseitigt und alles in allem, so
Pollack, wäre die staatliche Repression in funktional bedingten Grenzen
verblieben.
So ermöglichten wirtschaftliche Vorgaben und persönliche Zugänge auch
unkonventionellen Wissenschaftlern wie
Werner Hartmann (Physiker) und
Manfred von Ardenne zumindest zeitweise größere Freiräume.
Auch einige Institutionen aus der Frühzeit der DDR wie die Blockparteien
ermöglichten einen gewissen Freiraum. Erhard Eppler beispielsweise hält
es für verwunderlich, wie einfach deren Überführung in die westdeutschen
Organisationen gelang und wie schnell die DDR-Vertreter die
westdeutschen politischen Gepflogenheiten übernahmen. Er nennt
(etwa in Vergleich zu England) eine am schriftlichen Ausdruck
orientierte Rhetorik, Obrigkeitsdenken, Mangel an politischem
Gestaltungswillen, wenig Freiheitsliebe und geringe Debattenkultur als
gesamtdeutsche Gemeinsamkeiten.
Die wohl wichtigste Rolle spielte die Teilhabe der DDR an der
westdeutschen
Öffentlichkeit.
Mit Ausnahme des sogenannten
Tal der Ahnungslosen waren Informationen, von Werbung,
Musikprogrammen bis hin zu politischen Skandalen und Debatten über
westdeutsche Rundfunk- und
Fernsehprogramme verfügbar.
Auch gerade nach dem Mauerbau trugen politische Programme wie
Kennzeichen D oder
Kontraste mit Korrespondentenberichten aus der DDR zur Information
über Veränderungen in der DDR bei. Sie ermöglichten der DDR-Bevölkerung
Teilhabe und Zugang zu der öffentlichen Diskussion auch sie unmittelbar
angehender Fragen. Diese Informationen wurden in der DDR auch offen
angesprochen und genutzt.
Die DDR-Obrigkeit war gezwungen, darauf intern zu reagieren und auch in
den DDR-Medien –
propagandistisch etwa in der Sendung
Der schwarze Kanal – darauf einzugehen. Eine faktisch gesamtdeutsche
Öffentlichkeit nutzte auch der Rocksänger
Udo Lindenberg, der seinen über Jahre verweigerten Wunsch in der DDR
aufzutreten, 1983 in einen
Schlager umsetzte und erfolgreich verwirklichen konnte.
Politische Opposition und Widerstand

Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen
Der Begriff
DDR-Opposition wird heute in verschiedener Weise benutzt. Teilweise
werden sehr heterogene Strömungen als Opposition in der DDR
zusammengefasst.
Die Bürgerrechtler der DDR traten für eine Reform, seltener für die
Abschaffung der DDR ein und mussten dafür Überwachung und teilweise
Repressionen durch das
Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) in Kauf nehmen, da
ein offenes Auftreten als illegal galt oder gar eine parlamentarische
Vertretung einer Opposition nicht geduldet wurde. Viele von ihnen
gründeten während der Wendezeit 1989 politische Parteien und
Bürgerbewegungen wie beispielsweise das
Neue Forum oder den Demokratischen Aufbruch. Nach der Wende
schlossen sich Bürgerrechtler – je nach unterschiedlichen persönlichen
Motiven ihrer oppositionellen Haltung – unterschiedlichen Parteien an
oder blieben parteilos.
Die damals größte oppositionelle
Samisdat-Zeitschrift
Telegraph erscheint bis heute in Berlin.
Politisch Andersdenkende wurden im flächendeckenden staatlichen
Überwachungssystem insbesondere mit Hilfe der offiziellen und
inoffiziellen Einsatzkräfte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS,
umgangssprachlich „Stasi“) ermittelt und
beobachtet, um bereits Anfänge einer öffentlichen DDR-kritischen
Aktivität sogleich unterbinden zu können (politisch
motivierte Verfolgung). Je nach Grad des aus Sicht der
Sicherheitsorgane zu erwartenden
Widerstands reichte die
politisch motivierte Verfolgung in der DDR von bloßer
Einschüchterung über Drangsalierung und
Zersetzung bis hin zu
langjähriger Haft. Bei „Überläufern“ aus den Reihen des MfS und
Fluchthelfern kam es auch zu Entführungen und Morden
im geheimen Auftrag des MfS. Folter und Einzelhaft gehörten insbesondere
in den sogenannten
Untersuchungshaftanstalten des MfS zu den vielfältigen Zwangsmitteln
des MfS, um
politische Gefangene gefügig und geständig zu machen. Zumindest bis
in die 1960er-Jahre wurde eher die physische Folter angewandt. Später
wurden mehr und mehr psychologische Foltermethoden praktiziert, um
politische Häftlinge zu zermürben und ihren Willen zu brechen. Ein Grund
für diese Entwicklung war, dass sich die Anwendung psychologischer
Folter schwieriger beweisen lässt.
Außen- und Entwicklungspolitik
Grundlegende Motive
Zentrales Moment ihrer Außenpolitik war der Anspruch der DDR, gegenüber
der westdeutschen
Hallstein-Doktrin international als eigenständiger Staat anerkannt
zu werden. Der
Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik 1972 erkannte die Existenz
zweier deutscher Staaten an und ermöglichte die Aufnahme der DDR 1973
als Vollmitglied in die
Vereinten Nationen. Eine wichtige symbolische Komponente des
Anspruchs auf staatliche Anerkennung war die Teilnahme an
internationalen Sportveranstaltungen. Bei den
Olympischen Spielen trat die DDR ab 1968 mit einer eigenen
Mannschaft an und konnte im Folgenden nicht nur 1972 bei den
Olympischen Spielen in München und 1974 der
Fußballweltmeisterschaft in Westdeutschland signifikante sportliche
und indirekt politische Erfolge erzielen.
Einbindung in internationale Organisationen
Die DDR war international im
Warschauer Pakt und im
Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eingebunden und hatte
über den
innerdeutschen Handel indirekt einen Zugang zur
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Innerhalb des RGW war die
Sowjetunion der dominierende Partner. Ansätze zu einer stärkeren
wirtschaftlichen Integration der RGW-Staaten scheiterten Mitte der
1960er-Jahre
am Widerstand Rumäniens, die bilateralen Beziehungen DDR zur Sowjetunion
gestalteten sich nach dem Antritt
Leonid I. Breschnews deutlich schwieriger. Es gelang der DDR unter
erheblichen Anstrengungen 1967 im Rahmen der
Ulbricht-Doktrin mit anderen RGW-Staaten wie der Tschechoslowakei,
Polen, Ungarn und Bulgarien beiderseitige Unterstützungsverträge
abzuschließen und damit einer Intensivierung der Beziehungen der
osteuropäischen Nachbarn mit Westeuropa zuvorzukommen.
Die
Ostpolitik
Willy Brandts war zunächst mit der Sowjetunion ausgehandelt worden,
die DDR wurde zum Verdruss
Walter Ulbrichts dabei von beiden Seiten zunächst übergangen.
1983 hingegen führten die
innerdeutschen Beziehungen im Zusammenhang mit einem westdeutschen
Milliardenkredit für die DDR zu Irritationen bei der sowjetischen
Führung.
Am 18. September 1973 wurde die DDR zusammen mit der Bundesrepublik in
die
UNO aufgenommen.
Offensive in Afrika
Ab Mitte der 1960er-Jahre wurde die DDR außenpolitisch auch in der
Ausbildung von Sicherheitskräften und im Aufbau militärischer
Infrastruktur, die Rüstungsexporte begleiteten, für eine Reihe von
Regierungen und Revolutionsbewegungen tätig.
Dabei waren Anfang der 1980er-Jahre mehrere Tausend Soldaten der NVA
vor allem als Militärberater in Afrika und dem Mittleren Osten
stationiert. Die Auslandspräsenz der NVA wurde im Warschauer Pakt nur
von den sowjetischen und
kubanischen Auslandseinsätzen übertroffen. Echte Kampfeinsätze
regulärer Truppeneinheiten wurden von der DDR vermieden, die
DDR-typische Kombination von Wirtschaftspolitik mit Militär- und
Infrastrukturprojekten erregte aber früh internationales Aufsehen.
Die Einsätze und Rüstungsprojekte im Ausland wurden auf höchster Ebene
unterstützt, um den Devisenmangel zu beheben, der ab Mitte der
1970er-Jahre immer schmerzhafter wurde und zu erheblichen
Versorgungskrisen führte. Die Sowjetunion war auch zunehmend nicht mehr
in der Lage oder willens, finanzielle Verpflichtungen der RGW-Partner
abzudecken und Rohstoffe günstig zur Verfügung zu stellen. Diese
Spannungen
bewirkten eine Neuorientierung innerhalb des RGW.
Außenpolitischer Umbruch in den 1970er-Jahren
In den 1970er-Jahren fand deswegen auch eine deutliche Intensivierung
und Ökonomisierung
der DDR-Außen- und Entwicklungspolitik
jenseits des RGW statt. Tauschgeschäfte mit Parallelen zum klassischen
Kolonialhandel,
so von Waffen und Lkw aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe
aus ausgewählten Partnerländern, insbesondere
Vietnam,
Mosambik,
Äthiopien und
Angola angestrebt. Bis heute wirkt die bedeutende Rolle von
Vertragsarbeitern und der Ausbildung ausländischer ziviler und
militärischer Fachkräfte
in den deutschen Beziehungen etwa zu Vietnam, Angola,
Namibia, Mosambik und Äthiopien fort.
Die Auslandsaktivitäten waren einer erheblichen Geheimhaltung
unterworfen, die Auswahl der Spezialisten fand weniger nach fachlichen,
als nach Sicherheits- und in Hinsicht auf eine
Republikflucht – Verlässlichkeitskriterien statt. Handels- und
Entwicklungskonzepte wurden so gut wie nicht öffentlich diskutiert,
private Entwicklungsinitiativen waren auf kleinere kirchliche
Auslandsaktivitäten reduziert.
Die DDR war nicht in der Lage, über den Erfahrungsaustausch der
Rückkehrer theoretische Überlegungen wie propagandistische
Verlautbarungen zu korrigieren und eine breitere eigenständige
außenpolitische Kompetenz aufzubauen.
Mangel an außenpolitischer Debatte und Scheitern strategischer Projekte
Der Verlust der beiden ZK-Mitglieder
Werner Lamberz und
Paul Markowski bei einem Hubschrauberabsturz nahe
Tripolis war kaum auszugleichen. Eine 1977 geplante intensive
Wirtschafts-und Rüstungszusammenarbeit mit
Libyen kam nicht zum Tragen.
Hans-Joachim Döring konstatiert am Beispiel von
Mosambik den beispielhaft gescheiterten Versuch einer breiten
wirtschaftlichen Zusammenarbeit, gekennzeichnet durch utopische und
mangelhaft vorbereitete Großprojekte
etwa beim Steinkohlebergbau.
Moatize in
Mosambik stellte dabei die einzige größere Kolonie von DDR-Bürgern
außerhalb des RGW-Auslands dar, wobei die entsandten deutschen
Beschäftigten rigide abgeschottet wurden. Unter diesen Umständen habe
sich auch latenter Rassismus
manifestiert.
Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland
Die Bundesrepublik Deutschland hatte die DDR
völkerrechtlich zu keinem Zeitpunkt anerkannt, da sie als ein Teil
Gesamtdeutschlands nicht
Ausland sein könne. Die
Präambel des Grundgesetzes von 1949 enthielt die Aufforderung, die
Einheit des deutschen Volkes in Freiheit zu vollenden. Dies war mit
einer Betrachtung der DDR als Ausland unvereinbar, die Wiedervereinigung
musste das politische Fernziel jeder Bundesregierung bleiben. Bis zur
neuen Ostpolitik ab 1969 erhob die Bundesrepublik einen
Alleinvertretungsanspruch für das gesamte deutsche Volk. Die
Bezeichnung „Deutsche Demokratische Republik“ wurde daher in der
westdeutschen Öffentlichkeit bis weit in die sechziger Jahre möglichst
vermieden. Man sprach stattdessen weiterhin von der
Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) oder nutzte umgangssprachliche
Wendungen wie „Sowjetzone“, „Ostzone“ oder „Zone“.
Mit dem
Grundlagenvertrag wurde die DDR 1973 staatsrechtlich anerkannt. Das
nach wie vor besondere Verhältnis der beiden deutschen Staaten kam aber
immer noch zum Ausdruck. Es gab keine Botschaften in Ost-Berlin und
Bonn, sondern
Ständige Vertretungen. Von Seiten der Bundesregierung waren
Angelegenheiten mit DDR-Bezug nicht Sache des Auswärtigen Amtes, sondern
des
Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen.
Es gab aus Bonner Sicht bis zuletzt nur eine
deutsche Staatsbürgerschaft; jeder DDR-Bürger war automatisch
berechtigt, alle Bürgerrechte der Bundesrepublik wahrzunehmen. Gerade
dieses Festhalten versuchte Honecker 1980 in den
Geraer Forderungen auszuhebeln und setzte als Druckmittel die
Erhöhung des
Zwangsumtausches ein. Für die DDR wirtschaftlich interessant war der
Aspekt, dass ihre Grenze zur Bundesrepublik Deutschland für den Westen
keine Staatsgrenze und daher nicht zollpflichtig war.
Sicherheitspolitik
Schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in den neu
gegründeten beiden deutschen Staaten vor dem Hintergrund des
aufziehenden
Kalten Krieges zur sogenannten
Wiederbewaffnung, das heißt zur erneuten Einführung militärischer
Strukturen. Dieser Aufbau vollzog sich in der DDR unter Anleitung der
Sowjetunion und ab 1955 im Rahmen des
Warschauer Paktes:
1948 entstanden mit den kasernierten Bereitschaften die ersten
bewaffneten Einheiten nach dem Krieg. Diese wurden 1952 in die
Kasernierte Volkspolizei (KVP) überführt. Am 1. März 1956 − knapp
ein Jahr nach der Gründung der
Bundeswehr − wurde die Nationale Volksarmee (NVA) gegründet. Beim
Aufbau der Streitkräfte der DDR spielten auch ehemalige Offiziere der
Wehrmacht wie auch
Waffen-SS
eine Rolle. Sie hatten sich überwiegend bereits während der sowjetischen
Kriegsgefangenschaft dem
Nationalkomitee Freies Deutschland zur Verfügung gestellt.
Sowjetische Streitkräfte in der DDR
Der Großteil der Streitkräfte in der DDR wurde mit mehr als 300.000
Soldaten durch die Sowjetunion gestellt, durch die
Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), welche
aus den Sowjetischen Besatzungstruppen hervorgegangen war. Die Truppen
der GSSD waren der NVA und anderen militärischen Organisationen
übergeordnet. Ihre Aufgabe bestand zentral in der Sicherung der DDR
gegen den
Westen. Die GSSD verfügte über offensive Bewaffnung, unter anderem
auch mit Atomwaffen. Einer Studie zufolge war seit den 1960er-Jahren im
Kriegsfalle der breite und präemptive Einsatz taktischer
Nuklearwaffen in Deutschland vorgesehen.
Mit dem Schwenk der sowjetischen Politik unter
Michail Gorbatschow erfolgte 1986 eine Abkehr von der offensiven
Ausrichtung der GSSD. In der DDR jedoch sei noch in der NVA-Übung
„Stabstraining 1989“ der massive Einsatz von großkalibrigen
Nuklearwaffen durchgespielt worden.
Nationale Volksarmee

Truppenparade zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR mit einer Formation
Flugabwehrraketen vom Typ
SA-2 Guideline, 1979

Ehrenwache des Wachregimentes Friedrich Engels der NVA am
Mahnmal für die
Opfer des Faschismus und Militarismus (Neue
Wache) in
Berlin im Exerzierschritt
Die
Nationale Volksarmee (NVA) war von 1956 bis 1990 die
Armee der DDR. Sie bestand aus den Landstreitkräften, der
Volksmarine und den
Luftstreitkräften. Nach Einführung der
Wehrpflicht 1962 lag die Personalstärke der NVA bei etwa 170.000
Soldaten.
Ihrem Selbstverständnis nach war die NVA in der DDR das „Machtinstrument
der Arbeiterklasse“ zum Schutz und zur Sicherung der „sozialistischen
Errungenschaften“ vor Angriffen von außen. Sie sollte der Verteidigung
der DDR und der im Warschauer Pakt mit ihr verbündeten anderen
sozialistischen Staaten gegen eine eventuelle „imperialistische
Aggression“ dienen. Die NVA entwickelte sich von einer
binnenorientierten, sehr stark politisch kontrollierten Parteiarmee
zunehmend zu einem Instrument einer zunehmend eigenständigeren
Außenpolitik.
Die SED sicherte sich durch die Politische Hauptverwaltung (PHV)
und eine spezielle Struktur von Parteiorganisationen die politische
Führung der Streitkräfte. Die
Offiziere und
Fähnriche waren bis auf wenige Ausnahmen Mitglieder der SED. Auch
bei den Unteroffizieren wurde ein hoher Anteil an SED-Mitgliedern
angestrebt.
Während ihres Bestehens waren NVA-Verbände an keinem Krieg beteiligt.
Teile der NVA waren aber 1968 für militärische Aktionen zur
Niederschlagung des
Prager Frühlings vorgesehen. Es gab Pläne, sich mit zwei
Divisionen am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR zu
beteiligen. Wegen der zu erwartenden verheerenden außenpolitischen
Wirkungen – es wäre der erste Kampfeinsatz deutscher Truppen im Ausland
nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen − beschränkte man sich auf eine
logistische Unterstützung der Niederschlagung des Prager Frühlings.
Grenztruppen
Die
Grenztruppen der DDR waren für die Bewachung der Grenzen der DDR
zuständig. Sie wurden als Grenzpolizei 1946 aufgebaut und hatten 1948
eine Personalstärke von 10.000 Personen. 1956 wurde die Grenzpolizei der
NVA als Teilstreitkraft Grenztruppen konzipiert. Im Rahmen des
Helsinki-Abrüstungsprozesses wurde nach außen eine Selbständigkeit der
Grenztruppen postuliert, um sie nicht zur regulären Heeressstärke zu
zählen. Sie waren aber weiter wie die Nationale Volksarmee dem
Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unterstellt und wären
im Ernstfall als motorisierte Schützen eingesetzt worden. Der weitaus
größte Teil der Truppen diente der Bewachung der
innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin
und hier vor allem der Unterbindung von Fluchtversuchen von DDR-Bürgern
in den Westen. Hierbei wurden von Angehörigen der Grenztruppen aufgrund
des
Schießbefehls mehrere hundert Menschen getötet. Eine Sonderstellung
nahm die
6. Grenzbrigade Küste bezüglich der Sicherung der Seegrenze an der
Ostsee ein.
Vergleichsweise geringe Kräfte kontrollierten die
Oder-Neiße-Grenze nach
Polen und die Grenze zur
ČSSR.
Ab 1. Januar 1972 wurde zwischen der DDR und Polen sowie der ČSSR ein
visafreier Grenzverkehr eingerichtet, der von den Bürgern der DDR rege
genutzt wurde. Allein zwischen
Frankfurt (Oder) und
Słubice (Polen) überschritten vom 1. Januar bis 20. September 1972
exakt 2.773.612 polnische und DDR-Bürger die Grenze.
Auch nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien waren Reisen relativ
unkompliziert möglich. Voraussetzung dafür war, dass die einbezogenen
sozialistischen Länder ihre Grenzen (einschließlich Häfen und Flughäfen)
zum Westen genauso verschlossen hielten wie die DDR. Da das
beispielsweise in
Jugoslawien nicht der Fall war, konnten DDR-Bürger dorthin nur in
den Ausnahmefällen reisen, die für westeuropäische Länder auch galten.
Da die DDR-Führung die Streikbewegung und das politische Erstarken der
systemkritischen Gewerkschaft
Solidarność mit größter Sorge sah und ein Überschwappen auf die DDR
befürchtete, wurden im November 1980 Reisen nach Polen wieder stark
erschwert, notwendig war nun eine persönliche Einladung, die von den
polnischen Behörden auszustellen war. Im visafreien Grenzverkehr
beschränkten sich die Grenztruppen in den meisten Fällen auf die
Kontrolle der
Personalausweise, während die Zollorgane der DDR umso intensiver
nach Ein- und Ausfuhren verbotener Waren suchten. Darunter fielen nicht
nur die üblichen Waffen-, Geld- oder Rauschgiftverbote, sondern auch
westliche Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und sogar
Schallplatten.
Weitere Sicherheitskräfte
Das
Wachregiment Feliks Dzierzynski war der militärische Arm des
Ministeriums für Staatssicherheit. Da das Regiment offiziell nicht den
Streitkräften angehörte, konnte es so trotz des
Vier-Mächte-Status-bedingten Stationierungsverbots in
Berlin stationiert werden. Die Mannschaften bestanden aus
Wehrpflichtigen, die sich zu einem dreijährigen Wehrdienst
verpflichteten und „politisch zuverlässigen“ Familien entstammten. Die
Aufgaben umfasste unter anderem die Sicherung von Staats- und
Parteieinrichtungen auf dem Gebiet
Ost-Berlins sowie der
Waldsiedlung bei Wandlitz, wo die Partei- und Staatsführung wohnte.
Die Personalstärke betrug in den 1980ern etwa 10.000 Mann.
Die
Kasernierte Einheiten, zu denen die VP-Bereitschaften (Bataillone)
gehörten, waren eine militärische Gruppierung, die nicht zu den
Dienstzweigen der
Volkspolizei (VP) gehörten, aber ebenfalls dem Innenministerium
unterstand (Stellvertreter des Ministers und Leiter der Hauptabteilung
Bereitschaften/ Kampfgruppen). Der Schwerpunkt ihrer Ausrichtung Ende
der 1960er-Jahre, die Bekämpfung hinter der Front operierender
Diversions-Aufklärungsgruppen in Kriegszeiten, verschob sich immer mehr
zugunsten einer Befähigung zur Aufgabenerfüllung bei der Beseitigung von
„Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“. Die Angehörigen
waren Wehrpflichtige.
Die
Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren eine besondere militärische
Organisation, die hauptsächlich aus männlichen SED-Mitgliedern bestand
und in Betrieben, staatlichen Einrichtungen, LPGs sowie Hoch- und
Fachschulen organisiert waren. Die Angehörigen nahmen in ihrer Freizeit
mehrmals im Jahr, meist an Freitagen oder Wochenenden, an militärischen
Übungen oder Schulungen in Uniform teil, die durch VP-Offiziere
angeleitet wurden. Die Kampfgruppen trugen so zur Militarisierung der
DDR-Gesellschaft bei. Im Verteidigungszustand waren die
Bezirkskampfkräfte zur Eingliederung in die NVA-Verbände vorgesehen.
Der historisch wichtigste Einsatz der Kampfgruppen war die Absicherung
des Baus der Berliner Mauer 1961. Des Weiteren wurden sie zum Beispiel
zur Unterstützung der Volkspolizei mobilisiert, wenn Sowjetsoldaten mit
Munition fahnenflüchtig waren. Präsenz zeigten die Kampfgruppen
insbesondere bei den jährlichen Paraden zum
1. Mai.
Als Polizei und Nachrichtendienste bestanden:
-
Ministerium für Staatssicherheit (MfS) (Nachrichtendienst
für In- und Ausland und „militärisches Organ“)
-
Verwaltung Aufklärung (Militärischer Nachrichtendienst der NVA)
-
Deutsche Volkspolizei inklusive
Transportpolizei
-
Zollverwaltung der DDR
Frauen- und Familienpolitik
Die Vereinbarkeit von
Beruf und
Familie war für Frauen in der DDR selbstverständlich. Bis 1989 waren
nahezu 92 Prozent der Frauen in das Erwerbsleben integriert, was eine
deutlich höhere
Erwerbsquote der Frauen als in der Bundesrepublik Deutschland
darstellte. Allerdings waren Frauen in Leitungspositionen deutlich
unterrepräsentiert. Als Gründe sind zu nennen, dass die sozialistische
Frauenpolitik die wirtschaftliche Tätigkeit als Basis der weiblicher
Unabhängigkeit von männlicher Herrschaft sieht und dass die DDR zu wenig
Arbeitskräfte hatte.
Die Berufstätigkeit von Frauen wurde staatlich gefördert und die
notwendigen Rahmenbedingungen beispielsweise durch die Versorgung mit
ausreichend
Kinderkrippen- und
Hortplätzen und spezielle Lehr- und Studienpläne für studentische
Familien geschaffen. Im Rahmen der
Familienpolitik förderte der Staat
Ehepaare in erster Linie, wenn sie Kinder bekamen. Dies geschah
durch spezielle Kredite und eine deutliche Bevorzugung bei der Zuteilung
einer eigenen Wohnung. Auch wenn die DDR ebenfalls vom so genannten
Pillenknick betroffen war und die Abtreibungsregelung deutlich liberaler
als im Westen war, blieben die
Geburtenraten im Vergleich zur Bundesrepublik etwas höher und
stiegen in den 1980er-Jahren sogar wieder leicht an.
Verwaltungsgliederung
Seit ihrer Gründung war der Verwaltungsaufbau der DDR durch eine starke
Zentralgewalt geprägt. Allerdings konstituierte die erste Verfassung von
1949 eine föderale Struktur mit den Ländern
Mecklenburg,
Brandenburg,
Sachsen-Anhalt,
Thüringen und
Sachsen. Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurden die Länder ihrer
Funktion enthoben. Als neue mittlere Ebene der staatlichen Verwaltung
traten 14 Bezirke an ihre Stelle. Zugleich wurde im Rahmen einer
Kreisreform die Anzahl der Stadt- und Landkreise stark erhöht. 1958
wurden die Länder schließlich auch formal abgeschafft. Der
Staatsrat der DDR stellte
Ost-Berlin im Jahr 1961 mit den Bezirken gleich.
Bis zum Ende der DDR bestanden die folgenden Bezirke (bb lt.
Gemeindenummer-Schlüssel bbkkgg; bb: Bezirk (numerisch); kk: Kreis
(numerisch); gg: Gemeinde (numerisch)):
-
Bezirk Rostock (01)
-
Bezirk Schwerin (02)
-
Bezirk Neubrandenburg (03)
-
Bezirk Potsdam (04)
-
Bezirk Frankfurt (Oder) (05)
-
Bezirk Cottbus (06)
-
Bezirk Magdeburg (07)
-
Bezirk Halle (08)
-
Bezirk Erfurt (09)
-
Bezirk Gera (10)
-
Bezirk Suhl (11)
-
Bezirk Dresden (12)
-
Bezirk Leipzig (13)
-
Bezirk Karl-Marx-Stadt (14)
-
Berlin (15)
Wirtschaft

Bodenschätze und Industrie-Standorte der DDR. Stand August 1990

Das Verwaltungsgebäude des Kombinates Industrieglas Ilmenau, ein
typisches Beispiel für Industriebauwerke dieser Zeit

Warteschlange vor einem Geschäft 1979
Die DDR war trotz der ihr auferlegten Reparationsleistungen an die
Sowjetunion das wirtschaftlich am weitesten entwickelte Land des
RGW und hatte einen höheren materiellen Standard als viele der
entwickelten Staaten der Erde. Sie litt jedoch trotzdem ständig unter
Devisenknappheit. Es herrschte teilweise eine Notlösungswirtschaft.
Das vorherrschende Wirtschaftssystem war eine
Planwirtschaft mit
Fünfjahrplänen,
betrieblichen Fonds und staatlichen Betrieben und Großbetrieben (Kombinate).
In sehr kleinem Umfang wurden auch privatwirtschaftliche Kleinstbetriebe
geduldet, die nicht vollständig der Planung unterworfen waren.
Produktion
Der erste Fünfjahrplan von 1951 bis 1955 verfolgte hauptsächlich das
Ziel, die Folgen der Kriegszerstörungen,
Demontagen und
Reparationen zu beseitigen und die Produktion speziell der
Energiewirtschaft, der
Schwer- und
chemischen Industrie zu steigern. 1955 existierten in der DDR noch
über 13.000 Privatbetriebe, und in der
Landwirtschaft war die
Kollektivierung erst 1960 abgeschlossen.
1957 erreichten die Produktionszahlen der DDR die doppelte Höhe der vor
dem 2. Weltkrieg auf ihrem späteren Gebiet erbrachten Leistungen. Im
gleichen Jahr wurden in der DDR 213 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert
(50 Prozent der Weltförderung), 32,7 Mrd. Kilowattstunden Strom
produziert, 2,9 Mio. Tonnen Stahl (14 mal so viel wie noch 1947), in der
Chemieproduktion hatte die DDR weltweit die zweithöchste Produktionsrate
und war der größte Maschinenexporteur aller Ostblockstaaten, bis 1965
erreichte die Industrieproduktion etwa das fünffache des
Vorkriegsstandes.
Am Anfang der 1970er-Jahre war die DDR für kurze Zeit das zehntgrößte
Industrieland der Erde, gemessen an ihrer Produktionsleistung; z. B.
überstieg das Pro-Kopf BIP 1980 das von Großbritannien zu damaliger
Zeit. Zur Zeit der Wende nahm sie noch einen Platz unter den
fünfundzwanzig stärksten Industrienationen ein.
1972 gab es auf Beschluss des Ministerrates eine letzte
Verstaatlichungswelle. Der Anteil der Privatbetriebe sank auf unter 2
Prozent.
Nationaleinkommen der DDR in Milliarden
Mark der DDR nach vergleichbaren Preisen (Basis 1985, S. 13):
|
Jahr |
gesellschaftliches
Gesamtprodukt |
produziertes
Nationaleinkommen |
|
1950 |
98,186 |
30,352 |
|
1960 |
240,271 |
79,379 |
|
1970 |
405,477 |
121,563 |
|
1980 |
655,212 |
193,644 |
|
1988 |
810,963 |
268,410 |
Einkommen und Konsum
Dennoch waren in der DDR in einigen Bereichen fast immer Konsumgüter
knapp. Für einen
Autokauf musste man sich beispielsweise anmelden, um dann, je nach
Modell, bis zu 15 Jahre warten zu müssen (zu vergleichsweise hohen
Preisen). Ein „Schwarzmarkt“
wurde teilweise geduldet, so dass die Wartezeit durch Zahlung eines
höheren Preises umgangen werden konnte.
Preise und Löhne wurden überwiegend staatlich festgelegt. Der
einheitliche Verkaufspreis subventionierte besonders grundlegende Dinge
des täglichen Bedarfs. Technische Geräte und andere Waren, die auch
gegen Devisen exportiert werden konnten, waren dagegen (an der Kaufkraft
der Bevölkerung gemessen) oft sehr teuer. Die Kaltmiete für eine Wohnung
betrug je nach Ausstattung etwa 30 bis 120 Mark im Monat, ein
Farbfernseher kostete in den 1980er-Jahren zwischen 3.500 und 6.900
Mark, ein Brötchen fünf Pfennige, ein typisches Auto
Trabant 10.000 Mark für den Neuwagen mit Wartezeit und 30.000 Mark
ohne Wartezeit. Unter Kennern galt die Faustregel – (Doppelter Neupreis)
minus (1.000 Mark pro Nutzungsjahr). 1988 besaßen bereits 55 Prozent
aller Haushalte mindestens ein eigenes Auto, während es 1969 erst 14
Prozent und 1980 38 Prozent gewesen waren. Im Vergleich dazu besaßen im
Jahr 1988 61 Prozent der Haushalte in
Westdeutschland ein oder mehrere Autos.
Der Bau von Einfamilienhäusern wurde zunächst wegen Materialknappheit in
nur engen Grenzen ermöglicht (es gab zum Beispiel Vorschriften zur
verbauten Menge an Steinen und vorgeschriebene Haustypen in Abhängigkeit
von der Familiengröße), erlebte aber durch den nicht ausreichenden
staatlichen Wohnungsbau vor allem in den 1980er-Jahren einen gewissen
Aufschwung. Beliebt waren Schrebergärten und
Datschen.
Die Wohnviertel waren weniger nach Einkommensgruppen homogenisiert als
heute in vielen westlichen Ländern. Angehörige verschiedener sozialer
Schichten wohnten oft dicht zusammen. Allerdings wurden die Parteinomenklatura
und die Mitarbeiter vieler „Staatsorgane“ in bestimmten Wohngebieten
durch staatliche Wohnungszuteilungen konzentriert. Das Einkommen einer
Verkäuferin (mit etwa 600–800 Mark), eines Ingenieurs (etwa 500–1.200
Mark) und eines Bauarbeiters (etwa 900–1.800 Mark) unterschied sich in
der Höhe und damit auch im Sparpotenzial (Residualeinkommen),
die Einkommensschere klaffte aber nicht so stark auseinander wie in den
westlichen Industrieländern. Gefragte Handwerker verdienten nicht selten
mindestens so gut wie leitende Ärzte. Man konnte diese Unterschiede im
täglichen Leben an Statusgegenständen kaum ausmachen, da diese wegen
dauernden Mangels kaum erhältlich waren. Sie spielten daher eine weniger
beachtete Rolle (Ausnahmen waren beispielsweise Ärzte, die z. B.
aufgrund von Bereitschaftsdiensten bevorzugt Telefonanschlüsse
erhielten). Trotzdem gelang es vielen, die es sich leisten konnten, sich
durch häufige Reisen innerhalb des Ostblocks sowie nach
Kuba und teilweise durch westliche Konsumwaren aus der breiten Masse
hervorzuheben.
Berufsgruppen mit erwartungsgemäß geringem Zulauf von Auszubildenden
wurden besonders gefördert, die Lehrstellen- und Studienplatzvergabe
wurde anhand des errechneten Bedarfs zentral geplant und über die
Schulen als Lenkorgan realisiert. Die gesetzlich festgeschriebene
Bildungsfreiheit war durch diese Voraussetzungen teilweise nur mit
größeren Hindernissen für den Auszubildenden zu realisieren.
Die Versorgung mit knappen Gütern wie Telefonanschlüssen oder
Baumaterial hing vielfach von Beziehungen oder Zufall ab, nicht selten
spielte auch die jeweilige politische Einstellung eine Rolle.
Gescheiterte Wirtschaftsreformen
Honecker leitete zu Beginn seiner Amtszeit vor allem soziale Reformen
ein, die so genannte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, die auf
dem VIII. Parteitag der
SED 1971 beschlossen wurde. Er ließ etwas mehr politischen und
kulturellen Freiraum, womit auch die Verhandlungen um eine
internationale Anerkennung der DDR befördert werden sollten, und
versuchte den staatlichen Betrieben mehr Freiräume zu lassen. Honecker
galt daher anfangs als Hoffnungsträger. Zugleich ließ er aber in zwei
Wellen in den 1970er-Jahren bis auf Kleinhandwerker alle Betriebe
verstaatlichen, indem sie gezwungen wurden, eine staatliche
Mehrheitsbeteiligung zu akzeptieren.
Die erste
Ölkrise in den 1970er-Jahren traf die DDR-Wirtschaft mit deutlicher
Verzögerung. Anfangs profitierte die DDR sogar von der verzögerten
Anpassung der Ölpreiserhöhungen im RGW-Handel, da sie über die Veredlung
sowjetischen
Erdöls mehr Devisen im Westen erwirtschaften konnte. In diese Zeit
fällt auch die stärkste Wirtschaftsleistung der DDR und wichtige
außenpolitische Erfolge und Anerkennung. Honeckers
Sozialpolitik ließ die Sozialausgaben ab 1972 stärker steigen als
das Nationaleinkommen (vergleichbar dem Bruttosozialprodukt).
Demgegenüber kürzte die Sowjetunion aber wegen eigener wirtschaftlicher
Probleme 1981/82 die Liefermengen erheblich und ließ die Ölpreise im RGW
während des Ölpreissturzes 1985 weitgehend unverändert (Regelung im RGW:
Durchschnittspreis der jeweils letzten fünf Jahre). Die DDR war wieder
zunehmend auf die heimische Braunkohle angewiesen, Energie-, Umwelt- und
Devisenproblem machten ihr zunehmend zu schaffen. Neben den bekannten
Devisenbeschaffungsmaßnahmen wie den
Intershops und dem sog.
Zwangsumtausch wurden auch geheim gehaltene Devisengeschäfte durch
den
Bereich Kommerzielle Koordinierung verstärkt. Auch wurde versucht
durch Rüstungsexporte, neben dem Hauptabnehmer Sowjetunion auch in
Afrika und dem Mittleren Osten weitere Devisen zu erwirtschaften und
(weitgehend vergeblich) außerhalb des RGWs Wirtschaftsvereinbarungen
über Energierohstoffe zu erzielen. Bereits Anfang der 1980er-Jahre war
im Westen von der notwendigen Stabilisierung der DDR die Rede,
Bayerns Ministerpräsident
Franz Josef Strauß initiierte einen Kredit über eine Milliarde
DM über die
Bayerische Landesbank.
Mit dem insbesondere militärisch orientierten Mikroelektronikprogramm ab
1977 zum Aufbau einer eigenen
Mikroelektronikindustrie bis 1990 wurden etwa 15 Milliarden DDR-Mark
investiert – die Sowjetunion nahm aber die Rüstungsprodukte ab Mitte der
1980er-Jahre nicht mehr ab und die zwangsweise Umstellung auf rein
zivile Produktion führte wegen der boykottbedingten mangelnden
Verfügbarkeit westlicher Basistechnologien zu absurden Kostenstrukturen.
Im Vergleich zur Bundesrepublik war die industrielle Infrastruktur
verschlissen, die Arbeitsproduktivität gering und die
Produktionsmethoden ineffizient. Die
Währungsunion kurz vor der
Wiedervereinigung basierte, entgegen den Ratschlägen von Fachleuten
wie
Karl Otto Pöhl und
Alfred Herrhausen, auf einem Umtauschkurs von 1:1. Sie setzte die
geschwächte DDR-Wirtschaft in direkte Konkurrenz zur Bundesrepublik,
brachte die Exporte in den RGW 1990 fast zum Erliegen und trug in der
Folgezeit zum Verlust vieler tausender Arbeitsplätze bei.
Das geheime „Schürer-Papier, Analyse der ökonomischen Lage der DDR“ vom
27. Oktober 1989, das zur Rettung der DDR-Wirtschaft beitragen sollte,
zog die folgende Schlussfolgerung über einen funktionierenden
Sozialismus:
Insgesamt geht es um die Entwicklung einer an den
Marktbedingungen orientierten sozialistischen Planwirtschaft bei
optimaler Ausgestaltung des demokratischen Zentralismus, wo jede Frage
dort entschieden wird, wo die dafür nötige, größere Kompetenz vorhanden
ist.
In dem Gutachten wurde ausgehend von der aktuellen Staatsverschuldung,
sowohl in
Mark der DDR wie auch in
Devisen (49 Milliarden
Deutsche Mark), sowie der voraussichtlichen Entwicklung der
Rohstoff- und Weltmarktsituation eine kritische Entwicklung der
Staatsfinanzen in absehbarer Zeit prognostiziert. Die in dem Papier zur
Vermeidung bzw. Abschwächung dieser Situation gemachten Vorschläge kamen
aber nicht mehr zur Ausführung. Da jedoch die geheimen Außenstände und
Devisenreserven, die unter anderem vom
Bereich Kommerzielle Koordinierung angelegt wurden, unwissentlich
nicht mitberücksichtigt wurden, betrug die Auslandsverschuldung jedoch
nur 20 Milliarden D-Mark.
Die tatsächliche Auslandsverschuldung war der Wirtschaftsführung
aufgrund der DDR-internen Informationsverschleierung nicht bekannt.
Arbeits- und Sozialrecht
Typisch für
sozialistische
Gesellschaften war die Regelung eines einheitlichen
Arbeitsrechts. Es basierte – nicht auf der Vertragsfreiheit
vergleichbar nach dem
BGB – sondern auf
Rechten und
Pflichten des
Individuums gegenüber der Gesellschaft; siehe
Arbeitsrecht in der DDR
Die
Sozialversicherung, einschließlich der
Kranken- und
Rentenversicherung, oblag für
Arbeiter und
Angestellte als einheitliche
Pflichtversicherung der
Sozialversicherung des FDGB sowie für
selbstständige Unternehmer der
Staatlichen Versicherung der DDR.
Außenhandel
Die DDR war als hochindustrialisiertes Land auf den Import diverser
Waren, Nahrungsgüter und Rohstoffe angewiesen. Einkäufe auf dem
Weltmarkt musste sie mangels einer konvertierbaren Währung über
Tauschgeschäfte oder selbst erwirtschaftete Devisen erwirtschaften und
erzielte dabei zunehmende Außenhandelsvolumina (Angaben in Milliarden
Valutamark, effektive Preise; S. 32):
|
Jahr |
Außenhandels-
umsatz
gesamt |
davon in
sozialistische
Länder |
davon in
Entwicklungs-
länder |
davon in
kapitalistische
Industrieländer |
|
1950 |
3,678 |
2,660 |
0,014 |
1,004 |
|
1960 |
18,487 |
13,799 |
0,791 |
3,897 |
|
1970 |
39,597 |
28,340 |
1,601 |
5,346 |
|
1980 |
120,101 |
79,810 |
7,331 |
32,960 |
|
1988 |
177,337 |
122,549 |
5,889 |
48,898 |
Allerdings waren Devisenknappheit und Schwierigkeiten in der
Rohstoffbeschaffung zum Ende der DDR ein immer drängenderes Problem,
gegen das auch
unkonventionelle Devisenbeschaffungsmaßnahmen nicht aushalfen.
Die wichtigsten Außenhandelspartner waren noch vor den kommunistischen
Nachbarländern die Sowjetunion und die Bundesrepublik. Die
vergleichsweise kleine DDR war mit einem Anteil von 11 Prozent am
Außenhandel der Sowjetunion deren größter Handelspartner. Umgekehrt
betrug der sowjetische Anteil am DDR-Außenhandel 40 Prozent. Der
Warenaustausch mit der Sowjetunion wuchs von 1,5 Milliarden
Valutamark (1950) über 7,9 Milliarden Valutamark (1960) und
erreichte einen Wert von 71 Milliarden Valutamark im Jahre 1987. Fielen
in den ersten Jahren nach dem
Zweiten Weltkrieg noch
Reparationsleistungen darunter, entwickelte sich unabhängig davon
ein reger Warenaustausch. Der war bedingt durch die industrielle
Leistungsfähigkeit wie auch den Rohstoffbedarf der DDR. Diese war z. B.
von Steinkohlelieferungen aus dem Ruhrgebiet und dem früheren
Oberschlesien abgeschnitten worden und musste dies
technisch substituieren. Sie war im RGW – neben der heimischen
Braunkohle – vor allem auf
Erdöl aus der UdSSR als Basis ihrer Energiewirtschaft und chemischen
Industrie angewiesen. Die Sowjetunion ihrerseits hatte einen bedeutenden
Bedarf an Industrie- Konsum- und (auch militärischen) Elektronikgütern.
Mit dem Beitritt der DDR in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe
(RGW/COMECON) im Herbst 1950 wurde versucht, die Volkswirtschaften der
Mitgliedsländer arbeitsteilig zu koordinieren und mit einer
internationale Spezialisierung und Kooperation Mangelerscheinungen zu
beseitigen. Die DDR-Wirtschaft hatte unter anderem die Aufgabe, den
Industrialisierungsbedarf der Sowjetunion zu decken. Dies betraf die
Infrastruktur, landwirtschaftliche Maschinen und Transportausrüstungen,
Schiffe, Reisezugwagen, Werkzeugmaschinen und Krane. Darüber hinaus
lieferte die DDR über die dafür gegründete Wismut AG
Uranpechblende in die UdSSR, welche für die Atomwaffenproduktion
eingesetzt wurde. Der 1983 gefasste Entschluss, im Rahmen der
sogenannten Mikroelektronikinitiative, die Militärindustrie und
Rüstungsexporte erheblich zu erweitern, kam aufgrund der Politik
Michail Gorbatschows nicht mehr zum Tragen.
15 Prozent des DDR-Außenhandelsvolumens wurden zollfrei im sogenannten
Interzonenhandel mit der Bundesrepublik abgewickelt und getauscht.
Die DDR ermöglichte damit Technologietransfer aus dem Westen in die
Sowjetunion und konnte indirekt auch auf den westeuropäischen Markt
zugreifen. In den 1970er-Jahren profitierte die DDR erheblich vom
Zwischenhandel mit sowjetischem Rohöl und davon abgeleitenen
Chemierohstoffen und Treibstoff mit dem Westen. Wegen der über Jahre
gemittelten Verrechnungspreise im RGW und erst nachträglich
schrittweisen Reduktionen der Liefermengen durch die Sowjetunion wurde
die
Ölkrise in der DDR erst Anfang der 1980er-Jahre voll wirksam. Ein
weiteres wichtiges Importgut, welches auch zu erheblichen
innenpolitischen
Krisen führte, war
Kaffee.
Die Einstellung der sowjetischen Kaffeelieferungen 1954 führte zu einer
der ersten DDR-Versorgungskrisen und intensivierte die
Außenhandelsbemühungen. Kaffee wuchs bis in die 1970er-Jahre zu einem
der wichtigsten Posten im Haushaltsbudget der DDR-Haushalte heran,
wobei Westimporte etwa 20 Prozent des Bedarfs deckten. Während eines
durch eine Missernte ausgelösten Preisanstieg 1977 empfahl
Alexander Schalck-Golodkowski bereits, die DDR-Kaffeeversorgung
auszusetzen, was ZK-Mitglied
Werner Lamberz mit Tauschgeschäften von Rüstungsgütern gegen
Rohkaffee,
etwa mit Äthiopiens Diktator
Mengistu abzuwenden versuchte. Die dennoch notwendigen drastischen
Preiserhöhungen und der Versuch,
ersatzkaffeehaltige Kaffeemischungen
einzuführen, führten zu breiten und ungewohnt heftigen Protesten der
Bevölkerung und einem erheblichen Gesichtsverlust der politischen
Führung.
Technik und Wissenschaft
Als Industrieland versuchte die DDR sich auf vielen industriellen und
technischen Gebieten vom Westen unabhängig zu machen und ihre
technischen Aufgaben im Rahmen des
RGW und der „sozialistischen Integration“ zu erfüllen. Eine
wesentliche Rolle sollten dabei Wissenschaftler und Techniker der DDR
spielen. Auf einigen Gebieten waren erhebliche Erfolge zu verzeichnen.
Die Forschung und Wissenschaft in der DDR war erheblich
anwendungsorientiert und praxisbezogen.
Bekannte Wissenschaftler und Techniker der DDR
-
Manfred von Ardenne (1907–1997), Erfinder
-
Heinz Barwich (1911–1966), Kernphysiker
-
Friedrich Behrens (1909–1980), Wirtschaftswissenschaftler
-
Arne Benary (1929–1971), Wirtschaftswissenschaftler
-
Klaus Fuchs (1911–1988), Physiker und Spion
-
Werner Hartmann (1912–1988), Physiker und Begründer der
Mikroelektronik in der DDR
-
Gustav Hertz (1887–1975), Physiker
-
Karl Lanius (1927), Physiker
-
Sigmund Jähn (* 1937), Kosmonaut, Jagdflieger, Physiker,
Militärwissenschaftler
-
Nikolaus Joachim Lehmann (1921–1998), Mathematiker, Wegbereiter
des Kleincomputers
-
Jens Reich (* 1939), Molekularbiologe, Arzt, Essayist
-
Max Steenbeck (1904–1981), Physiker
-
Hans-Jürgen Treder (1928–2006), Physiker
-
Heinz Kautzleben (* 1934), Wissenschaftler und Geophysiker
Weitere Personen bei
Liste der Wissenschaftler, Techniker, Erfinder und Forscher der DDR
Kultur, Bildung, Sport
Kultur
Der Kultur wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. Es war erklärtes Ziel,
als sozialistische Kultur zur ideologischen Erziehung und Gestaltung
eines sozialistischen Weltbildes beizutragen. Entsprechend streng war
die Zensur.
Gab es 1957 allein 86 Theater, 40 Sinfonieorchester, 11.092
Bibliotheken, 284 Heimat- Kunst- und Naturkundemuseen, 803 Kulturhäuser,
451 Klubhäuser, 6 hauptberufliche Volkskunstensembles und 3078 Kinos, so
zählte man 1988 18.505 staatliche, Gewerkschafts- und wissenschaftliche
Bibliotheken, 1.838 Kultur- und Klubhäuser, 962 Jugendklubs, 111
Musikschulen, 213 Theater, 88 Orchester, 808 Kinos, 10 Kabaretts, 741
Museen und 117 zoologische oder Heimattiergärten (S. 318–328).
Die Auftragskunst der DDR und fast sämtliche im Staatsbesitz
befindlichen Kunstwerke der DDR wurden kurz vor der Wiedervereinigung
vom letzten Kulturminister der DDR
Herbert Schirmer aus allen Städten, Volkseigenen Betrieben, Schulen,
Kulturhäusern, Pionierhäusern, Klubs etc. eingezogen und in die Burg
Beeskow gebracht. Es waren 23.000 Werke, bestehend aus 1500
Gemälden, 12.000 Graphiken, 2000 Zeichnungen, aus Fotos, Plakaten,
Plastiken, und Gastgeschenken an staatliche Stellen und Betriebe.
Seitdem wurden diese Werke vom
Kunstarchiv Beeskow verwaltet, das damit regelmäßig Ausstellungen
zusammenstellt.
Bildungswesen
1957 gab es in der DDR 10.471 allgemeinbildende Schulen (darunter 1150
Mittelschulen und 373 Oberschulen, d. h.
EOS. Durch Zentralisierung und Erhöhung der Klassenzahlen wurde die
Anzahl der allgemeinbildenden Schulen (POS,
EOS,
Sonderschulen) bis 1988 auf 5.907 gesenkt (S. 304).
In der Berufsausbildung vollzog sich eine ähnliche Entwicklung. Waren es
1950 noch 1.583 Berufsschulen, zählte man 1988 noch 955 (S. 306).
Es war garantiert, dass jeder Schulabgänger eine Lehre annahm oder zum
Studium an eine Hoch- oder
Fachschule beziehungsweise an eine Universität ging. 1957 gab es 307
Fachschulen, 46 Hochschulen (darunter sechs Universitäten) und fünf
Akademien. Im Jahr 1988 zählte man noch 237 Fachschulen und 53
Hochschulen und Universitäten (S. 312 f.).
Das Bildungssystem der DDR war im Wesentlichen als ein einheitliches
Gemeinschaftsschulsystem konzipiert, mit anschließenden tertiären
Bildungseinrichtungen. Aufbauend auf der Vorschulerziehung im
Kindergarten und der ab den 1950er-Jahren für alle Kinder
verbindlichen zehnklassigen
polytechnischen Oberschule (POS)
folgten
-
eine zwei- bis
dreijährige Berufsausbildung (Abschluss Facharbeiter)
-
eine
dreijährige Berufsausbildung (Facharbeiterbrief mit
Abitur) oder
-
eine
Abiturausbildung auf der
Erweiterten Oberschule (EOS). Diese begann bereits nach der 8.
Klasse der POS und führte in vier Jahren zum Abitur. Erst ab Beginn
der 1980er-Jahre schlossen sich zwei Jahre EOS an die Beendigung der
zehnjährigen POS an.
Wesentliche Merkmale des Schulsystems der DDR waren
-
einheitliche
Bildungsinhalte für alle Kinder bis Klasse 8 (später 10) und Beginn
der äußeren Differenzierung nach Klasse 10; diese Einheitlichkeit
war die Grundlage der Abschlussprüfungen der 10. Klasse und des
Abiturs;
-
die gezielte
Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt durch
polytechnische Ausbildung und eine Schwerpunktsetzung auf die
mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, während die
geisteswissenschaftlichen Fächer stark ideologisch ausgerichtet
waren;
-
das Bemühen um
eine Einheit von Bildung und Erziehung mit dem Ziel der
vollständigen Integration der Absolventen in die sozialistische
Gesellschaft (und geringer Toleranz für Andersdenkende).
Trotz einer Ausbildungs- und Arbeitsplatzgarantie und einem sehr hohen
Anpassungsdruck auf nicht der Norm entsprechende Jugendliche gab es eine
signifikante Anzahl von Ungelernten
und
Obdachlosen in der DDR. Der Anteil der Schulabgänger mit
Hochschulreife war in der DDR deutlich geringer als im Westen.
Wehrerziehung
Ab 1978 mussten Mädchen und Jungen der 9. und 10. Klasse am
Wehrunterricht teilnehmen, eine Freistellung war nicht möglich,
FDJ-Mitglieder mussten in Blauhemden erscheinen. Hier wurde in einem
theoretischen Teil militärisches und politisches Grundlagenwissen über
die NVA und die „sozialistische Landesverteidigung“ vermittelt.
Wesentlicher Teil des praktischen Wehrunterrichts war ein Wehrlager für
die Jungen oder ein Lehrgang für
Zivilverteidigung für Mädchen sowie für Jungen, die nicht am
Wehrlager teilnahmen.
Die vormilitärische Ausbildung setzte sich für alle Jugendlichen in der
Berufsausbildung und an den
EOS sowie im Studium fort. Die
Gesellschaft für Sport und Technik (GST) trainierte nicht nur
Jugendliche auf freiwilliger Basis in militärischen Sportarten, sondern
war auch für einen Großteil der vormilitärischen Ausbildung für alle
Jugendlichen verantwortlich.
Sport
Der Sport nahm eine besondere Rolle im System der DDR ein. In
Kindergärten und Schulen gab es sportliche Ausbildungsprogramme. Das
diente einerseits der Volksgesundheit, aber bereits hier wurde auch eine
systematische Talenteschau durchgeführt mit dem Ziel,
Hochleistungssportler zu gewinnen. Die Ausbildung erfolgte in besonderen
Sportschulen und später in Leistungszentren. Der
Sportmedizinische Dienst der DDR war ein speziell eingerichtetes
medizinisches Netzwerk.
Gefördert wurde zum einen der
Breitensport.
Walter Ulbricht prägte den Satz: „Jedermann an jedem Ort, einmal in
der Woche Sport“, bei dem später das „einmal“ durch „mehrmals“ ersetzt
wurde. Im Jahr 1988 gab es z. B. 10.674 Sportgemeinschaften mit fast 3,8
Millionen Aktiven, 159.006 Schieds- und Kampfrichtern und 264.689
Übungsleitern. Es gab 330 Sportstadien und 1.220 Sportplätze. An den
Kreis- und Bezirksspartakiaden nahmen 1988 insgesamt 1.064.000 Kinder
und Jugendliche teil (S. 330 f.).
Die DDR-Führung vermochte zum anderen, mit den Erfolgen im
Leistungssport die Anerkennung ihres Staates in den Augen der
eigenen Bevölkerung und international zu verbessern. Allein bei
Olympischen Spielen errangen die DDR-Sportler 1968 in Mexiko 25
Medaillen, 1972 in München schon 66 und 1988 in Seoul 102 Medaillen. Von
1986 bis 1988 brachten sie 90 Weltmeister und 77 Europameister hervor
(S. 332 f.).
Daher setzte die DDR-Führung auch gezielt
Doping ein, um die Ergebnisse zu steigern.
Feiertage
Gesellschaftliche Organisationen
Die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger im schulpflichtigen oder
erwerbstätigen Alter war in einer oder mehreren dieser Organisationen
Mitglied:
-
Pionierorganisation Ernst Thälmann
-
Freie Deutsche Jugend (FDJ)
-
Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) in der
Liga für Völkerfreundschaft
-
Deutscher Turn- und Sportbund (DTSB)
-
Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
-
Volkssolidarität
-
Deutscher Anglerverband (DAV)
-
Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW)
-
Nationales Olympisches Komitee der DDR (NOK)
-
Deutscher Fußball-Verband (DFV)
-
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina,
Halle (Saale)
-
URANIA – Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse
-
Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)
-
Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB)
-
Kammer der Technik (KdT)
-
Domowina (Bund der
Sorben in der
Lausitz)
-
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
-
Liga für Völkerfreundschaft
-
Friedensrat der DDR
-
Allgemeiner Deutscher Motorsport-Verband (ADMV)
-
Nationaler Rat der DDR zur Pflege und Verbreitung des Deutschen
Kulturerbes
-
Verband der Freidenker, Anfang 1989 wiederbelebt
-
Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer
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