

Erkennungsflagge für deutsche Handelsschiffe
1946–1950
Karte

Die Zeit in Deutschland zwischen 1945 und 1949, vom Kriegsende
durch die
bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und Niederlage des
Deutschen Reiches bis zur Gründung beziehungsweise Neuorganisation
zweier deutscher Staaten als Teile der deutschen
Nation und damit dem Beginn der 40-jährigen Geschichte
deutscher Teilung, zählt zu den „kompliziertesten Abschnitten der
deutschen Geschichte […] einem interdependenten Prozess, an dem alle
Weltmächte beteiligt waren.“ (Lutz
Niethammer)
Die Lage nach Kriegsende
Allgemein galt: die Staatsorganisation des
Deutschen Reiches war bereits vor dem „Zusammenbruch“ stark
zerfallen, nach Zerschlagung der
Obersten Reichsbehörden und der NS-Parteiorganisation durch die
Siegermächte war die Bevölkerung („dies unglückselige Volk“,
Thomas Mann, 1945) und nachgeordnete Verwaltung weitgehend auf
Selbstorganisation zurückgeworfen. Zusammen mit den großen
Wanderungsbewegungen von
Heimatvertriebenen und
Flüchtlingen trug der Zerfall der deutschen Wirtschaftsräume zum
allgemeinen sozialen Elend bei. Auch konnten oder wollten sich die
verschiedenen
Besatzungsmächte zunächst nicht auf eine gemeinsame Politik einigen,
die Briten organisierten ihre
Besatzungszone in Nordwestdeutschland z. B. eher zentralistisch
wogegen die Amerikaner in Süddeutschland eher
föderalistisch vorgingen. Am 5. Juni 1945 kam es in der
Berliner Erklärung der Oberbefehlshaber der Vier Mächte zur
Übernahme der obersten Regierungsgewalt in Deutschland durch deren
Regierungen und die Einsetzung eines
Alliierten Kontrollrates mit Sitz in
Berlin. Deutschland wurde innerhalb seiner
Grenzen vom 31. Dezember 1937 in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Für
Groß-Berlin erfolgte eine gemeinsame Besetzung der Alliierten und
die Einrichtung einer Interalliierten Kommandantur für die Verwaltung
des Stadtgebietes. Bis zum 1. Juli 1945 räumten die Briten und
US-Amerikaner die Länder Sachsen, Thüringen und Teile von Mecklenburg
und übergaben sie der sowjetischen Kontrolle. Im Austausch dafür
erhielten die Westalliierten die Besetzung der drei westlichen Sektoren
Berlins.

Berliner zerlegen ein verendetes Pferd, Mai 1945.
Die ersten
Länder wurden im Juli 1945 in der
sowjetischen Besatzungszone gegründet. Allerdings verfolgte die
Sowjetunion für die Zukunft
Deutschlands den Entwurf eines
zentralistischen Staates, in dem die Länder lediglich
Verwaltungseinheiten darstellen sollten. Dem stand das amerikanische
Konzept eines
föderalen Staates gegenüber, in dem die Länder auch eine wichtige
politische Rolle spielen sollten. Aufgrund der „Proklamation Nr. 2“
entstanden am 19. September 1945 in der amerikanischen Besatzungszone
die ersten Länder mit dieser Ausrichtung. Die allgemeine
Lebensmittelversorgung war schlecht und man bekam nicht genug zu essen.
Viele Leute starben an Hunger oder Durst – insbesondere Säuglinge und
Kleinkinder, weil keine Milch vorhanden war.
In der sowjetisch besetzten Zone standen intensive Industriedemontagen (Reparationsmaßnahmen)
im Vordergrund: immerhin hatte die
Sowjetunion die Hauptlast beim Kampf gegen das
nationalsozialistische Deutschland tragen müssen – knapp 22
Millionen sowjetische Zivilisten und Soldaten starben während des
Krieges. Die Demontagen in den Fabriken wurden durch die Arbeiter
durchgeführt, die an den Maschinen oft jahrelang gearbeitet hatten. Aus
natürlicher Abneigung gegen diese Maßnahmen, wurde immer wieder
„vergessen“, für den Betrieb notwendige Einzelteile auch zu verpacken.
Damit war bei einem Wiederaufbau in der Sowjetunion eine weitere Nutzung
meist ausgeschlossen. Daher beendete man schon frühzeitig die Demontagen
vor Ort, überführte die geeigneten Betriebe in
Sowjetische Aktiengesellschaften und transportierte dann die
„überprüften“ Fertigprodukte als Reparationsleistung ab.
Die verschiedenen Strategien befanden sich bei den Alliierten jeweils
teilweise bereits seit
1943 in der Ausarbeitung (vgl. auch
Atlantik-Charta,
Casablanca-Konferenz,
Konferenz von Teheran,
Erklärung von Jalta). Trotzdem wurden die wechselhaften Ergebnisse
der Besatzungspolitik lange sowohl von den Besatzungsmächten, als auch
von der betroffenen deutschen Bevölkerung als reine
Provisorien betrachtet. Erst mit der verstärkten Konfrontation der
weltpolitischen Blöcke wurde aus Vorläufigem – vor allem aus der
Deutschen Teilung – zunehmend scheinbar Endgültiges. Ein formaler
Friedensvertrag ist jedoch niemals abgeschlossen worden.
Details

Deutschland 1947. Die vier
Besatzungszonen gemäß dem
Potsdamer Abkommen, das freie
Saarland und die unter polnische und sowjetische Verwaltung
gestellten
deutschen Ostgebiete
Etwa 1000
Selbstmorde gab es in
Berlin im Mai
1945. Von ehemals 4,3 Mio. Einwohnern zählte man noch 2,3 Millionen
in der weitgehend zerstörten Stadt. Am 14. Mai erschien aber bereits
wieder die erste Zeitung: die „Neue Rundschau“, herausgegeben von den
sowjetischen Militärbehörden. Ab 21. Mai wurde auch erneut
Radio aus Berlin gesendet. Durch Zwangsrekrutierung von
Räumungskräften gelang den Sowjets die Räumung der Straßen binnen 14
Tagen. Bis Juli leitete General
Schukow und sein Stadtkommandant Berlin.
Schwarzmärkte in der Brunnenstraße, am Potsdamer Platz und am
Bahnhof Zoo kamen auf.
Am 29. Mai wurde die Meldepflicht für alle Frauen zwischen 15 und 65
Jahren in Berlin eingeführt. Arbeit als „Trümmerfrau“
brachte bessere
Lebensmittelkarten ein. Frauen, die in den ersten Nachkriegsjahren
die Hauptlast des Wiederaufbaus in Deutschland trugen, entwickelten in
dieser Zeit ein neues Selbstverständnis und -bewusstsein. Das
konservativere Klima der späteren Adenauer-Jahre sollte die
emanzipativen Ansätze aber weitgehend wieder einkassieren – zumindest in
Westdeutschland. Schon im ersten
Deutschen Bundestag von 1949 waren Frauen anteilsmäßig spärlicher
vertreten als noch im
Reichstag der Weimarer Republik.
Männer als Helfer waren zunächst eher selten: in den letzten Wochen vor
dem Kriegsende ergaben sich allein den Amerikanern vier Millionen
deutsche Soldaten, 1,3 Millionen davon wurden in den sogenannten
Rheinwiesenlagern interniert, logistische Probleme der Versorgung
dieser Gefangenenmassen resultierten: etwa 10.000 Deutsche starben in
den improvisierten unüberdachten
Kriegsgefangenenlagern auf offenem Feld. Ab Juli 1945 wurden die
Gefangenen auch unter britische und französische Aufsicht gestellt. Über
700.000 Kriegsgefangene stellten die USA den Franzosen zum Wiederaufbau
ihres Landes zur Verfügung, einige mussten unter harten Bedingungen im
Bergbau arbeiten. Viele konnten erst 1948 in die Heimat zurückkehren.
Insgesamt befanden sich 1945 elf Millionen deutsche Soldaten in
Gefangenschaft, fünf Millionen von ihnen kamen recht schnell wieder in
Freiheit. Vor allem in sowjetischer
Kriegsgefangenschaft aber waren die Überlebensaussichten schlecht,
für einige Gefangene kam die „Kriegsheimkehr“ hier erst
1956.
Hilfe für Berliner Kinder organisierte die britische
Landverschickungsaktion „Stork“. Hilfe kam außerdem aus der
Schweiz, aus
Schweden und von amerikanischen
Quäkern.
Im
Berliner Magistrat war
Ferdinand Sauerbruch für das Gesundheitswesen und
Hans Scharoun für das Bauwesen zuständig, acht andere wichtige
Posten wurden von Kommunisten besetzt. Am 10. Juni ließen die
sowjetischen Behörden wieder Parteien zu.
Im Berliner Westsektor wurden die Zeitungen „Tagesspiegel“
und „Kurier“ zugelassen. In der „Femina-Bar“ Westberlins nehmen es
amerikanische Soldaten nicht so genau mit dem offiziellen Gebot der „Non-Fraternization“.
Eine Flasche gepanschten Korns ging in Berliner Lokalen für 900
Reichsmark schwarz über die Theke. Bald setzte sich die
Zigaretten-Währung gegenüber den entwerteten deutschen Banknoten durch –
zumindest inoffiziell. Auch dies war teilweise eine Spätfolge der
verantwortunglosen Finanzpolitik des Dritten Reiches, welche für Rüstung
und Krieg die umlaufende Geldmenge aufgebläht hatte.
Am 6. Oktober 1945 erschien in
München die erste Nummer der
Süddeutschen Zeitung. Sie erschien zunächst nur zweimal in der Woche
und umfasste vier Seiten. In den
Westzonen mussten Zeitungen bis in die späten Vierziger Jahre
lizenziert sein, d. h. es sollte verhindert werden, dass ehemalige
Nationalsozialisten, rechtsextreme Nationalisten oder
Demokratiegegner neuerlich publizistisch tätig wurden. Die erste Ausgabe
des „Neuen
Deutschland“ erschien im April 1946 im Ostsektor Berlins. In
Ostdeutschland sicherte die sowjetische Militäradministration (SMAD)
die Linientreue der Publikationen über Materialzuteilungen. Nur KPD/SED-nahe
Blätter erhielten ausreichend Druckpapier. Die
Presse unterlag in den Jahren der Besatzung bestimmter Kriterien –
Stichwort: „Lizenzzeitung“
und „Heeresgruppenpresse“.
Die allgemeine Versorgungslage war vorerst schlecht: die
Durchschnittsversorgung pro Tag erreichte z. B. in
Bayern gerade 1000 Kalorien. Die „Cooperative for American
Remittances for Europe“ (CARE)
schickte
Versorgungs-Pakete.
Potsdamer Konferenz

Stalin in Potsdam (in weißer Uniform). Rechts neben ihm der sowjetische
Außenminister Molotow

Deutschland in den Grenzen von 1937, wie es (ohne die
Freie Stadt Danzig) völkerrechtlich – aufgrund
alliiertem Vorbehaltsrecht – bis 1990 Bestand hatte, jedoch ab 1970
zunehmend an Bedeutung verlor.
Bereits am
5. Juni 1945 wurde von den Siegermächten
USA,
Großbritannien und Sowjetunion in der Dreimächtekonferenz die
Aufteilung des
Großdeutschen Reiches in vier
Besatzungszonen, die Übergabe der Verwaltungshoheit über die
deutschen Ostgebiete durch die UdSSR an
Polen und
Groß-Berlins in
vier Sektoren beschlossen. Erste Tendenzen einer Spaltung
Deutschlands zeigten sich.
Anfang Juli 1945 zogen amerikanische Truppen in ihren Sektor Berlins
ein. Mitte Juli waren
Winston Churchill,
Harry S. Truman und
Josef Stalin in Deutschland. Das
Abkommen von Potsdam wurde zwischen ihnen am
2. August 1945 verabschiedet. Man beschloss u. a. die
Demokratisierung Deutschlands, die Dezentralisierung seiner
Wirtschaft, die Einrichtung eines gemeinsamen
Kontrollrates (ab
30. August), die Demilitarisierung und Denazifizierung des Landes,
die Einrichtung eines Internationalen Militärtribunals (siehe weiter bei
Nürnberger Prozesse) und die faktische Abtrennung der Gebiete
östlich der
Oder-Neiße-Linie, indem sie unter einstweilige polnische
Verwaltung gestellt wurden. Damit verlor Deutschland faktisch ein
Viertel seines
Hoheitsgebiets (Grenzen
von 1937), das heißt die ganze Provinz
Ostpreußen sowie
Pommern und
Schlesien zu mehr oder weniger großen Teilen. Aus diesen Gebieten
strömten allein bis Oktober 1946 fast zehn Millionen Flüchtlinge in die
Besatzungszonen des verbliebenen Deutschlands. Gebietsverluste und die
anfänglich als gewaltsame
Vertreibung dramatisch verlaufende „Umsiedlung“ (Anthony
Eden) deutscher Bevölkerung waren dabei auch Folgen der deutschen
Angriffskriege gegen Polen und die Sowjetunion, der deutschen
Gewaltherrschaft in den entsprechenden besetzten Gebieten sowie der
erzwungenen
Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Forderung nach einem „ausgeglichenen Wirtschaftsleben in ganz
Deutschland“ wurde schon bald durch die Auseinanderentwicklung der
Wirtschaftsverhältnisse in Ost- und Westzonen (auch eine Folge der
zunehmenden Konfrontation der politischen Blöcke im
Kalten Krieg) Makulatur.
Über die sowjetischen Reparationsforderungen kam es bei der Konferenz
bereits zu einem ersten Eklat mit den USA. Die Feierlichkeiten zum
Sieg über Japan begingen die Alliierten aber noch gemeinsam vor dem
Brandenburger Tor.
Wanfrieder Abkommen
Das
Wanfrieder Abkommen bezeichnet einen Vertrag über einen
Gebietstausch zwischen amerikanischer und sowjetischer Besatzungszone
vom 17. September 1945.
Verhandlungsführer waren Brigadegeneral W. T. Sexton auf amerikanischer
Seite und Generalmajor V. S. Askalepov auf sowjetischer Seite.
Zwar fanden noch an anderen Grenzabschnitten Vereinbarungen zum
Austausch von Gebieten statt, jedoch hat einzig das Wanfrieder Abkommen
den Status eines Vertrags zwischen den betreffenden Siegermächten und
ist somit dem
Potsdamer Abkommen gleichgestellt.
Notzeit und Wiederaufbau
Eine eigentliche „Stunde
Null“ gab es für die deutsche Wirtschaft nicht: Deutschland lag
keineswegs zur Gänze in Trümmern. Der Historiker Niethammer formuliert
es kühl: „[…] in der Bilanz hatten die Bomber die deutsche Industrie
nicht ausgelöscht, sondern ihre Expansion im Krieg abrasiert, die
Menschen- und Qualifikationsverluste des Krieges wurden durch den Zuzug
aus dem Osten und die Leistungsbereitschaft der auf ein elementares
Existenzniveau herabgedrückten Bevölkerung mehr als ausgewogen.“
Immerhin war jedoch ein Viertel aller Wohnungen zerstört worden, in
vielen Städten gar über 50 Prozent.
Am 6. September 1946 hielt der
amerikanischen
Außenminister
James F. Byrnes in
Stuttgart die
Rede der Hoffnung und kündigte damit die
Bizone an. Mitte 1947 stellte US-Außenminister
George C. Marshall in Harvard sein
Wirtschaftsförderungsprogramm für Europa vor; die Maßnahmen des
Marshall-Plans griffen auch bald in Deutschland, wobei diese Wirkung
eher psychologische als rein materielle Gründe hatte. Im Juli 1947
erhielt der amerikanische Militärgouverneur General
Lucius D. Clay von seiner Regierung neue Richtlinien, die die
Direktive
JCS 1067 aus dem Jahr 1945 („[take] no steps looking toward the
economic rehabilitation of Germany […]“
ersetzten, da zunehmend deutlich wurde, dass die Wirtschaft ganz Europas
unter der De-Industrialisierung Deutschlands zu leiden hätte. Nun hieß
es:
Für ein geordnetes und blühendes Europa sind die wirtschaftlichen
Beiträge eines stabilen und produktiven Deutschlands ebenso notwendig
wie die Beschränkungen, die die Garantie geben sollen, dass der
destruktive Militarismus in Deutschland nicht wieder aufleben kann.
Bis 1950 wurde im Westen bereits wieder das Niveau des
Bruttosozialproduktes von 1936 erreicht.
Die
Sowjetische Besatzungszone (SBZ) hatte dagegen forcierte Demontagen
zu verkraften – allein von 1945 bis Ende 1946 wurden 1000 Betriebe
abgebaut, bis März 1947 fast 12.000 Kilometer Schienen demontiert. Mit
der
Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) wurde ab Frühjahr 1948 die
Umwandlung zur
Planwirtschaft begonnen. Im Gegensatz zur Praxis der Westzonen
diente die „Entnazifizierung“ in der SBZ auch zu massiven Enteignungen
und gesellschaftlichen Umverteilungen und Umstrukturierungen (Bodenreform
ab September 1945 u. a.). Trotzdem sollte sich die Sowjetzone als
spätere
DDR zu einem der relativ wohlhabenderen Ländern des
Ostblocks entwickeln, welches allerdings stets dem ökonomischen
Niveau der westalliierten Besatzungszonen beziehungsweise der späteren
Bundesrepublik hinterherhinkte.
Details
Mitte 1947 waren bereits wieder alle Berliner
U-Bahn-Strecken in Betrieb. Die Taxinutzung war vorerst noch
Personal der Alliierten vorbehalten. Noch vor der Währungsreform
eröffnete das Berliner Warenhaus Hertie. Zahlreiche Umtauschstellen
hatten großen Zulauf, u. a. wurde hier auch mit selbst angebautem Tabak
(„Strunken“) gehandelt. Waffen und Militärgüter wurden zivil umgenutzt,
aus Flugzeugreifen wurden so beispielsweise Schuhsohlen. Bis August 1947
trafen 450.000 entlassene Kriegsgefangene in der ehemaligen
Reichshauptstadt ein, 120.000 blieben.
Hausbrandprobleme im kalten Winter 1947: Das Heizmaterial wurde knapp.
In Berlin und anderen Städten wurden Straßenbäume zu Heizzwecken
gefällt. 1946/47 waren auch vielerorts die Vorkriegs- und Kriegsvorräte
an Lebens- und Betriebsmittel aufgebraucht, die Lage war daher teilweise
kritischer als noch 1945.

VW-Käfer Kabriolett (1949)
Im ehemaligen
KdF-Werk in
Wolfsburg wurden unter britischer Regie von 1945 bis Ende 1946 trotz
Versorgungsengpässen und zerstörter Verkehrsinfrastruktur schon wieder
fast 10.000
Volkswagen hergestellt, 1948 dann fast 20.000 Einheiten produziert.
Ungefähr ein Viertel der Wagen ging in den Export, der Hersteller löste
Opel als größten deutschen Automobilproduzenten ab.
1,7 Mio Flüchtlinge und
Vertriebene ließen sich in der Nachkriegszeit allein in Bayern
nieder, ihr Anteil an der dortigen Wohnbevölkerung betrug zeitweise 20
Prozent. Die Wirkung dieser Bevölkerungsbewegung auf die Sozialstruktur
war dabei recht uneinheitlich. Einerseits wurden vormals religiös und
sozial weitgehend homogene Gebiete durchmischt, progressive Tendenzen
waren zu beobachten – so stammten nicht wenige Jungunternehmer und
Fachkräfte der späteren Bundesrepublik aus den Vertriebenenkohorten.
Andererseits brachten etwa Vertriebene aus den
Ostgebieten oft eine eher konservativ-ländliche Kultur mit; einige
restaurative Tendenzen Westdeutschlands in den 1950er Jahren (Heimatfilm;
aus erzwungenem Rückzug in familiäre Notgemeinschaften entwickelte sich
das unpolitische private Idyll der späteren Wohlstandsjahre u. a.)
können zum Teil darauf zurückgeführt werden. Die erbrachten
Integrationsleistungen bleiben jedoch bemerkenswert, vor allem in
Anbetracht späteren (Teil-)Versagens von Integrationspolitiken – siehe
beispielsweise die „Integration“ der sogenannten
Gastarbeiter ab den 1970er Jahren.
Die
britische Zone hatte am 1. April 1947 einen Bevölkerungszuwachs von
3,67 Millionen gegenüber 19,8 Millionen Einwohnern in der Vorkriegszeit
zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl der
US-Zone vergrößerte sich um 3,25 Millionen, die der sowjetischen
Zone um 3,16 Millionen. Die französische Zone nahm dagegen nur wenige
Flüchtlinge auf.
Für Gesamtdeutschland galt: „Über ein Drittel des Volkes war nun
direkt oder über Familienangehörige indirekt von der Entnazifizierung
betroffen, fast ein Viertel betrug der Anteil der Flüchtlinge und
sonstigen Zwangsmobilen, größer noch war die Zahl derer, die infolge des
Krieges Verwandte verloren oder ihre Habe eingebüßt hatten.“ (Lutz
Niethammer)
„Entnazifizierung“ und „Reeducation“

Das Entnazifizierungs-Gesetz
Amerikanischen Truppen fielen 1945 die Mitgliederkarteien der
NSDAP (8,5 Mio. Parteigenossen) aus dem Braunen Haus in München in
die Hände: eine Voraussetzung für die spätere sogenannte
„Entnazifizierung“.
Bei den
Entnazifizierungs-Prozessen in den Westsektoren kamen viele alte
NS-Parteimitglieder zunehmend glimpflich davon. Dabei waren die
Amerikaner von allen westlichen Alliierten die am stärksten auf
Entnazifizierung bedachte Macht; allerdings konnten sie gegen die in der
deutschen Bevölkerung weit verbreitete Schlussstrich-Mentalität
schließlich immer weniger ausrichten. Auch ihre eigenen politischen
Ziele – politische „Säuberung“ vs. Festigung einer marktwirtschaftlichen
Bastion gegen den Sozialismus – widersprachen sich. Ferner waren in West
wie Ost begehrte Fachkräfte und Experten oft von der „Entnazifizierung“
ausgenommen.
Im Ostsektor fand 1947 der
Sachsenhausen-Prozess gegen NS-Verbrecher statt; gleichzeitig
nutzten die Sowjets das Lager für eigene Zwecke weiter, bis 1949 starben
hier 12.000 Gefangene, u. a. der bekannte Film- und Theater-Schauspieler
Heinrich George. Unliebsame Sozialdemokraten, Liberale und
Konservative waren neben ehemaligen Nationalsozialisten inhaftiert. Das
„Speziallager Nr.7“ Sachsenhausen blieb bis 1950 die größte Haftstätte
der Ostzone. Internierungslager gab es allerdings in allen Zonen.
Stufen der Verschuldung bei Entnazifizierungs-Prozessen waren ab 12.
Oktober 1946: „Hauptschuldige“, „Belastete“, „Minderbelastete“,
„Mitläufer“. Seit Januar 1946 betrieb der Alliierte Kontrollrat die
systematische Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern
und Führungspositionen. Bis 1950 wurden in den Westzonen von 6 Millionen
Fällen 3,66 Millionen vor Gericht gebracht. Es wurden fast 1700 Personen
als Hauptschuldige, 23.000 als Belastete, 150.000 als Minderbelastete,
eine Millionen als Mitläufer und 1,2 Millionen unschuldig eingestuft.
Im Osten waren bis März 1948 520.000 Entlassungen aus politischen
Gründen vorgenommen worden. Im Frühjahr 1948 lief in West- wie Ostzone
die „heiße Phase“ der Entnazifizierung aus.
Eine Art Entnazifizierung der öffentlichen Kultur sollte in
verschiedenen besetzten Zonen die
Reeducation leisten: eine Aufklärung über den
Nationalsozialismus und die entgegengesetzten Ziele der Demokratie,
vermittelt beispielsweise über Literatur, Film, Vorträge und
Kunstausstellungen. Zugrunde lag eine gewisse Angst der Alliierten, bei
den Deutschen würde es sich um ein Volk im Banne der Nazi-Verblendung
handeln, und wohl auch der Schock über die Gräuel der Konzentrations-
und
Vernichtungslager. Tatsächlich legten die meisten Deutschen die
NS-Ideologie – wenn sie denn wirklich bis in die letzten Kriegstage
daran geglaubt hatten – erstaunlich schnell ab, waren auch mit ihren
Alltagsproblemen mehr als genug beschäftigt. Ob hinter oberflächlichem
Abschwören immer gleich tiefere Einsicht und echte Distanzierung zur
NS-Zeit stand, war dabei weniger klar. Der Historiker Norbert Frei
spricht gar von einer „mental […] durchaus weiter existenten
Volksgemeinschaft‘“, die sich trotz demokratischer Reformen und
zweifellos wirksamer Entnazifizierungs-Zäsuren
bis in die 1960er Jahre erhalten hätte (vgl. auch „Vergangenheitsbewältigung“).
Dies ist für die westdeutschen Länder gesagt – in
Ostdeutschland gab es durch den offiziell verordneten
Antifaschismus andere Bruchlinien zur Vergangenheit, aber durchaus
auch sich weiterreichende autoritäre Traditionen.
Die politische
Umerziehung hatte sich zunächst auch die Reform des sehr
hierarchischen deutschen Bildungssystems zum Ziel gesetzt (vgl. etwa das
Reform- und Laborschulkonzept eines
John Dewey). Dies unterblieb teilweise und ist so bis in die
Gegenwart Gegenstand bildungspolitischer Kontroversen.
Politik
Ähnlich der Wirtschaftspolitik verfolgten die Siegermächte auch bei der
politischen Neuorganisation ganz verschiedene Strategien. So ließen die
Sowjets zunächst rasch neue Parteigründungen zu – die deutschen
Kommunisten waren durch Verfolgung und stalinistische Säuberung vorerst
noch geschwächt, die
Sozialistische Einheitspartei wurde erst um 1948 zur endgültig
gleichgeschalteten Kaderpartei – während z. B. in der französisch
besetzten Zone (Saargebiet
u. a.) der politische Wiederaufbau lange nicht im Vordergrund stand –
zum Verhalten Frankreichs im
Alliierten Kontrollrat.
Viele deutsche politische Kräfte versuchten eine Anknüpfung an die
demokratischen Traditionen der
Weimarer Republik, unter Umgehung der Schwächen dieses Systems.
Selbst in eher bürgerlichen Parteien setzte man anfangs noch auf
gemäßigte Formen des
Sozialismus, war vor allem skeptisch gegenüber der in den
NS-Rüstungsapparat verstrickt gewesenen Großindustrie (vgl. auch
Ahlener Programm der
CDU von 1947). Auch die Vertreter des sogenannten
Ordoliberalismus, wichtige Anreger der späteren „sozialen
Marktwirtschaft“ der Bundesrepublik, wandten sich vehement gegen
Kartelle,
Monopole und
Oligopole; die Rückkehr zur deutschen Tradition des
Korporatismus der Wirtschaft und das schnelle Ende der
Entflechtungspolitik wurde trotz dieser Lehre aber später effektiv
nicht verhindert (vgl. auch
Deutschland AG).
Die KPD suchte im Gegenzug zunächst noch ein antifaschistisches Bündnis
mit bürgerlich-demokratischen Kräften. In den Westzonen fanden bald die
traditionelle Arbeiterpartei SPD und die neu gegründeten konservativeren
christlichen Parteien (CDU und CSU, teilweise Erben der Weimarer
Zentrumspartei, dabei allerdings nicht konfessionell gebunden) den
größten Zuspruch der Wähler.
Details
Am 6. November 1945 kam es zur Konstituierung des Länderrats in der
US-Zone in Stuttgart. Parteien wurden im amerikanisch besetzten Bayern
ab Januar
1946 wieder zugelassen, zuerst die KPD, dann die SPD, schließlich
CSU und
FDP.
Im selben Jahr kam es zur politischen Auseinandersetzung um die
Zusammenschließung von SPD und KPD.
Kurt Schumacher und 82 Prozent der Westberliner Sozialdemokraten
wandten sich dagegen; im April 1946 wurde die Fusion im Ostsektor
trotzdem durchgeführt.
In einer Konferenz von Vertretern der Länder der amerikanischen und
britischen Zone vom 5. bis 11. September 1946 erfolgten Beschlüsse zur
Errichtung von Verwaltungsräten für Wirtschaft (Minden),
Verkehr (Frankfurt
am Main), Ernährung und Landwirtschaft (Stuttgart),
Post- und Fernmeldewesen (Frankfurt am Main) sowie eines gemeinsamen
Deutschen Finanzrates (Stuttgart). Auf der Konferenz verwies in einer
Rede der US-amerikanische Außenminister
James F. Byrnes am 6. Juni in Stuttgart auf die Notwendigkeit der
wirtschaftlichen Einheit Deutschlands und die Belebung seiner
wirtschaftlichen Kräfte sowie die Stärkung der deutschen
Selbstverantwortung in Politik und Wirtschaft hin.
Auf der Konferenz der Regierungschefs der Länder der britischen und
amerikanischen Zone am 4. Oktober 1946 in
Bremen wurden Vorschläge zur Bildung eines „Deutschen Länderrates“
diskutiert. Am 2. Dezember 1946 erfolgte die Unterzeichnung des
Abkommens über die wirtschaftliche Vereinigung der amerikanischen und
britischen Zone mit Wirkung vom 1. Januar 1947, siehe
Bizone. Die Übernahme der Wirtschaftsverwaltung der amerikanischen
und britischen Zone durch den „Verwaltungsrat für Wirtschaft“ hatte
seinen Sitz in Minden. Später folgte auch die administrative Annäherung,
der Weg zu einem „westdeutschen Teilstaat“ war vorgezeichnet, wenn viele
bundesdeutsche Politiker auch noch Widerstand dagegen setzten (siehe
dazu auch:
Koblenzer Beschlüsse).
Erste
freie Wahlen in Berlin 1947: 48 Prozent der Stimmen entfielen auf
die
SPD, nur 19 Prozent der Stimmen Gesamtberlins gingen an die
Fusionspartei
SED. Danach mied die SED wirklich freie Wahlen, die anderen in der
SBZ zugelassenen Parteien (LDPD
u. a.) wurden nach und nach gleichgeschaltet, wurden zu stalinistischen
Blockparteien.
Die SPD der Westzonen unter Schumacher war zunächst noch gegen eine
unumwundene Westintegration, gleichfalls aber antikommunistisch
eingestellt, auch wenn sich die Partei immer noch als marxistisch
verstand. Angestrebt wurde ein neutrales Deutschland zwischen den
Blöcken des Kapitalismus und Kommunismus.
Bei den ersten Nachkriegs-Wahlen in Bayern (zur verfassunggebenden
Versammlung) trat auch noch eine Königs- und Heimatpartei an, die
KPD erhielt wenig mehr als fünf Prozent. Auch in der britischen Zone
traten ausgesprochen rechtskonservative Parteien an. Wirtschaftsminister
in Bayern war 1945/46
Ludwig Erhard, später ein wichtiger Protagonist der Währungsreform
und Marktwirtschaft in den Westzonen und in der jungen
Bundesrepublik Deutschland, deren zweiter
Bundeskanzler er wurde.
Am
25. Februar 1947 beschloss der Alliierte Kontrollrat das
Kontrollratsgesetz Nr. 46 zur Auflösung
Preußens („Die Wurzel allen Übels.“ Churchill in Teheran
1943).
Am 29. Mai 1947 wurde ein Abkommen zwischen der amerikanischen und
britischen Militärregierung über die Einrichtung eines
Wirtschaftsrates für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet mit Sitz in
Frankfurt am Main unterzeichnet.
Auf der Konferenz aller Ministerpräsidenten der deutschen Länder in
München vom 6. bis 8. Juni 1947 wurde die wirtschaftliche Notlage
Deutschlands erörtert. Es sollte vor allem eine Regelung zur Überwindung
der schlechten Versorgungslage gefunden werden. Die Konferenz scheiterte
mit der Abreise des Ministerpräsidenten der sowjetischen Besatzungszone
bereits am Vorabend der Konferenz, da die Erörterung einer deutschen
Zentralregierung den Vertretern der französischen Zone von der dortigen
Besatzungsmacht verboten worden war. Um diese Zeit sprach auch der
spätere
Staatsratsvorsitzende der DDR,
Walter Ulbricht vor der Münchener Feldherrnhalle, forderte nochmals
zur gesamtdeutschen Einführung des sozialistischen Systems auf.
Am 25. Juni 1947 konstituierte sich der aus den von den deutschen
Landtagen der Bizone gewählte Zweizonen-Wirtschaftsrates in
Frankfurt/Main. Oberstes Organ zur Koordinierung der Wirtschaft beider
Zonen war der sogenannte Erste Wirtschaftsrat.
Von der Ostzone aus baute der junge
Erich Honecker derweil die Organisation der
Freien Deutschen Jugend (FDJ) auf, diese verdrängte durch
sozialistische
Propaganda bald christliche Jugendgruppen. Ende 1947 wurden die
Sektorengrenzen Berlins erstmals gekennzeichnet.
Vom 6. bis 8. Dezember 1947 wurde der von der SED einberufene 1.
Volkskongress im sowjetischen Sektor Berlins abgehalten.
Am 7. Januar 1948 erfolgte die erste deutsch-alliierte Konferenz mit
Teilnehmern der Ministerpräsidenten und Militärgouverneure der
amerikanischen und britischen Zone über die Neuorganisation der
Zweizonenverwaltung. Es erfolgten Beschlüsse zur Umbildung des
Wirtschaftsrates, die Schaffung einer zweiten Kammer aus Vertretern der
deutschen Länder, die Errichtung eines Obergerichtshofes und einer
Zentralbank für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet.
Berlin-Blockade, Luftbrücke, zwei deutsche Staaten

Die Berliner Sektoren
Am 16. Juni 1948 verließ die sowjetische Delegation die Kommandantur in
Berlin-Dahlem. Die Annahme und der Umtausch der angekündigten neuen
Westwährung wurde im Sowjetsektor verboten. Bereits im März 1948 hatten
die sowjetischen Vertreter aus Protest gegen die
Londoner Sechsmächtekonferenz den Alliierten Kontrollrat verlassen,
der damit endgültig seine Funktion verlor.
20. Juni 1948:
Währungsreform in
Westdeutschland – dem „Bund Deutscher Länder“: z. B. trugen
entsprechende Münzen die
Aufprägung „Bank
deutscher Länder“.
Drei Tage später sperrten die Sowjets die Zufahrten nach Berlin, die
Blockade des Westteils der ehemaligen Reichshauptstadt begann. Die
Absichten der UdSSR lagen darin, die Westmächte aus Berlin zu verdrängen
und die Gründung eines westdeutschen Teilstaates zu verhindern. Erreicht
wurde damit schließlich das Gegenteil; außerdem empfanden die
Westberliner und auch die Westdeutschen in dieser Situation den „Ami“
(Amerikaner) und den „Tommy“ (Briten) immer weniger als Besatzer denn
als befreundete Mächte.
24. Juni: Sperrung aller Zufahrtstraßen nach Berlin durch die
sowjetischen Behörden, Unterbindung des Interzonenverkehrs. Im
Westsektor gab es nur noch zwei Stunden am Tag Strom. Die
Berliner Luftbrücke wurde von Amerikanern und Briten eingerichtet,
bald landete alle zwei Minuten ein Transportflugzeug im Westsektor, die
meisten in
Tempelhof. Moderne Radartechnik ermöglichte die enge Taktung.
Trotzdem stürzten im Verlauf der Aktion insgesamt mehr als 70 Maschinen
ab.
Am 1. Juli 1948 übergaben die Westmächte den Ministerpräsidenten der
Westzonen die
Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer
verfassunggebenden Versammlung. Auf der
Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die Gründung einer
Bundesrepublik Deutschland beschlossen.
Auf dem
Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein
Sachverständigenausschuss für Verfassungsfragen die Grundlage für die
Arbeit des Parlamentarischen Rates. Dieser trat am 1. September 1948 in
Bonn zusammen und erarbeitete dort das Grundgesetz.

Dwight D. Eisenhower mit Lucius D. Clay in Berlin
Am
9. September
1948 hielt
Ernst Reuter (SPD) seine berühmte Berlin-Rede („Ihr Völker der
Welt, schaut auf diese Stadt!“) am
Brandenburger Tor vor 250.000 bis 300.000 Menschen. Am 30.11.
erklärte die sowjetische Administration den Berliner Magistrat für
abgesetzt, freie Wahlen gab es daher am 5. Dezember nur in den Berliner
Westsektoren. Ernst Reuter wurde zum Oberbürgermeister gewählt, nachdem
die sowjetische Administration seinen Amtsantritt 1½ Jahre lang
verzögert hatte.
Am
12. Mai
1949 wurde die Blockade Berlins nach elf Monaten aufgehoben.
US-Kommandant
Lucius D. Clay verließ nach gelungener Mission Berlin. Zur
Abschiedsfeier sprach Ernst Reuter, auch der Präsident des
Parlamentarischen Rates
Konrad Adenauer, bald darauf der erste Kanzler Westdeutschlands, war
angereist.
Am
23. Mai 1949 trat das
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Ein
vollkommen souveräner deutscher
Staat war damit noch nicht gegeben: Außenpolitik, Außenhandel und
andere Ressorts unterstanden vorerst noch alliierter Kontrolle. Es
entstand eine
parlamentarische Demokratie. Für die neue Verfassung und die
politischen Rahmenbedingungen galt: „Inhaltlich … zeigt das
Grundgesetz durch seinen offenen Charakter und vor allem durch die
Tatsache, dass es von allen relevanten Gruppen – anders als die
Weimarer Verfassung – politisch wirklich akzeptiert wurde, ein
wesentliches Stück Neuordnung, durch die jede pauschale zeitgenössische
und spätere Restaurationskritik nachdrücklich in Frage gestellt wird.“
(Christoph Kleßmann)
Am 7. September 1949 trat der
Bundesrat, noch vor dem
Bundestag, zu seiner ersten Sitzung zusammen.
7. Oktober 1949: Fackelzug anlässlich der Gründung der
DDR.
Wilhelm Pieck wurde Präsident des neuen Staates. Es entstand eine
sogenannte
Volksdemokratie.
Am 2. April 1950 veröffentlichte der Bundestagsausschuß für
Besatzungsangelegenheiten einen Bericht, wonach die Bundesrepublik
Deutschland im Jahr 1949 rund 4,5 Milliarden DM an die alliierten
Besatzungsmächte gezahlt hat, was fast 50 Prozent der gesamten
Bundeseinnahmen entsprach. Für jeden Bundesbürger bedeutete dies einen
Anteil von 95,46 DM, was fast einem durchschnittlichen Monatslohn
gleichkam.
Kultur
Kultur der Nachkriegszeit: aus der Kriegsgefangenenzeitschrift „Der
Ruf“, in der u. a.
Alfred Andersch und
Hans Werner Richter schrieben, ging der Schriftstellerzirkel „Gruppe
47“ hervor. Zu deren frühen Mitgliedern zählten auch
Wolfdietrich Schnurre und
Günter Eich, später kamen
Ilse Aichinger,
Heinrich Böll,
Günter Grass,
Walter Jens,
Wolfgang Koeppen,
Siegfried Lenz,
Peter Weiss und andere dazu. Eine bekannte Schriftstellerin der
unmittelbaren Nachkriegszeit war ferner
Elisabeth Langgässer;
Hans Erich Nossack stieß mit seiner Beschreibung des
Hamburger Bombenkriegs-Inferno noch vor 1950 auf internationales
Echo – Jean-Paul Sartre z. B. zeigte sich beeindruckt.
In der SBZ wurde früh der „Aufbau“ als die erste
politisch-kulturelle Zeitschrift
Nachkriegsdeutschlands überhaupt lanciert. Hier konnten zunächst
auch durchaus noch nicht-stalinistische Autoren publizieren. Eine
zentrale Figur der Kulturpolitik Ostdeutschlands wurde rasch
Johannes R. Becher, der zunächst in der Vereinigung „Kulturbund“
aktiv war.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit kam es zur Konfrontation zwischen
kulturellen Protagonisten der „äußeren“ und der
„inneren“ Emigration. Letztere kritisierte z. T. die Exilanten und
Literatur-Nobelpreisträger
Thomas Mann (Frank
Thieß), und umgekehrt. Zurück nach (Ost)-Deutschland kehrten u. a.
die prominenten Exilliteraten
Anna Seghers (1947) und
Arnold Zweig (1948), der Philosoph
Ernst Bloch, der Dramatiker und Lyriker
Bert Brecht (beide 1949); der Romancier
Alfred Döblin siedelte sich vorübergehend in der französisch
besetzten Zone an, Literaten wie
Kurt Hiller und bereits vor 1950 die Sozialwissenschaftler und
Philosophen
Max Horkheimer und
Theodor W. Adorno kehrten nach Westdeutschland zurück, hatten hier
in den folgenden Jahrzehnten einen nicht unerheblichen Einfluss in der
intellektuellen Szene.
Zunächst wurde in literarischen Kreisen – auch wegen der
Sprachmanipulation der Nationalsozialisten – nach einer radikalen
Sprachkritik und einem „Kahlschlag“ gerufen. Die
Lakonie amerikanischer Short Stories fand Eingang in die
Kahlschlag- oder
Trümmerliteratur. Außerdem wurden Tendenzen der modernen
Weltliteratur aufgenommen, die Deutschland in der Zeit des Dritten
Reiches nicht erreichen konnten:
Psychoanalyse,
Marxismus,
Existentialismus,
Surrealismus,
Expressionismus. Um 1950 erschienen aber bereits Gedichtbände, die
die „heile Welt“ verkündeten, formale Experimente (Konkrete
Poesie) und Naturmagie folgten in der westdeutschen Dichtung auf die
„Kahlschlag-Poesie“.
In den Bildenden Künsten wurden in Westdeutschland früh die von den
Nationalsozialisten als „entartet“
verfemten Künstler rehabilitiert, z. B. der aus der
Bauhaus-Tradition stammende
Willi Baumeister zum Kunstprofessor in
Stuttgart berufen (1946). Man war im Westen um einen Anschluss an
die internationalen Trends der modernen Malerei bemüht (Abstraktion
etc.). Die herausragende Bedeutung der deutschen Kunstszene vor 1933
wurde aber nicht wieder erreicht. Im nicht völlig zerstörten Berliner
Stadtschloss gab es eine Ausstellung moderner Kunst, der Maler
Max Pechstein lehrte ebenfalls ab 1947 in Berlin.
Studenten aus sechs Nationen beteiligten sich am Wiederaufbau der
Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin.
1947 durfte auch der „entnazifizierte“
Wilhelm Furtwängler wieder die Berliner Philharmoniker – nun im
Titania-Palast – dirigieren. Im selben Jahr wurde auch das
Sartre-Stück „Die Fliegen“ im Hebbel-Theater aufgeführt.
Gustaf Gründgens inszenierte ebenfalls erneut in Berlin. Der erste
DEFA-Spielfilm hatte im Admiralspalast Premiere: „Die
Mörder sind unter uns“, u. a. mit
Hildegard Knef. Auch Operettenaufführungen und Revuen im
Friedrichstadtpalast gab es schon zwei Jahre nach Kriegsende wieder.
Das politische Kabarett erblühte nach langer Unterbrechung in
Deutschland. Ein bekannter Theaterkritiker wurde in dieser Zeit der
Berliner
Friedrich Luft mit seiner im Radio ausgestrahlten „Stimme der
Kritik“. Überhaupt kam dem Rundfunk als einzigem täglich
zugänglichen Massenmedium wieder eine wichtige Funktion für die Kunst zu
– siehe etwa
Wolfgang Borcherts
Hörspiel „Draußen
vor der Tür“ oder den Einfluss alliierter Soldatensender (AFN
etc.) auf den Unterhaltungsmusikgeschmack junger Deutscher (Jazz,
Swing, später auch
Rock ’n’ Roll). In der britischen Besatzungszone wurde nach Vorbild
der BBC der
NWDR aufgebaut: Statt staatlicher Propaganda soll objektive,
unabhängige Berichterstattung gesendet werden. Die westdeutsche
Politikerklasse hatte sich dabei längst noch nicht vorbehaltlos auf frei
agierende Medien eingestellt, wie u. a. die
Spiegel-Affäre 1962 zeigen sollte.
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http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_1945_bis_1949
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