Der Zweite Weltkrieg war der zweite
auf globaler Ebene geführte Krieg sämtlicher
Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den bislang größten
und verlustreichsten Konflikt in der
Menschheitsgeschichte dar.
Nachdem im
Ersten Weltkrieg
chemische Waffen in Europa ihre schreckliche Wirkung gezeigt
hatten, wurden diese nur noch seitens Japan gegen China eingesetzt.
Mit dem Abwurf zweier Atombomben durch die USA wurde noch vor
Kriegsende die Macht dieser neuen
Massenvernichtungswaffe demonstriert.
In Asien begannen
Kampfhandlungen am 7. Juli 1937, der
Zweite Japanisch-Chinesische Krieg ging in den Zweiten Weltkrieg
über.
In Europa begann der Krieg mit dem Angriff des
Deutschen Reiches und der Sowjetunion auf
Polen, nachdem der
deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt für beide Staaten die
Interessengebiete für militärische Expansionen (Polenfeldzug
beziehungsweise
Winterkrieg in Finnland) abgesteckt hatte. Deutschlands Angriff
auf Polen erfolgte ohne vorherige Kriegserklärung am 1. September
1939, die UdSSR marschierte am 17. September ein. Großbritannien und
Frankreich antworteten mit Kriegserklärungen an das Deutsche Reich,
griffen jedoch nicht wirksam ein und wandten sich nicht gegen die
UdSSR.
Der sogenannte „Sitzkrieg“
im Winter 1939/40 wurde im Frühjahr durch das „Unternehmen
Weserübung“ in Norwegen sowie durch den
Westfeldzug klar zugunsten Deutschlands entschieden.
Frankreich kapitulierte, aber
Großbritannien verteidigte sich in der
Luftschlacht um England erfolgreich. Die Versuche
Italiens, nach dem 1935 eroberten
Italienisch-Ostafrika auch im Mittelmeerraum zu expandieren,
scheiterten kläglich. Die erforderlichen Eingriffe deutscher Truppen
führten 1941 zum
Afrikafeldzug und zum
Balkanfeldzug.
Am 22. Juni 1941 brach die deutsche Seite den Nichtangriffspakt
durch den
Überfall auf die verbündete Sowjetunion. Nach dem japanischen
Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und den vier Tage
später folgenden Kriegserklärungen der
Dreimächtepaktstaaten Deutsches Reich und Italien nahmen die
Vereinigten Staaten mit voller Kraft auf Seiten der
Alliierten am gesamten Kriegsgeschehen teil.
Die Kapitulation Japans, die den vollständigen Niederlagen Italiens
(1943) und Deutschlands (8. Mai 1945) folgte, setzte am 2. September
1945 den Schlusspunkt der Kampfhandlungen.
Der Zweite Weltkrieg forderte zirka
55 bis 60 Millionen Menschenleben. Er war durch eine starke
rassistische
Ideologisierung geprägt, die zu zahlreichen
Kriegsverbrechen und gewaltsamen, zumeist systematischen
Übergriffen auf Zivilbevölkerung oder Kriegsgefangene führte. Mit
Kriegsverlauf und Kriegsführung war auch untrennbar der
Holocaust verbunden, dem durch die
Nationalsozialisten allein sechs Millionen
Juden
zum Opfer fielen. Dass die Zivilbevölkerung im Vergleich zum
Ersten Weltkrieg noch stärker von den Kampfhandlungen direkt
betroffen war, lag weiter an der verstärkten Entwicklung der
Rüstungsindustrie. Sie ermöglichte die
großflächige Bombardierung ganzer Wohngebiete in Europa und
Asien. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildeten die
Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.
Die Grenzen Deutschlands, Polens und anderen Staaten wurden neu
gezogen, Millionen Zivilisten vertrieben. Die Allianz der vier
Siegermächte brach bald auseinander. Unter der Führung der sich
etablierenden
Supermächte Sowjetunion und USA mündeten die weltanschaulichen
Gegensätze und Machtinteressen in den
Kalten Krieg der sich bildenden Staatenblöcke.
Vorgeschichte

Benito Mussolini und Adolf Hitler, 1938
In den Jahren nach 1920 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945
erlangte in weiten Teilen Europas der
Faschismus als politische Richtung zunehmend Bedeutung.
Benito Mussolini riss mit dem
Marsch auf Rom 1922 die Macht in
Italien an sich. 1936 griff Italien, das engere Beziehungen zum
Deutschen Reich pflegte,
Äthiopien an, im April 1939 wurde
Albanien annektiert.

General Franco, um 1937
In Spanien wurde von 1936 bis 1939 der
Spanische Bürgerkrieg zwischen einer hauptsächlich durch
Republikaner, Sozialisten und Kommunisten geführten
Volksfrontregierung und Anhängern einer durch General
Franco geführten Militärrevolte ausgetragen. Die
Sowjetunion und zunächst auch
Frankreich lieferten der „Volksfront“ Waffen und Kriegsmaterial,
während Italien und Deutschland die Truppen der Nationalisten
unterstützen. Die nationalsozialistische Regierung entsandte zu
diesem Zweck die
Legion Condor, welche entscheidend zum Sieg des
Franquismus beitrug.
In Deutschland war der
Nationalsozialismus seit 1930 zur Massenbewegung herangewachsen.
Am 30. Januar 1933 wurde ihr und ihren rechtskonservativen
Verbündeten die politische
Macht übergeben:
Adolf Hitler wurde vom Reichspräsidenten
Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er bildete aus
Nationalsozialisten und
Deutschnationaler Volkspartei das „Kabinett Hitler“. Die
Revision der internationalen Ordnung nach dem
Versailler Vertrag bereits ein Ziel früherer deutscher
Regierungen, gehörte zum
Programm der Nationalsozialisten und ihrer Verbündeten. Mit dem
1935 vollzogenen Wiederanschluss des
Saargebiets an das Deutsche Reich, dem Einmarsch in das
entmilitarisierte
Rheinland 1936, dem
„Anschluss“ Österreichs und der Abtrennung des
Sudetenlandes von der
Tschechoslowakei im
Münchner Abkommen 1938 wurden die ersten beiden Ziele weitgehend
erfüllt. Begünstigt wurde dies durch die englische und französische
Appeasement-Politik, die auf eine friedliche Verständigung mit
dem nationalsozialistischen Deutschland abzielte. Selbst nach dem
Einmarsch in die so genannte „Resttschechei“ im März 1939 gab es
lediglich Proteste auf britischer und französischer Seite. Kurz
darauf gab
Litauen unter dem Druck der Verhältnisse das
Memelland an Deutschland zurück, die
Slowakei wurde ein eigener Staat und durch einen Schutzvertrag
eng an Deutschland gebunden. England und Frankreich wollten das
deutsche Expansionsstreben eingrenzen und gaben Polen und auch
Rumänien eine Garantieerklärung ab, die kurze Zeit später in ein
förmliches Bündnis umgewandelt wurde.

Josef Stalin und
Joachim von Ribbentrop, 23. August 1939
Im August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion
überraschend einen Nichtangriffspakt, später „Hitler-Stalin-Pakt“
genannt. In einem geheimen Zusatzprotokoll des Paktes wurde die
Aufteilung Europas in geographisch genau bezeichnete, aber ansonsten
nicht näher definierte „Interessensphären“ beschlossen. Dies lief
letztlich auf die Aufteilung
Polens zwischen Deutschland und der
UdSSR sowie die einseitige Eroberung und Besetzung weiterer
Gebiete (unter anderem der
baltischen Staaten und
Finnlands) sowie weiter Teile Rumäniens durch die UdSSR hinaus.
Die
japanische Expansionspolitik begann in den 1930er Jahren, als
der Einfluss der militärischen Führung auf die kaiserliche Regierung
immer stärker wurde. Japan verstand sich als anti-westliche
Schutz- und Ordnungsmacht, die dazu auserkoren war, die anderen
ostasiatischen Völker zu beherrschen. Die Rohstoffvorkommen und
das Reservoir an Arbeitskräften, das die Nachbarländer boten,
sollten der japanischen Wirtschaft zugute kommen. Das Hauptinteresse
galt zunächst der
Republik China, deren stark industrialisierte Region
Mandschurei bereits 1931
annektiert und zum Protektorat
Mandschukuo erklärt wurde. Als Reaktion auf die internationalen
Proteste trat Japan 1933 aus dem
Völkerbund aus. Ende 1936 schlossen Deutschland und Japan den
Antikominternpakt. Mitte 1937 begann Japan den
Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.
Deutsche Kriegsziele und -führung
Der Zweite Weltkrieg war ein vom nationalsozialistischen Deutschland
ausgelöster Raub- und Vernichtungskrieg. Wesentliche Momente der
Strategie der politischen und militärischen Führung waren:
-
eine
Ressourcen schonende Kriegsführung („Blitzkrieg“),
um die Industriekapazitäten nicht zu Ungunsten der
Konsumwirtschaft zu belasten: Bei den Deutschen sollte keine
Unzufriedenheit wegen der materiellen Lage entstehen.
-
ein
rascher und ausgiebiger Raumgewinn, um der sich abzeichnenden
Überlegenheit der gegnerischen Rüstung zuvor zu kommen;
-
Ausplünderung der besetzten Territorien und (vor allem im Osten)
Versklavung ihrer Bewohner zugunsten des Deutschen Reiches
und seiner „arischen“ Bevölkerung.
-
ein
antisemitischer und
anti-„bolschewistischer“ Vernichtungskampf zur Gewinnung
eines deutschen „Lebensraums“ im Osten („Volk
ohne Raum“). Hierbei gewann die
Vernichtung der europäischen
Juden oberste Priorität.
Das von Beginn an anvisierte Ziel war eine deutsche
Weltmachtstellung und die „rassistische Neuordnung des
(europäischen) Kontinents“.
Zur Konsolidierung der „Heimatfront“ und im Sinne einer optimalen
Nutzung der eroberten Kapazitäten wurde ein
Zweifrontenkrieg zunächst vermieden.
Der Völkermord wurde mit der angeblichen Minderwertigkeit der
„jüdischen
Rasse“ sowie mit einer
Verschwörungstheorie gerechtfertigt, derzufolge quasi alle Juden
auf der Welt das Ziel hätten, die „germanische
Rasse“ zu beherrschen beziehungsweise auszulöschen.
Nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung sollte die
Volksgruppe der
Slawen
den Deutschen zunächst unterworfen und das eroberte
Osteuropa von deutschen Siedlern („Wehrbauern“)
nutzbar gemacht werden. Nach Vernichtung ihrer
Elite
sollten die slawischen Völker für immer ein Reservoir an
ungebildeten und gehorsamen Land- und Hilfsarbeitern stellen. Die
eroberte Sowjetunion sollte in verschiedene Gebiete unter der
Leitung von
Reichskommissaren aufgeteilt werden. Einzig
Weißrussen,
Ukrainer und baltische Völker würden als lebenswerte Völker
eingestuft, die Russen dagegen „durchaus niedergehalten werden“
(Alfred
Rosenberg).
Revanchismus, die Empörung über den Versailler Vertrag,
insbesondere die harten und als ungerecht empfundenen
Reparationsforderungen sowie die einseitige Schuldzuweisung an die
Mittelmächte, fanden sich in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung
wieder. Die Revision des Versailler Vertrags und die Rückkehr des
Deutschen Reiches in den Kreis der
Großmächte war stets mit besonderem Nachdruck von der deutschen
Generalität, dem monarchistisch und antirepublikanisch gesinnten
Teil des deutschen Bürgertums und der wirtschaftlichen Elite
angestrebt worden. Doch für die Nationalsozialisten war dies
lediglich ein Etappenziel.
In der Denkschrift zum
Vierjahresplan von August 1936 forderte Hitler die
Einsatzfähigkeit der deutschen Armee und die Kriegsfähigkeit der
Wirtschaft in zwei unterschiedlichen Szenarien. Ersteres sollte bis
1941/42 bei ungünstiger politischer und militärischer Entwicklung,
letzteres bis 1944/45 bei entsprechend günstigeren Aussichten
erreicht werden. Am 5. November 1937 präzisierte er seine
Kriegsziele vor den deutschen militärischen und außenpolitischen
Führungskräften (Hoßbach-Niederschrift).
Vom Angriff auf Polen bis zur Niederlage Frankreichs 1939-1940
In manchen Darstellungen, jedoch geschichtswissenschaftlich
umstritten, wird der Ausbruch des
Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs am 7. Juli 1937 als
eigentlicher Beginn des Zweiten Weltkrieges angegeben.
In der ersten Phase des Krieges eroberte Deutschland Polen
(September 1939) sowie große Teile Skandinaviens (vor allem April
1940) und Westeuropas (Mai/Juni 1940). Gerade die schnelle
Niederlage Frankreichs ist so von kaum jemandem erwartet worden,
auch nicht von Hitlers Verbündeten Stalin. Dennoch erreichte Hitler
sein Hauptziel nicht, nämlich Großbritannien aus dem Krieg
herauszuhalten, zur Aufgabe zu zwingen oder militärisch zu besiegen.
Dies wurde spätestens im Oktober 1940 deutlich. Großbritannien
sollte das einzige Land bleiben, das vom Beginn des Krieges an
durchgehend handlungsfähiger Gegner Deutschlands war.
Der deutsche Angriff auf Polen 1939

Polenfeldzug 1939
Das erste unmittelbare Kriegsereignis war der Angriff auf Polen am
1. September 1939 um 4:45 Uhr.
Die persönliche Weisung Hitlers (Geheime Kommandosache Nr. 170/39)
vom 31. August 1939 enthielt folgende Passagen:
„Der Angriff gegen Polen ist nach den für Fall Weiß getroffenen
Vorbereitungen am 1.9.39 um 4 Uhr 45 zu führen. […] Im Westen kommt
es darauf an, die Verantwortung für die Eröffnung von
Feindseligkeiten eindeutig England und Frankreich zu überlassen. […]
Eröffnet England und Frankreich die Feindseligkeiten gegen
Deutschland, so ist es Aufgabe der im Westen operierenden Teile der
Wehrmacht unter möglichster Schonung der Kräfte die Voraussetzung
für den siegreichen Abschluss der Operation gegen Polen zu erhalten.
[…] Die von uns Holland, Belgien, Luxemburg und der Schweiz
zugesicherte Neutralität ist peinlich zu achten. […] Die Ostsee ist
gegen feindlichen Einbruch zu sichern. Die Entscheidung, ob zu
diesem Zweck die Ostsee-Eingänge mit Minen gesperrt werden dürfen,
trifft Ob. d. M.
[…] Die Kriegsmarine führt Handelskrieg mit dem Schwerpunkt gegen
England. […] Die Angriffe gegen das englische Mutterland sind unter
dem Gesichtspunkt vorzubereiten, daß unzureichender Erfolg mit
Teilkräften unter allen Umständen zu vermeiden ist.“
Diesem Angriff ging keine formale
Kriegserklärung voraus.

Deutsche Soldaten zerstören den Schlagbaum an der
deutsch-polnischen
Grenze in der Nähe von Danzig, 1. September 1939
Um die
Invasion Polens zu rechtfertigen, fingierte die deutsche Seite
mehrere Vorfälle. Der bekannteste ist der vorgetäuschte
Überfall auf den Sender Gleiwitz von als polnische
Widerstandskämpfer verkleideten
SS-Angehörigen am 31. August. Dabei verkündeten diese in
polnischer Sprache über Radio die Kriegserklärung Polens gegen das
Deutsche Reich.
Den militärischen Angriff begann das deutsche
Linienschiff
Schleswig-Holstein auf die polnische Stellung „Westerplatte“
in
Danzig. Die polnische Armee war der vordringenden Wehrmacht zwar
zahlenmäßig ebenbürtig, doch technisch und in der Art der
Kriegsführung unterlegen. Die polnische Regierung rechnete mit
der Unterstützung durch Frankreich und Großbritannien, welche am
2. September aufgrund der „Garantieerklärung
vom 30. März 1939“ ein
Ultimatum an das Deutsche Reich stellten.
Es forderte den sofortigen Rückzug aller deutschen Truppen aus
Polen. Die britisch-französische Garantieerklärung hätte diese
Staaten verpflichtet, spätestens 15 Tage nach einem deutschen
Angriff eine eigene Offensive im Westen Deutschlands zu beginnen.
Hitler hoffte, dass die beiden Westmächte ihn ebenso wie beim
Einmarsch in die „Resttschechei“ gewähren lassen würden und hatte
den
Westwall nur schwach besetzt. Dieser Angriff aus dem Westen
blieb tatsächlich aus, jedoch erklärten England und Frankreich am 3.
September nach Ablauf des Ultimatums Deutschland den Krieg und es
begann der Zweite Weltkrieg.
Am 17. September nach der Zerschlagung der organisierten polnischen
Verteidigung durch die Wehrmacht, dem Zusammenbruch des polnischen
Staates und der Flucht der polnischen Regierung nach
Rumänien begann die
sowjetische Besetzung Ostpolens in Übereinstimmung mit dem
geheimen Zusatzprotokoll des
deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Dabei besetzte die
Rote Armee Teile
Ostpolens
(in erster Linie die
Westukraine, den westlichen Teil
Weißrusslands und das Gebiet um
Wilno),
ohne dabei auf organisierten militärischen Widerstand zu stoßen.
Dennoch hatte die
Rote Armee 3000 Opfer zu beklagen. Diese Aktion hatte erst am
18. Dezember 1939 die Erklärung eines Kriegszustandes mit der
Sowjetunion seitens der
Polnischen Exilregierung zur Folge. Eine Kriegserklärung des
Vereinigten Königreichs und Frankreichs an die Sowjetunion erfolgte
dagegen nicht.
Am 28. September kapitulierte die Hauptstadt
Warschau, nachdem sie am 18. September von deutschen Truppen
eingeschlossen worden und am 27./28. September einem intensiven
Bombardement ausgesetzt war. Einen Tag später folgte die Aufgabe
der
Festung Modlin.
Am 8. Oktober teilten sich das Deutsche Reich und die Sowjetunion im
Abkommen von
Brest-Litowsk das eroberte Gebiet durch eine
Demarkationslinie, was als die „Vierte
Teilung Polens“ in die Geschichte einging. Nicht nur die nach
dem Versailler Vertrag abgetretenen Gebiete wurden wieder in das
Reich eingegliedert, sondern darüber hinaus weite Bereiche
Zentralpolens einschließlich der Stadt
Łódź.
Der Rest Polens wurde deutsches
Generalgouvernement unter der Leitung von
Hans Frank.
Die anschließende Besatzungszeit war von extremen Repressalien der
Besatzer gegen die Zivilbevölkerung geprägt.
Deportationen zur Zwangsarbeit waren nur die sichtbarste
Ausprägung, insbesondere die polnischen
Juden
wurden Opfer der national-sozialistischen Rassenpolitik. Im
östlichen Teil Polens gingen sowjetische Besatzer ähnlich brutal
gegen „Klassenfeinde“ vor.
Der schnelle Sieg über Polen prägte den Begriff „Blitzkrieg“
und die taktische Kriegsführung Deutschlands bis Ende 1941.
Stellungskrieg an der Westfront 1939

Lautsprecherwagen der
NSDAP an der Front am
Oberrhein, 1939
Am 3. September erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich
Deutschland den Krieg. Aufgrund dessen begann am 5. September eine
begrenzte und eher symbolische Offensive der Franzosen gegen das
Saargebiet. Die Deutschen leisteten keinen Widerstand und zogen sich
zum stark befestigten Westwall zurück. Danach blieb es ruhig an der
Westfront. Diese Phase wird als „Sitzkrieg“
(französisch: „drôle de guerre“, englisch: „phony war“) bezeichnet.
Bis auf vereinzelte Artilleriescharmützel
erfolgten keine weiteren Angriffe. Auf deutscher Seite rollte eine
Propagandamaschine an. Mit Plakaten und Parolen über Lautsprecher
rief man den Franzosen „Warum führt ihr Krieg?“ oder „Wir
werden nicht zuerst schießen“ zu.
Am 27. September erging eine Weisung Hitlers an das Oberkommando des
Heeres zur Ausarbeitung eines Angriffsplanes, des sogenannten „Falls
Gelb“. Bis zum 29. Oktober waren die Planungen abgeschlossen.
Sie sahen vor, dass zwei Heeresgruppen durch die
Niederlande und
Belgien vorstoßen sollten, um somit sämtliche alliierten Kräfte
nördlich der
Somme
zu zerschlagen.
Letzten Endes fand jedoch 1939 kein Angriff statt, da Hitler
aufgrund schlechter Witterungsbedingungen und viel größerer Verluste
in Polen (22 % Verluste bei den Kampfflugzeugen, 25 % bei den
Panzern) als erwartet den Angriff insgesamt 29 Mal verschieben
musste.
Finnisch-Sowjetischer Winterkrieg 1939/1940
Am 30. November 1939 überrannten sowjetische Truppen unter Marschall
Kirill Merezkow im so genannten Winterkrieg die 950 Kilometer
lange Grenze zu
Finnland. Die Rote Armee griff mit 1500 Panzern und
3000 Flugzeugen an und erwartete einen schnellen Sieg, aber die
Sowjets unterschätzten die Finnen. Die Rote Armee verlor 200 000 Mann,
die Finnen jedoch nur 25 000 Mann.
Schweden unterstützte Finnland, ohne allerdings die Neutralität
aufzugeben. Ein Eingreifen des Vereinigten Königreichs und
Frankreichs gegen die Sowjetunion wurde zwar geplant, kam aber nicht
zustande, da diese beiden Staaten nicht noch einen weiteren
Kriegsgegner haben wollten.
Ein Friedensvertrag, der am 12. März 1940 unterzeichnet wurde, legte
fest, dass Finnland Teile
Kareliens und die Fischerhalbinsel (Kalastajansaarento) am
Nordmeer an die Sowjetunion abtreten musste. Als direkte Reaktion
auf den sowjetischen Angriff nahm Finnland 1941 im
Fortsetzungskrieg am deutschen Russlandfeldzug teil, um sich die
verlorenen Gebiete zurückzuerobern.
Eine wesentliche Folge des Winterkriegs war, dass Stalin mit einer
Reorganisation der Roten Armee begann, in deren Verlauf auch
Offiziere rehabilitiert wurden, die bei den Säuberungen 1936/37 nach
Sibirien verbannt worden waren. Diese Reorganisation trug erheblich
dazu bei, dass die Rote Armee 1941 über eine größere Kampfkraft
verfügte, als die Deutschen es erwartet hatten.
Besetzung Dänemarks und Norwegens 1940

Norwegen und Westfeldzug 1940
Zum Ende des Jahres 1939, nach dem Verlust der französischen
Eisenerzeinfuhr, stellten die Lieferungen aus dem neutralen
Schweden 40 Prozent des Eisenerzbedarfs für Deutschland dar. Ein
weiterer wichtiger Rohstoff war das finnische Nickel. Durch die
Erzbahn von Schweden nach
Narvik
war
Norwegen für Deutschland von außerordentlichem wirtschaftlichen
und militärischen Wert. Die Briten wollten diese wichtigen
Rohstofflieferungen abschneiden, weswegen am 5. Februar 1940 beim
obersten franco-britischen Kriegsrat die Planung der Landung von
vier
Divisionen in Narvik vereinbart worden war. Die vorgesehene
Besetzung des norwegischen Hafens durch die Briten veranlasste das
Oberkommando der Wehrmacht, einen zusätzlichen Stab für Norwegen
aufzustellen. Am 21. Februar erging eine direkte Weisung Hitlers für
die Planung bestimmter Operationen im
skandinavischen Raum. Am 1. März wurde das
Unternehmen Weserübung endgültig beschlossen. Es sah vor,
Dänemark einzunehmen und es als „Sprungbrett“ für die Eroberung
Norwegens zu benutzen. Im März kam es zu diversen Angriffen gegen
britische Seeeinheiten.
Am 5. April fand die alliierte
Operation Wilfred statt, bei der die Gewässer vor Norwegen
vermint und weitere Truppen ins Land gebracht werden sollten. Einen
Tag später lief auf deutscher Seite das „Unternehmen Weserübung“ an.
Dabei wurde fast die gesamte
deutsche Flotte mobilisiert und in Richtung Narvik geschickt. Am
9. April begann das Unternehmen endgültig mit der Landung einer
Gebirgsjägerdivision vor
Narvik.
In Großbritannien hielt man eine Landung der Deutschen für recht
unwahrscheinlich, was dazu führte, dass von alliierter Seite nur
geringe Gegenmaßnahmen getroffen wurden. Die Deutschen konnten ihren
Brückenkopf ohne größeren Widerstand ausweiten, so dass am 10. April
bereits
Stavanger,
Trondheim und
Narvik
besetzt wurden, nachdem zuvor bereits Dänemark kampflos besetzt
worden war. Großbritannien besetzte am 12. April aus strategischen
Gründen die dänischen
Färöer im Nordatlantik.
Am 13. April kam es zu einigen schweren Seegefechten, wobei es neun
britischen
Zerstörern und dem
Schlachtschiff
HMS Warspite gelang, im Ofot-Fjord
alle deutschen Zerstörer zu versenken. Weiterhin wurden auf ihrem
Rückweg mehrere
leichte Kreuzer und zahlreiche Frachter von alliierten U-Booten
beziehungsweise der
Royal Air Force versenkt.
Am 17. April landeten die Alliierten schließlich und setzten die
Truppen der Wehrmacht durch gleichzeitigen massiven Beschuss durch
Schiffe der
Royal Navy unter starken Druck. Bis zum 19. April wurden
umfangreiche alliierte Verbände, darunter polnische Soldaten und
Reste der
Fremdenlegion, in Norwegen angelandet.
Inzwischen verbesserte sich, bedingt durch die Jahreszeit, das
Wetter in Norwegen, so dass die Wehrmacht ihre Fronten festigen
konnte. Bei schweren Angriffen der deutschen
Luftwaffe wurden am 2. Mai ein britischer und ein französischer
Zerstörer vor der Hafenstadt
Namsos
versenkt.
Noch im selben Monat beschloss
Churchill wegen der deutschen Erfolge in Frankreich den Abzug
der Alliierten aus Norwegen. Bevor die 24.500 Soldaten evakuiert
werden konnten, gelang es ihnen jedoch noch, in Narvik einzudringen
und einen wichtigen Hafen zu zerstören. Am 10. Juni kapitulierten
schließlich die verbliebenen norwegischen Soldaten, worauf das
Unternehmen Weserübung abgeschlossen war.
Norwegen wurde
Reichskommissariat, sollte jedoch nach dem Willen Hitlers als
selbständiger Staat bestehen bleiben und Teil des deutschen
Herrschaftsgebietes sein. Im weiteren Verlauf wurde Norwegen stark
befestigt, weil Hitler eine Invasion befürchtete. Im Februar 1942
wurde eine Marionetten-Regierung unter
Vidkun Quisling eingesetzt.
Der Westfeldzug 1940

Der Westwall im
Bienwald, April 1940
Während Deutschland den
Westwall zur Verteidigung der Front hatte, stand in Frankreich
die stark befestigte
Maginot-Linie. Die
Ardennen galten als natürliche Verlängerung dieser fast
130 Kilometer langen Verteidigungslinie. Die französische
Generalität glaubte nicht an einen Vorstoß durch dieses Gebiet, da
es besonders für Panzerkräfte als unüberwindbar galt. Die
ursprünglichen deutschen Pläne, die eine Umgehung im Norden ähnlich
dem „Schlieffenplan“
vorsahen, fielen jedoch im Januar durch ein verirrtes Kurierflugzeug
den Belgiern in die Hände.
Ein neuer Plan für einen Feldzug im Westen wurde von Generalleutnant
Erich von Manstein mit seinen beiden Mitarbeitern, Oberst
Günther Blumentritt und dem damaligen Major i. G. Henning
von Tresckow entwickelt. Er sah einen schnellen Vorstoß durch
die Ardennen vor, um dann die Alliierten im Norden zu einer Schlacht
mit verkehrter Front zu zwingen. Mit der Masse der hier zu
versammelnden Panzer- und motorisierten Divisionen gedachte er,
durch das „Loch in den Ardennen“ zum „Sichelschnitt“
– wie ihn Churchill später bezeichnete – bis zur
Kanalküste hin anzusetzen.

Nach der Landung in Brand geschossene Flugzeuge
Ju 52.
Kurz nach Landung der deutschen Truppen am 10. Mai 1940
in Delft.
Am 10. Mai 1940 begann der Angriff deutscher Verbände („Fall Gelb“)
mit insgesamt sieben Armeen auf die neutralen Staaten
Niederlande,
Belgien und
Luxemburg. 136 deutsche Divisionen standen rund 137 alliierten
gegenüber. Bereits an diesem Tag wurde die für uneinnehmbar
gehaltene belgische Festung
Eben-Emael durch deutsche Fallschirmjäger eingenommen. Am
14. Mai überschritt General
Guderian mit seiner Panzergruppe die
Maas.
Die Royal Air Force versuchte mit verzweifelten Angriffen, die
Pionierbrücken über dem Fluss zu zerstören, verlor dabei aber
einen Großteil ihrer Flugzeuge. Erst am 17. Mai trat die
französische 4. Panzerdivision unter
Charles de Gaulle zu einem Gegenangriff auf
Montcornet an, der aber nach anfänglichen Erfolgen wegen starker
Attacken deutscher
Sturzkampfbomber abgebrochen werden musste. Am 17. Mai wurde
Brüssel kampflos übergeben.

Durchmarsch deutscher Truppen in
Amsterdam, Mai 1940
Die Niederländer waren, bedingt durch ihre Neutralität im Ersten
Weltkrieg, noch weniger als die Belgier auf einen Krieg eingestellt,
so dass ihre Armee relativ leicht geschlagen werden konnte. Die
Kapitulation der niederländischen Truppen wurde nach der
Bombardierung
Rotterdams am 14. Mai eingeleitet und erfolgte einen Tag später.
Die niederländische Regierung und
Königin Wilhelmina flohen nach
London
ins Exil. Als
Reichskommissar für die Niederlande setzte Hitler
Arthur Seyß-Inquart ein.

Deutsche Truppen in Brüssel, 1940
Am 19. Mai erreichte die deutsche 6. Armee den Fluss
Schelde und stieß bis
Abbeville vor. Der Vormarsch in diese Gebiete erfolgte so
schnell, dass die britischen und französischen Einheiten bei
Dünkirchen eingekesselt wurden. Die Panzerstreitkräfte der
Heeresgruppe A erhielten jedoch am 24. Mai den Befehl, den
Vormarsch zu stoppen. Dieser wurde erst über drei Tage später
aufgehoben. Die Gründe für diesen Anhaltebefehl waren damals unklar,
und auch noch heute ist das „Rätsel Dünkirchen“ in der historischen
Forschung umstritten. Erklärungsansätze waren ein für Panzer wenig
geeignetes Gelände, der Vortritt für Görings Luftwaffe oder eine
bewußte Schonung der Briten. Es handelte sich vermutlich jedoch um
Kompetenzgerangel und einen Denkzettel Hitlers an eigenmächtige
Generäle.
Am 27. Mai begann die „Operation
Dynamo“, die Evakuierung der alliierten Soldaten, an der etwa
900 Seefahrzeuge teilnahmen. Über 337 000 Soldaten,
davon 110 000 Soldaten
der französischen Armee, und damit fast das gesamte britische
Expeditionskorps konnten trotz heftiger Angriffe durch Bomber der
deutschen Luftwaffe bis zum 4. Juni evakuiert werden. Aus heutiger
Sicht betrachtet stellt der Haltebefehl, der die Evakuierung in
diesem Maße ermöglichte, einen schweren taktischen Fehler dar. Die
Fähigkeit zur Fortsetzung des Kriegs wäre durch den Verlust der
britischen Expeditionsarmee für England deutlich schwieriger, da es
sich dabei um erfahrene Berufssoldaten handelte. So ging den
Alliierten nur das am Strand zurückgelassene Kriegsmaterial
verloren, das leichter ersetzt werden konnte.
Als sich die Briten zurückzogen, bereitete sich Frankreich auf die
Verteidigung vor. Der
„Fall Rot“, so der deutsche Deckname für die zweite Offensive in
Frankreich, die eigentliche Schlacht um Frankreich, begann am
5. Juni mit einer deutschen Offensive an der Aisne und der Somme. Am
9. Juni überschritten Soldaten der 6. Infanteriedivision die Seine.
Mussolini beschloss am 11. Juni, nun dem Krieg gegen die beiden
Westalliierten einzutreten.

Deutsche Soldaten vor dem
Arc de Triomphe du Carrousel in
Paris,
1940

Philippe Pétain,
Paul-Otto Schmidt, Adolf Hitler und Joachim von Ribbentrop
in Montoire-sur-le-Loir, 24. Oktober 1940
Am 14. Juni besetzten Teile der 18. Armee die französische
Hauptstadt
Paris.
Um die Stadt nicht zum Kriegsschauplatz werden zu lassen, wurde sie
zuvor von den Franzosen geräumt. Gleichzeitig durchbrach die
Heeresgruppe C die Maginot-Linie und die symbolträchtige Festung Verdun
konnte ebenfalls eingenommen werden.
Am 17. Juni erklärte
Philippe Pétain, Ministerpräsident der neu gebildeten
französischen Regierung, die Niederlage Frankreichs. Am 21. Juni
wurden die französischen Unterhändler im Wald von
Compiègne von Hitler empfangen. Zur Unterzeichnung der
vergleichsweise maßvollen Waffenstillstandsbedingungen kam es gegen
Abend des 22. Juni 1940. Der
deutsch-französische Waffenstillstand trat erst am 25. Juni um
01:35 Uhr in Kraft. Damit die französische Flotte nicht in deutsche
Hände fallen konnte, nahmen die Briten am 3. Juli diese im
algerischen Hafen
Mers-el-Kébir bei Oran unter Beschuss.
Nur sechs Wochen und drei Tage hatte der Blitzkrieg im Westen
gedauert. Er forderte das Leben von über 135 000 alliierten
und etwa 46 000 deutschen
Soldaten. Die
Schweiz konnte ihre Unabhängigkeit wahren und wurde nie Ziel
einer deutschen Offensive (siehe auch:
Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg). Frankreich wurde in zwei
Zonen geteilt: Der Norden und Westen Frankreichs war von den
Deutschen besetzt. Hier befanden sich wichtige Flugfelder und
Marinebasen für den Krieg gegen Großbritannien. Die Häfen am
Atlantik, insbesondere
Brest wurden die wichtigsten Operationsbasen der deutschen
U-Boote.
Der östliche und südliche Teil Frankreichs blieb unter französischer
Kontrolle. Marschall
Philippe Pétain regierte von
Vichy
aus den
Rest Frankreichs als Marionettenstaat des Deutschen Reichs
(Pétain wurde als Kollaborateur nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tode
verurteilt, später jedoch begnadigt).
Charles de Gaulle (1890–1970) war Organisator des Widerstandes
als „Führer des freien Frankreichs“ vom Exil in London aus.
Andauern des Kriegs gegen Großbritannien und Hitlers Suche nach
Verbündeten 1940/1941
Trotz der Niederlage Frankreichs ging der Krieg weiter, da
Großbritannien Hitlers Friedensangebot nicht annahm. Hitler bemühte
sich, seine Herrschaft über das "Neue Europa" zu konsolidieren und
durch weitere Bündnisse abzusichern.
Luftschlacht um England 1940/1941
Als „Luftschlacht um England“ (Unternehmen
Seelöwe) bezeichnete die nationalsozialistische Propaganda die
Vorbereitung einer Invasion Großbritanniens durch Angriffe aus der
Luft, zu denen Flächenbombardements gehörten. Ziel war es, die
britische Royal Air Force entscheidend zu schwächen und
Großbritannien zur Kapitulation zwingen zu können, ohne die Invasion
tatsächlich durchführen zu müssen.
In den zwei Jahren zwischen dem Münchner Abkommen und der
„Luftschlacht um England“ arbeiteten die Briten fieberhaft am Aufbau
einer modernen Jagdfliegerwaffe. Allein in den drei Monaten vor der
Aufnahme der Kampfhandlungen gelang es der britischen Industrie,
über 1400 Jagdflugzeuge
fertigzustellen. Um dem dringenden Personalbedarf nachzukommen,
wurden Piloten aus dem
Commonwealth, Frankreich, den USA, Polen und der
Tschechoslowakei unter dem Befehl der
Royal Air Force eingesetzt.

Durch deutsche Angriffe zerstörte Gebäude in London während des
Zweiten Weltkrieges
Britische Flugplätze, Flugzeugfabriken und Hafenanlagen wurden
häufig von der Luftwaffe bombardiert. Die deutschen Bomber erhielten
Begleitschutz von Jagdflugzeugen zur Abwehr britischer Abfangjäger.
Die Kampfhandlungen führten auf beiden Seiten zu großen materiellen
Verlusten, weshalb sich die deutsche Luftwaffe ab Oktober 1940
größtenteils auf Nachtbombardements beschränkte.
Die Luftschlacht um England (10. Juli bis 31. Oktober 1941) endete
als militärisches Patt, war aber eine politische und strategische
Niederlage für Hitler, dem es zum ersten Mal nicht gelungen war,
einem Land seinen Willen aufzuzwingen.
Mitentscheidend für den Misserfolg der Luftwaffe war unter anderem
die Fehlbewertung der Ortung durch englische Radarstationen an der
Süd- und Ostküste der britischen Insel. Auf Görings Befehl wurden
die deutschen Bomber vermehrt gegen britische Städte eingesetzt, um
die Moral der britischen Bevölkerung zu brechen, ein Versuch, der
hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung forderte und große Schäden
an Gebäuden verursachte. Genauso wie der spätere
Bombenkrieg der Alliierten gegen das Deutsche Reich, blieb
dieser Versuch Görings in seinen politischen Zielen
erfolglos, während die Royal Air Force ihre daher weitgehend
verschont gebliebenen Radarstationen in Küstennähe zur präzisen und
schnellen Ortung deutscher Luftstreitkräfte nutzen und diese so
wesentlich effizienter bekämpfen konnten.
Göring betrachtete dies als eine Niederlage der deutschen Luftwaffe.
Die deutschen Jägerpiloten wurden in der Folge von ihm der Feigheit
bezichtigt. Göring erneuerte diesen Vorwurf im weiteren Verlauf des
Krieges verschiedene Male, um Niederlagen der Luftwaffe zu erklären
und von seinem eigenen Versagen als Kommandeur abzulenken.
Bei den Bombardements von London, Coventry und anderen englischen
Städten wurden über 32 000 Zivilisten
getötet.
Hitlers Bündnispolitik
Nachdem der Kriegsgegner Großbritannien nicht niedergerungen war,
suchte Hitler nach Verbündeten sowohl gegen Großbritannien als auch
künftig gegen die Sowjetunion. Diese war nicht nur seit langer Zeit
von Hitler als "Lebensraum" definiert worden, sondern galt ihm jetzt
auch als möglicher Verbündeter Großbritanniens auf dem Kontinent.

Marshall Petain und Adolf Hitler im Oktober 1940
In Westeuropa machte er kaum Fortschritte. Frankreich unter Marshall
Petain sorgte sich darum, sein Kolonialreich zu erhalten und sich
nicht den Briten zu entfremden, daher stimmte er im Prinzip einer
Zusammenarbeit mit dem Reich zu, lehnte er einen Kriegseintritt
Frankreichs mit Kriegserklärung gegen Großbritannien ab (Begegnung
in Montoire, 24. Oktober 1940).
Spaniens Diktator Franco war im Juni 1940 noch bereit, in den Krieg
an deutscher Seite einzutreten, und verlangte dabei Gibraltar und
Teile der französischen Afrika-Besitzungen. Hitler hielt Spaniens
Unterstützung damals nicht für nötig. Als er sich am 23. Oktober in
Hendaye mit Franco traf, war Spanien jedoch nicht mehr von der
baldigen Niederlage Großbritanniens überzeugt und blieb
zurückhaltend.
Italien hingegen war im Juni 1940, kurz vor der französischen
Kapitulation, Hitlers Kriegsverbündeter geworden. Zusammen mit Japan
schlossen Mussolini und Hitler am 27. September 1940 in Berlin den
Dreimächtepakt ab, der gegenseitigen Beistand bei der Gewinnung
der Hegemonie über Europa (Deutschland und Italien) bzw. Asien
(Japan) beinhaltete. Die Bestimmungen galten nicht gegen die
Sowjetunion; vor allem sollten die USA von einem Kriegseintritt
abgehalten werden. Obwohl der Pakt in der Propaganda als Erfolg
gefeiert wurde, half er Hitler nicht bei seinem größten Problem, der
Frontbildung gegen Großbritannien.
In Osteuropa gewann Hitler Rumänien als Verbündeten hinzu, das für
ihn wegen der strategischen Lage und seiner Rohstoffvorkommen
wertvoll war. Zwar ließ er die Sowjetunion die nach dem Ersten
Weltkrieg verlorenen Gebiete einfordern, wie im Hitler-Stalin-Pakt
vorgesehen. Doch Hitler garantierte im Sommer 1940 Rumäniens
Bestand, das seinerseits aus dem Völkerbund austrat.
Mittelmeerraum 1940/1941
Mussolinis Großmachtambitionen waren bereits seit den 30er-Jahren
auf den Balkan gerichtet. Am 28. Oktober 1940 griffen italienische
Verbände von dem seit 1939 italienisch okkupierten
Albanien aus
Griechenland an. Italien hatte zuvor versucht,
Bulgarien als Verbündeten zu gewinnen, was jedoch wegen der
ablehnenden Haltung von König
Boris III. misslang. Hitler war über den Angriff zuvor nicht
unterrichtet worden. Auch hatte er Operationen in diesem Gebiet gar
nicht geplant, da es vermutlich seine Absicht war, mit Italien die
Eroberung Englands vorzubereiten.
Das Ziel
Mussolinis war es, Griechenland im Sturm zu erobern. Doch schon
am 3. November gingen die Griechen erfolgreich zum Gegenangriff
über. Bis zum 14. November gerieten die italienischen Truppen
endgültig in die Defensive, so dass sie sogar bis über die Grenzen
Albaniens zurückgedrängt wurden. Angesichts solcher Niederlagen des
Achsenpartners erließ Hitler am 13. Dezember mit dem Weisungen für
einen Feldzug auf dem Balkan ("Unternehmen Marita").
Jugoslawien 1941
Anfang des Jahres 1941 versuchte das Deutsche Reich im
Balkankonflikt zu vermitteln. So unterbreitete Hitler
Jugoslawien den Vorschlag, dem Dreimächtepakt beizutreten, was
jedoch abgelehnt wurde. Griechenland verzichtete ebenfalls auf jeden
Vermittlungsversuch, da seine Armee die italienischen Soldaten an
jeder Front zum Rückzug zwingen konnte. Eine italienische
Großoffensive am 9. März wurde zum Desaster. Am 27. März trat
Jugoslawien schließlich dem Dreimächtepakt bei. Die Folge waren
antideutsche Demonstrationen und ein
Putsch
des serbischen Offizierkorps gegen die Regierung des Prinzregenten
Paul, worauf der Beitritt wieder rückgängig gemacht wurde.

Zerstörungen in Belgrad, 1940

Balkanfeldzug 1941
Nun war der Balkanfeldzug nicht mehr aufzuhalten. Am 6. April
überschritten Wehrmachtsverbände die Grenze nach Jugoslawien, und
die Luftwaffen der Achsenmächte begannen
Belgrad mit schweren Bombardements in Schutt und Asche zu legen.
Der weitere Vormarsch erfolgte wie im Manöver. Bereits am 10. April
war die kroatische Hauptstadt
Zagreb
besetzt. Belgrad fiel zwei Tage später unter dem Druck deutscher
Panzerverbände. Am 17. April unterschrieben die jugoslawischen
Befehlshaber schließlich die
bedingungslose Kapitulation.
Krieg gegen Griechenland 1941
Ebenfalls am 6. April begann der deutsche Feldzug gegen
Griechenland. Anders als in Jugoslawien war der griechische
Widerstand stellenweise ausgesprochen hart. Besonders in den
Gebirgslagen und im Gebiet der stark verteidigten Metaxas-Linie
stießen die Soldaten nur langsam und unter hohen Verlusten durch das
bergige Nordgriechenland in das Landesinnere vor. Am 9. April fiel
Saloniki. Gleichzeitig wurden die griechischen Heere in
Ostmazedonien abgeschnitten und die Metaxas-Linie stärker
bedrängt. Die griechischen Verstärkungen von der albanischen Front
wurden bei ihrem Vormarsch durch die gebirgige Landschaft und von
deutschen und italienischen Panzereinheiten sowie Luftangriffen
behindert. Am 21. April mussten 223 000 griechische
Soldaten kapitulieren.

Einmarsch deutscher Truppen in
Athen,
Mai 1941
Die in Griechenland stationierten britischen Verbände bauten
unterdessen eine Verteidigung an den
Thermopylen auf. Diese wurde am 24. April überrannt, worauf die
Alliierten eine amphibische Evakuierungsoperation einleiten mussten,
in der 50 000 Soldaten
nach
Ägypten verschifft wurden. Am 27. April rückte die Wehrmacht in
Athen
ein.
Am 25. April entschlossen sich die Führer der Achsenmächte zu einer
Luftlandeinvasion der Insel
Kreta
(„Unternehmen
Merkur“). Am Invasionstag, dem 20. Mai 1941, brachten
593 Transportflugzeuge die deutschen Luftlandeeinheiten über Kreta.
Die deutschen
Fallschirmjäger bildeten durch ihre
Fallschirme ein leichtes Ziel für die Luftabwehr, so dass viele
bereits im Flug getötet oder verwundet wurden. Die gelandeten
Einheiten konnten zunächst keine Flugplätze für Nachschub und
Verstärkungen (insbesondere
Artillerie und Fahrzeuge) erobern. Außerdem gab es keine
Funkverbindung zum deutschen Hauptquartier in Athen, da viele
Funkgeräte bei den Landungen zerstört wurden. Erst mit verstärktem
Einsatz der Luftwaffe und einigen erfolgreichen Landungen auf
umkämpften Flugplätzen stabilisierte sich die Situation für die
Angreifer. Die Alliierten, darunter
Neuseeländer und
Australier, verteidigten Kreta eine Woche lang, bis sie sich mit
etwa 17 000 Mann
absetzen mussten. Aufgrund der hohen Verluste beschloss Hitler, in
Zukunft keine Luftlandungen mehr durchzuführen.
Vom Entstehen der Ostfront bis zur Westfront, 1941-1944
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion entstand am 22. Juni 1941 eine
neue Front im Osten Deutschlands. Sie wurde (neben der
japanisch-chinesischen) die am längsten bestehende und tödlichste
Front im Zweiten Weltkrieg. Riesige Gebiete des europäischen
Russlands kamen unter deutsche Besatzung mit dem Ziel, sie
rücksichtslos auszubeuten, einen Teil ihrer Einwohner zu töten und
den anderen als Sklaven zu halten. Dabei kamen auch viele weitere
Juden unter deutsche Herrschaft.
Ein halbes Jahr später wurden auch die USA offizieller Kriegsgegner
Deutschlands, die allerdings bereits zuvor Großbritannien indirekt
unterstützt hatten. Amerika brauchte Zeit, seine Wirtschaft auf den
Krieg umzustellen. Eine Konfrontation der deutschen mit
angelsächsischen Landstreitkräften fand bis zum Juni 1944 nur in
Nordafrika statt, umso erbitterter wurde der Luft- und Seekrieg
geführt (siehe unten).
Der Krieg gegen die Sowjetunion bis Stalingrad, 1941-1943

Russlandfeldzug 1941–1942
Der Balkanfeldzug hatte den Angriffszeitpunkt für einen Überfall auf
die Sowjetunion um vier Wochen verschoben. Der Angriff fand nun erst
am 22. Juni 1941 statt. Diese Verzögerung und ein ungewöhnlich früh
einsetzender Winter führten dazu, dass der Vormarsch nicht wie
geplant ablaufen konnte und das operative Ziel, das Erreichen der
Linie Archangelsk-Astrachan, verfehlt wurde. Obwohl Berechnungen auf
deutscher Seite zeigten, dass die Versorgung der Wehrmacht nur bis
zu einer Linie entlang Pskow,
Kiew
und der
Krim ermöglicht werden könnte, verlangte Hitler die Eroberung
Moskaus
im Rahmen eines einzigen, ununterbrochenen Feldzuges. Für den
Überfall standen drei Heeresgruppen (Nord, Mitte, Süd) bereit. Die
Heeresgruppe Nord (von Leeb) sollte die
baltischen Staaten erobern und dann nach
Leningrad vorstoßen. Auf der Heeresgruppe Mitte (von Bock) lag
die Hauptlast. Sie sollte nach Moskau vorrücken und war entsprechend
stark gerüstet. Die Heeresgruppe Süd (von Rundstedt) sollte die
Ukraine erobern. Ebenfalls an dem Feldzug beteiligt waren
Verbände aus befreundeten und eroberten Ländern der Achsenmächte.
Auch vom besetzten Norwegen aus wurden Angriffe gegen die
Sowjetunion unternommen. Sie zielten insbesondere auf
Murmansk und die dortige Eisenbahnverbindung, die „Murmanbahn“,
sowie den Hafen.

Deutsche Soldaten in einem brennenden Dorf bei
Mahiljou, 16. Juli 1941
In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 begann der Vormarsch
von 149 Divisionen (darunter alle motorisierten und gepanzerten
deutschen Kräfte) über die sowjetische Grenze. Zwei Divisionen
operierten von Finnland aus, acht Divisionen waren in Norwegen
stationiert, eine Division stand in Dänemark, 38 verblieben im
Westen. Zwei Divisionen kämpften in Nordafrika und sieben Divisionen
standen auf dem Balkan. Trotz vieler Hinweise war die untere und
mittlere Führung der Sowjetunion nicht auf einen Angriff
eingestellt. Viele der sowjetischen Soldaten an der Grenze ergaben
sich ohne Widerstand, während die motorisierten deutschen Truppen
zunächst zügig vormarschieren konnten. Die Fähigkeit der
sowjetischen Streitkräfte, zum damaligen Zeitpunkt einen Angriff
oder einen Krieg gegen Deutschland führen zu können, muss auch nach
neueren Erkenntnissen stark bezweifelt werden. Zudem zeigen
historische Aufzeichnungen, dass weder bei Hitler noch bei der
Generalität Überlegungen, einem hypothetischen Angriff der
Sowjetunion zuvorkommen zu wollen, eine Rolle spielten. Der Überfall
auf die Sowjetunion war im Wesentlichen ein ideologisch verbrämter
Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem von Hitler bereits Jahre
zuvor formulierten Ziel der Gewinnung von „Lebensraum im Osten“.
Dazu gehörte der dringende Wunsch, sich das industrielle und
agrarische Potential Russlands, der Ukraine und Weißrusslands
gewaltsam anzueignen, um die stets kritische Schlagkraft der
Wehrmacht zu erhöhen und der Bevölkerung an der „Heimatfront“ einen
zufriedenstellenden Lebensstandard zu sichern.

General Schukow, 1940

Deutsche Soldaten bei der Bergung eines Verwundeten in Russland,
November 1941
Erst am 29. Juni fasste sich die sowjetische Führung und rief den
„Großen Vaterländischen Krieg“ aus. Kurz zuvor war bereits
Minsk
in der
Kesselschlacht bei Białystok und Minsk eingeschlossen und wenig
später besetzt worden. Am 26. September fand die Schlacht von
Kiew
ihr Ende. Doch schon im Oktober begann es zu schneien und zu regnen.
Daraufhin blieb die Offensive im Schlamm stecken und nur noch wenige
Gebietsgewinne waren zu verzeichnen. Der Angriff auf Moskau kam
wegen der sich versteifenden sowjetischen Gegenwehr zum Erliegen. Am
5. Dezember setzte eine sowjetische Gegenoffensive mit frischen
Einheiten unter General
Schukow ein, wodurch an eine Einnahme der Hauptstadt nicht mehr
zu denken war.
Nach dem sowjetischen Angriff am 25. Juni versuchte Finnland im
Fortsetzungskrieg mit deutscher Unterstützung die im Winterkrieg
an die Sowjetunion verlorenen Gebiete in Karelien zurückzuerobern.
Nachdem es dieses Ziel im Sommer 1941 erreicht hatte, blieb Finnland
jedoch nicht defensiv, sondern fuhr bis in den Dezember fort,
umstrittene, aber nie zuvor finnisch gewesene karelische Gebiete zu
besetzen.
Die Rote Armee hatte sich neu organisiert. Die Kriegsproduktion
wurde, unerreichbar für die deutsche Luftwaffe, hinter den
Ural
verlegt. Am 16. Dezember gab Hitler den Befehl zum Halten. Bis zum
Ende des Jahres wurde die Wehrmacht jedoch weiter zurückgedrängt.

Zerstörter Hafen von Sewastopol, Juli 1942
In den Frühjahrsschlachten des neuen Jahres konnte am 28. Mai
Charkow in einem Vernichtungssieg erobert werden. Zwischen dem
15. und 21. Mai fanden die Kämpfe ihr Ende. Am 2. Juni begann die
eigentliche Schlacht auf der
Krim um
Sewastopol, dessen Verteidiger sich erbittert wehrten, und
endete am 5. Juli. Am 21. Juli überschritten deutsche Kräfte den
Don, wodurch die ersten Schritte für den Vormarsch auf
Stalingrad eingeleitet wurden. Zwei Tage später konnte
Rostow erobert werden. Insgesamt liefen die Operationen, was den
Raumgewinn im Kaukasus betraf, innerhalb weniger Wochen ab. Am
4. August wurde
Stawropol eingenommen, am 9. August Krasnodar und der Kuban
überschritten. Den rumänischen Verbündeten gelang es, die
sowjetische Verteidigung an der Ostküste des
Asowschen Meeres von Norden her aufzurollen und die
Taman-Halbinsel von „rückwärts“ her zu öffnen. Auch das Elbrus-Massiv
selbst wurde genommen, am 21. August wehte auf dem 5633 Meter hohen
Gipfel die
Reichskriegsflagge. Ein am 26. August begonnener Angriff auf
Tuapse
wurde nach zwei Tagen angehalten, dafür wurden am 31. August und am
6. September nach schweren Kämpfen die Hafenstädte
Anapa
sowie
Noworossijsk, wichtigster Stützpunkt der Schwarzmeerflotte,
genommen. Im Hochgebirge hatten deutsche Truppen die wichtigsten
Passübergänge eingenommen und vorübergehend auf breiter Front nach
Süden überschritten – sie rückten bis zum
abchasischen Gebirgsdorf Pßchu, 20 Kilometer vor der Küste des
Schwarzen Meeres bei
Gudauta vor. Östlich des Elbrus standen die deutschen und
rumänischen Truppen in den Flussabschnitten des
Baksan und des
Terek
bis
Naurskaja. Nördlich davon verlor sich die Front an der
Kuma, in der Nogajer Steppe und in der Kalmykensteppe.
Der Partisanenkrieg
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen wurde in den verschiedenen
Staaten Europas eine Umgestaltung entsprechend den
nationalsozialistischen besatzungspolitischen, rasseideologischen
und bevölkerungspolitischen Vorstellungen eingeleitet, die die
Besatzer mit allen Mitteln der Repression durchzusetzen versuchten.
Das betraf vor allem den politischen und militärisch-politischen
Widerstand und die jüdische Minderheit, die im gesamten deutschen
Machtbereich zum Objekt von Verfolgung und Vernichtung wurde.

Aussiedlung der polnischen Bevölkerung im deutsch besetzten
Wartheland, 1939

Verhaftete Mitglieder des
Maquis
in Frankreich, ca. 1940

Hingerichtete Partisanen in der Sowjetunion, Januar 1943
Mit dem
Generalplan Ost entstand unter
Heinrich Himmler als dem Reichskommissar für die Festigung
deutschen Volkstums ein umfassendes bevölkerungs- und
siedlungspolitisches Konzept zur kolonialistischen „Germanisierung“
der besetzten und noch zu erobernden Ostgebiete. Besonders die
Bevölkerung
Polens,
Serbiens, der
Ukraine,
Weißrusslands und
Russlands sollte demnach „durchaus niedergehalten werden“. Aus
der rücksichtslosen Ausplünderung dieser Gebiete ergab sich, dass
Millionen der Hungertod drohte, was von den Planern hingenommen,
wenn nicht begrüßt wurde. Nach der Entscheidung für den
„Arbeitseinsatz“ als dem ökonomisch ergiebigeren Umgang mit der
Bevölkerung vor allem der Sowjetunion wurden Millionen
Zwangsarbeiter nach
Deutschland verschleppt.
Repression und Ausbeutung stießen bald auf Widerstand. In den
Niederlanden streikten zum Beispiel die Polizei und die
Eisenbahner. In
Frankreich kam es zu bewaffneten Angriffen. Besonders in den
Balkanstaaten und in Osteuropa war der Widerstand am stärksten. Im
ehemaligen
Jugoslawien konnten Aufständische sogar einzelne geschlossene
Gebiete befreien (vgl.
Tito), in
Griechenland kontrollierten
Partisanen der
ELAS,
EDES und EKKA die Berge und in der Sowjetunion bildeten sich
kommunistische und
anarchistische Gruppen, die die Arbeit der Deutschen sabotierten
und Überfälle durchführten. Der Partisanenkrieg in der Sowjetunion
war allerdings von der Roten Armee vor dem Krieg geplant worden;
entsprechende Einheiten wurden aufgestellt, die nach der Eroberung
eines Gebietes den Widerstand gegen die Besatzer im Hinterland der
Front durchführen sollten. Das Vorgehen der Partisanen war durch
zahlreiche Verstöße gegen das Kriegsrecht gekennzeichnet, Gefangene
wurden in der Regel nicht gemacht oder zum Überlaufen gezwungen. Von
deutscher Seite wurde der Partisanenkrieg in West- und Osteuropa
unterschiedlich geführt. Während es in Griechenland, Frankreich oder
Italien dabei zu vereinzelten Massakern an der Zivilbevölkerung kam,
nahm der Partisanenkrieg in Osteuropa den Charakter eines
systematischen Ausrottungskrieges an.
Kriegseintritt der USA 1941

Zerstörte Flugzeuge nach dem Angriff auf Pearl Harbor
Die
Vereinigten Staaten hatten in dem Konflikt zunächst formal
Neutralität gewahrt. Die
isolationistische Grundstimmung in der US-Bevölkerung
ermöglichte es Präsident
Roosevelt nicht, direkt an der Seite Großbritanniens und der
Sowjetunion in den Krieg einzugreifen. Der Kongress schuf jedoch mit
dem
Leih- und Pachtgesetz vom 11. März 1941 die legale Grundlage für
die vorher bereits praktizierte Unterstützung Großbritanniens. Das
Land wurde, wie später auch die Sowjetunion, in großem Umfang mit
Waffen und Hilfsgütern aus den USA beliefert.
Den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa nutzte Japan zur
Besetzung von
Französisch-Indochina und weiterer Regionen
Südostasiens. In der Folge verhängten die
USA und das Vereinigte Königreich ein
Embargo und froren die finanziellen Mittel Japans ein. 1940
unterzeichnete Japan den
Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien. Das Embargo hatte
fehlende Rohstofflieferungen seitens der europäischen Verbündeten
zur Folge, sodass das Kaiserreich in einem Krieg mit den USA und
Großbritannien die einzige Möglichkeit sah, seine
imperialistischen Ambitionen abzusichern.
Nach dem Angriff Japans auf die amerikanische Pazifikflotte in
Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und der am 11. Dezember
erfolgten Kriegserklärung Deutschlands befand sich das Land auch
offiziell im Kriegszustand mit den Achsenmächten. Trotz des
japanischen Angriffs einigten sich die Regierungen der USA und
Großbritanniens auf den Grundsatz „Germany first“, d. h. auf die
Niederringung Deutschlands als vordringliches Kriegsziel. Zu ersten
Kampfhandlungen zwischen US-amerikanischen und deutschen Truppen kam
es Ende 1942 in Nordafrika.
Der Kriegsschauplatz Nordafrika 1940–1943

Italienische Panzer
M13/40
in Nordafrika, April 1941
Ähnlich wie auf dem europäischen Kriegsschauplatz hatten die
Italiener in Nordafrika schwere Rückschläge gegen die Briten
hinnehmen müssen. Eine italienische Offensive zum Ende des Jahres
1940 führte zur Vernichtung der eigenen Verbände in
Libyen.

Erwin Rommel westlich von Tobruk, 16. Juni 1942

Britischer Panzer
Valentine in Nordafrika, April 1941

US-amerikanischen Soldaten führen italienische und deutsche
Kriegsgefangene in
Tunesien ab, 1942
Der deutsche General
Erwin Rommel bekam deshalb im Februar 1941 den Befehl, mit
schwachen Verbänden, dem
Deutschen Afrikakorps, den erfolglosen Bündnispartner bei seiner
Verteidigung zu unterstützen.
Rommel hielt eine defensive Haltung für unangebracht, stattdessen
wollte er angreifen. Am 31. März begann Rommel den Vormarsch. Sein
Hauptvorstoß richtete sich auf Mersa Brega, um somit das Tor zur
Kyrenaika aufzustoßen. Die Offensive führte zum Erfolg, so dass
bald auch
Banghazi besetzt werden konnten. Am 10. April standen deutsche
Panzer vor der ostlibyschen Hafenstadt und Festung
Tobruk,
die kurz zuvor noch von den Italienern ausgebaut und dann beinahe
kampflos geräumt worden war. Bis zum 13. April unternahm Rommel drei
Angriffe auf die Festung, die jedoch alle fehlschlugen. Rommel
musste vorerst die Eroberung Tobruks zurückstellen. Auch weitere
Vorstöße konnten auf Grund von Versorgungsengpässen nicht
durchgeführt werden, so dass beide Seiten in einen Stellungskrieg
übergingen.
Im November griffen die Briten dann wieder an. Am 26. November
erfolgte ein zweiter Angriff, wobei der Besatzung von Tobruk nun
endlich der Ausbruch aus dem Belagerungsring gelang. Am 7. Dezember
zog sich das Afrika-Korps zur Gazala-Linie zurück. Nachdem Tobruk
augenscheinlich vor einer Eroberung des Afrika-Korps gefeit war,
griff Rommel im Januar 1942 wieder an.
Am 26. Mai begann Rommel
Unternehmen Theseus mit dem Ziel, Tobruk zu erobern. Nach
schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten,
Bir Hacheim am 10. Juni einzunehmen, um dann den Vormarsch auf
Tobruk einzuleiten. Am 20. Juni wurden Stadt und Festung besetzt,
daraufhin wurde Rommel zum
Generalfeldmarschall befördert.
Der weitere Vormarsch sollte nun durch Ägypten erfolgen. Die Stadt
Alexandria sollte fallen und der
Sueskanal besetzt werden. Kurz vor
El Alamein hatten die Briten einen 65 Kilometer langen
Verteidigungsgürtel aufgebaut. Die deutsche Offensive blieb stecken.
Der neue britische Befehlshaber
Bernard Montgomery startete am 23. Oktober zum Gegenangriff. Das
Afrika-Korps war zahlenmäßig unterlegen und musste den Rückzug
antreten.
Die Lage wurde vollends hoffnungslos, als am 8. November (Operation
Torch) amerikanische Truppen in
Casablanca und
Algier
landeten und somit den Zwei-Fronten-Krieg in Nordafrika einleiteten.
Am 13. November fiel Tobruk wieder in britische Hand.
1943 blieb Rommel nur noch der Rückzug. Am 23. Januar besetzten die
Briten Tripolis. Im März und April wurden die Achsenmächte
schließlich eingeschlossen (Schlacht
um Tunesien). Lediglich an der
Mareth-Linie wurde noch erbitterter Widerstand geleistet. Am 13.
Mai mussten die Achsenmächte in Nordafrika kapitulieren.
Stalingrad als Wende im Osten 1943-1945

Deutscher Luftangriff auf Stalingrad, 1942
Trotz der angespannten Kräfte- und Nachschubsituation befahl Hitler
gegen den teilweisen Widerstand der Generalität parallel zur
südlichen Offensive in Richtung Kaukasus ein zweites Angriffsziel:
Stalingrad. Am 23. August 1942 begannen etwa tausend Flugzeuge
Brandbomben auf die Stadt zu werfen, gleichzeitig konnten deutsche
Panzer zum ersten Mal in die Außenbezirke eindringen. In erbitterten
Einzelkämpfen in den Häusern und Straßen der Stadt kamen die
Deutschen nur unter hohen Opfern voran. Schließlich beherrschte die
Wehrmacht zwar etwa 90 Prozent der in einen Trümmerhaufen
verwandelten Stadt, die vollständige Inbesitznahme misslang jedoch.
Einen schmalen Uferstreifen der Wolga am östlichen Stadtrand, an dem
permanent neue Truppen angelandet wurden, konnten die sowjetischen
Verteidiger unter hohen Verlusten verbissen halten.

Sowjetischer Soldat nach dem Sieg der Roten Armee in Stalingrad,
Ende Januar / Anfang Februar 1943
Am 19. November begann die Gegenoffensive der Roten Armee, wobei die
rumänischen Linien im Süden durchbrochen werden konnten. Wenige Zeit
später vereinigten sich die sowjetischen Truppen in
Kalatsch mit Verbänden, die vom Norden her die deutschen
Stellungen durchbrachen. Damit war die 6. Armee eingekesselt. Die
von Göring versprochene Luftversorgung war völlig unzureichend und
führte recht bald zur Unbeweglichkeit der Verbände und zur völligen
Entkräftung der Soldaten. Ein Entsatzangriff der 4. Panzerarmee
unter Hoth („Operation Wintergewitter“), der bis zu 60 Kilometer an
die Stadt heranführte, scheiterte. General
Paulus fühlte sich an den Haltebefehl Hitlers gebunden und
konnte sich nicht dazu durchringen, den Befehl zum Ausbruch zu
geben. Am 10. Januar 1943 griffen sieben sowjetische Armeen mit
einer Million Soldaten in einer groß angelegten Gegenoffensive die
deutschen Truppen im Kessel von Stalingrad an. Die 6. Armee war
inzwischen in zwei Kessel gespalten worden, in denen katastrophale
Zustände herrschten. Am 2. Februar blieb Paulus, zwischenzeitlich
zum Generalfeldmarschall befördert, angesichts der aussichtslosen
Lage nur die Möglichkeit der Kapitulation, worauf knapp 100 000 Soldaten
in Gefangenschaft gerieten, von denen nur etwa 6000 nach dem Krieg
in ihre Heimat zurückkehrten (darunter Paulus, der in die sowjetisch
besetzte Zone repatriiert wurde). Die
Schlacht von Stalingrad markierte einen psychologischen
Wendepunkt im Krieg. Ab diesem Zeitpunkt war der Glaube an den
„Endsieg“ in der deutschen Bevölkerung kaum noch vorhanden.

Panzer der
Waffen-SS während der Operation Zitadelle, Juli 1943

Gegenoffensive 1943–1945
Am Morgen des 16. Februar wurde die Stadt
Charkow von Truppen der Wehrmacht und Waffen-SS gegen den Befehl
Hitlers aufgegeben, um einer drohenden Einkesselung zu entgehen. Am
21. Februar begann jedoch eine deutsche Gegenoffensive. Bis zum
5. März wurde das Gebiet bis zum mittleren Donezk zurückerobert. Es
wurden dabei erhebliche Geländegewinne erzielt, dem Gegner hohe
Verluste beigebracht und wieder eine geschlossene Front hergestellt.
Ein im Frühjahr 1943 potentiell bevorstehender Zusammenbruch der
Ostfront wurde so verhindert. Charkow wurde am 14. März unter
Verlusten durch Truppen der Waffen-SS zurückerobert. Eine weitere
Offensive im Sommer, die
„Operation Zitadelle“, sollte den Frontbalkon bei
Kursk
ausräumen und große Teile der Roten Armee einkesseln und vernichten.
Die Operation gipfelte in der größten Panzerschlacht der Geschichte.
Der Angriff war jedoch von der Roten Armee vorausgesehen worden, die
sich durch tiefe Verteidigungsstellungen vorbereitet hatte, und
blieb stecken. Der deutsche Vorstoß wurde auf dem Höhepunkt der
Schlacht abgebrochen. Die sowjetische Gegenoffensive bei Orel, die
ihrerseits das Ziel verfolgte, Teile der Heeresgruppe Mitte
einzukesseln und die zwischenzeitlich erfolgte Landung der
Alliierten auf Sizilien verhinderten eine Weiterführung der
Offensive. Nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den
folgenden Monaten musste die Wehrmacht an der gesamten Front den
Rückzug antreten, wobei auch die Halbinsel Krim geräumt werden
musste. Bis zum Ende des Jahres war Kiew wieder in der Hand der
Sowjetunion.
Die mit der „Operation Zitadelle“ verlorenen Panzerreserven konnten
von den Deutschen bis Kriegsende nicht ersetzt werden und bedeutete
einen absehbaren Sieg der Sowjetunion. Danach folgten weitere
größere Schlachten:
Schlacht am Dnepr und die
Dnepr-Karpaten-Operation.

Rückzug deutscher Truppen am
Ilmensee, Februar 1944
Am 14. Januar 1944 begann mit der sowjetische
Leningrad-Nowgoroder Operation, dem Angriff auf den deutschen
Belagerungsring um Leningrad, eine Serie von Angriffsoperationen,
die die sowjetische Propaganda später als „Zehn Stalinsche Schläge“
bezeichnete. Die Sowjetunion setzte nach: Ihre Frühjahrsoffensive
brachte weitere Gebietsgewinne, und die Wehrmacht musste sich bis
zum
Peipussee zurückziehen. Am 12. Mai war die
Krim wieder fest in sowjetischer Hand. Am 9. Juni begann die
Offensive an der finnischen Front auf der
Karelischen Landenge. Ende Juni kam dieser Angriff auf Höhe der
alten Grenze von 1940 zum Stillstand. Im Juni und Juli 1944 gelang
der Sowjetunion die
Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte, wodurch ihre Armeen nun bis
kurz vor Warschau und Ostpreußen vorstießen. Am 3. Juli eroberte die
Rote Armee
Minsk
zurück, weiter südlich drang ab dem 13. Juli in
Galizien eine weitere sowjetische Offensive (Lwiw-Sandomierz-Operation)
bis
Lemberg an die
Weichsel vor. Die Wehrmacht war aufgrund der dabei erlittenen
Verluste in der Folge nur noch zu hinhaltendem Widerstand gegen die
Rote Armee fähig.

Ungarische Soldaten mit
PaK bei Straßenkämpfen, November 1944
Am 1. August begann der
Warschauer Aufstand der
Polnischen Heimatarmee. Im August marschierte die Rote Armee in
der „Operation
Jassy-Kischinew“ in
Rumänien ein, worauf am 23. August König Michael von Rumänien
die Fronten wechselte und Deutschland den Krieg erklärte. Die
Erfolge der Sowjetunion zwangen die Wehrmacht zum Rückzug aus
Griechenland, am 13. Oktober rückten britische Einheiten in Athen
ein. Am 5. September nahm die Rote Armee Bulgarien ein; der
Unterstützung durch die Sowjetunion sicher, führten die bulgarischen
Kommunisten am 9. September eine gewaltsame Änderung der Staatsform
herbei und übernahmen die Führung im Land.
Finnland schloss am 19. September einen Waffenstillstand mit der
Sowjetunion. Am 20. Oktober eroberten sowjetische Einheiten und
jugoslawische Partisanen unter
Tito die Hauptstadt
Belgrad. Im Norden zog sich die
Heeresgruppe Nord am 13. Oktober aus
Riga
nach
Kurland zurück. In
Ostpreußen kam die Offensive der Sowjetunion im Oktober nach
anfänglichen Erfolgen zum Erliegen. Die ungarische Hauptstadt
Budapest wurde belagert, konnte aber erst am 11. Februar 1945 von
der Roten Armee
eingenommen werden.

Flüchtlinge auf einem Schiff in Königsberg, 1945
Die Rote Armee stieß Anfang 1945 von Warschau (Befreiung am
17. Januar) aus nach Norden vor und schnitt damit
Ostpreußen vom Rest des Reiches ab. Die deutsche Bevölkerung
floh in Scharen, zum Teil über die gefrorene Ostsee. Insgesamt
gelangten über zwei Millionen Flüchtlinge über das Meer nach Westen.
Das KdF-Schiff
„Wilhelm Gustloff“, das Flüchtlinge und deutsche Truppen sowie
Material aus Ostpreußen transportierte, wurde von sowjetischen
Torpedos versenkt. Bis zum Kriegsende flüchteten Menschen über die
Ostsee nach Westen.
Königsberg fiel am 9. April endgültig an die Sowjetunion. Am
27. Januar erreichte die Rote Armee das
Konzentrationslager
Auschwitz-Birkenau, das von der SS zuvor aufgegeben worden war.
Am selben Tag erreichten erste sowjetische Einheiten
Küstrin und damit die Oder.

Sowjetische Artillerie bei Berlin, April 1945
Nach der sowjetischen
Weichsel-Oder-Operation stand die Rote Armee Ende Januar 1945
entlang der Oder und Neiße von
Stettin bis
Görlitz knapp 80 Kilometer vor Berlin. Die Höhen von Seelow
bildeten dabei ein steil aufsteigendes, natürliches Hindernis, und
um diese Höhen wurde eine der größten Schlachten des Zweiten
Weltkrieges geschlagen. Die
Schlacht um die Seelower Höhen begann am 16. April, im Laufe des
18. April errang die zahlenmäßig weit überlegene Rote Armee die
Oberhand. Unterdessen wurde im Süden der sowjetische Belagerungsring
um
Breslau am 15. Februar geschlossen, welches allerdings erst am
6. Mai in die Hände der Roten Armee fiel. Am 25. April schloss sich
der Belagerungsring um
Berlin, am 28. April scheiterte der Versuch der 12. Armee unter
General
Walther Wenck, die Hauptstadt zu entsetzen, am 30. April tötete
Adolf Hitler sich selbst im Bunker unter der Reichskanzlei. Am
2. Mai kapitulierten die letzten Verteidiger von Berlin vor der
Roten Armee.
Nach dem Scheitern der
Plattenseeoffensive im Frühjahr 1945 war Ungarn am 4. April
vollständig von der Roten Armee erobert.
Wien fiel am 13. April, von Osten aus wurden Niederösterreich,
das Burgenland und die Steiermark erobert. Am 8. Mai erreichte die
Rote Armee
Graz. Am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation
der deutschen Wehrmacht, besetzte die Rote Armee im Zuge der
Prager Operation
Dresden, am 10. Mai rückten sowjetische Einheiten in
Prag
ein.
Italien 1943 und 1944
Am 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in
Sizilien (Operation
Husky), worauf der
Große Faschistische Rat Mussolini Versagen vorwarf. Der Duce
wurde daraufhin auf Befehl des italienischen Königs verhaftet. Als
neuer Ministerpräsident wurde
Pietro Badoglio eingesetzt.

Mussolini beim Verlassen des Hotels Campo Imperatore, 12. September
1943
Am 22. Juli konnte die sizilianische Hauptstadt
Palermo von den Alliierten besetzt werden. Am 3. September
landeten zwei britische Divisionen bei nur minimalem Widerstand der
Verteidiger auf dem italienischen Festland. Fünf Tage nach der
Landung schloss die neue italienische Regierung einen
Waffenstillstand mit den Alliierten, worauf der Fall Achse
eingeleitet wurde, in dem die Deutschen alle italienischen Verbände
entwaffneten und am 10. September Rom besetzten. Am 12. September
gelang es einigen deutschen Fallschirmjägern, Mussolini aus seiner
Gefangenschaft im Hotel
Campo Imperatore zu befreien. Mussolini wurde nach Ostpreußen
gebracht, um wenig später eine Marionetten-Regierung in Norditalien
leiten zu können (Republik
von Salò) und den Kampf an deutscher Seite fortzusetzen. Nachdem
sich die auf der griechischen Insel
Kefalonia stationierten italienischen Soldaten ihrer Entwaffnung
widersetzten, wurden zwischen dem 18. und dem 23. September etwa
5000 Italiener gefangen genommen und von deutschen
Gebirgsjägertruppen erschossen.
Am 13. Oktober erklärte die
Badoglio-Regierung dem Deutschen Reich den Krieg. An der Seite
der offiziellen italienischen Verbände operierte eine kampfstarke
Partisanenarmee von 256 000 Frauen
und Männern, die 1944 mit ihren Kampfhandlungen zehn
Wehrmachtsdivisionen band.

240-mm-Haubitze der US-Amerikaner in der Nähe von Mignano (Italien),
Januar 1944
Der Vormarsch der Alliierten erfolgte nur sehr langsam. Die
Deutschen verteidigten ihre Stellungen bis zum Äußersten, während im
Hinterland schon die nächsten Verteidigungsstellungen ausgehoben
wurden. Erst wenn der Druck zu stark wurde, zogen sie sich zurück,
um sich wieder neu zu verschanzen.
Die Entscheidung der Alliierten, in Sizilien und nicht gleich bei
Rom zu landen, verlängerte den Krieg möglicherweise erheblich. Es
gibt Einschätzungen, dass die italienischen Verbände und die
Partisanen bei einer Landung der Alliierten bei Rom Süditalien
selbst hätten befreien können.
Während sich die Alliierten schwere Gefechte mit den Truppen der
Wehrmacht lieferten, konnten sie die Deutschen nach einer Landung
bei Anzio
(Operation
Shingle, 21. Januar) weiter in Bedrängnis bringen, worauf
diese gezwungen waren, zusätzliche Divisionen nach Italien zu
verlegen. Die Alliierten errichteten in Italien eine zweite Front,
nutzten aber nicht die Gelegenheit, bis Rom vorzustoßen.

Von neuseeländischen Soldaten bewachte deutsche Kriegsgefangene bei
Monte Cassino, März 1944
Am 15. Februar wurde bei der
Schlacht um Monte Cassino das von den Deutschen nicht besetzte
Bergkloster
Monte Cassino, das eine strategische Lage in der
Gustav-Linie hatte, bombardiert und zwei Tage später durch
Artilleriebeschuss völlig zerstört. Die deutschen Verteidiger,
ehemalige Fallschirmjäger von der Landung auf
Kreta,
verschanzten sich anschließend in den Ruinen des Klosters. Erst drei
Monate später, am 18. Mai, nahm das 2. Polnische Korps unter Führung
von General
Władysław Anders unter hohen Verlusten nach mehreren Tagen des
Angriffs das Kloster ein, nachdem die vorhergehenden Angriffe der
Alliierten gescheitert waren.
Nachdem das Hindernis Monte Cassino überwunden war, begann der
Vormarsch auf Rom. Am 25. Mai vereinten die alliierten Kräfte ihre
beiden Fronten und drängten die deutschen Truppen auf die „Grüne
Linie“ zwischen
La Spezia und
Rimini
zurück.
Generalfeldmarschall
Albert Kesselring, Oberbefehlshaber der Heeresverbände in
Italien, lehnte es ab, in der „ewigen Stadt“ zu kämpfen und befahl
seinen Einheiten, Rom am 4. Juni widerstandslos zu verlassen. Die
Hoffnung der Alliierten, die Wehrmacht bis in die Alpen zurück zu
treiben, wurde bei der
Apennin-Verteidigungslinie vorerst zerstört, so dass 1944 noch
keine Entscheidung in Italien stattfand.
In diesen Zeitraum fallen ebenfalls alliierte Überlegungen eines
weiteren
Vorrückens über den Balkan, die jedoch, um Spannungen mit der
UdSSR zu vermeiden, verworfen wurden.
Von der Westfront bis zum Kriegsende, 1944/1945
Die Westfront 1944/1945

Deutsche Soldaten an einem Geschütz am Atlantikwall in
Nordfrankfreich, 1944
Mit Jahresbeginn übernahm Erwin Rommel den Oberbefehl der deutschen
Heeresgruppe B an der Westfront nördlich der
Loire.
Am 21. Januar 1944 begann die deutsche Luftwaffe wieder mit
Angriffen auf London, die bis zum April fortgesetzt wurden.
Während die Alliierten damit beschäftigt waren, Berge von
Versorgungsmaterial anzuhäufen, verstärkten die Deutschen ihre
Küstenbefestigungen am
Atlantikwall.

US-amerikanische Soldaten landen bei Omaha Beach, 6. Juni 1944
Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten in der
Normandie. Der Plan für
Operation Overlord fußte auf ab 1941 ausgearbeiteten
Invasionsplänen und war vom britischen Lieutenant General (Generalleutnant)
Sir
Frederick E. Morgan in seiner endgültigen Fassung erarbeitet
worden. Er sah vor, mit vier Armeen zu landen und dann schnell ins
Landesinnere vorzustoßen. Die Deutschen waren schlecht auf die
Invasion eingestellt. Der deutsche Planungsstab und Hitler
erwarteten die Landung immer im
Pas-de-Calais, der engsten Stelle des
Ärmelkanals. Das Gebiet von
Calvados, wo die Alliierten schließlich an Land gingen, wurde
stellenweise nur mit einigen Metern Stacheldraht und ein paar
MG-Nestern verteidigt. Aber nicht überall, denn trotz der
falschen Erwartungen des
OKW über den Ort der Invasion war die Normandieküste doch recht
schwer befestigt. Das Invasionsgebiet war in fünf Landungsabschnitte
aufgeteilt mit den Decknamen
Juno,
Gold,
Sword (britisch/kanadische Landungsabschnitte), sowie
Utah und
Omaha (US-amerikanische Landungsabschnitte). Die Bombardierungen
der Küste aus der Luft und von See verliefen planmäßig, verfehlten
bei Omaha jedoch die erste deutsche Linie, und das führte, zusammen
mit der Tatsache, dass die Deutschen in Unkenntnis der Alliierten
eine zweite Division dort hatten, zu sehr schweren Verlusten der
ersten Welle (etwa 70 %).
Am so genannten
D-Day
waren während der
Operation Neptune, dem eigentlichen Invasionsunternehmen, fast
6.700 Schiffe und über 13 000 Flugzeuge
beteiligt. Am frühen Morgen des 6. Juni starteten mehrere
Luftlandeeinheiten (die
82. und
101. US-Luftlandedivision) zu ihren Einsätzen im Hinterland.
Wegen Navigationsfehlern und überraschend starkem deutschen
Flakfeuer erreichten viele Maschinen nicht die vorgesehenen
Absprungzonen, so dass die
Fallschirmjäger über weite Teile der Halbinsel
Cotentin verteilt wurden.

Toter deutscher Soldat in Frankreich, Juni 1944
Obwohl die Alliierten gewaltige Kräfte aufgeboten hatten, kamen sie
stellenweise nur schleppend voran. Doch nicht zuletzt durch die
alliierte Luftüberlegenheit und die selbst zerstörten französischen
Bahngleise gelang es der deutschen Seite nicht, schnellstmöglich
zusätzliche Einheiten in das Kampfgebiet der Normandie zu verlegen.
Cherbourg im Norden der Cotentin-Halbinsel unter Festungskommandant
Karl-Wilhelm von Schlieben fiel am 26. Juni nach starkem
amerikanischen Artilleriebeschuss und heftigen Straßenkämpfen (→ Schlacht
um Cherbourg).

Ruinen im Hafengebiet von Caen, Juni 1944
Die Einnahme von Caen, ein Primärziel des ersten Landungstages,
erwies sich für die alliierten Truppen der Briten und Kanadier an
der Ostseite des Normandie-Brückenkopfes als ungleich schwieriger (→
Schlacht um Caen). Erst nach sechs Wochen verlustreicher Kämpfe
konnte die Stadt am 19. Juli vollständig besetzt werden.
Am 15. August begann eine zweite Invasion in Südfrankreich an der
Côte d’Azur zwischen
Toulon
und
Cannes (Operation
Dragoon, auch bekannt unter
Anvil). An der Landung waren 880 alliierte Seeschiffe, darunter
vier Flugzeugträger, sechs Schlachtschiffe, 21 Kreuzer und über
100 Zerstörer, insgesamt 34 französische Schiffe und
1370 Landungsboote sowie ungefähr 5000 Flugzeuge beteiligt. Drei
amerikanische Divisionen bildeten die Angriffstruppen. Die Franzosen
und US-Amerikaner konnten ohne entscheidenden Widerstand zügig in
das Landesinnere vorstoßen.
In der Normandie unternahmen die US-Amerikaner am 25. Juli einen
Ausbruchsversuch aus ihrem Brückenkopf-Sektor (→ Operation
Cobra), der in den Folgetagen im Westen zur Abschnürung der
Cotentin-Halbinsel bis nach
Avranches führte. Im Osten konnten US-amerikanische Einheiten
bei
Saint-Lô nach anfänglicher Verzögerung schnell die deutsche
Front durchbrechen. Am 6. August starteten die Deutschen zwar unter
dem leitenden
OB West, Generalfeldmarschall
Günther von Kluge, eine Konterattacke bei Mortain (→
Unternehmen Lüttich). Sie wurde aber schon nach zwei Tagen
wieder gestoppt, was schließlich mit Hilfe der nördlich kämpfenden
Briten, Schotten und Kanadier zum
Kessel von Falaise führte.

Amerikanische Truppen beim Parademarsch in Paris, 29. August 1944
Am 25. August wurde
Paris
befreit (→ Schlacht
um Paris). Der deutsche Stadtkommandant General
Dietrich von Choltitz verweigerte Hitlers Befehl, die Stadt zu
zerstören und ergab sich mit seinen Truppen kampflos. Durch die
enorme Materialfülle und absolute Luftherrschaft konnten deutsche
Truppenansammlungen zu jeder Zeit zerschlagen werden und die
Alliierten kamen in der Folgezeit recht zügig voran. Zwar
überdehnten sie bei ihrem schnellen Vorstoß zum deutschen
Westwall ihre Versorgungslinien, aber durch den Aufbau neuer,
schneller Nachschubwege (→ Red
Ball Express), gelang es vor allem, den in großen Mengen
benötigten Treibstoff bereitzustellen. Bereits am 3. September fiel
Brüssel und am Tag darauf konnte
Antwerpen besetzt werden. Einzig bei der Luftlandeoperation
Market Garden konnte das II. SS-Panzerkorps den Briten und
US-Amerikanern in
Arnheim noch einmal eine schwere Niederlage beibringen.
Mit dem Verlust der Atlantikhäfen am Ärmelkanal und vor allem in der
Bretagne (→ Schlacht
um die Bretagne) setzte die deutsche Marine ihren
U-Boot-Krieg von Norwegen aus fort. Bis zum 1. September griffen
die Deutschen von Abschussrampen in Nordfrankreich aus mit
Raketen
(V1,
V2) London an. Mit Arbeiten an dem Projekt „Friesenwall“
sollte dem direkten Eindringen der Alliierten an der deutschen
Nordseeküste entgegengewirkt werden.
Am 21. Oktober eroberten die Alliierten nach heftigen Kämpfen mit
Aachen
die erste deutsche Stadt. Am 22. November erreichten weiter südlich
US-amerikanische Kräfte die
Festung Metz und
Straßburg. Im Dezember versuchten die Deutschen mit der
Ardennenoffensive die Oberhand im Westen zu gewinnen. Das
Operationsziel, die Linien der Alliierten zu spalten und in breiter
Front nach Belgien vorzustoßen, misslang jedoch.

Vormarsch der französischen Truppen unter General
Jean de Lattre de Tassigny
im April 1945 in Baden und
Württemberg

Zwei US-amerikanische Soldaten während der Explosion eines
Benzintankanhängers
auf dem Marktplatz von
Kronach, 14. April 1945
Mit amerikanischer Luftunterstützung erobern in der Nacht vom 16.
auf den 17. April 1945 französische Truppen unter Befehl von General
Jean de Lattre de Tassigny und angeführt von Major
Christian Marie de Castries die im Schwarzwald zentral gelegene
Stadt
Freudenstadt und zerstören deren Zentrum beinahe vollständig.
Dabei wird auch von zahlreichen Ausschreitungen von Soldaten
gegenüber der Zivilbevölkerung berichtet. Daraufhin geht die
Truppenbewegung weiter in Richtung
Rottweil und Stuttgart.
Alliierte Truppen erreichten am 7. März 1945 die unzerstörte
Rheinbrücke von
Remagen. Sie errichteten Brückenköpfe auf rechtsrheinischem
Gebiet und kreisten das Ruhrgebiet ein. Die Heeresgruppe B der
Wehrmacht unter Feldmarschall Model wurde am 1. April im sogenannten
Ruhrkessel eingeschlossen und kapitulierte am 18. April. Am
selben Tag nahmen die US-Truppen
Magdeburg ein, einen Tag später
Leipzig.
Am 25. April trafen sich US-amerikanische und sowjetische Truppen in
Torgau
an der Elbe (Elbe
Day); der letzte Einflussbereich der Deutschen zerfiel jetzt in
zwei Teile. Am 26. April fiel
Bremen
an die Briten, die weiter nach Nordosten zogen. In rascher Folge
nahmen sie
Lübeck
(2. Mai) und
Hamburg (3. Mai), während britisch-kanadische Truppen in
Wismar
einmarschierten.
Der Vorstoß aus dem Raum
Hagenow erfolgte vermutlich auch, um die Rote Armee daran zu
hindern, bis
Schleswig-Holstein vorzustoßen. Im späten Nachmittag des 2. Mai
trafen sich die Alliierten am östlichen Stadtrand Wismars.
Am 5. Mai kapitulierte Generaloberst Blaskowitz, dessen Truppen in
Holland eingekesselt waren. Während die britischen Einheiten
Norddeutschland eroberten, wandten sich die US-Amerikaner nach
Süden. Sie besetzten am 30. April
München.
Stuttgart fiel am 22. April an die französische Armee, die nach
Süden bis
Vorarlberg vordrang. Die US-Armee wandte sich zu den Alpen und
traf am 3. Mai am
Brennerpass mit ihren Landsleuten zusammen, die von Süden her
Oberitalien besetzt hatten.
In Italien fiel
Bologna am 19. April an die US-Truppen. Am 25. April fand die
Flucht des italienischen Diktators
Benito Mussolini vor den Alliierten aus Salò statt, was als Ende
der
Italienische Sozialrepublik gilt. Am 27. April wurde
Genua
erobert; einen Tag später ergriffen italienische Partisanen in Dongo
den gestürzten „Duce“ Benito Mussolini und erschossen ihn. Am 2. Mai
kapitulierten die deutschen Einheiten in Italien, am selben Tag
marschierte die britische Armee in Triest
ein.
Das Kriegsende in Europa 1945

Sowjetische Soldaten nach der Kapitulation Berlins vor dem
Brandenburger Tor, Mai 1945
Bevor Hitler sich am 30. April das Leben nahm, hatte er
testamentarisch Großadmiral
Karl Dönitz zum Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der
Wehrmacht bestimmt. Dieser erklärte in einer Rundfunkansprache am
1. Mai die Fortsetzung des militärischen Kampfes gegen „den
vordrängenden bolschewistischen Feind“. Dönitz wollte die deutschen
Soldaten in amerikanisch-britische Gefangenschaft bringen und sie
vor sowjetischer Gefangenschaft retten. Er schlug sein Hauptquartier
am 3. Mai im von Deutschen gehaltenen
Flensburg auf und benannte eine
Geschäftsführende Reichsregierung unter
Graf Schwerin von Krosigk. Am selben Tag kapitulierte die
deutsche Hauptstadt
Berlin.
Am 4. Mai unterzeichnete der neu ernannte Oberbefehlshaber der
Kriegsmarine, Generaladmiral
Hans-Georg von Friedeburg, auf dem
Timeloberg eine Urkunde zur bedingungslosen Kapitulation der
Wehrmachtseinheiten, die im Nordwesten gegen den britischen
Feldmarschall Montgomery gekämpft hatten – diese Teilkapitulation
trat am 5. Mai um 7 Uhr in Kraft.

Wilhelm Keitel unterzeichnet die ratifizierende Kapitulationsurkunde
in
Berlin-Karlshorst, 8./9. Mai 1945
Nachdem
Eisenhower im operativen Hauptquartier der
SHAEF in
Reims
das Ansinnen eines separaten Waffenstillstands mit den
Westalliierten zurückgewiesen hatte, unterzeichnete Generaloberst
Alfred Jodl in den Morgenstunden des 7. Mai die
bedingungslose Gesamtkapitulation aller deutschen Truppen. Sie
trat am 8. Mai, 23:01
Mitteleuropäischer Zeit in Kraft. In einem weiteren Dokument
wurde die
Ratifizierung dieser bedingungslosen Kapitulation, dann durch
das
Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer,
Luftwaffe und Marine vereinbart. Das geschah durch Unterzeichnung
einer weiteren Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in
Berlin-Karlshorst. Aufgrund einer Zeitverzögerung war es schon
nach Mitternacht, als diese in der Nacht vom 8. zum 9. Mai von
Generalfeldmarschall Keitel für das OKW und das Heer,
Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und
Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe (als Vertreter des
Oberbefehlshabers
Generalfeldmarschall von Greim) unterzeichnet wurde.

Sonderausgabe der US-Amerikanischen Soldatenzeitung
Stars and Stripes zur Kapitulation am 8. Mai 1945.

Die Oberbefehlshaber der vier Verbündeten am 5. Juni 1945 in Berlin:
Bernard Montgomery,
Dwight D. Eisenhower,
Georgi Konstantinowitsch Schukow und
Jean de Lattre de Tassigny.
Zum Kriegsende am 8. Mai, dem
V-E-Day beziehungsweise
Tag der Befreiung, befanden sich im Westen noch die
Kanalinseln und die Städte
Lorient,
Saint-Nazaire,
La Rochelle sowie die lettische Halbinsel Mazierbe unter
Kontrolle der Wehrmacht. Auch in Dänemark blieb die deutsche
Herrschaft bis zur Kapitulation unangefochten. Das Deutsche Reich
selbst war weitgehend besetzt, lediglich der Alpenraum, Teile des
Reichsprotektorats Böhmen und Mähren und Schleswig-Holstein noch
unter Kontrolle deutscher Truppen.
In Norwegen und zum Teil auch in Nordwestdeutschland waren die
deutschen Truppen in Gewahrsam der britischen Streitkräfte. Sie
waren formal Kriegsgefangene, jedoch nicht entwaffnet und in ihrer
militärischen Gliederung und Kommandostruktur unverändert. Sie
wurden in Einsatzbereitschaft gehalten und zum Teil auch weiter
ausgebildet.
Die Truppenteile unterstanden britischem Kommando. Während der
Potsdamer Konferenz wurde bei der 9. Vollsitzung am 27. Juli 1945
der britische Premier Churchill vom sowjetischen Generalissimus
Stalin auf diese nicht entwaffneten, sich in Norwegen befindenden
400 000 Soldaten angesprochen.
Möglicherweise verblieben diese Truppen als Vorbereitung für
Operation Unthinkable.
Am 8. und 9. Mai flohen fast zwei Millionen deutsche Soldaten aus
dem sowjetischen Machtbereich in die von den Westalliierten
kontrollierten Gebiete, vor allem aus dem anfangs nicht besetzten
Böhmen.
Der
Oberste Sowjet hob den
Kriegszustand mit Deutschland erst in einer einseitigen
Erklärung am 25. Januar 1955 auf.
Richard von Weizsäcker äußerte 1985 in seiner Rede zum 8. Mai,
das Kriegsende ginge seit 1985 in der Bundesrepublik Deutschland als
Befreiung vom Nationalsozialismus in die nationale
Erinnerungskultur ein.
Demgegenüber vertritt beispielsweise
Michael Wolffsohn die Auffassung, dass der 8. Mai für die
Ostdeutschen keine Befreiung gewesen sei, da sie „bis 1989
unfreiwillig die braune gegen die rote Unfreiheit […] tauschten.“ –
„Wie und weshalb hätten sich die Ostdeutschen befreit fühlen können
– oder gar die 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen, die
Vergewaltigten und unschuldig Verfolgten?“
Der Krieg in Asien und im Pazifik
Japan war vor dem Zweiten Weltkrieg bereits an mehreren Kriegen
beteiligt gewesen. Unter Tennō
Yoshihito kämpfte Japan an der Seite der Alliierten im
Ersten Weltkrieg, in dem Japan Kolonien des deutschen
Kaiserreichs übernehmen konnte, wie zum Beispiel
Qingdao. Etwa zehn Jahre zuvor kam es wegen Streitigkeiten um
die Mandschurei zum
Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905).
Nachdem es nicht gelang, die
Wirtschaftskrise ab 1929 im Rahmen der weltwirtschaftlichen Lage
einzudämmen, wurden verstärkt Stimmen laut, die eine territoriale
Expansion als Lösung der Probleme sahen.
Ab den 1930er Jahren erlangten Militärs verstärkt Kontrolle über die
Regierung, einschließlich des Amts des
Premierministers, politische Gegner wurden verfolgt,
Medien zensiert. Der aggressive Einsatz für eine Neuordnung der
Pazifikregion hatte vorgeblich zum Ziel, die
Hegemonie der asiatischen Länder und Kolonien durch westliche,
europäische Staaten zu beenden und sie durch eine japanische zu
ersetzen (Panasienbewegung).
Das Hauptinteresse der japanischen Expansion galt dem Gebiet der
damaligen
Republik China. Nach dem
Mukden-Zwischenfall am 18. September 1931, der vermutlich von
den Japanern selbst erzeugt wurde, kam es zur
Mandschurei-Krise und die
Guandong-Armee besetzte, angeblich ohne größere Rücksprache mit
der japanischen Regierung, die Mandschurei. Am 1. März 1932 wurde
dort der
Marionettenstaat
Mandschukuo ausgerufen, dessen offizieller Präsident und
späterer Kaiser
Pu Yi
war. Aufgrund internationaler Proteste über das Vorgehen in China
trat Japan 1933 aus dem
Völkerbund aus, 1936 schloss es sich dem
Antikominternpakt an.

Chinesische Soldaten verteidigen die Marco-Polo-Brücke, 1937

Pazifikkrieg 1937–1942
Am 7. Juli 1937 landeten japanische Truppen an der Küste Chinas und
es kam zum
Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke. Infolgedessen begann nach
einem kurzzeitigen Waffenstillstand am 25. Juli 1937 der
Zweite Japanisch-Chinesische Krieg, der bis 1945 andauern sollte
und dessen Ausbruch von einigen Historikern sogar als der
eigentliche Beginn des Zweiten Weltkrieges angesehen wird.
China stand zu diesem Zeitpunkt vor einem Scheideweg, da die
Kommunisten unter
Mao Zedong und die Nationalisten der
Kuomintang unter
Chiang Kai-shek um die Vorherrschaft im Land kämpften. Die
Kommunisten hatten sich nach dem
Langen Marsch in das Landesinnere zurückgezogen und griffen beim
Kampf gegen die Japaner nur vereinzelt ein. So errangen sie in der
Schlacht von Pingxingguan einen kleinen taktischen Sieg, der als
„Der große Sieg von Pingxingguan“ in die Geschichte der
kommunistischen Partei einging. Nach der
Hundert-Regimenter-Offensive von Mitte bis Ende 1940 kam es zu
einem inneren Zerwürfnis in der Partei und Mao beschloss den Kampf
gegen die Japaner gänzlich den Nationalisten zu überlassen und die
eigenen Truppen für den später wieder ausbrechenden
Klassenkampf zurückzuhalten.

Japanische Truppen bei der Einnahme von Nanking, Januar 1938
Um den 8. Dezember 1937 erreichten die japanischen Truppen
Nanjing, die Hauptstadt der Kuomintang und kesselten sie ein.
Bei der Evakuierung von amerikanischen Bürgern aus Nanking
beschossen die Japaner am selben Tag von Kampfflugzeugen aus das auf
dem Jangtsekiang voll beladen fahrende
Kanonenboot
USS Panay (→
Panay-Vorfall). Das Boot wurde versenkt. Drei Menschen starben
und 48 wurden verletzt. Zwar entschuldigte sich die japanische
Regierung für den Zwischenfall, aber zusammen mit Berichten über die
Grausamkeiten japanischer Soldaten, die nun an die Öffentlichkeit
kamen, sorgte er dafür, dass sich das Bild von Japan in den USA zu
ändern begann. Am 13. Dezember besetzten die japanischen Truppen
Nanking. In dem darauf folgenden, drei Wochen andauernden
Massaker von Nanking wurden vermutlich mehr als 300 000 chinesische
Zivilisten ermordet und etwa 20 000 Frauen
vergewaltigt. Chiang Kai-shek ließ daraufhin die Hauptstadt in das
entfernte
Chongqing verlagern.

Japaner kämpfen bei
Guandong, 1938
Im März 1938 verabschiedete Japan das Nationale
Mobilisierungsgesetz, welches alle wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Aspekte auf eine effizientere Kriegsführung
konzentrierte und im April in Kraft trat. Hoffnungen auf eine
friedliche Lösung des Konfliktes mit China kamen auf, als
Ugaki Kazushige, ein ehemaliger
General und Gegner weiterer
Eskalationen, im Mai desselben Jahres Außenminister wurde. Doch
statt eine Beruhigung der Lage zu erreichen, kam es zu erneuten
Streitigkeiten mit der
Sowjetunion um die Mandschurei und in der Folge zum
Japanischen-Sowjetischen Grenzkonflikt.
Da Japans wirtschaftliche Zukunft vor allem von Rohstofflieferungen
aus Kolonien Großbritanniens und Frankreichs abhing, nutzte es den
Ausbruch des Kriegs in Europa und erpresste von Großbritannien die
Sperrung der
Burmastraße, um die chinesischen Truppen vom Nachschub
abzuschneiden. Außerdem setzte Japan in
Nanking
Wang Ching-wei als Chef einer Marionettenregierung ein (Panasiatismus)
und erhielt vom
Vichy-Regime die Zustimmung zur Besetzung
Vietnams, damals noch
Französisch-Indochina. In der Folge verhängten die USA und
Großbritannien ein Embargo und froren die finanziellen Mittel Japans
ein.
Am 27. September 1940 unterzeichnete Japan den
Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien, der den bestehenden
Antikominternpakt um gegenseitige militärische Unterstützung
erweiterte. Damit verwarf der japanische Kaiser seine noch am
5. September 1939 verkündete Neutralität und unterstrich seine
aggressive Außenpolitik vor allem gegenüber China.
Die amerikanische Regierung rief daraufhin am 8. Oktober alle
Zivilisten im
Fernen Osten auf, in die USA zurückzukehren, da es zu einer
indifferenten Lage in diesem Gebiet käme und verhängte am
23. Oktober ein totales Ausfuhrverbot für Eisen- und Stahlschrott
nach Japan. Am 23. Oktober verließen drei
Passagierdampfer die USA um alle Amerikaner aus China und Japan
zu evakuieren.
Im April 1941 unterschrieb Präsident Roosevelt einen Geheimbefehl,
der es Reserveoffizieren erlaubte das Militär zu verlassen und als
Freiwillige nach China zu gehen. Als Folge gründete Captain
Claire Lee Chennault in
Kunming die
American Volunteer Group (auch Flying Tigers genannt), eine
US-amerikanische Fliegerstaffel, die ab 1942 in den aktiven Dienst
der
US Air Force gesetzt wurde.
1941 begannen verstärkte Bemühungen der USA und Japan, um den
drohenden Krieg zu verhindern. Gleichzeitig nahmen die Kriegs- und
Eroberungspläne der Japaner für Südostasien konkrete Formen an. Den
Forderungen der USA, China zu verlassen, kam Japan jedoch nicht
nach. Wegen des Embargos Großbritanniens und der USA und weil Japan
von den Rohstofflieferungen der europäischen Verbündeten
abgeschnitten war, blieb ein Krieg mit den USA und Großbritannien
die einzige Alternative zum Verlust des Reiches.
Nachdem Japan die USA mit dem
Angriff auf Pearl Harbor empfindlich getroffen hatte und diese
ihnen den Krieg erklärt hatten, drangen die Japaner weiter nach
Süden vor und besetzten unter der Propaganda „Asien den Asiaten“
europäische und amerikanische Kolonien wie
Hongkong, die
Philippinen und
Niederländisch-Indien.
Innerhalb von vier Monaten (Dezember–März) hatten japanische Truppen
weite Teile
Südostasiens und einen Großteil des Pazifiks mit etwa
450 Millionen Menschen unter ihrer Kontrolle. Dies war die größte
Ausdehnung in der Geschichte Japans.
Die wichtigste Eroberung der Japaner fand am 23. Januar 1942 statt,
als die kleine australische Garnison in
Rabaul
an der Nordostspitze auf
New Britain überwältigt und die Hafenstadt eingenommen werden
konnte. Damit hatten die Japaner eine hervorragende Ausgangsbasis
für ein weiteres Vordringen in Richtung Ostpazifik und die
Südsee,
die in den folgenden Jahren zu einer regelrechten
Festung ausgebaut wurde.
Mitte 1942, nach der
Schlacht im Korallenmeer sowie der
Schlacht um Midway, bei der die Japaner vier Flugzeugträger und
zahlreiche Flugzeuge und erfahrene Besatzungen verloren und damit
ihre Flotte empfindlich geschwächt war, änderte sich jedoch die
Situation. Mit der Landung auf der
Salomonen-Insel
Guadalcanal am 7. August begannen die Amerikaner die
Operation Watchtower, eine der verlustreichsten und
verbissensten Schlachten während des Pazifikkrieges. Sie dauerte bis
ins nächste Jahr an und markierte einen weiteren Wendepunkt
zugunsten der Amerikaner. Sie konnten ein weiteres Vordringen Japans
verhindern. Damit war eine Isolierung
Australiens von Amerika vereitelt und US-Truppen konnten weiter
auf japanisch besetztes Gebiet vorrücken. Weiterhin hatte die
japanische Flotte bei diesen Abnutzungsschlachten Verluste zu
verzeichnen, die sie im Gegensatz zu ihren Gegnern kaum zu ersetzen
vermochte.

Amerikanische Landung auf Rendova Island auf den Salomonen am
30. Juni 1943

Gegenoffensive 1943–1945
Die härtesten Kämpfe tobten von Ende 1942 bis Mitte 1944 auf
Neuguinea, in der
Südsee
auf den
Salomonen, den
Gilbertinseln, den
Marshallinseln und den
Marianen. Ein erfolgreiches taktisches Mittel war dabei das so
genannte „Island
Hopping“, bei dem die Amerikaner die starken japanischen
Stützpunkte, im Besonderen den wichtigen Standort
Rabaul
mit seinem Hafen und den Flugfeldern, umgingen und Insel für Insel
in Richtung japanischem Hoheitsgebiet einnahmen.
Zu Beginn des Jahres 1943 gelang es den Amerikanern in vermehrtem
Maß, japanische
Funkcodes
zu entschlüsseln. Einer der wichtigsten Codes war der Ultra-Code
der
Kommandantur des
Truk-Atolls. Damit war die Grundlage für den Seekrieg gegen die
japanischen Fracht- und Nachschubschiffe durch US-U-Boote gelegt,
dessen stetig steigende Versenkungsraten einen wesentlichen Anteil
am Sieg hatten. Der japanischen Marine gelang es während des
gesamten Krieges nicht, ein wirksames Schutzsystem für ihre
Transportschiffart zu bilden. Dies lag sowohl an der Unterschätzung
der U-Boot Gefahr in der japanischen Militärdoktrin, mit der Folge
einer ungenügenden Anzahl von Geleitschiffen bei Kriegsbeginn, sowie
an der großen technologischen Unterlegenheit Japans im Bereich der
Überwasser-(Radar)als
auch Unterwasserortung (Asdic).
Vor allem der daraus resultierende Mangel an Treibstoff
beeinträchtigte einerseits die Ausbildung neuer Piloten extrem, und
machte es anderseits erforderlich, Flottenverbände weit außerhalb
der Hauptkampfgebiete, in der Nähe von Treibstoffquellen, zu
stationieren, was die taktischen strategischen Optionen der Flotte
stark einschränkte.

Explosion von „Fat Man“ über Nagasaki, 9. August 1945
Der amerikanischen Funkaufklärung gelang Mitte April die
Entschlüsselung eines Funkspruchs, nachdem
Admiral
Yamamoto Isoroku, Oberbefehlshaber der
Kaiserlichen Japanischen Marine, den Stützpunkt auf
Bougainville besuchen wollte. Zum Abfangen seines Flugzeugs
starteten am 18. April 16 Lightning
Jäger von der neuen zweiten Startbahn des
Henderson Airfields auf Guadalcanal und nahmen Kurs nach
Norden. Bei einem eigenen Verlust gelang ihnen der Abschuss von drei
der neun japanischen Begleitflugzeuge und der zwei
Transportmaschinen. In einer davon befand sich Yamamoto, der dabei
ums Leben kam. Vom Verlust dieser starken Führungspersönlichkeit
konnte sich die japanische Marine in der Folge nur schwerlich
erholen (Operation Vengeance).
Ab 1944 begann die Erfolgszeit der amerikanischen
Task Forces. Die beiden großen Trägerflotten Task Force 38 und
58 wechselten sich bei den Vorstößen gegen japanisch besetzte
Inselgruppen ab und drangen stetig weiter in Richtung der
japanischen Inseln vor, obwohl die Japaner mit dem Einsatz von
Kamikaze-Fliegern begannen. Die von den Japanern erwarteten
hohen Verlustraten bei den amerikanischen Schiffen blieben aber aus.
Ebenso blieben die Erfolge der bemannten
Kaiten-Torpedos
aus.

Unterzeichnung der japanischen Kapitulationsurkunde am 2. September
1945
Nach der ab Mitte Juni begonnenen blutigen
Schlacht um Saipan, bei der die Japaner fast alle eingesetzten
Flugzeuge mitsamt Besatzungen und durch U-Boote drei Flugzeugträger
verloren, kam es Ende Oktober bis Anfang November 1944 während der
Landungen auf Leyte in den
Philippinen zur
See- und Luftschlacht im Golf von Leyte. Hier verloren die
Japaner mit vier Flugzeugträgern (ohne Flugzeuge), drei
Schlachtschiffen, zehn Kreuzern und neun Zerstörern fast ihre
komplette Seestreitmacht.
Nach den Kämpfen auf den japanischen Inseln
Iwojima und
Okinawa warfen die Amerikaner am 6. August 1945 die erste
Atombombe auf Hiroshima. Kurz darauf, am 9. August wurde die
zweite über
Nagasaki gezündet. Sechs Tage später verkündete der japanische
Tennō
im Rundfunk die
Kapitulation Japans, die am 2. September in der
Bucht von Tokio auf der
USS Missouri unterzeichnet wurde.
Besondere Formen der Kriegsführung
Luftkrieg

Innenstadt von Warschau nach deutschen Luftangriffen, September 1939

Rotterdam nach dem deutschen Luftangriff, Mai 1940
Die deutsche Luftwaffe absolvierte ihren ersten Test im
Spanischen Bürgerkrieg.
Am 26. April 1937 bombardierten Flugzeuge der
Legion Condor die spanische Stadt Guernica. Es war der erste
Auslandseinsatz der neuen Reichsluftwaffe und der erste Luftangriff
auf ein ziviles Flächenziel in der Militärgeschichte. Im
Polenfeldzug erlangte die Luftwaffe schnell die Lufthoheit, da
die größtenteils veralteten polnischen Jagdflugzeuge nur wenig
Widerstand leisten konnten. Der Luftangriff auf Warschau am 15.
September 1939 war ein erster Angriff auf vor allem zivile Ziele aus
der Luft im Zweiten Weltkrieg. Am 14. Mai 1940 fiel die Innenstadt
von Rotterdam einem Angriff der Luftwaffe zum Opfer. Ein Angriff auf
Mönchengladbach im Mai 1940 durch die
Royal Air Force (RAF) blieb relativ bedeutungslos.

Zerstörtes Industriegebiet in Coventry nach dem deutschem
Luftangriff, November 1940
Am 14. November 1940 flog die deutsche Luftwaffe einen schweren
Bombenangriff auf Coventry. Neben Industrieanlagen wurden Tausende
von Wohnhäusern und die mittelalterliche Kathedrale der Stadt
zerstört. Ein nächster Angriff traf die Stadt am 8. April 1941. Die
nationalsozialistische Propaganda erfand den Begriff des
„Coventrierens“ für Flächenbombardements dieses neuen Typs. Die
Angriffe auf Rotterdam und Coventry leitete der vormalige Chef der
Legion Condor und Verantwortliche für den Angriff auf Guernika.
Als Reaktion auf Coventry intensivierte die Royal Air Force ihre
Flächenbombardements auf deutsche Städte, was um so erfolgreicher
geschehen konnte, als die
Luftschlacht um England, August 1940 bis Mai 1941, mit der
Niederlage der deutschen Luftwaffe endete. Am 6. April 1941 wurde
Belgrad, das nur schwach gegen Luftangriffe verteidigt werden
konnte, von der Luftwaffe angegriffen und in weiten Teilen zerstört.
Bei dem Überfall auf die
Sowjetunion spielte die Luftwaffe eine bedeutende Rolle, konnte
aber weder die Schlacht um Moskau noch die um Stalingrad für die
deutsche Seite entscheiden. Ab 1942 flog auch die
amerikanische Luftwaffe Angriffe in Europa und im April 1942
einen
Bombenangriff auf Tokio.

Hamburg nach der Operation Gomorrha, 1943

Tote nach den Luftangriffen auf Dresden, Februar 1945
1942
Arthur Harris Oberkommandierender des
RAF Bomber Command. Im Mai begann mit einem Angriff auf Köln das
Flächenbombardement deutscher Städte, das im Juli 1943 mit der
Operation Gomorrha gegen Hamburg einen ersten Höhepunkt
erreichte. Hier wurden erstmals Täuschungstechniken eingesetzt.
Allerdings gab es auch beträchtliche Verluste der amerikanischen
Tagbomberverbände, beispielsweise bei Angriffen auf
Schweinfurt und
Essen.
Mit ihren massiven Luftangriffen hofften die Alliierten, Widerstand
gegen die Führung hervorrufen und den Krieg verkürzen zu können.
Diese Erwartung erfüllte sich in keiner Weise, da sich die deutsche
Bevölkerung enger um ihre nationalsozialistische Führung sammelte
(„Zweite Machtergreifung“).
In den letzten Kriegsmonaten wurden zahlreiche deutsche Städte
großflächig zerstört, darunter
Braunschweig,
Dresden,
Heilbronn,
Koblenz,
Pforzheim,
Hanau
und
Würzburg. Mit der Entwicklung der Flugbombe
V1 und der Rakete
V2 hoffte die nationalsozialistische Seite auf eine „Wunderwaffe“.
Da beide Waffen nicht punktgenau eingesetzt werden konnten, waren
sie ungeeignet zur gezielten Zerstörung militärischer Ziele. Ihre
Funktion war vor allem die Terrorisierung der Zivilbevölkerung,
weshalb sie ungezielt in Großstädte wie London oder Antwerpen
geschossen wurden. Zwischen Juni 1944 und März 1945 wurden mit ihnen
Ziele in Westeuropa, darunter London angegriffen. Tokio wurde im
Februar/März 1945 bei amerikanischen Angriffen erheblich zerstört,
unter gleichzeitigen immensen Menschenverlusten. Den Schlusspunkt
setzten die amerikanischen
Atombombenabwürfe auf
Hiroshima und
Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Sie sollten zum einen Japan
militärisch zur Kapitulation zwingen und zum anderen ein politisches
Zeichen militärischer Stärke in der aufkommenden Blockkonfrontation
setzen.
Atlantik- und U-Boot-Krieg

Karl Dönitz beim Einlaufen des U-Bootes
U 96 im Hafen von Saint-Nazaire, Juni 1941
Am 14. Oktober 1939 gelang es U 47 mit
Kapitänleutnant
Günther Prien, in die Bucht von
Scapa Flow, dem Hauptstützpunkt der
Home Fleet der britischen Marine einzudringen und das
Kriegsschiff
Royal Oak mit 1400 Mann Besatzung zu versenken. Das war zwar
vorerst nur ein Propagandaschlag, geplant durch
Kommodore
Karl Dönitz, aber der Beginn des U-Bootkriegs. Fanden bis zur
Mitte des Jahres 1940 hauptsächlich Aktionen durch einzelne
U-Boote
statt, konnten nach der Eroberung Frankreichs an der
Biskaya in
Brest,
Lorient,
Saint-Nazaire und
La Rochelle vorerst provisorische U-Bootstützpunkte errichtet
werden. Die U-Boote konnten dank dieser neuen Häfen wesentlich
schneller die Operationsgebiete auf den westlichen Zufahrtswegen zum
Ärmelkanal erreichen. Die alliierten
Konvois waren aus Mangel an
Geleitschiffen nur schwach gesichert. Außerdem setzten die
U-Bootkommandanten die neue Taktik eines nächtlichen
Überwasserangriffs ein, der die nur Unterwasserziele ortenden
alliierten
Sonargeräte (ASDIC) wirkungslos werden ließ.
Die jetzt folgenden Siege der deutschen U-Boot-Waffe wurden von der
nationalsozialistischen Propaganda bis ins letzte
ausgeschlachtet und viele Kommandanten zu Helden hochstilisiert.
1940 gingen ungefähr 4,5 Millionen BRT
Schiffsraum bei den Alliierten verloren und 1941 ca. 4 Millionen
BRT.

Unternehmen Rheinübung, 24. Mai 1941

Bau des
U-Boot-Bunkers in Lorient, April 1942
Um den Druck auf die britischen Nachschubtransporte zu erhöhen und
um den U-Bootkrieg zu unterstützen, lief im Mai 1941 ein Geschwader
aus
Gotenhafen mit Ziel Atlantik aus. Es bestand aus dem gerade erst
in Dienst gestellten
Schlachtschiff
Bismarck, dem sich ebenfalls erst wenige Monate im Dienst
befindenden
Schweren Kreuzer
Prinz Eugen und einigen
Zerstörern. Die Aktion bekam den Decknamen
Unternehmen Rheinübung, führte zum Untergang des britischen
Schlachtkreuzers
HMS
Hood und endete mit der Versenkung der Bismarck am
27. Mai.

Deutsche U-Boote in einem Bunker, 1942
Nach dem Eintritt der USA in den Krieg und der Bindung großer
amerikanischer Kräfte im Pazifik setzte Admiral
Dönitz Langstrecken-U-Boote zum
Unternehmen Paukenschlag nach Amerika in Marsch, wo sie in
den ersten Januartagen 1942 eintrafen. Die zunächst schlecht
organisierte US-Küstenverteidigung stand den Angriffen auf die
Handelsschifffahrt hilflos gegenüber. Als die Verteidigung im
Frühjahr zunahm, weiteten die U-Boote ihr Einsatzgebiet in die
Karibik und den Südatlantik aus. Kürzer reichende Boote
operierten zur gleichen Zeit im Nordatlantik in Rudeln und konnten
so den Druck auf die Konvois aufrechterhalten. Es kam im Laufe des
Jahres zu mehreren großen Geleitzugschlachten. Im Herbst 1942
steigerten sich die Erfolge der U-Boote noch weiter, da die
Geleitkräfte für die Sicherung in Nordafrika benötigt wurden. 1942
wurden über 8 Millionen BRT Schiffsraum versenkt.
Ende 1942 gelang es den Alliierten, den Code der deutschen
Enigma-Verschlüsselungsmaschine zu brechen. Im Mai 1943 konnten
sie ihre Luftüberlegenheit und ihre Geleitkräfte in vollem Maße
nutzen, so dass in diesem Monat 43 deutsche U-Boote versenkt wurden.
Dönitz stellte daraufhin den U-Bootkrieg vorübergehend ein und ließ
die U-Boote zurückrufen. Die Schlacht im Atlantik hatte sich somit
endgültig gewendet.
Mit der Invasion in Frankreich im Juni 1944 wurden bald auch die
U-Bootstützpunkte an der französischen Atlantikküste überrannt. Die
U-Boote wurden auf die Stützpunkte an Nord- und Ostsee sowie in
Norwegen zurückgedrängt und operierten nun mehr vor der englischen
Küste. Bei Bekanntwerden der Kapitulation wurde am 4. Mai 1945 die
Operation Regenbogen gestartet: Alle in den Häfen liegenden
U-Boote versenkten sich selbst. Die U-Boote, die noch im Einsatz
waren, liefen nach dem 8. Mai englische oder amerikanische Häfen an.
Politische Aspekte
Kriegsverbrechen

Erschießung russischer Partisanen durch Angehörige der Wehrmacht,
September 1941
Da der Zweite Weltkrieg von Deutschland größtenteils aus
ideologischen Gründen geführt wurde, ereigneten sich in dessen
Verlauf zahlreiche Kriegsverbrechen, die sich gegen Juden, Sinti und
Roma und insbesondere gegen die als „Untermenschen“ betrachteten
Osteuropäer richteten, z. B. die Belagerung und die Aushungerung der
Millionenstadt
Leningrad.

Öffnung eines Massengrabes nach dem
Massaker von Katyn, März 1943
Der
Roten Armee wird vorgeworfen, in den von ihr eroberten Ländern
Osteuropas Kriegsverbrechen begangen zu haben. Dazu gehören die
Vergewaltigungen von europaweit vier Millionen Frauen durch die
Soldaten der Roten Armee und deren Verbündete, davon 1,9 bis
2 Millionen vergewaltigte Frauen in Deutschland (mit 240 000 Todesfällen
in deren Folge) während des Vormarsches der Roten Armee gegen
Kriegsende.

Getötete Kinder nach dem Massaker von Nanking, 1937/38
Japan
ging insbesondere gegen
Chinesen mit großer Brutalität vor. Dabei kam es zu
Kriegsverbrechen japanischer Soldaten in China (Massaker
von Nanking sowie grausame medizinische Experimente an
Gefangenen). Nach chinesischen Angaben sollen zwischen 5 und
10 Millionen chinesische Zivilisten getötet worden sein. Die
Bombardierung
Shanghais 1937 setzt den Auftakt des japanischen
Eroberungsfeldzuges durch
Südostasien. Er kostete bis 1945 insgesamt etwa
20 Millionen Menschen das Leben. Die
Einheit 731 führte in Lagern grausame Experimente an Gefangenen
durch. Es sind japanische Menschenversuche mit biologischen
Krankheitserregern an Chinesen bekannt geworden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die deutschen
Kriegsverbrechen in den
Nürnberger Prozessen verhandelt und zahlreiche Personen aus der
nationalsozialistischen Führung, Ärzte, Juristen und führende
Personen aus der Wirtschaft und dem Oberkommando der Wehrmacht
verurteilt. Dabei mussten sich erstmals in der Geschichte Politiker,
Militärs und andere Verantwortungsträger persönlich für das Planen
und Führen eines Angriffskrieges und für Verbrechen gegen die
Menschlichkeit verantworten. Diese Prozesse gelten als Grundlage für
das moderne Völkerstrafrecht, wurden jedoch insbesondere von
deutschen Politikern teilweise als Siegerjustiz und Verstoß gegen
das
Rückwirkungsverbot kritisiert. Die große Mehrheit der
Kriegsverbrecher aus den Einheiten der SS und der Wehrmacht wurde
allerdings nie zur Verantwortung gezogen.
Auch japanische Hauptkriegsverbrecher wurden vom International
Military Tribunal for the Far East in den
Tokioter Prozessen abgeurteilt.
Massenverbrechen im Hinterland

Verhaftung von Juden in Polen, September 1939

Ermordete Familie in Slorow (Ukraine), 5. Juli 1941
Die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Minderheit war ein
integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Politik. In
zeitlicher Übereinstimmung mit der Ausweitung des Krieges durch den
Überfall auf die Sowjetunion radikalisierte sich die Haltung
gegenüber der Minderheit zur Vernichtungspolitik. Im von der
Wehrmacht geschützten Hinterland im Osten führten die
Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD,
Polizeireserveeinheiten und Wehrmachtseinheiten flächendeckende
Massentötungen von Juden und Roma durch.

Ermordete Häftlinge im
KZ Buchenwald nach dessen Befreiung, April 1945
Der „Kommissarbefehl“
veranlasste vor allem Wehrmachtseinheiten zur systematischen Tötung
kriegsgefangener Rotarmisten mit tatsächlicher oder angenommener
politischer Funktion. Bis Ende 1941 wurde so über eine halbe Million
Menschen ermordet, neunzig Prozent davon waren Juden. Die deutsche
Militärverwaltung tolerierte diese Verbrechen, an vielen Orten
unterstützten Wehrmachtseinheiten logistisch die Einsatzgruppen. So
sicherten Einheiten der Wehrmacht beispielsweise die Stadt
Babi Jar und halfen der SS dadurch, dort rund 100 000 Menschen
zu ermorden. In einigen Ländern, wie z. B. Dänemark, widersetzten
sich jedoch die Regierung oder die Bevölkerung der Deportation und
Ermordung. Es entstanden Vernichtungslager im besetzten Polen, von
denen das
KZ Auschwitz-Birkenau das größte war, in die aus allen Teilen
des nationalsozialistisch besetzten Europa Menschen zu ihrer
Vernichtung deportiert wurden. In dem Maße, in dem die Rote Armee
auf ihrem Weg nach Westen erfolgreich war, konnten die überlebenden
Lagerinsassen befreit werden.
Von der nationalsozialistischen Machtergreifung bis zum Kriegsende
wurden etwa 6 Millionen Juden ermordet. Der Vernichtungspolitik
fielen insgesamt über 10 Millionen Menschen zum Opfer. Die Befreiung
des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 ist in der
Bundesrepublik Deutschland offizieller Tag des Gedenkens an die
Opfer des Nationalsozialismus.
Flächenbombardierungen

Opfer eines Luftangriffes auf Berlin, Herbst 1944
Während sich der Luftkrieg in den ersten Monaten noch gegen
ausschließlich militärische Ziele wie Panzer, Schiffe und auf das
Erringen der Lufthoheit richtete, radikalisierte sich das Klima
Anfang September 1940, als die deutsche Luftwaffe einen ersten
Angriff auf eine englische Stadt (London) flog. Allerdings griff die
Royal Airforce seit Mai 1940 vermehrt deutsche Städte an, während
die Luftwaffe sich noch ausschließlich auf militärische Ziele
konzentrierte.
Da konzentrierte Bomberangriffe, bestehend aus wenigen Maschinen,
hohe Verlustquoten aufwiesen und ihr Ziel meistens verfehlten gingen
die Alliierten ab 1942 dazu über, große Bomberschwärme mit über 1000
Maschinen nach Deutschland zu schicken, um großflächig Städte zu
zerstören. Ziel war es, sowohl Militär und Industrie zu vernichten
als auch die
Moral der Bevölkerung zu brechen. Großstädte wie
Köln
und zahlreiche Städte des
Ruhrgebiets, aber auch
Hamburg,
Braunschweig,
Heilbronn,
Magdeburg,
Pforzheim,
Schweinfurt und
Würzburg wurden großflächig zerstört, wobei Zehntausende getötet
wurden.
Winston Churchill stellte die flächigen Bombardements deutscher
Städte nach den
Luftangriffen auf Dresden in Frage.
Am 9. März 1945 flogen
amerikanische Bomber einen der verheerendsten
Luftangriffe auf Tokio. Ganze Stadtteile mit in traditioneller
Holzbauweise errichteten Gebäuden verbrannten durch
Feuerstürme, über 100 000 Menschen
starben.
Zivilbevölkerung

Tote Zivilisten bei
Minsk,
1943
Die Sowjetunion hatte von allen beteiligten Staaten die meisten
zivilen Opfer zu beklagen. Am Beispiel der Stadt Leningrad lassen
sich die Ausmaße des millionenfachen Hungertodes exemplarisch
verdeutlichen. Nachdem Leningrad von deutschen Truppen
eingekesselt wurde, konnte die Bevölkerung nicht mehr
ausreichend versorgt werden. Insgesamt starben während dieser
Belagerung ungefähr 470 000 Menschen
(andere Schätzungen nennen 700 000,
1,1 Millionen oder 1,5 Millionen Opfer).

Bergung von Opfern in Berlin nach einem Bombenangriff, 8. April 1944
Für die deutsche Zivilbevölkerung hatte der Kriegsbeginn zunächst
keine direkten Konsequenzen. In den ersten Kriegsjahren gab es keine
Hungersnöte, wenngleich im Laufe des Krieges fast alle Waren des
täglichen Bedarfs rationiert wurden. Das lag vor allem daran, dass
Güter und Rohstoffe aus den besetzten Gebieten nach Deutschland
transferiert wurden, meist zu Ungunsten der dortigen Bevölkerung.
Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung begannen
erst mit den alliierten Luftangriffen auf deutsche Städte und mit
der zunehmenden
Totalisierung der Kriegsführung. Immer jüngere Jahrgänge wurden
zum Dienst an der Front einberufen. Der Kulturbetrieb wurde während
des gesamten Krieges aufrechterhalten, insbesondere Filme wie „Die
Feuerzangenbowle“ dienten der Zerstreuung und Ablenkung vom
Kriegsalltag. Für die Zivilbevölkerung im Osten des Landes
erreichten die Kriegseinwirkungen ihren Höhepunkt mit dem Einmarsch
und der Besetzung der Roten Armee. Im Westen wurden die einrückenden
Engländer und US-Amerikaner von der deutschen Bevölkerung
überwiegend mit Erleichterung über das Kriegsende begrüßt.
Propaganda
Deutsche Propaganda

Antisemitische Ausstellung in Paris, September 1941

Niederländisches Propaganda-Plakat der Waffen-SS
Nachdem nach kurzer Zeit alle Medien gleichgeschaltet waren, hatte
Reichspropagandaminister
Joseph Goebbels alle Instrumente der Meinungslenkung in seinen
Händen. Er nutzte diese Macht von Anfang an, um einen „Führerkult“
um Hitler zu inszenieren und bei der deutschen Bevölkerung Hass,
insbesondere auf Juden, zu schüren. So entstanden unter Goebbels′
Einfluss antisemitische
Propagandafilme wie
Jud Süß und
Der ewige Jude. Der Höhepunkt dieser antisemitischen
Propaganda war 1938 die von ihm organisierte
Reichspogromnacht.
Während des Krieges beschwor Goebbels den
Endsieg und glorifizierte die Erfolge der Wehrmacht, indem er
zukünftige Positionen des deutschen Heeres als schon teilweise
erreicht darstellte. Auch prognostizierte er die Einnahme von
Städten, die wenige Tage später tatsächlich eingenommen wurden. Des
Weiteren verhöhnte Goebbels die Gegner Deutschlands, so wurde
beispielsweise
Winston Churchill als Trunkenbold dargestellt.
1941 mussten die nationalsozialistischen Führer eine Rechtfertigung
für den Feldzug gegen die Sowjetunion finden. Sie begründeten den
Angriff mit der „Verteidigung des Abendlandes gegen den
Bolschewismus“ und gegen die „jüdisch-bolschewistischen
Untermenschen“. Dementsprechend gab die SS die Broschüre Der
Untermensch heraus, die mit Hetzartikeln und fratzenhaften
Bildern die Russen als minderwertig darstellte.
Als der Vormarsch des deutschen Heeres in der Sowjetunion 1942
jedoch endgültig ins Stocken geriet und die Stimmung in der
Bevölkerung zu kippen drohte, setzte Goebbels zunehmend auf
Durchhalteparolen. Nach dem Desaster in Stalingrad rief er die
deutsche Bevölkerung in der
Sportpalastrede zum
totalen Krieg auf. Viele Deutsche entschieden sich anschließend
zur Mobilisierung ihrer letzten Reserven und unterstützten weiterhin
die Kriegsführung. Im weiteren Verlauf forderte die
NS-Propaganda den Widerstandswillen der Bevölkerung „bis zum
Endsieg“, gegen den „angloamerikanischen Bombenterror“ und die
„rasende Rachsucht“ der
Roten Armee immer stärker, je näher die Alliierten auf die
Reichsgrenzen vorrückten.
Englische Propaganda

US-amerikanisches Propagandaplakat
Auch in England wurde gegen den Kriegsgegner Stimmung gemacht. 1940
gelang es Churchill in mehreren berühmten Reden, darunter der „Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede“
und ihrer Fortsetzung (We
Shall Fight on the Beaches), das Einverständnis der
britischen Bevölkerung für einen Krieg und den Widerstand gegen
Deutschland zu gewinnen. Folglich ignorierte er auch das sogenannte
Friedensangebot, das Hitler England in seiner Reichstagsrede vom 19.
Juli 1940 machte.
Rundfunkpropaganda
Bei der Suche nach einem geeigneten Mittel, um schnell eine breite
Masse anzusprechen, fiel die Wahl auf den
Rundfunk, da er ein zuverlässiges und ohne merkbaren Zeitverlust
funktionierendes Medium darstellt. Vor allem während des Kriegs
nahmen die Anzahl der Propagandasendungen in allen beteiligten
Ländern schnell zu. Auf deutscher Seite wurden der deutschen Politik
zugeneigte englische und amerikanische
Immigranten eingesetzt, um den Kriegsgegner perfekt in seiner
Muttersprache ansprechen zu können. Die bekannteste Moderatorin war
„Axis
Sally“, deren Sendungen von
Radio Berlin ausgestrahlt wurden.
Der britische
Soldatensender Calais war so gut durchorganisiert, dass er über
einen langen Zeitraum von der deutschen Bevölkerung für einen
eigenen Wehrmachtssender gehalten wurde.
Auch im
pazifischen Raum setzten die Japaner ab 1943 verstärkt auf
Propaganda gegen die Amerikaner, indem sie über
Radio Tokyo ihre Sendung „The Zero Hour“ ausstrahlten. Für die
überwiegend weiblichen Moderatoren, die Amerikanisch mit einem
japanischen Akzent sprachen, bürgerte sich im
GI-Sprachgebrauch der Begriff
Tokyo Rose ein.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Kurt Huber, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, 1943
hingerichtet

Julius Leber, Mitglied der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“,
1944 vor dem
Volksgerichtshof, 1945 hingerichtet
Die deutsche Zivilbevölkerung stand dem Kriegsbeginn zunächst
skeptisch gegenüber, ließ sich aber anschließend von den
Siegesmeldungen blenden. Aus Angst vor Strafen wagten nur wenige
Menschen, sich aktiv gegen den Krieg auszusprechen. Zentren des
zivilen Widerstands waren die „Weiße
Rose“, der „Kreisauer
Kreis“ oder die „Rote
Kapelle“.
Wenngleich die Wehrmacht prinzipiell hinter Hitlers Ideen stand und
seine Kriegsführung mittrug, sahen ab 1943 einige Generäle die
zwangsläufige Niederlage deutlich vor Augen und setzten daher auf
einen Waffenstillstand, um der Wehrmacht und der deutschen
Bevölkerung Zeit zur Umgruppierung des Heeres und Neuorganisation
des Staates zu geben. Am
20. Juli 1944 verübten einige Widerständler ein Attentat auf
Hitler in dessen Hauptquartier in Ostpreußen. Der Versuch, Hitler zu
töten, misslang aber ebenso wie der anschließende Versuch eines
Staatsstreichs in Berlin. Die Attentäter wurden hingerichtet.
Einige wenige Soldaten lehnten den Krieg auch aus ideologischen
Gründen ab und versuchten, ihn durch Sabotagemaßnahmen zu verkürzen.
Die überwiegende Mehrheit kämpfte allerdings bis zum Schluss weiter.
Zahlreiche deutsche Soldaten und Hilfsverbände (Polizeireserve etc.)
beteiligten sich an
Kriegsverbrechen, was den Widerstand der Bevölkerung in den
besetzten Gebieten weiter provozierte.
In Dänemark empfand die Bevölkerung die deutsche Besatzung nach den
Worten des Königs als „Alpdruck“. In den Niederlanden mussten die
Deutschen die dortige Polizei entwaffnen, weil sie einen Aufstand
befürchteten. Der pro-deutschen Bewegung des Vidkun Quisling in
Norwegen folgte keine Massenbewegung der Bevölkerung, die Mehrheit
lehnte die Deutschen ab. Die schärfsten Formen des westeuropäischen
Widerstands traten in Frankreich auf, wo die
Résistance, darunter die
Maquis
(nach dem mediterranen Buschgestrüpp „maquis“ benannt), gegen die
deutsche Besatzung kämpfte.
Unvergleichlich stärker waren dagegen Widerstandsbewegungen in
Südost- und Osteuropa: In der Sowjetunion, in Griechenland
(siehe:
ELAS), in Albanien und in Jugoslawien (unter Marschall Tito)
kämpften große Partisanenarmeen, meist mit kommunistischer,
kommunistisch beeinflusster, sozialistischer oder aber
nationalistischer Haltung. Die polnische „Heimatarmee“ allerdings
konnte nur auf wenig Unterstützung von außen hoffen. Aus dem
ständigen Kleinkrieg gegen die deutschen Besatzer gingen die
Partisanen häufig als Sieger hervor. Gegen Ende des Krieges konnten
größere Gebiete von den deutschen Besatzern befreit werden, so etwa
in Jugoslawien, wo
Tito im Anschluss die Macht übernahm oder in Griechenland, wo
die Hegemonie der
ELAS
mit britischen Interessen kollidierte und zum
Griechischen Bürgerkrieg führte.
Internationale Blockbildung
Mit der Unterzeichnung des
Antikominternpaktes zwischen Deutschland und Japan wurde bereits
1936 der Grundstein für die spätere Achse Deutschland–Japan–Italien
gelegt. Durch den Hitler-Stalin-Pakt verschlechterte sich das
Verhältnis zu Japan zwar zunächst, da sich Japan jedoch Zugriff auf
die von Großbritannien und den Niederlanden besetzten Kolonien in
Asien erhoffte, wurde 1940 durch den
Dreimächtepakt ein neuer Vertrag für die militärische
Kooperation geschlossen, dem zahlreiche osteuropäische Staaten
beitraten.
Großbritannien jedoch widersetzte sich 1940 einem deutschen Bündnis
und vertraute stattdessen auf wirtschaftliche und militärische
Unterstützung durch die USA. Insbesondere der amerikanische
Präsident
Franklin D. Roosevelt wollte die USA aus machtpolitischen,
strategischen und ökonomischen Gründen zu einem entscheidenden
militärischen Widerpart der Expansionspläne Deutschlands machen.
Obwohl die USA offiziell neutral blieben, unterstützen sie seit März
1941 Großbritannien durch massive Rüstungslieferungen. Im August
trafen sich die Staatschefs von Großbritannien und den USA, um
Grundsätze ihrer gemeinsamen Kriegs- und Nachkriegspolitik
festzulegen. Nach dem japanischen
Angriff auf Pearl Harbor im Dezember traten die USA offiziell in
den Krieg ein.
Alliierte Kriegskonferenzen

v.l.n.r.: Stalin, Roosevelt und Churchill in Teheran, 1943
-
Atlantikkonferenz (9. bis 12. August 1941) auf dem
britischen Schlachtschiff
Prince of Wales
-
Arcadia-Konferenz (22. Dezember 1941 bis 14. Januar 1942) in
Washington D. C.
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Casablanca-Konferenz (12. bis 24. Januar 1943) in
Casablanca,
Marokko
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Konferenz von Moskau (19. Oktober bis 1. November 1943) in
Moskau
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Teheran-Konferenz (28. November bis 1. Dezember 1943) in
Teheran,
Iran
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Jalta-Konferenz (4. bis 11. Februar 1945) in
Jalta,
Krim,
Ukraine
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Dreimächtekonferenz von Potsdam (17. Juli bis 2. August
1945) in
Potsdam
Anfang 1943 einigten sich in Casablanca Roosevelt und Churchill,
Deutschland bis zur bedingungslosen Kapitulation zu bekämpfen. Ende
des Jahres fand in Teheran eine erste Konferenz zusammen mit der
Sowjetunion statt, die ebenfalls durch massive Rüstungslieferungen
der USA gestützt wurde, auf der über die Nachkriegszeit nach einem
Sieg über Deutschland debattiert wurde. Da jedoch die Alliierten zu
keinen konkreten Garantien oder Vereinbarungen mit der Sowjetunion
für die Nachkriegsordnung in Europa bereit waren, gab es bereits
1944 erste Risse in der Anti-Hitler-Koalition. Die Sowjetunion
begann deshalb, in ihrem Einflussbereich
kommunistische Regierungen zu etablieren. Der Regierungswechsel
in den USA 1945 führte auch zu einem Politikwechsel,
Harry S. Truman schlug einen strikt antikommunistischen und
antisowjetischen Kurs ein und stützte sich dabei auf die
wirtschaftliche Überlegenheit und später auf das Atomwaffenmonopol.
Diese Konflikte führten in der Folge zum
Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion und zur
Teilung Deutschlands, die erst durch den
Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990 ihr Ende fand.
Opferzahlen und Nachwirkungen
Die Opferzahlen

Bettelnder Kriegsinvalide in Essen, 1948

Toter britischer Soldat in
Saint-Nazaire, 1942
Während des Zweiten Weltkrieges fanden Schätzungen zufolge
ca. 55 Millionen Menschen den Tod
(davon rund 39 Millionen in Europa und ungefähr 16 Millionen in
Asien), darunter nicht nur viele Soldaten, sondern
– charakteristisch für den „modernen Krieg“ – auch viele Zivilisten
(so beispielsweise in der
Schlacht von Stalingrad). Am stärksten betroffen war die
Sowjetunion mit etwa 17 Millionen getöteten Zivilpersonen und
8,6 Millionen Soldaten. In dieser Zahl sind auch die vielen
politisch oder rassistisch verfolgten Russen, Serben, Juden, die
Sinti und Roma, die Homosexuellen und die sogenannten „Asozialen“
sowie die „Wehrkraftzersetzer“ und die Geistlichen enthalten, die in
den
Vernichtungs- und
Konzentrationslagern der Deutschen umkamen. Insgesamt sind von
den 5,7 Millionen Kriegsgefangenen der Sowjetarmee 3,3 Millionen
verhungert oder in Konzentrationslagern gestorben. Dies bedeutet,
dass 56 % der sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher
Gefangenschaft umkamen. Von den 3,1 Millionen deutschen Soldaten in
sowjetischer Kriegsgefangenschaft kamen näherungsweise 1,3 Millionen
(42 %) um. Die Zahl der in deutscher Kriegsgefangenschaft
gestorbenen westalliierten Kriegsgefangenen betrug zirka 3 %.
Zu den vielen Verwundeten müssen auch zahlreiche als Deserteure
verurteilte Soldaten hinzugezählt werden, die depressiv oder
geisteskrank und deshalb unfähig zum Militärdienst waren, aber
trotzdem verurteilt wurden, um die „Moral der Truppe aufrecht“ zu
erhalten. Dazu kam es nicht nur in Deutschland und bei den
Achsenmächten, sondern auch in großer Zahl bei den anderen
kriegsbeteiligten Staaten.
Es gab viele tote Zivilisten durch die Bombardierungen der
Großstädte (Köln,
Düsseldorf und
das Ruhrgebiet,
Hamburg,
Warschau,
Dresden,
London,
Tokio) beziehungsweise bei deren Zerstörung bei der Eroberung (Stalingrad,
Breslau,
Königsberg), die
Leningrader Blockade, die Aushungerung von
Charkow, die Versenkung von Flüchtlingsschiffen (Armenija,
Gustloff,
Goya,
Steuben), die Härte des Winters, die Straflager in der
Sowjetunion und die gewaltsame
Vertreibung von Menschen nach dem Krieg (zum Beispiel als Folge
der
Beneš-Dekrete).
Vielen Menschen war es nicht möglich zu fliehen, weil Staaten wie
die
USA oder die
Schweiz teilweise die Grenzen schlossen und auch jüdische
Flüchtlinge zurück in die vom Deutschen Reich beherrschten Gebiete
schickten.
Die direkten und indirekten Opfer der
Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki belaufen sich in
die Hunderttausende.
Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

Zwangsarbeiter beim Bau des
U-Boot-Bunkers Valentin in
Bremen,
1944
Insgesamt gerieten 11 Millionen Angehörige der Wehrmacht und der
Waffen-SS in Kriegsgefangenschaft, davon 7,7 Millionen auf Seiten
der
Westmächte und 3,3 Millionen auf Seiten der UdSSR. Etwa
3,6 Millionen deutsche Kriegsgefangene befanden sich in britischen
Lagern in
Großbritannien,
Deutschland,
Kanada,
Malta,
Madagaskar,
Äthiopien und anderen Ländern. Ungefähr 3,1 Millionen deutsche
Gefangene befanden sich in amerikanischen Lagern, zumeist in den
Vereinigten Staaten.
Zur
Zwangsarbeit unter dem Naziregime wurden zwischen sieben und elf
Millionen Menschen fast überall im Deutschen Reich und den besetzten
Gebieten eingesetzt. Zum Teil arbeiteten sie in Fabriken neben
KZ-Häftlingen unter ähnlich menschenunwürdigen Bedingungen, zum
kleineren Teil glichen die Lebensbedingungen denen der Arbeit
gebenden Handwerker- und Bauernfamilien. Der für sie als oberster
Verantwortlicher ernannte Gauleiter
Fritz Sauckel wurde 1946 im Rahmen der Nürnberger Prozesse zum
Tode verurteilt und hingerichtet.
Nachwirkungen
Durch den Zweiten Weltkrieg schieden Deutschland, Italien und Japan
aus dem Kreis der militärischen Großmächte aus. Die westeuropäischen
Staaten (Frankreich, Niederlande, Großbritannien) wurden so weit
geschwächt, dass sie nach dem Krieg ihre Kolonialreiche aufgeben
mussten. An ihre Stelle traten die USA und die Sowjetunion als neue
Weltmächte, durch die atomare Rüstung dann sogar als sogenannte
Supermächte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa berieten die
Siegermächte im Juli/August 1945 auf der
Potsdamer Konferenz über die weitere Zukunft Europas und
Deutschlands. Die Zielrichtung der gefassten Beschlüsse hatte sich
bereits auf der
Konferenz von Jalta im Februar 1945 angedeutet.
Deutschland wurde danach in vier
Besatzungszonen eingeteilt; seine
Ostgebiete (Pommern,
Schlesien,
Ostpreußen) wurden vorbehaltlich einer endgültigen
Friedensregelung der
Verwaltung Polens und der Sowjetunion unterstellt.
Das durch die Bestimmungen des
Münchner Abkommens von 1938 von Deutschland annektierte
Sudetenland fiel an die
Tschechoslowakei zurück, da die
Annexion durch das Deutsche Reich nachträglich für nichtig
erklärt wurde. Polen erhielt dadurch einstweilig eine neue Grenze im
Westen (Oder-Neiße-Linie)
und im Osten.
Österreich wurde als unabhängiger Staat wiederhergestellt – dies
hatten die späteren
Siegermächte bereits 1943 in der
Moskauer Deklaration angekündigt –, die Zweite Republik
gegründet und ebenfalls in
vier Besatzungszonen eingeteilt, bis sie 1955 mit dem
Österreichischen Staatsvertrag
neutral wurde.
Japan musste die besetzten pazifischen Inseln an
Australien und Großbritannien zurückgeben; es verlor weiterhin
Korea, Formosa (Taiwan),
Südsachalin und die Kurileninseln. In einem Teil des britischen
Mandatsgebietes Palästina wurde der Staat
Israel
gegründet.
Aufgrund der durch die Siegermächte de facto beschlossenen
Gebietsverkleinerung Deutschlands wurden nach unterschiedlichen
Angaben zwischen 12 und 14 Millionen Deutsche (Sudetendeutsche,
Schlesier, Pommern, Polen und Ostpreußen) aus ihrer angestammten
Heimat
vertrieben. So kamen noch nach der deutschen militärischen
Kapitulation nach unterschiedlichen Quellen zwischen 2 und
3 Millionen Deutsche zu Tode. Weitere 3,5 Millionen Polen verloren
durch die anschließende Westverschiebung der polnischen Grenzen ihre
Heimat.

Verhandlungssaal der Nürnberger Prozesse, 30. September 1946
Die deutschen und japanischen Kriegsverbrechen wurden in mehreren
Prozessen (u. a.
Nürnberger Prozesse) verhandelt. Das
Stuttgarter Schuldbekenntnis einiger führender evangelischer
Christen zu Versäumnissen in der
Zeit des Nationalsozialismus im Oktober 1945 blieb eine seltene
Ausnahme im beginnenden, von den Alliierten erzwungenen
Entnazifizierungs-Geschehen.

Berliner zerlegen ein verendetes Pferd, Mai 1945.
Die zum größten Teil zerstörten Städte und der Mangel an
Lebensmitteln – insbesondere fehlende Rohstoff- und Düngemittel –
sorgten bei der Bevölkerung für ein Leben in Armut. Weil viele
Männer im Krieg gefallen waren oder in
Kriegsgefangenschaft geraten waren, beseitigten „Trümmerfrauen“
den Schutt in den Städten. Lebensmittel waren nur über
Lebensmittelmarken oder aus eigenem Anbau zu haben, weshalb
Stadtbewohner massenhaft aufs Land fuhren, um Sachgüter gegen
Lebensmittel einzutauschen. Darüber hinaus verloren zu damaliger
Zeit weltweit führende deutsche Wirtschaftsunternehmen bedeutende
Patente
und Warenzeichen. Diese Situation änderte sich erst 1948 mit der
Währungsreform und durch den bald darauf einsetzenden und
vielfach als
Wirtschaftswunder bezeichneten rasanten Wirtschaftsaufschwung in
den 1950er Jahren.
Später kam es zunehmend zu Spannungen zwischen den einstigen
Verbündeten, den westlichen Alliierten auf der einen und der
Sowjetunion auf der anderen Seite. Während die Westmächte in ihren
Einflusszonen die
parlamentarische Demokratie installierten, errichtete die
Sowjetunion in den Staaten Osteuropas sogenannte
Volksdemokratien unter Führung der
Kommunisten. In der Folge verschärften sich die Spannungen und
führten zu einer unversöhnlichen Gegnerschaft der einstigen
Verbündeten, zur Teilung Deutschlands und Europas und dem Beginn des
Kalten Krieges. Mit dem Zusammenbruch der osteuropäischen
Diktaturen und der damit einhergehenden
Selbstbestimmung der Menschen wurden weitere Nachwirkungen des
Zweiten Weltkrieges beseitigt.
Die Beschäftigung der europäischen und der deutschen Öffentlichkeit
mit dem Zweiten Weltkrieg hält weiterhin an; sie erfuhr in den
letzten Jahren größere Bedeutung. Siehe dazu
Martin Walser,
Denkmal für die ermordeten Juden Europas,
Schweres Gepäck (Literatur).
Der Übergang zum Kalten Krieg
Der Zweite Weltkrieg ging sowohl in Europa als auch in Asien relativ
nahtlos in den Kalten Krieg über. Schon während des Krieges gab es
Differenzen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Alliierten,
die zugunsten des gemeinsamen Ziels nicht in den Vordergrund
gestellt wurden. An diesen Differenzen war nicht allein die
Sowjetunion schuld. In diesem Sinne waren Hiroshima und Nagasaki
nicht nur die letzten Bomben des Zweiten Weltkrieges, sondern auch
die ersten Bomben des Kalten Kriegs. Ebenso waren die gewaltigen
Erweiterungen der sowjetischen Hemisphäre in den Westen und das
beständige kommunistische Vordringen in Asien nicht nur ein Ergebnis
des Zweiten Weltkrieges, sondern auch ein Grund für den Kalten
Krieg.
Der deutsche
Satiriker
Wolfgang Neuss fragte 1949, ob „wir noch in der Nachkriegszeit
oder schon wieder in der Vorkriegszeit“ lebten.