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Als
Karneval, Fastnacht oder Fasching (auch fünfte
Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, um die Zeit vor dem
Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender
Lebensfreude zu feiern.
Diese
Bräuche haben sich in den zahlreichen Karnevals-, Fastnachts- und
Faschingshochburgen mit spezifischen Eigenarten entwickelt. Ihren
Ursprung haben die Bräuche in einer christianisierten Form der
heidnischen Winteraustreibung, wobei ein Bezug zur christlichen
Fastenzeit entstand. Weitere wichtige Einflüsse sind die Narretei,
Lokalpatriotismus und die Verhöhnung der französischen Besatzung am
Anfang des 19. Jahrhunderts.
Fastnacht,
Fastelabend, Fasnacht
Das
Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen werden vor allem
in Hessen und Rheinhessen, in Franken, in der Pfalz, am Mittelrhein
sowie in Baden, Württemberg, Bayerisch-Schwaben, Rheinland-Pfalz, dem
Saarland, Luxemburg, der Schweiz, Liechtenstein und den westlichen
Landesteilen Österreichs (Alpenraum) verwendet.
Regional heißt es in Mainz Fas(s)enacht, in Franken Fasenacht, in
der Schweiz Fasnacht, in Baden, Württemberg und
Bayerisch-Schwaben Fasnet, regional auch F(a)asent und in
Luxemburg Fuesend. Weitere sprachliche Ausprägungen sind Fosnet,
Foaset und Fassend, sowie Fasent (in manchen Orten Mittelbadens).
Im
niederdeutschen Raum heißt der Karneval plattdeutsch Faslaomt
oder Faslam - dabei entspricht der Faslam in
protestantischen Gebieten nicht mehr dem, was gemeinhin unter Karneval
verstanden wird. Auch im Großraum Köln wird in der kölschen Mundart auch
Fastelov(v)end oder Fasteleer verwendet, während man dort
im Hochdeutschen ausschließlich von Karneval spricht.
Volksetymologisch wird das Wort Fastnacht oft an das
althochdeutsche fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht,
Vorabend) angeschlossen und angegeben, der Name bezeichne ursprünglich
nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die
Woche davor. Eine andere Volksetymologie stellt eine Verbindung zum Wort
„Fass“ her. Der Vergleich der Dialektwörter ergibt jedoch eine
gemeinsame Wortform der Gestalt *fasanaht, die diese
Interpretationen widerlegt. Die Bedeutung des Vorderglieds fasa-
bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten scheint zwar ein Anschluss an eine
indogermanische Verbalwurzel *pwos- mit der Bedeutung „reinigen,
läutern, fasten“.
Die
Fasnacht wird im nationalsozialistischen Sinne von der „Fastnacht“,
die in einem liturgischen Kontext verstanden wird, unterschieden. Nach
einer Veröffentlichung Hans Strobels in verschiedenen Zeitschriften im
Januar 1937 fand von systemtreuer Seite ein konsequenter
Begriffsgebrauch von „Fasnacht“ statt und wurde in Österreich und
Deutschland verwendet.
Fasching
Das
Wort Fasching taucht im Hochdeutschen bereits ab dem 13.
Jahrhundert zunächst in den Formen vaschanc und vaschang
auf. Etymologisch leitet sich Fasching, Vaschang vom
„Fastenschank“ her, also dem letzten Ausschank (alkoholischer Getränke)
vor der damals noch strengen Fastenzeit. Darauf verweist auch die
mittelniederdeutsche Form vastgang, beziehungsweise die
(spät)altnordische Form
fostugangr für den Beginn der Fastenzeit. Die Angleichung an Wörter
mit -ing ist deutlich jünger.
Vom
Fasching spricht man vor allem in Altbayern und Österreich (östlich
des Arlbergs) im bairischen Sprachraum. In Sachsen und Brandenburg
finden sich zwar verbreitet Karnevalsvereine, das Brauchtum an sich
bezeichnet man regional jedoch auch als Fasching. Auch im norddeutschen
Raum ist Fasching vielerorts die vorherrschende Bezeichnung für die
närrischen Tage.
Karneval

Goldmasken beim Karneval in Venedig (1995)
Nördlich der Linie Bonn-Erfurt gibt es in Deutschland fast
ausschließlich Karnevalsvereine, die Veranstaltung nennt man hingegen in
Sachsen und Brandenburg auch Fasching. Verbreitet bezieht man den
Karneval jedoch in erster Linie auf den rheinischen Karneval (siehe:
Kölner Karneval, Düsseldorfer Karneval, Eschweiler Karneval, Aachener
Karneval, Neusser Karneval, Mönchengladbacher Karneval). Die Herkunft
des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt, die geläufigste Vermutung ist
die Ableitung vom Mittellateinischen carnelevale (carne+levare)
als die mit der Fastenzeit gemeinte „Fleischwegphase“; vereinfachend ist
die Übersetzung von "carne vale" als „Fleisch, lebe wohl!“ möglich.
Im 19.
Jahrhundert soll der Begriff auch auf das römische, vorchristliche lat.
carrus navalis zurückgeführt worden sein, einem Schiffskarren,
ein Schiff auf Rädern, das bei jährlichen Umzügen zum Wiederbeginn der
Schifffahrt durch die Straßen geführt worden sein sollte. Hieraus soll
sich die Tradition des Narrenschiffs gebildet haben. Jedoch sollen
andere Forschungen ergeben haben, dass das Wort carrus navalis im
klassischen Latein nicht existierte.
Der
Begriff Karneval findet sich auch im internationalen Sprachraum,
wird aber sehr unterschiedlich gefeiert. Karnevaleske Strukturen des
Maskierens, Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit lassen sich
in allen Kulturen finden. Bekannt sind unter anderem der Karneval in
Rio, Karneval in Venedig der Karneval von Québec, der Mittfasten
(Lätare) - Karneval in Stavelot und anderen belgischen Ostkantonen,
sowie in Spanien der Karneval in Cádiz. Auch in den Südstaaten der USA
gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Man verwendet hier die
französische Bezeichnung Mardi Gras (Fetter Dienstag,
Fastnachtsdienstag). Eine ganz eigenständige Vitalität entwickelte
der Karneval in Lateinamerika.
Zeitlicher Verlauf
Beginn

Rheinischer Karnevalsumzug in Koblenz
Als
Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen
Ländern traditionell der Dreikönigstag.
Seit
dem 19. Jahrhundert finden in vielen Gegenden zusätzlich am 11.
November, ab 11:11 Uhr einzelne Veranstaltungen statt, zu denen
insbesondere die Vorstellung des Prinzenpaars gehört. Hintergrund ist,
dass auch das Geburtsfest Christi bereits kurz nach dessen Fixierung im
Jahr 354 eine vorangehende 40-tägige Fastenperiode vorsah, vor deren
Beginn man - wie vor Karneval - ebenfalls die später verbotenen
Fleischvorräte aufzuzehren pflegte (Gansessen am 11. November, dem
Martinstag).
Die
Zeit vom 12. November bis 5. Januar bleibt aber selbst in den Hochburgen
entlang des Rheins weiterhin weitgehend karnevalsfrei, was sich aus der
erwähnten vorweihnachtlichen Fastenzeit, der Rolle des Novembers als
Trauermonat und dem besinnlichen Charakter des Advent erklärt. Soweit
von einer „Vorverlagerung“ des Karnevalsbeginns oder von einer
„Saisoneröffnung“ am 11. November gesprochen wird, ist dies daher
zumindest irreführend. Von seiner Entstehungsgeschichte her stellt der
11. November vielmehr einen zweiten, „kleinen“ Karneval dar; 1823
bestimmte nämlich ein "Festordnendes Comité" in Köln das närrische Datum
zum Beginn der Vorbereitungen für einen von nun an geregelten
Karnevalsumzug.
Höhepunkt
Den
Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom
schmotzigen/unsinnigen oder auch glombiga Donnerstag (von Schmotz
= Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw.
Weiberfastnacht über den Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag bis
zum Fastnachtsdienstag, auch Veilchendienstag genannt. Dabei gibt es
insbesondere am Rosenmontag entsprechende Umzüge - wobei sich Rosen
ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das Verb rasen
bezog. Anderen Interpretationen zufolge verdankt der Rosenmontag seinen
Namen dem vierten Fastensonntag, dem Rosensonntag.
Die
größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz,
Düsseldorf, Eschweiler, Euskirchen, Bonn, Koblenz, Krefeld, Duisburg,
Aachen und Dülken. Aber auch weiter südlich, etwa in Frankfurt am Main
(Fastnachtssonntag), Aschaffenburg (Faschingssonntag), Mannheim
(Fastnachtssonntag), Wombach (Fastnachtssonntag) Würzburg,
Karlstadt/Main (jeweils Fastnachtssonntag) oder Karlsruhe
(Fastnachtsdienstag) gibt es große Umzüge mit mehreren Hunderttausend
Besuchern. Als der größte Umzug im norddeutschen Raum ist der
traditionelle Schoduvel in Braunschweig am Fastnachtssonntag und der
Karnevalsumzug in Berlin bekannt.
In den
Stadtteilen, Städten und Dörfern um diese Hochburgen herum gibt es
Umzüge am Samstag (Nelkensamstag), Sonntag (Orchideen- oder
Tulpensonntag) und Dienstag (Veilchendienstag). In Duisburg-Hamborn
findet seit Jahrzehnten am Karnevalssonntag der größte
Kinderkarnevalszug Europas statt.
In der
Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an
vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine
Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle
Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen
Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wie
Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve oder Wesel wird der so
genannte Hoppeditz zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine
typisch niederrheinische Narrenfigur. Dieser Schelm oder Hanswurst hatte
Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren.
So wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der
kleinen Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet
mit Stangen, an denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und
lustige Lieder zu singen.
Ende
Ende
des Karnevals ist der Aschermittwoch. Sein Termin hängt insofern
unmittelbar von der Lage des Osterfests ab:
325
wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag
nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor
der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit
erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach
dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag
vor Ostern (Invocavit oder Dominicia Quadragesima, im
Deutschen auch Funkensonntag).
Mit
dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor
Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um
sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch.
Noch
bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte
„Burefasnacht“ (Bauernfastnacht) und die neue „Herren-“ bzw.
„Pfaffenfastnacht“ konkurrierend nebeneinander. Insbesondere im
badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der
alten Fasnacht erhalten. Am bekanntesten ist davon sicherlich die Basler
Fasnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4:00 Uhr mit
dem Morgestraich und endet am folgenden Donnerstag Morgen, ebenfalls um
4:00 Uhr. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass sich der
Termin der protestantischen Basler Fasnacht - wie oftmals geschrieben -
keineswegs auf die Reformation bezieht, sondern auf obige Begebenheit.
Im
orthodoxen Raum beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7.
Sonntag vor Ostern, und bereits eine Woche vorher beginnt der
Fleischverzicht. Die russische „Butterwoche“, in der traditionell
gefeiert wird und große Mengen Blini, eine Art Pfannkuchen gegessen
werden, liegt dazwischen; andere osteuropäische Länder haben ähnliche
Bräuche. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche -
beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders, verschiebt sich auch
die Fastnacht.
Mittfasten
Einige
belgische Ostkantone feiern den Karnevalshöhepunkt mit einem
Mittfasten-Umzug (meist zu Lätare). Bekannt ist besonders der große Zug
der weißen Mönche (Blanc-Moussis) in Stavelot, der seit 1449
stattfindet.
Räumliche Einordnung
Der
Karneval findet fast ausschließlich in katholischen, in abgewandelter
Form auch in orthodoxen Gebieten statt. Dieses hängt sicherlich nicht
nur mit der Fastenzeit zusammen, sondern auch mit dem früher stärker
vorherrschenden Katholizismus als Lebensform. Berühmteste Ausnahme ist
wohl die Basler Fasnacht. Hochburgen sind also in Deutschland das
Rheinland, Rheinhessen, Südhessen, Münsterland, die Lausitz, Franken und
Baden-Württemberg (Schwäbisch-alemannische Fastnacht), in Luxemburg
Diekirch, Echternach und Remich, sowie in der Schweiz Basel und Luzern,
in den Niederlanden (in den Provinzen Limburg und Nordbrabant), in
Belgien insbesondere das deutschsprachige Ostbelgien. Vereinzelt
existiert die Tradition auch auf dem Land in Flandern. Berühmt ist
ferner der Karneval in Venedig sowie der Mardi Gras in New Orleans. Der
Karneval ist auch in Rijeka (Kroatien) und Südamerika verbreitet;
besonders der Karneval in Rio in Brasilien und der Karneval von
Barranquilla in Kolumbien sind weltbekannt.
Mit der
Reformation
im 16. Jahrhundert verschwand in den überwiegend evangelischen Gebieten
mit dem Aschermittwoch auch die Fastnacht. Eine Ausnahme war Basel, wo
die Fasnacht nie dauerhaft abgeschafft wurde (siehe oben
Karnevalstermin und
Basler Fasnacht).
Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde in vielen evangelischen
Städten wieder eine Fastnacht eingeführt.
Geschichte

Fasnachtsumzug in Luzern
In der Antike
Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren im Zweistromland
gefeiert, im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische
Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter
dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar
nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift
besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist
der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die
Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“ Hier wird zum ersten Mal
das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist
bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.
In
allen Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich ähnliche Feste, die
meist mit dem Erwachen der Natur im Frühling in Zusammenhang stehen,
nachweisen: In Ägypten feierte man das ausgelassene Fest zu Ehren der
Göttin Isis und die Griechen veranstalten es für ihren Gott Dionysos.
Die Römer schließlich feierten vom 17. Dezember bis 19. Dezember die
Saturnalien zu Ehren ihres Gottes Saturn. Das Fest war verbunden mit
einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann aus jeder
Gesellschaftsschicht eingeladen war. Hinrichtungen wurden während der
Saturnalien hinten angestellt. Sklaven und Herren tauschten zeitweise
die Rollen, feierten und saßen gemeinsam myrtenbekränzt bei Tische,
tranken und aßen nach Herzenslust, konnten jedes freie Wort wagen und
überschütteten sich mit kleinen Rosen. Aus den Rosen entstand
möglicherweise das in unseren Tagen bekannte Konfetti. Die Römer
veranstalteten auch farbenprächtige Umzüge, bei denen ein geschmückter
Schiffswagen umhergezogen wurde.
Jedoch
werden in der aktuellen Forschung Termine wie Saturnalien oder
Lupercalien als Ursprung des Fastnachtsbrauchtums stark angezweifelt. In
vielen Masken, Figuren und Bräuchen scheinen sich auch vorchristliche,
z.B. keltische Riten erhalten zu haben, die den Wechsel vom kalten
Winterhalbjahr in das warme und fruchtbare Sommerhalbjahr beinhalten.
Den Winter hätte man versucht zu vertreiben, indem man sich als Geister,
Kobolde und unheimliche Gestalten aus der Natur verkleidete und mit
Holzstöcken wild um sich schlug bzw. mit einer Rassel oder Ratsche
(Schnarre) Krach machte. Die neuere Forschung bezweifelt mittlerweile
auch die germanische Theorie: Sie führt an, dass sich Bräuche und Feste
nicht mit einer Unterbrechung von mehreren Jahrhunderten überliefert
haben könnten und gehen daher von der heutigen Fastnacht als einem
christlichen Fest aus.
Germanische Theorien (sog. Kontinuitätsprämissen) hatten
insbesondere während des Nationalsozialismus Konjunktur, werden heute
aber teilweise unbewusst noch immer zitiert. Die Skepsis gegenüber allen
Theorien, die eine Überlieferung germanischen oder keltischen Brauchtums
annehmen, hält seit dem Zweiten Weltkrieg ungebrochen an.
Es ist
aus diesem Grund davon auszugehen, dass über mehrere Jahrhunderte keine
Feste ähnlich der Fastnacht stattfanden, sondern diese eher im hohen und
späten Mittelalter mit der Fastenzeit entstanden.
Im Mittelalter

Ein
Schembartläufer aus dem Jahre 1476
Im
mittelalterlichen Europa feierte man - zwar in Kirchen, jedoch nicht
kirchlich - „Narrenfeste“ vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16.
Jahrhunderts um den Epiphaniastag (6. Januar). Dabei übernahmen die
unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren
Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert; selbst ein
„Pseudopapst“ wurde gekürt, am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen
Kinder, wurde oftmals ein Kinderbischof gekürt, welcher dem Rollentausch
ähnlich dem „Pseudopapst“ gleichkam. In Gestalt von Prozessionen wurden
auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt. Auch während der
eigentlichen Karnevalstage waren Narren- oder Eselsmessen weit
verbreitet.
Eine
der ältesten Erwähnungen der Fastnacht findet sich in der Speyerer
Chronik des Stadtschreibers Christoph Lehmann von 1612 der aus alten
Akten berichtet: „Im Jahr 1296 hat man Unwesen der Fastnacht etwas
zeitig angefangen / darinn etliche Burger in einer Schlegerey mit der
Clerisey Gesind das ärgst davon getragen / hernach die Sach beschwerlich
dem Rhat angebracht / und umb der Frevler Bestrafung gebetten.“
(Clerisey Gesind meint die Bediensteten des Bischofs und des
Domkapitels, also der Kleriker, in der Domimmunität)
Die
mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren vom
Zwei-Staaten-Modell zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die
civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals
ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet,
um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Mensch
vergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem
Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche
Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden
Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der
Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt.
Insbesondere im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert wurde im deutschen
Raum Fastnacht gefeiert, so z. B. die Nürnberger Schembartläufe. Um
diese Zeit fand auch der Narr Einzug in die Fastnacht, der im
didaktischen Sinne der Fastnacht auf die Vergänglichkeit hinweisen
sollte.
In
manchen Fastnachten - insbesondere in Tirol - wird vor diesem
Hintergrund bereits am Fastnachtsdienstagabend zum „Betzeitläuten“ die
Maske um sechs Uhr abgelegt. Hintergrund zu dieser Uhrzeit ist die [vor-]urchristliche
Tradition, wonach der neue Tag bereits mit dem Einbruch der Nacht
beginnt.
In der Neuzeit
Da die
Reformation die vorösterliche Fastenzeit abschaffte und somit auch die
Fastnacht ihren Sinn verlor, gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in
Vergessenheit. Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer
Mentalität. Während ältere Fastnachten in Südwestdeutschland sich nach
wie vor in katholischen Gebieten finden lassen, führte ein regelrechter
Fastnachtsboom in den 1990er Jahren auch in evangelischen Gegenden die
Fastnacht ein. In der Schweiz hat Basel einen Sonderstatus: Die Stadt
feiert trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus eine
alte, traditionelle Fastnacht.

Straßenkarneval in einem katholischen Dorf in den östlichen Niederlanden
Im
Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den
Fürstenhöfen rauschende Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark
an die italienische Commedia dell'Arte anlehnten.
Während in den Städten vermehrt Handwerkszünfte - und dort insbesondere
die jungen Gesellen - die Fastnacht ausrichteten, übernahm im frühen 19.
Jahrhundert insbesondere im rheinischen Raum das Bürgertum die
Festveranstaltung, da Zünfte in den Spätfolgen der Französischen
Revolution und dem Einmarsch von französischen Truppen unter Napoleon an
Bedeutung verloren bzw. aufgelöst wurden. Das Bürgertum feierte zwar
nach wie vor närrische Maskenbälle, die Straßenfastnacht war aber nahezu
ausgestorben. So wurde zur Wiederbelebung 1823 in Köln eine neue Art der
Straßenfastnacht begründet: der heutige Karneval.
Vor
allem in Österreich, der Schweiz, dem Elsass, Bayern und
Baden-Württemberg erhielten sich ältere Formen. Besonders in
Baden-Württemberg wird heute somit zwischen Karneval und
schwäbisch-alemannischer Fastnacht unterschieden. Nachdem sich gegen
Ende des 19. Jahrhunderts auch hier der Karneval durchgesetzt hatte,
wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine Rückbesinnung auf die alten Formen
gefordert, die sich in der Gründung der Vereinigung
Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1924 manifestierte.
In
anderen Ländern konnten sich der Fasching und der Karneval kaum
etablieren, so gerieten in England viele Bräuche aufgrund der
Reformation Heinrichs VIII. in Vergessenheit, die sich daher auch nicht
in den USA festigen konnten. Als einzige Ausnahme gilt hier historisch
bedingt New Orleans, wie bereits erwähnt.
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