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Deutsches
Roggenmischbrot |
Türkisches
Fladenbrot |
Schwedisches
Knäckebrot |
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Englisches
Toastbrot
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Französisches Weißbrot |
Ausrollen des
Brotteigs in einer afghanischen Bäckerei |
Brot
ist ein traditionelles
Nahrungsmittel, das aus einem
Teig aus gemahlenem
Getreide (Mehl),
Wasser, einem
Triebmittel und meist weiteren Zutaten gebacken wird. Es zählt zu
den
Grundnahrungsmitteln. Das feste, dunkle Äußere des Brotes heißt
Kruste oder Rinde. Das Innere ist die
Krume. Brotkrümel
heißen auch Brosamen (aus dem
Mittelhochdeutschen) oder Brösel. Die meisten Brotteige
können auch in Form kleinerer, etwa handtellergroßer Portionen als
Brötchen gebacken werden.
Zusammensetzung
Der zu backende
Teig besteht aus Mehl, Salz, Wasser und Triebmittel, wie Backhefe und
Sauerteig. Für die verschiedenen Varianten können alle möglichen
Lebensmittel dem Teig zugesetzt werden, z. B. geraspeltes Gemüse,
Kartoffeln,
Nüsse und Samen,
Röstzwiebeln,
getrocknete Früchte, Gewürze und vieles mehr.
Die Definition für
Brot nach den „Leitsätzen für Brot und Kleingebäck“
des
Deutschen Lebensmittelbuches lautet:
Brot wird ganz oder teilweise aus
Getreide und/oder Getreideerzeugnissen, meist nach Zugabe von
Flüssigkeit, sowie von anderen Lebensmitteln (z. B. Leguminosen-,
Kartoffelerzeugnisse) in der Regel durch Kneten, Formen, Lockern, Backen
oder
Heißextrudieren des Brotteiges hergestellt. Brot enthält weniger als
10 Gewichtsteile Fett und/oder Zuckerarten auf 90 Gewichtsteile Getreide
und/oder Getreideerzeugnisse.
1,5 kg
Roggenmischbrot entstehen aus ca. 1 kg Mehl, 850 ml Wasser und 30 g Salz
(ca. 4 TL). Beim Backen verliert das Brot etwa 10 % Gewicht.
Brotsorten
In großen Teilen
Europas ist Brot ein wichtiger Bestandteil der jeweiligen Kultur. Die
Vielfalt und die regionalen Unterschiede sind dabei sehr groß.
Es werden zwei
Grundarten von Brot unterschieden:
-
gesäuertes Brot, das mit Hilfe von Triebmitteln (Sauerteig
oder
Hefe) hergestellt wird, wodurch es eine lockere Konsistenz
bekommt
-
ungesäuertes Brot, das gebacken wird, noch bevor die Sauerteiggärung
beginnt, oft als
Fladenbrot.
Daneben werden
Brotsorten unter anderem nach dem verwendeten Getreide (z. B.
Weizen,
Dinkel,
Kamut oder
Roggen), der Mehlart (Auszugsmehl oder
Vollkornmehl, fein oder grob gemahlen) bzw. speziellen Zutaten
(z. B.
Kürbiskerne oder
Sonnenblumenkerne) eingeteilt.
Deutschland gilt
als das Land, in dem die meisten Brotsorten gebacken werden. Rund die
Hälfte des verzehrten Brots ist Mischbrot, das aus einer Mischung von
Roggen- und Weizenmehl gebacken wird. Allein im deutschen Sprachraum
werden über 600 verschiedene
Schwarz-,
Grau- und
Weißbrotsorten angeboten. Dabei werden die Bezeichnungen
„Schwarzbrot“ und „Vollkornbrot“ häufig synonym verwendet.
Andere Backwaren
werden regional häufig mit dem Suffix Brot bzw. verwandten Begriffen
bezeichnet, sind jedoch kein Brot im engeren Sinn:
-
Stockbrot – ein Brotteig,
wird schraubenförmig um einen Stock geformt und am Lagerfeuer
gebacken
-
Knäckebrot – ein
Trockenflachbrot, welches meistens aus Vollkornerzeugnissen
hergestellt wird und das nur sehr wenig Wasser enthält (max. 10 %)
-
Früchtebrote – z. B.
Hutzelbrot oder Kletzenbrot mit getrockneten Früchten
-
Kekse, Plätzchen – z. B.
Russisch Brot, Belgrader Brot, Thomasbrötchen, Orangenbrötli
-
Löffelbrot – ein relativ
flüssiger Teig, oft mit Maismehl gemischt, wird langsam in der
Pfanne gebacken
Vollkornbrot
Der Gesetzgeber in
Deutschland schreibt vor, dass Vollkornbrot aus mindestens 90 Prozent
Roggen- und Weizenvollkornerzeugnissen in beliebigem Verhältnis
zueinander hergestellt wird. Die zugesetzte Säuremenge stammt zu
mindestens zwei Dritteln aus Sauerteig. Bei Vollkornerzeugnissen kann es
sich um Mehl oder Schrot handeln. Wenn das Brot ausdrücklich Weizen-
oder Roggenvollkornbrot benannt wird, so müssen auch mindestens jeweils
90 % Vollkornerzeugnisse aus Weizen oder Roggen enthalten sein.
Hafervollkornbrot
wird aus mindestens 20 Prozent Hafervollkornerzeugnissen, insgesamt aber
aus mindestens 90 Prozent Vollkornerzeugnissen hergestellt. Dies gilt
analog auch für andere Vollkornbrote mit Bezeichnungen von
Nicht-Brotgetreidearten, wie z. B. Gerstenvollkornbrot.
Neuere Trends auf
dem Markt haben den Begriff Vollkornbrot nachhaltig verändert. Während
in 1970ern und bis weit in die 1980er-Jahre unter einem Vollkornbrot
immer ein Brot mit ganzen Körnern verstanden wurde, verbindet man heute
damit auch Gebäck aus geschrotetem und/oder vermahlenem Getreide.
Schwarzbrot
Schwarzbrot ist eine Abwandlung des Vollkornbrotes. Es wird aus
Backschrot hergestellt – das bedeutet, dass der Keimling in der Mühle
vor der Vermahlung vom Korn abgetrennt wurde, um die Lagerfähigkeit des
Schrots zu erhöhen. Im Keimling des Getreidekorns ist Öl enthalten, das
– im gemahlenen Zustand – durch Oxidation an Luft und aktive Enzyme
abgebaut und dabei „ranzig“ wird.
Oberländer-Sauerbrot
Im Rheinland ist
ein Oberländer ein Roggenmischbrot (60/40, teilweise auch 70/30). Es
wird nicht bemehlt und gestippt, und stattdessen vor dem Backen noch mit
Wasser benetzt. Nach dem Backen wird es heiß mit aufgekochter
Kartoffelstärke (Papp) eingepinselt, damit es glänzt und sich besser
frisch hält. Im Sauerland ist ein Oberländer ein Weizenmischbrot.
Krustenbrot
Im Rheinland (Raum
Köln) ist ein Krustenbrot ein helles Weizenmischbrot (70 bis 80 %
Weizenmehl, sonst Roggenmehl), welches seine optimale Form als
750 g-Brot erhält. Das Brot wird bemehlt in Körbe oder Tücher zum Gehen,
d. h. Gären gebracht. Bevor es in den Ofen geschoben wird, wird es mit
einem länglichen Schnitt versehen. Es wird ohne Dampf, mit gezogenem Zug
kräftig ausgebacken. Dadurch springt, d. h. platzt es am Schnitt auf,
womit viel Kruste (Ausbund) entsteht. Neben dem hohen Krusteanteil ist
eine unruhige, grobe Porung typisch.
Schweizer Brot
Im Rheinland hat
dieses Brot eine ähnliche Zusammensetzung wie das Krustenbrot. Es wird
bemehlt und mit vier bis fünf schrägen Schnitten versehen.
Land-Bauernbrot
Österreich: Nach
dem „Codex
Alimentarius Austriacus“, dem Lebensmittelbuch Österreichs, dürfen
Land- und Bauernbrote nur mit
Natursauer gebacken werden. In Deutschland sind die Begriffe nicht
definiert. Sie werden gerne für rustikale Brote und Brote verwendet, die
nicht als Sauerbrot deklariert werden dürfen.
Malfabrot
Malfabrot ist durch ein spezielles Herstellungsverfahren durch das
enthaltene Malz dunkel gefärbt.
Brotsorten in
Frankreich
In Frankreich
werden traditionell Weizenbrote gegessen. Berühmt sind Baguettes und
Croissants als Frühstückgebäcke. Das Brot wird mehrmals täglich
gebacken, da Weißbrote nicht lange frisch bleiben.
Man unterscheidet
u. a. folgende Brote:
-
Baguette, 250 g,
Marktanteil über 50 %
-
Pain Parisien Flute,
400 g, Marktanteil 20 %
-
Batard, 250 g,
Marktanteil 10 %
-
Ficelle, 100 g,
Marktanteil 5 %
Alle Brote sind
länglich und mit Schnitten versehen. Typisch ist die grobe, unruhige
Porung und der hohe Krustenanteil.
Aufbewahrung
Die richtige
Aufbewahrung von Brot stellt einen Kompromiss dar, um das Austrocknen
des Brotes und die
Schimmelbildung durch zu hohe Feuchtigkeit zu verhindern. Die
maximale Aufbewahrungszeit mit traditionellen Methoden beträgt, je nach
Brotsorte, zwischen wenigen Stunden und etwa einer Woche. Länger
aufzubewahren sind Brote, die luftdicht eingeschweißt sind,
beispielsweise
Vollkornbrot,
Toastbrot und
Knäckebrot. Außerdem eignen sich viele Brote auch zum
Einfrieren, müssen jedoch teilweise dann aufgebacken werden.
Traditionelle
Aufbewahrungsmethoden:
-
In
einem Keramikbehälter mit Luftlöchern ist das Brot bei
Raumtemperatur vor dem Austrocknen geschützt. Da der Luftraum darin
eine relative Feuchte von über 85 % erreicht und Dunkelheit besteht,
wird das Schimmelwachstum gefördert. Daher ist es nötig, den
Behälter regelmäßig, etwa mit verdünntem Essig, zu reinigen.
-
In
einem luftdicht verschließbaren Gefäß aus Kunststoff bleibt Brot
länger frisch, kann aber auch leicht
schimmeln.
-
Holzkästen oder Papier saugen die Feuchtigkeit aus dem Brot und es
wird trocken. Das gleiche gilt für die Aufbewahrung im Kühlschrank.
Zwischen +7 °C und −7 °C altert Brot am schnellsten.
-
Selbstgebackenes Brot kann am besten aufbewahrt werden, wenn es mit
der Schnittfläche auf das Schneidebrett aus Holz gestellt wird. Die
Kruste des Brotes schützt ausreichend vor der Austrocknung und die
Schnittfläche bleibt für ein bis zwei Tage frisch.
-
Bewährt hat sich auch das Einschlagen in ein Tuch, das schon alleine
das Austrocknen verlangsamt, jedoch wegen der Schimmelgefahr häufig
gewechselt werden soll. Auch wenn Brot in einem Plastiksack oder
einer Dose aufbewahrt wird, ist das zusätzliche Einschlagen in ein
Tuch, einen Papiersack oder eine Papierserviette günstig, da es den
Feuchtigkeitstransport rund um das Brot ermöglicht und
Kondenswasserstellen verringert.
-
Folienverpackungen für Brot sind so entwickelt, dass durch Poren
oder das dünne Material gewisse Mengen Wasserdampf nach außen und
etwas Sauerstoff nach innen gelangen können, doch eine hygienische
Barriere für Schimmel und andere Keime besteht.
Geschichte
Vor ca. 10.000
Jahren begann der Mensch mit dem systematischen Anbau von Getreide zur
eigenen
Ernährung. Ursprünglich wurde das Getreide gemahlen und mit Wasser
vermengt als Brei gegessen. Später wurde der Brei auf heißen Steinen
oder in der Asche als Fladenbrot gebacken. Vermutlich sind gebackene
Fladen schon frühzeitlichen, nomadischen Völkern bekannt gewesen. Aus
wildem Getreide und anderen Zutaten gekochter Brei wurde auf heißen
Steinen getrocknet und war so haltbar und transportierbar.
Zwei Erfindungen
haben das Brotbacken entscheidend verändert: Die eine war der Bau von
Backöfen. Auf den Steinen lassen sich nur flache Brote backen. Ein
runder Laib muss beim Backen von der Hitze ganz umschlossen sein, damit
er gleichmäßig durchbacken kann. Die ersten primitiven Öfen bestanden
lediglich aus einem Topf, der umgekehrt auf den heißen Stein gestürzt
wurde (eine Methode, die heute noch gerne von Pfadfindern am Lagerfeuer
praktiziert wird).
Die zweite wichtige
Entdeckung, die das Brotbacken grundlegend verändert hat, war die
Wirkung von
Hefen. Wenn man den ungebackenen Brotteig stehen lässt, sorgen in
der Luft vorhandene Hefen für eine Gärung – aus dünnen Teigen wird eine
Art vergorenes Getränk, aus dickeren ein Hefeteig, aus dem sich Brot
backen lässt, das lockerer und schmackhafter ist, als das aus
ungegorenem Teig.
Da es verschiedene
Hefepilze gibt, die sich unterschiedlich verhalten, waren diese Prozesse
zunächst sehr vom Zufall abhängig. Der Mensch lernte erst im Laufe der
Zeit, dies zu steuern, indem er von dem gut gelungenen gegorenen Teig
eine kleine Menge vor dem Backen abnahm und diese dem nächsten Teig
wieder zusetzte – die Methode der Sauerteiggärung, die noch heute
angewendet wird.
Gesäuertes Brot
dürfte nach archäologischen Funden schon vor über 5.000 Jahren bekannt
gewesen sein, unter anderem in
Ägypten, wo schon damals Brot in größerem Maße in
Bäckereien hergestellt wurde. Die Ägypter hatten in der Antike auch
den Beinamen Brotesser. Sie waren es, die als erste Hefe kultivierten
und damit die erste Bäckerhefe verwendeten.
Von den Ägyptern
wurden auch die Backöfen weiter entwickelt, die ersten waren aus Lehm
und ähnelten Bienenkörben. Darin konnte eine sehr hohe Hitze erreicht
werden, die die im Teig vorhandene Feuchtigkeit augenblicklich in Dampf
verwandelt. So wird das Volumen der Brote stark vergrößert und die
Krustenbildung verzögert.
Bereits zwischen
2860 und 1500 v. u. Z waren im Land am
Nil 30 verschiedene Brotsorten bekannt. Von Ägypten aus gelangten
die Kenntnisse des Brotbackens über
Griechenland und das
Römische Reich nach Europa. Die Römer bauten die ersten großen
Mühlen und waren schon in der Lage, sehr feines Mehl herzustellen.
Sie erfanden auch eine Vorrichtung zum Teigkneten: In einem Trog wurden
über eine Mechanik große Rührhölzer bewegt, indem ein Ochse oder ein
Sklave drumherum lief.
Nach den römischen
Grundtechniken wurde mit kleinen Veränderungen in ganz Europa bis ins
19. Jahrhundert hinein Brot gebacken. In vielen Dörfern gab es
Gemeinschaftsöfen, in denen einmal in der Woche jeder sein Brot backen
konnte.
Eine römische
Großbäckerei war schon vor 2000 Jahren in der Lage, 36.000 Kilogramm
Brot pro Tag herzustellen. Nach dem Untergang des
Römischen Reiches stieg das Weißbrot in den Rang einer Festtags- und
Herrenspeise auf. Diese Stellung behielt es in Deutschland bis in die
Zeit nach dem
Dreißigjährigen Krieg und in
Russland sogar bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Für die ärmeren
Schichten war nur das dunkle Brot erschwinglich.
Polnischer Junge
mit Brot (ca. 1943)
Brot in
Notzeiten
In
Hungerzeiten lässt sich das Brot mit Getreidesurrogaten
strecken. Zu beachten wäre: Dem Getreidemehl beigegebenes
Bohnen- oder
Erbsenmehl lässt den Teig schlecht gehen,
Kartoffelmehl macht es in höheren Dosen feucht und schimmelanfällig.
Eicheln sind zunächst zu schälen, zu schroten, zur nötigen
Entbitterung auszukochen, mit reinem Wasser zu spülen, dann gemahlen
(nicht mehr als zu einem Drittel) dem Getreidemehl vor dem Backen
beizugeben. Beim Kauf sind zahlreiche nicht nährende, oft schädliche
Beimengungen zu befürchten, so
Gips oder
Sägespäne.
Brot lässt sich zur
Not – etwa in Gefangenschaft – als erhärtende Modelliermasse verwenden.
Da Brot in Europa
als das fundamentale Nahrungsmittel gilt, wird vor allem von der
Generation, die Hunger in Krieg und
Nachkriegszeit erlebt hat, Verschwendung oder Missbrauch von Brot
gescheut. Siehe auch:
Roggenmuhme.
Kulturgeschichtliche Bedeutung
Während in Europa
die größte Vielfalt an Brotsorten entwickelt wurde, sind in anderen
Gegenden der Erde brotähnliche Produkte typischer. In der orientalischen
Küche sind Fladenbrote beliebt, in Indien gibt es kleinere Varianten wie
Chapati oder Papadam, in Pakistan wird Puri gebacken. Während Brot in
Südostasien kaum vorkommt, sind in Nordchina gedämpfte Hefeteigbrötchen,
gefüllt oder ungefüllt, eine beliebte Beilage. Für Australien ist Damper
typisch. Aus Mexiko stammen die
Tortillas aus Mais. In Afrika werden vor allem Fladenbrote aus
Maniok, Hirse oder Mais mit Gewürzen gebacken. Aber in Europa und in
Nordamerika stellt Brot ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel,
insbesondere für die Kohlenhydratzufuhr, dar.
Neben der Bedeutung
als Grundnahrungsmittel hat das Brot auch eine große symbolische bzw.
spirituelle Bedeutung.
Bei vielen Ackerbau
treibenden Völkern galt und gilt Brot als heilig. So wurden beim Backen
und beim Anschneiden des Brotes bestimmte Rituale vollzogen.
Zu bestimmten
religiösen Feierlichkeiten werden traditionelle Brote, zum Beispiel
Gebildbrote, gebacken und verzehrt. Rund um das Brot gibt es noch
heute sehr viele Bräuche, die auch oft noch mit dem Glauben an
übernatürliche Kräfte verbunden sind. Brot und Salz zum Bezug einer
neuen Wohnung oder zur Hochzeit zu schenken, soll Wohlstand sichern.
Etliche Sagen berichten von göttlichen Strafen, die umgehend den
ereilten, der einen
Brotfrevel beging.
Eine gewisse
Verbreitung hatte auch das dreifache
Bekreuzen der Brotunterseite vor dem Anschneiden – ein
Ritual der christlichen Dreifaltigkeit Gottes zum Dank und zur
Segnung des Brots.
Brot in der
jüdischen und christlichen Symbolik
Wasser und
gemahlenes Weizenkorn, das Element des Feuers und die Arbeit der
Menschen, sind zur Herstellung von Brot notwendig. Brot gehört den
Reichen wie den Armen. Es verkörpert die Güte der Schöpfung und des
Schöpfers, steht aber auch für die Demut des einfachen Lebens. In der
jüdischen und christlichen Symbolik spielt es eine große Rolle. So ist
das jüdische
Pessach, bei dem ungesäuertes Brot an den Auszug aus Ägypten
erinnert, eines der höchsten Feste. Der Auszug aus Ägypten musste so
schnell erfolgen, dass zum Gärenlassen des Brotes keine Zeit blieb.
Interessant ist, was für orthodoxe Juden in diesem Zusammenhang Säuern
bedeutet: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel gelten als gesäuert,
wenn sie für mindestens 18 Minuten mit Wasser in Berührung gekommen sind
– der Zeitraum, in dem frühestens eine Gärung durch in der Luft
vorhandene Hefepilze eingesetzt haben könnte.
Christen sprechen
im
Vaterunser als vierte Bitte „Unser täglich Brot gib uns heute“.
Christus wird ein Brotwunder, die wundersame Vermehrung von Broten,
zugeschrieben. Im
Abendmahl der
christlichen
Liturgie gedenkt man der Kreuzigung Jesu Christi („Christi Leib für
dich gebrochen“). Dabei ist die
Hostie, meist in ungesäuerter Form, Teil des Ritus.
Brot und Politik
Politisch hatte die
Forderung nach Brot immer große Bedeutung. Gab sein Mangel doch immer
Anlass für Hungersnöte, Geburtenrückgänge, Auswanderungen und Aufstände:
-
Der
Dichter
Juvenal prägte die Brot und Spiele (panem
et circenses) als Ausdruck seiner Kritik am Volk im
Römischen Reich. Mit dieser Methode sollte zeitweilig das Volk trotz
politischer Krise ruhig gehalten werden.
-
Marie Antoinette wird
nachgesagt, sie hätte mit Wenn sie kein Brot mehr haben, sollen
sie doch
Kuchen essen (S’ils n’ont plus de pain, qu’ils mangent de
la
brioche) geantwortet, als ihr berichtet wurde, die Armen der
Bevölkerung hätten kein Brot zu essen. Tatsächlich stammt dieser
Satz aus den „Confessions“ von
Jean-Jacques Rousseau und wurde 1782 veröffentlicht, also einige
Jahre vor der Revolution niedergeschrieben.
-
In
den 1920er-Jahren wurde in der schweren
Depression der
Wahlspruch Arbeit und Brot verwendet.
-
Zentrale und zugleich alltägliche Themen etwa in der Politik werden
als „Brot-und-Butter-Themen“ bezeichnet.
Auch etymologisch
lassen sich die Einflüsse der kulturgeschichtlichen Vorstellung von Brot
verfolgen. Das Wort „Brot“ kann neben dem Nahrungsmittel auch die
Bedeutung von Nahrung ganz allgemein und Lebensunterhalt haben.
Beispielsweise
leitet sich das französische Wort copain (Freund, Kumpel,
Kamerad) etymologisch vom Akt des Brot-Teilens und gemeinsamen Essens
her.
Aufgrund dieser
vielfältigen Bedeutung wurde es auch Teil von Namen, z. B.:
-
Brot für die Welt –
Entwicklungshilfeorganisation
-
Brot und Rosen – Titel
eines Liedes von 1912, das zum Leitspruch der amerikanischen
Frauenbewegung wurde.
Die Bedeutung vom
Brot im bäuerlichen Alltag kann man an vielen Sinnsprüchen, aber auch
als Bestandteil von Sagen erkennen.
Der Brotpreis war
in Österreich bis etwa in die 1970er Jahre hinein amtlich preisgeregelt.
Für den einfachen Strutzen Schwarzbrot 500 g und 1000 g sowie Semmeln
gab es festgesetzte Preise. Der Preis der Semmel (mit frischem
Ausbackgewicht von 62 g) wurde (in den 1960ern) etwa von 55 auf 60 und
später 62 Groschen angehoben.
Regionale
Bezeichnungen des
Endstücks vom Brot
Das harte Endstück
des Brotes besitzt keine einzelne Bezeichnung, die im ganzen deutschen
Sprachraum verbreitet ist. Regionale Begriffe sind z. B. Knerzel,
Anschnitt, Timpken, Knust, Mürgel oder
Mürgeli, Aheuer, Ortstückel (in
Böhmen) und Bödeli oder Gupf (in der Schweiz), Bugl,
Scherzl, Anscherzl oder Scherzerl (in Bayern und
Österreich), Riebel, Riebele, Reiftle, Reiftchen
(in Süddeutschland, besonders
Baden-Württemberg), Stützle, Gnetzla, Knorzen,
Knörzla, Kipf oder auch Kipfla (in
Franken), Knäppchen, Knüppchen, Knippchen,
Knurrn (Teile
Ostwestfalens), Knust, Knüstchen, Krüstchen,
Knießchen, Knäuschen, Knörzchen, Ranfl (Teile
Rheinhessens), Ranft, Ränftl, Knäusperle oder
Kanten (in Deutschland). In Tschechien wird dieses Stück pata
(Ferse) oder patka („Ferschen“) genannt; natürlich gibt es auch
hier regionale Unterschiede.
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