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Der
Begriff Bratwurst umfasst recht unterschiedliche Wurstsorten.
Meist ist eine aus Schweinefleisch hergestellte Wurst gemeint, die in
einen Naturdarm abgefüllt und in der Pfanne oder auf dem Grill gebraten
bzw. gegrillt wird. Daneben gibt es auch die geräucherte Bratwurst, die
kalt verzehrt wird, sowie weitere Sorten.
Der Begriff

Harzer
Bratwurst
Die
Bezeichnung „Bratwurst“ leitet sich nicht von braten ab, sondern von der
Herstellungsart der Wurst: Brät ist klein gehacktes Fleisch (von ahd.
brato für schieres Fleisch, Weichteile und mhd. gebræte = Fleisch) –
darum im Sprachgebrauch tlw. auch: Brätwurst.
Grundsätzlich können daher sehr unterschiedliche Würste – unter anderem
auch Dosenwurst – als Bratwurst bezeichnet werden. Die gebratene oder
gegrillte Bratwurst wird zur besseren Unterscheidung auch
„Rostbratwurst“, „Roster“, „Grillwurst“ oder „Griller“ genannt.
Welche
Wurstarten in Deutschland zu den Bratwürsten gehören, lässt sich dem
Deutschen Lebensmittelbuch entnehmen.
Grobe
und feine Rostbratwurst
Bei
den Rostbratwürsten unterscheidet man je nach Zerkleinerung des Bräts
die grobe und die feine Bratwurst. Die groben bestehen weitgehend aus
Schweinefleisch und sind bis zu Erbsengröße gekörnt. Dazu zählen die
Fränkische Bratwurst, Pfälzer Bratwurst, Hessische Bratwurst,
Rostbratwurst, Nürnberger Rostbratwurst, Treuchtlinger, Rheinische
Bratwurst (grob) und die Thüringer Bratwurst. Feine Bratwürste enthalten
meist Kalb- und Rindfleisch und sind sehr fein gekuttert. Dazu zählen
beispielsweise die Rheinische Bratwurst und die Schlesische Bratwurst.
Regionale Spezialitäten
In
Franken und Thüringen hat die Bratwurst starke Tradition und wird dort
als besondere Delikatesse verspeist. Hier wird sie meist nur aus
Schweinefleisch zubereitet. Eine der ältesten Erwähnungen von Bratwurst
findet sich z. B. in der Metzgerordnung von Heilbronn vom 7. April 1489:
"Die bratwurst sol man allein von schwynen flaisch machen by peins eins
gulden". Die Verwendung anderen Fleisches als Schweinefleisch stand hier
also sogar unter Strafe. Als älteste noch existierende Bratwurstbude der
Welt gilt die Historische Wurstkuchl in Regensburg, die 1368 das erste
Mal urkundlich erwähnt wurde.
In der
Schweiz sind eher Kalbsbratwürste gefragt. Bei einer solchen
Kalbsbratwurst muss (nach deutschem Lebensmittelrecht) der
Kalbfleischanteil mindestens 50% betragen.
Einige
Bratwürste werden typischerweise mit Sauerkraut, Rösti oder
Kartoffelsalat gegessen. An Ständen sind sie meist mit Brötchen
erhältlich. Verbreitet ist die Zugabe von Senf, Ketchup oder Meerrettich
(Kren).
Eine
Spezialität sind die Sauren oder Blauen Zipfel, die in einem würzigen
Essig-Zwiebel-Sud zubereitet werden.
Roh
und Gebrüht
Bratwürste gibt es grundsätzlich in roher und gebrühter Form. Die
Gebrühten sind sehr viel häufiger verbreitet. Sie lassen sich länger
lagern, sind einfacher und schneller zu braten und fielen nicht unter
die Hackfleischverordnung (diese ist im August 2007 außer Kraft
getreten). Insbesondere auf Jahrmärkten oder am Bratwurststand sind
gebrühte Würste erhältlich. Rohe Würste sind meist nur direkt beim
Fleischer zu beziehen und müssen am Tag ihrer Herstellung verkauft
werden.
Gebrühte Würste sehen etwas bleicher oder steifer aus. Würste aus Dosen,
Folienverpackungen oder anderen Handelspackungen sind immer gebrüht.
Rohe Würste scheinen rosig durch die Haut. Welche Variante besser
schmeckt, ist umstritten. Rohen Würste bieten für die Zubereitung mehr
Möglichkeiten, stellen aber auch etwas höhere Ansprüche.
Brühen
Alle
Bratwürste werden mit rohem Fleisch hergestellt und können auch so
gebraten werden. Soll die Wurst gebrüht werden, wird sie für kurze Zeit
in siedendes Salzwasser oder Gewürzbrühe gelegt. Die Würste ziehen rasch
durch. Bei industrieller Herstellung wird oft auch heißer Wasserdampf
eingesetzt.
Beim
Brühen ist der Salzgehalt des Brühwassers wichtig, um Osmose zu
vermeiden. Ist er höher als der der Wurst, trocknet sie aus. Ist er
niedriger, nehmen die Würste zu viel Wasser auf und neigen auf dem Rost
zum Platzen.
Unterschiede beim Braten
Gebrühte Würste sind innen bereits verzehrfertig gegart und werden nur
äußerlich gebraten. Dabei erhitzen sie sich innen, aber sie müssen nicht
erneut durchgaren. Deshalb kann beim Braten vor allem auf die Oberfläche
geachtet werden. Gebrühte Würste liegen kürzere Zeit auf dem Rost und
können heißer gebraten werden. Hat die Wurst die gewünschte Bräunung,
ist sie fertig.
Das
Braten roher Würste erfordert etwas mehr Geschick, da die Wurst
vollständig durchgegart werden muss, aber außen nicht verbrennen darf.
Insbesondere diese Würste werden deshalb beim Braten fortgesetzt mit
Wasser oder Bier besprüht, um ihre Oberfläche abzukühlen, aber die Hitze
innen zu halten. Sie dürfen nicht zu scharf gebraten werden und ihre
Bratdauer ist länger.
Mitunter werden auch rohe Bratwürste vom Bratmeister kurz vor dem Braten
in einem vorbereiteten Sud gebrüht, was vor allem der geschmacklichen
Verfeinerung dient. Eine weitere Alternative besteht darin, eine
ungebrühte Wurst trotzdem scharf anzubraten und anschließend zum "Ruhen"
in eine abgedeckte Schale zu legen, die seitlich auf dem Rost steht.
Hierbei kann die Wurst vorzeitig vom Feuer genommen werden, wenn sie
innen noch roh ist, weil sie während der Ruhezeit durchzieht.
Das
Braten der Bratwürste erfolgt meist auf dem Grill, aber auch Braten in
der Pfanne ist möglich.
In
manchen Gegenden werden Bratwürste frittiert. Weiche rohe (ungebrühte)
Bratwürste eignen sich nicht zum Braten in einer Fritteuse, wie es
teilweise auf Märkten im nördlicheren Bereich üblich ist, weil sie dabei
platzen. Das ist kein Kennzeichen für mangelhafte Qualität, sondern für
falsche Zubereitung.
Feinheitsgrade
Sowohl
gebrühte, als auch rohe Würste können grob oder fein hergestellt werden.
Bei der groben Herstellung wird das Mett nicht allzu sehr zerkleinert
und die Wurst enthält beim Essen viele kleine Stückchen und auch
Fettgriefen. Bei der feinen Herstellung wird das Mett äußerst fein
zerkleinert, sodass die Füllung in Breiform vorliegt. Darüber hinaus
werden diesem Brei zusätzlich wieder größere Fettgriefen beigemengt,
wenn das der Verbraucher schätzt.
Der
Feinheitsgrad der Wurst bestimmt ihre Eigenschaften mit. So lassen sich
grobe rohe Bratwürste am schwersten braten, denn die Hitze dringt
langsamer ins Innere der Wurst. Sie sind zudem anfällig gegen
Austrocknung und werden schnell krümelig. Feine gebrühte Würste hingegen
sind einfach zu braten und halten einen hohen Wasseranteil, der mitunter
durch die Beimengung von geraspeltem Wassereis zur Füllmasse erhöht
wird. In der feinen Masse taut das Eispulver nach der Abfüllung und
bildet kleinste Wassereinschlüsse. Dieser Kunstgriff führt jedoch bei
grober Zubereitung zum Platzen der Wurst auf dem Rost, weil sich die
Wassereinschlüsse mit einander verbinden können und Dampfdruck erzeugen.
Jegliche traditionelle Bratwurstmasse, ob grob oder fein, kann nicht mit
flüssigem Wasser vermengt werden. Der Zusatz von Soja oder pflanzlichen
Zutaten kann die Aufnahmefähigkeit jedoch herstellen, ist aber nur bei
feinen Würsten gebräuchlich.
Feine
gebrühte Würste werden häufig verkauft. Grobe gebrühte Würste sind
allgemein selten und werden nur regional bevorzugt. Sie sind sehr steif.
Bratwurstarten
Bauernseufzer
Mit
Bauernseufzer (Aussprache: Bauernseifzer) wird eine geräucherte und
stark gewürzte grobe Bratwurst bezeichnet. Hierbei handelt es sich um
eine Oberpfälzer Spezialität.
Die
Bratwurst ist ca. 15 bis 20 cm lang, zwei bis drei cm dick und wird
schwarz geräuchert. Nach dem Räuchern wird die Wurst entweder kalt mit
Brot (und evtl. Zwiebeln) oder erwärmt mit Sauerkraut verzehrt.
Es
gibt mehrere verschiedene Erklärungen des Namens. Die eine besagt, dass
so manchem Bauern ein Seufzer entfuhr, wenn er seine geräucherten Würste
an Gäste abgeben musste. Nach der anderen Version sollen die Bratwürste
so lang sein, wie die Seufzer der Bauern, die sich über das schlechte
Wetter in der Oberpfalz beklagen. Eine weitere Erklärung ist, dass nach
dem Verzehr der mit Kümmel gewürzten Würste oft Flatulenzen auftreten,
die als "Bauernseufzer" bezeichnet wurden. (Bauern galten in der
Vergangenheit oft als ungehobelte Zeitgenossen)
Coburger Bratwurst
Die
Coburger Bratwurst enthält mindestens 25 % Kalb- oder Rindfleisch und
wird nur mit Salz, Pfeffer, Muskat und Zitrone gewürzt. Als einzige
Wurst in Deutschland darf sie mit rohen Eiern als Bindemittel
hergestellt werden. Nur die kreisfreie Stadt und der Landkreis Coburg
haben eine entsprechende Sondergenehmigung. Sie ist gröber als z. B. die
Nürnberger Bratwurst, wird über Kiefernzapfen unter vollem Feuer auf dem
Rost gebraten und in einem halben Doppelbrötchen (Semmel) serviert. Das
Brötchen wird nicht in horizontaler, sondern in vertikaler Richtung
angeschnitten. Die Länge der Bratwurst wird der Sage nach durch das „Bratwurstmännla“
auf dem Coburger Rathaus, das einen Marschallstab in der rechten Hand
hält, bestimmt. Jedoch erst 1982 machte die Feuerwehr bei der Vorführung
einer neuen Drehleiter den Spekulationen über die genaue Länge ein Ende
und ermittelte die genaue Länge dieses „Maßstabes“. 31 Zentimeter sollte
die Coburger Bratwurst nach ihrem „marschallstäblichen Vorbild“ im
„Urzustand“, also roh, auf die Messlatte bringen, denn erst die wasser-
und fetttreibende Kiefernzapfenglut verwandelt die überdimensionalen
„Rohlinge“ je nach Grilldauer in mehr oder weniger kürzere Coburger
Bratwürste. Es gibt bei einigen Bäckern auch Coburger Bratwürste im
Schlafrock. Coburger Bratwürste, die nicht verkauft wurden, werden in
Weißmehlteig für Brötchen eingerollt und gebacken. Auch eine Eigenart
der Coburger Bratwurst ist der Darm, eigentlich kein Darm, sondern nur
die Fettschicht, die den Darm schützt, der so genannte Bändel oder
Schleiß.
Sonneberger Rostbratwurst
Die
Sonneberger Rostbratwurst ähnelt vom Gewürz und der Zubereitung her sehr
der Coburger Rostbratwurst, wird allerdings zu 100% aus Schweinefleisch
hergestellt und vor allem im Raum Sonneberg angeboten. Die Sonneberger
Rostbratwurst ist etwas gröber als die Coburger, weil das Brät nicht so
fein zerkleinert wurde. Aber auch in den Inhaltsstoffen gibt es
Unterschiede, die Sonneberger ist fetthaltiger und außerdem etwas
würziger. Darüber hinaus enthält die Sonneberger kaum Kümmel und in der
Regel weder Majoran noch Knoblauch. Gemein mit der Coburger hat sie den
Naturdarm und die mögliche Art der Zubereitung.
Fränkische Bratwurst
Die
Fränkische Bratwurst ist ein Sammelbegriff für meistens relativ dicke
Bratwürste mittlerer Länge. Sie ist zehn bis zwanzig Zentimeter lang
(abhängig von der Region) und hat etwa 15–20 mm Durchmesser. Ihr Inhalt
ist oft relativ grob. Als Darmmaterial kommt der Bändel (Oberhaut/Serosa
des Schweinedünndarmes) zum Einsatz. Typisch ist die Majoranwürzung.
Weitere klassische Gewürze für die Fränkische Bratwurst sind weißer
Pfeffer, Piment und Muskat. Der Geschmack ist dem der Nürnberger
Rostbratwurst ähnlich, sie ist jedoch aufgrund der Größe häufig
saftiger. Wer in einer fränkischen Gaststätte zwei mit Kraut oder drei
mit Kraut bestellt, bekommt ohne weitere Nachfrage diese großen
fränkischen Bratwürste mit Sauerkraut und Brot oder Brötchen. Wer die
zwei oder drei mit Salat bestellt, bekommt sie immer mit (fränkischem)
Kartoffelsalat. Sie soll 1573 erfunden worden sein. Die fränkische
Bratwurst kann in verschiedenen Varianten gegessen werden. An erster
Stelle kommt natürlich die Gebratene. So wird sie meist mit Kraut und
Bauernbrot gegessen. Man kann sie aber auch „ausgezogen“ (nur das Brät),
geräuchert (normal oder schwarz, in manchen Gegenden als "Schlot-Engele"
bezeichnet), sauer (Blaue Zipfel), oder gesulzt (da ist sie auch
gebraten) essen.
Die
Fränkische Bratwurst wird auch oft als „Zwickte“ gegessen. Dies
bedeutet, dass sie in einem Brötchen (Semmel) gezwickt wird und so auch
gut unterwegs ohne Besteck gegessen werden kann.
Hofer
Bratwurst
Die
Hofer Brodwärschd sind feiner und vor allem viel magerer als Ihre
direkten Nachbaren (Thüringer, Coburger und Fränkische). Da sich die
regionalen Verordnungen an den Coburger und Bamberger Bratwürsten
orientieren, wurden kürzlich einige Hofer Metzger abgemahnt, weil ihre
Bratwürste laut Bestimmung zu mager sind.
Kulmbacher Bratwurst
Die
Kulmbacher Bratwurst zeichnet sich durch einen hohen Kalbfleischanteil
aus. Sie besteht, wie die Hofer Bratwurst, aus sehr fein gekuttertem
Mett, dem beim Verarbeiten Eis zugesetzt wird. Regional typisch wird die
Kulmbacher Bratwurst in einem langen mit Anis bestreuten
Bratwurststollen gegessen, der bis zu drei Würste ganz einschließt.
Merguez
Die
Merguez ist eine Bratwurst marokkanischen Ursprungs. Da Marokko einige
Jahrzehnte französisches Protektorat war und später viele Marokkaner
nach Frankreich emigrierten, ist die Merguez auch in Frankreich (und als
Folge dessen auch im Saarland) verbreitet. Sie besteht traditionell aus
Lammfleisch, wird jedoch auch mit bis zu 50 % Rindfleisch angeboten. Die
Merguez wird sehr scharf mit Chili, Kumin, Koriander, Knoblauch und
Rosmarin gewürzt und enthält manchmal auch etwas Zimt und Minze. Wichtig
im Gegensatz zu allen deutschen Bratwürsten ist bei der Zubereitung,
dass die Wurst mit der Gabel angepiekst wird, da sie aus sehr fettem
Fleisch hergestellt wird. Außerdem muss sie von außen verbrannt
aussehen, sonst schmeckt sie nicht.
Nürnberger Rostbratwurst

Die
Nürnberger Rostbratwurst ist feiner und kleiner als die Fränkische
Bratwurst. Ihre Länge beträgt sieben bis neun Zentimeter bei einem
Durchmesser von rund eineinhalb Zentimetern. Roh wiegt sie nur 20 bis 25
Gramm. Die Nürnberger Rostbratwurst wird ausschließlich in sehr dünne
Schafssaitlinge (Dünndarm des Schafes) gefüllt. Ihren typischen
Geschmack erhält sie vor allem durch die besondere Majoranwürzung.
Die
Bezeichnung „Original Nürnberger Rostbratwurst“ ist als geografische
Herkunftsbezeichnung von der EU-Kommission geschützt. Nur Bratwürste,
die im Stadtgebiet von Nürnberg und nach festgelegter Rezeptur gefertigt
werden, dürfen diesen Namen tragen. Das bestätigte auch das Landgericht
München 2005 (LG München I 33 O 5401/05). In Nürnberg wird die Bratwurst
von vier großen Industriebetrieben (Schlütter/Ponnath, Kupfer,
Forster/Wolf, HoWe (Hoeneß-Weiß)) und zahlreichen Metzgereien
hergestellt.
Eine
gern erzählte - und in manchen Speisekarten veröffentlichte - Geschichte
besagt, der Grund für den geringen Durchmesser der Bratwürste sei der,
dass Gefangene im Nürnberger Lochgefängnis durch das Schlüsselloch von
ihren Angehörigen mit der Wurst versorgt werden konnten. Einer anderen
Legende zur Folge haben Nürnberger Gastwirte im Mittelalter die kleinen
Bratwürste entwickelt, um Reisende, die nach Beginn der Sperrstunde noch
in der alten Handelsstadt eintrafen, durch das Schlüsselloch der
Wirtshaustür verköstigen zu können. Die plausibelste Theorie hingegen
geht davon aus, dass auf die allgemeine Teuerung im 16. Jahrhundert in
Nürnberg mit sinkenden Stückgewichten für das populäre Lebensmittel
reagiert wurde, um so Wucherpreise zu verhindern. Allerdings war bereits
1497 die erste Verordnung über Größe, Füllung und Preis der Würste
verabschiedet worden.
Die
historisch belegte und bis heute international ungebrochene Beliebtheit
der Nürnberger Rostbratwurst bezeugt bereits die Geschichte des so
genannten Bratwurst-Stromer aus dem 16. Jahrhundert. Der Stadtrichter
Hans IV. Stromer (1517-1592), ein Angehöriger der bedeutenden Nürnberger
Patrizierfamilie Stromer von Reichenbach, wurde wegen Geheimnisverrats
und unflätiger Reden zu lebenslanger Haft im Schuldturm auf der
Nürnberger Insel Schütt verurteilt. Als Patrizier hatte er aber einen
Wunsch frei und wünschte sich, auf Kosten der Stadt jeden Tag zwei
Bratwürste zu bekommen. Bis zu seinem Selbstmord wurde ihm dieser Wunsch
33 Jahre lang erfüllt.
Nürnberger Rostbratwürste werden als besondere Delikatesse in Nürnberg
in Bratwurstbratereien zubereitet. Diese speziellen Gaststätten (z. B.
Zum Gulden Stern von 1419, Bratwurst-Röslein, Bratwurst-Glöcklein) sind
häufig traditionsbewusste Restaurants mit einer oft jahrhundertelangen
Tradition, die sich bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen an
Beliebtheit erfreuen und in Folge dessen mittags meist überfüllt sind.
Man isst typischerweise zwölf (ein Dutzend) oder sechs (ein halbes
Dutzend) Rostbratwürste. In Bratwurstküchen werden traditionell die
Würste mit fränkischem Meerrettich, in Nürnberg Kren genannt, auf einem
Zinnteller serviert, in Gaststätten üblicherweise mit Beilagen. Wer in
Nürnberg sechs auf Kraut, bzw. mit Salat bestellt, bekommt die
Rostbratwürste mit Sauerkraut oder Kartoffelsalat serviert. Im
Straßenverkauf gibt es jeweils drei Nürnberger Rostbratwürste in einem
Brötchen, zu bestellen als „Drei im Weggla“. Die traditionelle
Zubereitung auf einem Grillfeuer, das durch Buchenholz geschürt wird,
ist wegen der starken Rauchentwicklung jedoch im offiziellen
Straßenverkauf auf die Weihnachtszeit beschränkt.
Ebenfalls von überregionaler Bekanntheit ist das Nürnberger
Bratwurstglöckerl am Dom in München, das 1893 in Anlehnung an das
Nürnberger Original Bratwurstglöcklein von 1313 (Glöckleinsgasse 1, 1945
zerstört) benannt wurde. Hier werden seit über hundert Jahren neben
anderen Spezialitäten auf dem Rost über Buchenholzfeuer gebratene
original Nürnberger Bratwürste angeboten, womit an einem der
markantesten Altstadtplätze schon im Wirtshausnamen Werbung mit und für
das Nürnberger Produkt betrieben wird.
Eine
besondere Form der Bratwurstzubereitung sind Blaue Zipfel. Hier wird die
Bratwurst im Essigsud mit Zwiebelringen gegart. Kochen darf der Sud
dabei nicht, sonst platzen die Würste auf.
Nordhessische Bratwurst
Die
Nordhessische Bratwurst ist der Thüringer Rostbratwurst ähnlich.
Allerdings wird sie aus wesentlich gröberem Schweinehack hergestellt als
diese. Am Imbiss wird sie - wie auch die Thüringer Rostbratwurst - auf
Holzkohle gebraten, in einem aufgeschnittenen Brötchen verkauft und nach
Wunsch mit Senf bestrichen. Sie ist relativ lang (rund 20 cm), etwa 15
mm dick und kräftig gewürzt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist der
traditionell recht stark mit Thüringen verbundene nordosthessische Raum,
insbesondere der Werra-Meißner-Kreis und die angrenzenden nordhessischen
Gebiete.
Olma-Bratwurst (St. Galler Bratwurst)
Die
Olma-Bratwurst ist eine Spezialität aus der Schweizer Stadt St. Gallen -
im so genannten Bratwurstland. Es ist ein Gemisch aus Schweine- und
Kalbfleisch sowie Speck, welchem Milch beigefügt wird. Die Wurst hat
eine der Münchner Weißwurst ähnliche Konsistenz. Den Namen hat die
Bratwurst von der gleichnamigen Messe OLMA (Ostschweizer Land- und
Milchwirtschaftsausstellung) geerbt. Amtlich werden diese Bratwürste
unter der Leitsatznummer 2.221.11 geführt und von den anderen
Bratwürsten unterschieden. Das Gewicht der Olmabratwurst ist mit 160
Gramm genau vorgeschrieben. Diese Wurst ist in der ganzen Deutschschweiz
bekannt und gilt oft als die beste der Schweizer Bratwürste. Eine
stattliche Zahl von Feinschmeckern aus dem Ausland lässt sich diese
Wurst aus St. Gallen in die Heimat schicken. Als ein Tabu gilt die
Verwendung von Senf. Daher wird die St. Galler Bratwurst in St. Gallen
immer nur mit Brot ausgegeben. Einzig als Menübeilage (z.B. zu Rösti)
wird sie häufig an einer Zwiebelsauce serviert. In St. Gallen wird
behauptet, dass wenn jemand einer Olma-Brotworscht Senf dazugibt, damit
zeige, dass er nicht aus der Region kommt.
Der
Olma-Bratwurst ähnlich sind die 220 Gramm schwere St. Galler
Kinderfestbratwurst, welche insbesondere am alle drei Jahre
stattfindenden Kinderfest angeboten wird, sowie die kleine Bratwurst mit
115 Gramm. Beide unterscheiden sich nur im Gewicht von der
Olma-Bratwurst.
Pfälzer Bratwurst
Die
Pfälzer Bratwurst unterscheidet sich durch ihre recht grobe Konsistenz
deutlich von der feineren fränkischen und thüringischen Bratwurst.
Pfälzer Bratwürste haben im Schnitt einen Durchmesser von etwa 25-30 mm
und sind etwa 15 cm lang. Sie werden meist mit Sauerkraut gegessen.
Rostocker Bratwurst
Die
Rostocker Bratwurst ist eine kurze, dicke Wurst ohne Darm, die in ganz
Ostdeutschland, vor allem jedoch in Mecklenburg-Vorpommern verbreitet
ist. Sie ist in der Regel etwa 12 cm lang und 2-3 cm dick und besteht
ausschließlich aus Schweinefleisch. Sie wird gebraten oder gegrillt, und
meistens mit Senf gegessen.
Rote
Wurst
Die
Rote Wurst (kurz: Rote) ist eine beliebte Bratwurst in Schwaben und
Südbaden. Im Handel taucht in jüngerer Zeit auch abgepackte Ware mit der
Bezeichnung Cervelat auf, eine Bezeichnung aus der Schweiz für diese
Wurstart. Obwohl es sich eindeutig um eine Bratwurst handelt wird sie in
der Regel schlicht als "Rote Wurst" bezeichnet. Sie ähnelt einer
Bockwurst und enthält sehr feines Brät aus Schweinefleisch und Speck und
schmeckt besonders würzig. Damit die knackige Wurst auf dem Grill nicht
platzt wird der Darm oft mehrfach eingeritzt. Das kreuzweise
Einschneiden der beiden Wurstenden führt dazu, dass die Enden beim
Grillen „aufpilzen“, was für die Erscheinung der Wurst charakteristisch
ist. Serviert wird die Rote meist mit mittelscharfem Senf und einer
Scheibe Brot, aber viele essen sie auch mit Ketchup, was den für manche
Menschen sehr würzigen Geschmack (vgl. gebratener Fleischkäse) etwas
mildert. Puristen sagen, Ketchup nehme den typischen Geschmack.
Schlesische (weiße) Bratwurst
Die
schlesische (weiße) Bratwurst (auch schlesische Weißwurst genannt),
kommt vor allem aus dem Gebiet östlich der Oder/Neiße-Grenze. Diese
Wurst wird traditionell nur im Weihnachtsmonat gefertigt, und zu
Heiligabend und Neujahr mit einer typisch schlesischen Tunke (zum
Beispiel Fischtunke, Pfefferkuchentunke) verzehrt. Die Wurst selbst
besteht vor allem aus Kalbfleisch (heutzutage oft durch Schweinefleisch
ersetzt oder ergänzt) und Schweinespeck, welche beide extrem fein (noch
stärker als die Nürnberger Bratwurst) unter der Beigabe von Eis
zerkleinert, und mit Zitronengewürz und Weißwein verfeinert werden.
Diese Masse wird in Schweinedünndarm abgefüllt und kann zur besseren
Haltbarkeit abgebrüht werden. Diese Wurst wird langsam in Butter
gebraten, und bleibt sehr hell.
Stadionwurst
In
allen deutschen und vielen internationalen Fußball- und anderen
Sportarenen gilt die Bratwurst als "der" heiße Snack. Im Allgemeinen
wird die (wie auch immer regional geartete) Bratwurst im "Fachjargon"
als Stadionwurst bezeichnet. Wie bei allen Wurstarten scheiden sich auch
hier die Geister wie eine echte Stadionwurst schmecken muss. In vielen
Stadien, vor allem in unterklassigen Ligen, gibt es oft regionale
Spezialitäten, während in den Stadien der Bundesliga hauptsächlich
Würste großer Cateringfirmen angeboten werden.
Sulzfelder Meterbratwurst
Die
Sulzfelder Meterbratwurst ist etwa 10–15 mm dick, aber sehr lang und
wird nach Länge abgemessen verkauft. Man bestellt einen halben Meter
oder für den sehr großen Hunger einen Meter, normalerweise mit
Sauerkraut. Die Sulzfelder Meterbratwurst ist nicht so kräftig gewürzt
wie die anderen Bratwürste.
Die
Meterbratwurst wurde erstmals im Jahre 1953 durch den Gastwirt Lorenz
Stark hergestellt. Angeblich hatte ein Gast dem Wirt als Kompliment für
seine guten Würste gesagt: „Die Wurscht könnt ich meterweis ess!“
Daraufhin kreierte Lorenz Stark innerhalb von 30 Minuten eine meterlange
Bratwurst und servierte diese.
Die
Sulzfelder Meterbratwurst wird manchmal auch unter dem Namen
Mainfränkische Meterbratwurst angeboten.
Thüringer Rostbratwurst

Thüringer Rostbratwurst
Die
Thüringer Rostbratwurst ist eine regionale
Bratwurst-Spezialität
aus dem deutschen
Bundesland
Thüringen.
Laut EU-Verordnung ist sie eine mindestens 15 cm lange, mittelfeine
Rostbratwurst im engen Naturdarm, roh oder gebrüht, mit würziger
Geschmacksnote. Seit dem 6. Januar 2004 ist Thüringer Rostbratwurst
eine geschützte geografische Angabe.
Die
Thüringer Rostbratwurst ist stark gewürzt, 15–20 cm lang und etwa 15 mm
dick. Traditionell wird sie über Holzkohle gebraten. Das
Verbreitungsgebiet reicht im Süden bis ins Coburger Land.

Original Thüringer Rostbratwürste

Imbissstand für Thüringer Rostbratwürste in Weimar
Die Thüringer
Rostbratwurst hat eine jahrhundertealte Tradition. Die älteste bekannte
urkundliche
Erwähnung einer Bratwurst findet sich im Thüringischen Staatsarchiv
Rudolstadt
in einer Abschrift der Propstei-Rechnung des
Arnstädter
Jungfrauenklosters von 1404. Dort heißt es wörtlich: „1 gr vor darme czu
brotwurstin“ (1 Groschen für Bratwurstdärme, S. 27).
Das älteste
bekannte Rezept befindet sich im Staatsarchiv
Weimar.
Es stammt aus der „Ordnung für das Fleischerhandwerk zu Weimar, Jena und
Buttstädt“ vom 2. Juli 1613. Ein weiteres Rezept enthält das „Thüringisch-Erfurtische
Kochbuch“ aus dem Jahr 1797, das auch eine geräucherte Variante erwähnt.
Zur
Herkunft Thüringer Rostbratwurst gibt es zahlreiche regionale Sagen, die
die Entdeckung dem jeweiligen Ort oder Landstrich zuschreiben, ohne
Belege dafür vorweisen zu können.
-
In
Jenaprießnitz behauptet man, die Thüringer
Rostbratwurst sei um 1400 auf dem wöchentlich stattfindenden
Jenaprießnitzer Bauernmarkt erfunden worden.
-
In gleicher Weise
schreibt man sich die Erfindung der Thüringer Rostbratwurst in
Erfurt zu.
-
Die Annahme, die
Thüringer Bratwurst sei von einem Fleischer auf einem
mittelalterlichen Markt zu Gotha erfunden worden.
Zur Herstellung
werden fein gehacktes
Schweinefleisch,
eventuell auch entsehntes Kalb-
oder
Rindfleisch
verwendet. Neben Salz und Pfeffer werden insbesondere Kümmel, Majoran
und Knoblauch verwendet. Die Gewürzmischungen variieren je nach
überlieferter Rezeptur oder regionaler Ausprägung. Mindestens 51 % der
verwendeten Rohstoffe müssen aus der Region Thüringen stammen. Diese
Zutaten werden gut miteinander vermengt und in einen sehr feinen
Schweinedarm oder Schafsaitling
gefüllt.
Gemäß § 5 der
Hackfleischverordnung
müssen rohe Thüringer Rostbratwürste am Tag ihrer Herstellung verbraucht
werden (mit Ausnahme von Gaststätten bis zum Ende ihrer Öffnungszeit,
wenn sie über 24 Uhr hinaus geht). Gebrühte oder vorgegrillte Würste
dürfen 15 Tage, die unmittelbar nach der Herstellung tiefgefrorene Wurst
bis zu sechs Monate, aufbewahrt werden.

Rostbratwürste auf dem Rost
Die
verbreitetste Zubereitungsart für rohe oder gebrühte Bratwürste ist das
Braten über
Holzkohle
auf einem Rost. Dabei entsteht mitunter recht dichter Rauch. Eine dunkle
Kruste ist erwünscht. Kennzeichnend für sachgemäße Zubereitung ist eine
gleichmäßige Bräune der gebratenen Wurst möglichst ohne hellere
Längsstreifen, die durch zu seltenes Wenden der Bratwurst entstehen.

1.
Deutsches Bratwurstmuseum
in Holzhausen
Auf Grund der
Bedeutung der Thüringer Rostbratwurst für die Thüringer Lebensart und
auch mit dem Ziel der Tourismusförderung wurde 2006 das
1. Deutsche
Bratwurstmuseum
in Holzhausen
bei
Arnstadt
eröffnet. Außerdem krönte 2006 die Stadt Suhl erstmals einen
Bratwurstkönig von Thüringen.
1999 verhängte
Bernd
Kauffmann,
der Generalbevollmächtigte der „Weimar 1999 - Kulturhauptstadt Europas
GmbH“, ein Verkaufsverbot von frisch gebratenen Rostbratwürsten, in der
Zeit gehobener kultureller Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres,
in Weimar.
Daraufhin gründete sich die
Bürgerinitiative
„Rettet die Thüringer Bratwurst“. Um die Sache beizulegen, erklärte der
damalige Oberbürgermeister Weimars
Volkhardt Germer
daraufhin die Thüringer Rostbratwurst kurzerhand zum Kulturobjekt und
das Verbot beschränkte sich dadurch nur noch auf wenige
Veranstaltungsorte.
Westfälische Bratwurst
Die
Westfälische Bratwurst ist eine gebrühte Wurst im Schafsdarm. Als
'Erfinder' dieser Wurst gilt der Bielefelder Fleischermeister Hans
Niermann (1929-2004), der dafür 1954 seinen Meisterbrief erhielt (die
Fleischerei wurde nach dem Tod des Inhabers aufgegeben). Ähnlich wie die
Schlesische Bratwurst wird auch die Westfälische Bratwurst unter
Hinzugabe von gestoßenem Eis ganz frisch hergestellt. Meister Niermann
wurde von der lokalen Lebensmittelbehörde einmal mit einem Bußgeld
belegt, weil seine Wurst den vorgeschriebenen Fettanteil unterschritt.
Würzburger Bratwurst
Die
Würzburger Bratwurst oder Winzerbratwurst entspricht in der Größe der
Thüringer Rostbratwurst, enthält aber zusätzlich einen Anteil weißen
Frankenweins.
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http://de.wikipedia.org/wiki/Bratwurst#Nordhessische_Bratwurst und
http://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%BCringer_Rostbratwurst
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