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Unser Universum ist von
einer derart gigantischen Größe, wie man es sich nicht vorstellen kann.
Dem Astrofotografen bietet sich die Möglichkeit, mit Hilfe von Objektiv
und Film diese Wunderwelt näher zu betrachten und somit eine Vorstellung
von der unglaublichen Größe der Schöpfung zu bekommen.
Die Astrofotografie umfasst jene Methoden der
Fotografie, mit denen
Sterne und andere
Himmelskörper im sichtbaren Licht abgebildet und dauerhaft auf
verschiedenen Medien (fotografisch oder elektronisch) gespeichert
werden.
Mit ihrer Hilfe kann man auch Objekte darstellen, die zu lichtschwach
für
visuelle Beobachtung sind. Fotografische
Emulsionen (Filme,
Platten) oder elektro-optische
Bildsensoren haben im Gegensatz zum
Auge die Eigenschaft, die Wirkung des Lichts während langer
Belichtungszeiten sammeln zu können. Die Objekte der Astrofotografie
reichen von den Körpern des
Sonnensystems (Planeten. Asteroiden, Kometen, Meteore usw.) über
Objekte in unserer
Milchstraße (Sterne, Sternhaufen, Nebel) bis zu den fernsten
Galaxien und
Galaxienhaufen.
Im allgemeinen müssen die Himmelaufnahmen der täglichen Drehung des
Sternhimmels nachgeführt werden, um eine punktförmige Abbildung der
Himmelskörper zu erreichen. Dazu erhält das Fernrohr bzw. die Kamera
eine
äquatoriale Montierung, deren eine Achse genau auf den
Himmelspol (verlängerte Erdachse) ausgerichtet ist. Die
Nachführung kann manuell oder maschinell erfolgen, ihre Überwachung
mit einem
Leitfernrohr.
Techniken der Astrogotografie werden auch in der
Satellitengeodäsie, der Ballistik und der [Raumfahrt]] eingesetzt,
um von den Flugkörpern eine
Bahnbestimmung durchzuführen.
In der Amateurastronomie werden neben analogen
Spiegelreflexkameras auch digitale Kameras (meist auf
CMOS-Basis),
CCD-Kameras, spezielle
Videokameras und häufig auch
Webcams eingesetzt.
Astrofotografie ist bereits mit einer einfachen, ruhenden
Kamera möglich. Damit bei derartigen Aufnahmen keine
Strichspuraufnahmen entstehen, gilt – bei mittlerer
Deklination – als Faustformel für die maximale Belichtungszeit (t)
in Sekunden:

Die Amateurastrofotografie kann nahtlos in die
Nachtfotografie übergehen, wenn Himmelsobjekte mit einem Hintergrund
fotografiert werden, was ästhetisch sehr ansprechende Bilder liefern
kann.
Sonnenfotografie

Aufnahme der Sonne mit
Sonnenflecken am 7. Juni 1992
Die Fotografie der
Sonne stellt einen Sonderfall der Astrophotographie dar, denn bei
diesem Motiv hat man meistens zu viel Licht zur Verfügung. Man benötigt
fast immer einen Filter. Ausnahmen sind:
-
die Fotografie der tiefstehenden Sonne
-
wenn Dunst das Sonnenlicht stark abschwächt
-
die Korona während einer totalen
Sonnenfinsternis
Hierfür werden entweder mit
Aluminium bedampfte
Mylarfolien vor dem Objektiv angebracht oder es werden fotografische
Filter mit der optischen Dichte ND5,0 oder ND6,0 (99,999 bzw 99,9999 %
Absorption) verwendet. Da die letztgenannten Filter unsichtbare
Infrarot- und UV-Strahlen nicht ausreichend unterdrücken, sollte man mit
ihnen nur für kurze Zeit die Sonne beobachten, etwa zum Scharfstellen
der Kamera oder zum Verfolgen der Sonne.
Wichtige Aufgaben der Astrofotografie
Die Spezialkameras der Astronomie werden
Astrografen genannt. Sie ermöglichen es, auf
Fotoplatten große Felder des
Sternhimmels zu erfassen und
-
astrometrische Positionsbestimmungen durchzuführen (Sternörter,
Eigenbewegungen),
-
die
Helligkeiten vieler Sterne exakt auszumessen (siehe
Fotometrie),
-
oder die
Spektren von Sternen und anderen Objekten zu untersuchen (Spektrografie).
-
Durch eine verlässliche
Archivierung können auch nach Jahrzehnten neu entdeckte
Himmelskörper aufgefunden und Phänomene erneut ausgemessen werden.
Fotografische Archive
Über eines der weltweit größten Fotoplatten-Archive verfügt die von
Cuno Hoffmeister gegründete
Sternwarte in
Sonneberg. Es umfasst über 277.000 Himmelsaufnahmen, die das
astronomische Geschehen im Bereich der nördlichen
Milchstraße über nahezu 70 Jahre dokumentieren und auf denen bisher
mehr als 11.000
veränderliche Sterne entdeckt wurden.
1948 wurde auf dem
Mount Palomar die 48-Zoll-Schmidt-Kamera (heute Oschin Telescope
genannt) in Betrieb genommen. Mit diesem Gerät wurde der
POSS (Palomar Sky
Survey) durchgeführt, die wohl wichtigste Himmelsdurchmusterung
des 20. Jahrhunderts.
Das Archiv des
Harvard-College-Observatoriums umfasst über 500.000
astrofotografische Platten aus der Zeit von 1885 bis 1989. 1965 begann
dort mit dem Harvard Sky Patrol Program ein Vorhaben, für das Sonneberg
das Vorbild darstellte: eine möglichst lückenlose Dokumentation der
Veränderungen am Sternhimmel. Für diesen Zweck wurden sechs eigens
hierfür konstruierte Astrografen (nach dem Sponsor „Damon-Cameras“
genannt) eingesetzt, die auf 20x25-cm-Platten 30x40° Gesichtsfeld in
drei definierten Farben erfassten. Das Ziel war, über Jahrzehnte hinweg
einheitliche und damit vergleichbare Aufnahmen zu gewinnen und zu
archivieren. Dieses Programm wurde im Jahr 1989 abgebrochen.
Die Astrofotografie stellt hohe Anforderungen an die Optik sowie
(angesichts der im Allgemeinen langen Belichtungszeiten) an den
Teleskopantrieb. Werden diese erfüllt – heute meist mit elektronischer
Steuerung – so lassen sich lang belichtete Aufnahmen extrem
lichtschwacher Objekte, wie ferne
Galaxien oder feine
Gasnebel, gewinnen. fast alle dieser Objekte wären ohne die
Astrofotografie unsichtbar, da sie zu schwach leuchten um von unserem
Auge wahrgenommen zu werden.
Geschichte
Bereits Monate vor der Veröffentlichung seines fotografischen
Verfahrens (1838) soll
Louis Daguerre eine Aufnahme vom Mond gemacht haben – dies wäre die
erste Astrofotografie der Welt. 1840 fotografierte
John William Draper den Mond, 1843 nahm er das erste
Spektrogramm der Sonne auf. Im April 1845 gelang
Leon Foucault und
Armand Fizeau das erste Sonnenfoto; auf ihrer
Daguerreotypie mit 12 cm Durchmesser waren
Sonnenflecken klar erkennbar.
1850 wurde am
Harvard College Observatory von
John Adams Whipple erstmals ein
Fixstern – die
Vega – aufgenommen; die
Montierung des verwendeten Teleskops war jedoch für die
Belichtungszeit von 100 Sekunden nicht präzise genug. Nach
Verbesserungen gelang 1857 eine gute Aufnahme des
Doppelsternsystems
Alkor und
Mizar – nunmehr mittels
Kollodiumplatte – die sich zu einer präzisen Bestimmung der
relativen Positionen nutzen ließ. Bei der
Sonnenfinsternis im Juli 1860 konnte mittels fotografischer
Aufnahmen die Frage geklärt werden, ob
Protuberanzen tatsächlich Sonnenausbrüche darstellen. 1872 konnte
Henry Draper das erste Spektrum eines Fixsterns – wiederum war es
die
Vega – aufzeichnen.
Pierre Janssen machte 1874 Fotos vom Venus-Durchgang; auf seinen
Aufnahmen war erstmals die
Granulation der Sonnenoberfläche zu erkennen. Am 22. Dezember 1891
fand
Max Wolf als erster Astronom einen
Kleinplaneten mit fotografischen Methoden.
1880 gelang Henry Draper erstmals eine Aufnahme (Bromsilber) von
einem Gasnebel in der Milchstraße: es war der
Orionnebel. 1884 folgte mit dem
Andromedanebel (A. A. Common) die erste Galaxie; 15 Jahre später
nahm
Julius Scheiner in Potsdam das erste Spektrum dieses Objektes auf.
Mit der ständigen Verbesserung des Aufnahmematerials gewann der
Gedanke an Boden, Himmelsatlanten mittels Astrofotografie zu erstellen.
Damit würde man die Grenzhelligkeit, die etwa bei der
Bonner Durchmusterung noch 9 bis 9,5
Größenklassen betragen hatte) erheblich steigern können. Das
umfangreichste dieser Vorhaben war die
Carte du Ciel unter der Führung des Observatoriums von Paris, das um
1880 begonnen, aber nicht zu Ende geführt wurde.
1905 nahm
Edward Emerson Barnard auf dem
Mount Wilson in Kalifornien (noch vor der Fertigstellung des
60-Zoll-Spiegels) 480 Fotos von Milchstraßenregionen auf, die unser
Verständnis vom Aufbau der Milchstraße revolutionierten. Die Aufnahmen,
die knapp 20 Jahre später mit dem 100-Zoll-Teleskop von den
Außenbezirken des Andromedanebels gemacht wurden, revolutionierten dann
unsere Vorstellung von der Struktur des Kosmos.
Durch die Verfügbarkeit immer größerer
CCDs haben Fotoplatten (auch weil ihre Produktion ausläuft) in der
Astronomie seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts keine
praktische Bedeutung mehr.
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