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Volkstümliche Darstellung der Geburt Jesu Christi
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Weihnachtsbaum
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Weihnachten
(auch „Christfest“ oder „Heiliger Christ“) ist das Fest der Geburt Jesu
und damit, nach christlichem Glauben, der Menschwerdung der zweiten
göttlichen Person, dem Logos. Festtag ist der 25. Dezember, dessen
Feierlichkeiten mit Sonnenuntergang am Vorabend, am Heiligabend (auch
„Heilige Nacht“, „Christnacht“, 24. Dezember), beginnen. Er ist in
vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag und Auftakt der
Weihnachtsferien; in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern
kommt als zweiter Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember hinzu, der
allerdings in der alt-katholischen und der römisch-katholischen Kirche
nicht als Weihnachts-, sondern als Stephans- oder Stefanitag bzw. im
Fall eines Sonntags als Fest der Heiligen Familie begangen wird.
Überblick
Weihnachten ist mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des
Kirchenjahres. Die weihnachtliche Festzeit (= Weihnachtszeit) beginnt
mit der Vesper am Heiligabend (siehe Christvesper) und endet in
der römisch-katholischen Kirche am Sonntag nach Erscheinung des Herrn,
an welchem das Fest „Taufe des Herrn“ gefeiert wird. Der erste
liturgische Höhepunkt der Weihnachtszeit ist die Mitternachtsmesse (siehe
Christmette). Vor der Liturgiereform erstreckte sich der
Weihnachtsfestkreis, der nicht mit der (engeren) Weihnachtszeit zu
verwechseln ist und den Advent als Vorbereitungszeit miteinschließt, bis
zum Fest „Darstellung des Herrn“ am 2. Februar, umgangssprachlich „Mariä
Lichtmess“ genannt.
Als
kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt; die
Herkunft des Datums ist umstritten. Der Termin liegt nahe an der
Wintersonnenwende, was die Geburt von Jesus Christus mit der Rückkehr
des Lichts nach den dunklen Wintermonaten verbindet. Zudem wurde damit
der antike römische Feiertag des Sonnengottes Sol Invictus abgelöst. Das
oft mit Weihnachten in Verbindung gebrachte germanische Julfest ist erst
später belegt.
Christen und Nichtchristen feiern Weihnachten heute meist als
Familienfest mit gegenseitigem Beschenken; dieser Brauch wurde seit 1535
von Martin Luther als Alternative zur bisherigen Geschenksitte am
Nikolaustag propagiert, um so das Interesse der Kinder auf Christus
anstelle der Heiligenverehrung zu lenken. In katholischen Familien fand
die Kinderbescherung weiterhin lange Zeit am Nikolaustag statt. Hinzu
kamen alte und neue Bräuche verschiedener Herkunft, zum Beispiel
Krippenspiele seit dem 11. Jahrhundert, zudem der Adventskranz (1839),
der geschmückte Weihnachtsbaum (15. Jahrhundert) und der Weihnachtsmann
(20. Jahrhundert). Dieser löste in Norddeutschland das Christkind und
den Nikolaus als Gabenbringer für die Kinder ab und stellt in anderen
Gebieten zunehmend eine Alternative dar. Viele Länder verbinden weitere
eigene Bräuche mit Weihnachten.
Wortentstehung
Der
früheste Beleg für den Ausdruck Weihnacht stammt aus 1170: „diu
gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe
naht.“ („Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt
diese nunmehr Weihnacht.“).
Schon
früh wurde die Vermutung geäußert, dass der Name vorchristlichen
Ursprungs sei: „das dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von
Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch
die fasznacht, weinnacht etc.“
Der
Erste Wortteil weih wird von weich = heilig,
gotisch weihs, althochdeutsch wîh, mittelhochdeutsch
wîch abgeleitet. Einige Sprachforscher stellen *wich-a-z als
Partizip passiv zur Wurzel wîq (weichen), so dass es sich um ein
von der Herde abgesondertes Opfertier handele und verweisen auf das
lateinische victima und dessen Sippe.
Luther
dachte an wiegen und bildete Wygenachten, „da wir das
kindlein wiegen“. Aber auch der zweite Wortteil ist für einen Festtag
ungewöhnlich und weist auf hohes Alter hin. Tacitus schrieb in
Germania Kap. 11: „nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant“
(„Nicht die Zahl der Tage, wie wir, sondern die Nächte zählen sie“).
Etymologisch wird auch eine Herkunft aus dem Mittelhochdeutschen ze
wihen nahten („in den heiligen Nächten“) gesehen, was auf die schon
zur germanischen Zeit gefeierten Mittwinternächte hinweist, wobei jedoch
unklar ist, ob diese Festlichkeiten tatsächlich zur Wintersonnenwende
stattfanden.
Theodor Storm bildete aus dem Substantiv „Weihnachten“ dann das Verb
weihnachten. In seinem Gedicht vom Knecht Ruprecht heißt es in den
Anfangs- und Schlusszeilen:
Von
drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.
Geschichte
Innerchristliche Entstehung
Das
Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und war den
Urchristen unbekannt. Doch bereits im 2. Jahrhundert ist ein wachsendes
Interesse daran feststellbar. Dabei spielte das Frühlingsäquinoktium am
25. März eine besondere Rolle. Für dieses nahm man den ersten
Schöpfungstag und den Tag des Kreuzestodes Christi an. Der vor 221
schreibende Julius Africanus bezeichnete den 25. März als Datum seiner
Passion als auch seiner Empfängnis, was bei einer exakt neunmonatigen
Schwangerschaft Marias zu einem Geburtstag am 25. Dezember führen würde.
In
Ägypten gab Clemens von Alexandria jedoch schon zu Beginn des 3.
Jahrhunderts einen Tag zwischen Ostern und Pfingsten als Geburtstermin
an. In den ältesten christlichen Kalendern, zum Beispiel im Osterkanon
des Hippolyt von Rom, De pascha computus aus dem Jahre 222, wurde
Jesu Geburt und sein Tod auf den 14. Nisan gelegt. Der Ursprung dieses
Datums liegt nach Strobel in einer jüdischen Haggada, die Isaak, das
Vorbild Christi in der frühen Kirche, ebenfalls am 14. Nisan geboren
sein lässt. Hippolyt kannte also das Datum des 25. Dezember als
Geburtstag Jesu sicher noch nicht. Eine entsprechende Stelle in seinem
Danielkommentar ist als spätere Interpolation erwiesen.
In der
morgenländischen Kirche war für den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag
der dritten Woche nach Ostern die gleiche Leseordnung vorgeschrieben wie
zu Weihnachten – bei den Armeniern die vom 5./6. Januar, in der
georgischen Kirche die vom 25./26. Dezember. Es gab also in der
altpalästinensischen Kirche eine Zeit, in der der Geburtstag Jesu Mitte
Mai gefeiert wurde. Die Nonne Egeria beschrieb in einem Reisebericht für
diese Zeit eine besondere Feier in der Geburtskirche mit nächtlichem
Gottesdienst zu Bethlehem. Eine auf der Brust getragene Reliquienkapsel
(Enkolpion) im Museum von Konstantinopel stellt eine Krippe dar und
verweist in der Beischrift auf den 25. Mai (Pachoni). Eine Abschrift
einer altpalästinensichen Liturgie führt die Weihnachtsliturgie für den
16. bis 28. Mai auf (Kluge).
Erstmalig wird der 25. Dezember ausdrücklich von Furius Dionysius
Filocalus in seinem Chronograph von 354 genannt, der auf
römischen Quellen aus dem Jahre 336 beruht (ein Jahr vor dem Tod
Konstantins und zu einer Zeit des Aufschwungs des Christentums). Ein
Verzeichnis der römischen Konsuln enthält den Eintrag: „Christus ist
während des Consulats von C. Augustus und L. Aemilianus Paulus am 25.
Dezember, einem Freitag, dem 15. Tag des Mondalters geboren“. In dieser
römischen Quelle, deren Authentizität allerdings nicht unumstritten ist,
ist das Datum auch als liturgischer Festtag zu verstehen. Wie lange
davor der 25. Dezember als Festtag begangen wurde, ist unbekannt.
In
Rom, wo der Geburtstag Jesu zuerst am 25. Dezember, und zwar nach der
Weihnachtshomilie des Hieronymus von Anfang an, gefeiert wurde, spielte
eine Berechnung, wie sie Africanus anstellte, keine Rolle. Stattdessen
gibt es mehrere spekulative Vermutungen über den dortigen Ursprung des
Festdatums:
-
Er sei als Dankgebet
der Kirche für den Sieg Kaiser Konstantins (so Hans Lietzmann)
aufgekommen. Dann wäre der Festtag nach 313 entstanden. Dem steht
entgegen, dass der 25. Dezember in Konstantinopel, der Stadt
Konstantins, erst um 380 angenommen wurde.
-
Er sei als Reaktion
auf den von Kaiser Aurelian verfügten Geburtstag des Sol Invictus
(dessen Kult 275 eingeführt wurde) zur Wintersonnenwende des
julianischen Kalenders am 25. Dezember entstanden, an dem auch die
Geburt des Mithras gefeiert worden sein soll. Das würde zu einer
Einführung um 300 führen. Hierzu passen ungefähr zeitgleiche
Vergleiche von Christus und der Sonne und die Tatsache, dass „die
Weihnachtsfeier in Rom aufkommt, als der Sonnenkult seinen Höhepunkt
erreicht“.
-
Die Ansicht,
Weihnachten sei an die Stelle eines älteren Festes über die Geburt
der Sonne getreten, wurde erstmals in einer Randglosse des syrischen
Kirchenschriftstellers Dionysius bar Salibi aus dem 12. Jahrhundert
vertreten. Neben den antiken Herleitungen gibt es heute weitere
Hypothesen:
-
Die Berechnungshypothese von Duchesne,
Strobel, Engberding und Fendt. Danach vertraten alte jüdische
Schriften die Vorstellung, dass große Patriarchen am selben Tag des
Jahres starben, an dem sie geboren wurden. Denn Gott billige nur das
Vollkommene, lasse seine hervorragenden Verkünder auf Erden also nur
volle Lebensjahre leben. Das galt insbesondere für Isaak, der für
Christen Jesu Vorbild wurde. Auch für Jesus wären Anfang und Ende
seines irdischen Lebens demnach auf das gleiche Datum gelegt worden,
nämlich den 14. Nisan des Jahres 30, der dem 25. März entsprochen
hätte. Dabei müsste man jedoch seinen Lebensanfang mit Marias
Empfängnis gleichsetzen. Das hätte den 25. Dezember als
Geburtstermin ergeben. Der heidnische Sol Invictus sei erst eine
sekundäre Begründung und nicht der primäre Anstoß gewesen.
-
Zum Gedanken des wahren „Sol invictus“,
des Siegers über den Tod, kam noch die Weltenharmonie als göttliche
Ordnung: Danach war das Sonnenjahr so geordnet, dass zur Zeit des
Herbstäquinoktiums am 24. September die Verkündigung und Empfängnis
Johannes des Täufers, zur Sommersonnenwende am 24. Juni dessen
Geburt, zum Frühlingsaequinoktium die Empfängnis Jesu und zur
Wintersonnenwende seine Geburt stattfanden.
Sowohl
die Berechnungshypothese als auch die an den Sol invictus gekoppelte
Hypothese lassen Fragen offen: zum Beispiel, mit welcher Berechtigung
der üblicherweise maßgebliche Geburtstermin auf den Termin der
Empfängnis zurückverlegt sein sollte. Die Hypothese des Festes für den
Sol invictus räumt der kulturellen Umgebung des frühen Christentums
einen größeren Einfluss auf die Kirche ein, als die Zeitgenossen es wohl
zugegeben hätten.
Auch
die afrikanische Kirche feierte von vornherein nur den 25. Dezember.
Augustinus warf den Donatisten vor, bei der Feier der Epiphanie
abzuweichen, was manche aus einem argumentum e silentio vermuten lässt,
dass der 25. Dezember bereits vor dem donatistischen Schisma 311 in
Afrika der Weihnachtstermin gewesen sei. Ältestes Zeugnis ist eine
überlieferte Predigt des Optatus von Mileve aus der Zeit um 360 über den
Kindermord in Betlehem. Für Oberitalien ist das Datum für das Ende des
4. Jahrhunderts unter anderem durch Filastrius von Brescia,
Diuersarum hereseon liber, Kap. 140, belegt. Die Synode von
Saragossa bezeugte in can. 4 das Datum für das Jahr 380 in Spanien. Für
Gallien gibt es für diese Zeit noch keinen Beleg. Erst im 5. Jahrhundert
nennt es Gregor von Tours.
Im
deutschsprachigen Raum wird – soweit ersichtlich – Weihnachten zum
ersten Mal in den Synodalbeschlüssen der Bairischen Synode erwähnt,
deren Datierung aber nicht gelungen ist. Nach dem Stil der
Veröffentlichung der Beschlüsse wird die Mitte des 8. Jahrhunderts
angenommen. Dort wird eine Fastenzeit für die Zeit vor Weihnachten
angeordnet.
Gregor
von Nazianz feierte das Fest 380 in Konstantinopel. Seine Predigten zu
Weihnachten und Epiphanie richteten sich gegen arianische und
apollinaristische Lehren und betonten das trinitarische Bekenntnis von
Nicäa. In Ägypten ist es ab 432 nachgewiesen, wohl in der
Auseinandersetzung mit Nestorius eingeführt. In Jerusalem wurde es erst
im 6. Jahrhundert unter Justinian II. gefeiert. Während alle anderen
Kirchen Weihnachten übernommen haben, hat die Armenische Kirche bis
heute nur den 6. Januar als Geburtsfest Jesu.
Außerchristliche Parallelen
Das
mit Jesu Geburt verknüpfte kirchliche Motiv der Jungfrauengeburt ist
religionsgeschichtlich sehr alt: In der Geburtsschilderung des
gräko-ägyptischen Helios-Aion wird der Gottessohn von einer unberührten
Frau geboren. Sein Geburtstag wurde in Alexandrien am 25. Dezember und
in der Nacht von 5. auf den 6. Januar begangen.
Ebenso
heißt es beim biblischen Propheten Jesaja 7,14 nach der Septuaginta,
dass eine Jungfrau (παρθενος) (Jes 7,14
LXX)
gebären wird; der masoretische Text spricht hier von einer jungen Frau (עלמה)
(Jes 7,14
OT).
Unter anderen hat Albertus Magnus diese Stelle ebenfalls zur Berechnung
der Geburtsstunde Jesu herangezogen, indem Jesus die Jungfrau zum
Aszendenten hatte, da zur Wintersonnenwende die Sonne mit dem Steinbock
aufgeht, dementsprechend tritt Virgo genau zu Mitternacht über den
Horizont. Als weitere Anspielung weist Spica bzw. Stachys, die Ähre der
Korä, auf die Geburt im Haus des Brotes hin.
Im
Koran wird die Weihnachtsgeschichte in der Sure 19:16–34 [22–25]
erzählt.
Ob das
christliche Weihnachtsfest als Übernahme solcher älteren oder aber
konkurrenzbedingte Verdrängung von parallelen Mysterienkulten zu deuten
ist, ist umstritten. Die antiken Darstellungen von Isis und Osiris
beeinflussten jedenfalls die frühe christliche Ikonographie.
Der
Ursprung aus einem germanischen oder skandinavischen Julfest ist
unhaltbar. Hinsichtlich eines vorchristlichen Julfestes gibt es große
Quellen-Probleme. Dass es für den Mittwinter bei den Nordgermanen Feste
gab, ist überliefert. Umstritten ist aber, zu welcher Zeit sie
stattfanden und welchen Inhalt sie hatten. Die meisten Quellen sind
nachchristliche Texte.
Es
gibt zum einen die sprachgeschichtlichen Hinweise aus der Verwendung des
„Jul“-Begriffes; auch heute ist das dänische Wort für Weihnachten „Jul“.
Ob dahinter ein ursprüngliches Julfest stand oder ob das Wort selber
ursprünglich einfach nur „Fest“ bedeutet, ist umstritten. Jedenfalls
taucht die Bezeichnung in Monatsnamen für den Zeitraum von November bis
Januar auf.
Dann
gibt es den Hinweis beim altisländischen Schriftsteller Snorri, wonach
der erste christliche König Norwegens Haakon der Gute ein Fest namens „hoggunott“
bzw. „haukunott“ von Mitte Januar auf den 25. Dezember habe verlegen
lassen. Dies wird zuweilen so gedeutet, dass der christliche König die
übliche mittwinterliche Einladung an seine Adligen auf den Weihnachtstag
vorverlegt habe. Der Text ist diesbezüglich aber nicht eindeutig. Der
Umstand, dass das Weihnachtsfest in Skandinavien den Namen „Jul“ trägt,
stützt jedoch diese These.
Astronomische Ereignisse
Für
den Stern von Bethlehem oder Weihnachtsstern, der den Weisen aus dem
Morgenland als Wegweiser gedient haben soll, gibt es viele
verschiedene Versuche der astronomischen Deutung. Ein Problem für alle
diese Ansätze ist, das Verhalten des Sterns, wie es im
Matthäusevangelium geschildert wird (EU),
in Übereinstimmung zu bringen mit den Möglichkeiten, die ein
astronomisches Objekt bietet.
Die
Weihnachtszeit im Kirchenjahr
Die
Weihnachtszeit unterteilt sich in eine vorweihnachtliche Buß- und
Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche Freudenzeit. Der
Advent eröffnet nach dem Ewigkeitssonntag bzw. nach dem Christkönigsfest
zugleich das neue Kirchenjahr und beginnt mit dem 1. Advent, der in der
Regel am vierten Sonntag vor Weihnachten gefeiert wird. Die
Weihnachtszeit endet an Epiphanias (evangelisch) bzw. am Sonntag nach
dem Hochfest Erscheinung des Herrn (ugs. Dreikönig), an dem die
Taufe des Herrn gefeiert wird.
Abweichend von diesem in allen westlichen Kirchen geltenden Brauch hat
der vor allem im Bistum Mailand gepflegte Ambrosianische Ritus auch in
der römisch-katholischen Liturgiereform seine eigenen ambrosianischen
Regelungen beibehalten. Dort beginnt die Adventszeit mit dem 11.
November, einem Quatember, wodurch sich sechs statt vier Adventssonntage
ergeben, und die Weihnachtszeit endet am 2. Februar mit dem Fest der
Darstellung des Herrn im Tempel. Damit hat sich dort die Tradition
bewahrt, dass Buß- und Fastenzeit wie Freudenzeit um Weihnachten wie um
Ostern in Anlehnung an Jesu Rückzug in die Wüste (40 Tage; Mt 4,2
EU),
die Sintflut (40 Tage; Gen 7,4.12
EU),
Noahs Warten in der Arche auf dem Ararat (40 Tage; Gen 8,6
EU),
Israels Exodus (40 Jahre; Ex 16,35
EU)
und anderes jeweils 40 Tage dauern.
Am
Fest Darstellung des Herrn klingt die Weihnachtszeit nach. Der
Grund dafür liegt unter anderem in den gottesdienstlichen Perikopen des
Tages, die in den westlichen Kirchen gleich sind. In der
alttestamentlichen Lesung (Mal 3,1–4
EU)
klingt die Adventszeit nach, die Epistel (Hebr 2,14–18
EU)
blickt bereits auf Karfreitag, das Evangelium (Lk 2,22–24
EU)
schließt unmittelbar an das Weihnachtsevangelium an.
Liturgie (historische Reihenfolge)
Orthodox

Die
Geburt Jesu Christi in einer georgischen Bibel, 12. Jahrhundert.
Die
östlichen Kirchen stellten von jeher die Theophanie (heute
Epiphanias) am 6. Januar in den Mittelpunkt. Sie ist älter als das
Weihnachtsfest. Die Predigten von Gregor von Nazianz aus den Jahren 380
und 381 markieren den Übergang vom Gesamtfest Epiphanie zu den
beiden Festen Weihnachten mit dem Schwerpunkt der Geburt und Epiphanie,
das auf die Taufe Jesu im Jordan bezogen wird. Antiochien übernahm kurze
Zeit später das Weihnachtsfest, wie ein Predigt des Johannes
Chrysostomos aus dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das
Weihnachtsfest bis ins 6. Jahrhundert ab. Die armenische Kirche hat es
bis heute nicht übernommen, sondern hält am umfassenden Festtermin vom
6. Januar fest.
Bedingt durch die Kalenderreform 1582, die nicht von allen orthodoxen
Kirchen übernommen wurde, wird das Weihnachtsfest in den orthodoxen
Kirchen, die den Gregorianischen Kalender übernommen haben, am 25.
Dezember gefeiert. Dies sind die orthodoxen Kirchen von
Konstantinopel/Ökumenisches Patriarchat, Alexandrien, Antiochien,
Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland (mit Ausnahme der Republik
Athosklöster), Albanien, Finnland und die syrisch-orthodoxe Kirche.
Die
Kirchen, in denen weiter der julianische Kalender gilt, feiern das
Geburtsfest am 7. Januar (13 Tage Versatz zum gregorianischen Kalender):
Jerusalem, Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Serbien, Georgien,
Ukraine, Estland, Athosklöster Griechenlands und die koptische und
äthiopische orthodoxe Kirche.
Das
vorweihnachtliche Fasten, das weniger streng ist als das Fasten vor
Ostern, beginnt bei den Orthodoxen bereits 40 Tage vor Weihnachten. Ab
dem 13. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt am 24.
Dezember. Es handelt sich dabei aber nicht um eine liturgische
Adventszeit. Während dieser Zeit wird die Liturgie Schritt für Schritt
mit weihnachtlichen Motiven angereichert. Die beiden letzten Sonntage
vor Weihnachten sind den Ahnen Christi gewidmet.
Am 24.
Dezember wird eine Vesper mit acht Schriftlesungen gehalten, die alle
auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen hinweisen. Auf die Vesper
folgt die Taufliturgie des Basilius, ein Hinweis auf den Satz: „Du bist
mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“ (Ps 2,7
EU).
Die Lesungen bestehen aus Hebr 1,1–12
EU
und Lk 2,1–20
EU.
Die große Komplet geht in den Frühgottesdienst über. Beide zusammen
gelten als „Nachtwache“, in der die Geburt Christi nach Mt 1,18–25
EU
verkündet wird. Zur Matutin wird der gesamte Kanon Christus ist
geboren gesungen, und die Gläubigen beten vor der Ikone der Geburt
Jesu.
Die
Liturgie des Weihnachtstages befasst sich mit dem Besuch der Magier und
hebt die Herrschaft Christi hervor. Dafür wird die Chrysostomus-Anaphora
verwendet. Das Evangelium aus Mt 2,1–12
EU
widmet sich dem Besuch der Magier.
Mit
dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt die sechstägige Nachfeier mit der
Synaxis der Theotokos (Zusammenschau der Gottesgebärerin), ein Fest der
Marienverehrung. Am 1. (bzw. am 14. Januar) begeht die Orthodoxie das
Hochfest der Beschneidung des Herrn.
Katholisch
Bereits Gregor der Große kannte die drei Messen des Weihnachtsfestes.
Die Titelkirchen Roms kannten dagegen anfangs nur zwei Messen, die der
Vigil und den Festgottesdienst am folgenden Tag. Bereits das
Capitulare lectionum aus der Mitte des 6. Jahrhunderts enthält bei
allen drei Weihnachtsmessen die klassische Abfolge der Lesungen aus dem
AT (Jesaja), aus den Paulusbriefen und das Evangelium (Liturgie). Diese
Ordnung war bis weit ins Mittelalter üblich, örtlich bis ins 18.
Jahrhundert
Die
älteste ist die Festmesse des Tages (in die), die bereits von
Ambrosius und von Papst Coelestin I. Anfang des 5. Jahrhunderts erwähnt
wird. Stationskirche war St. Peter im Vatikan, seit dem 12. Jahrhundert
Santa Maria Maggiore.
Die
zweite Messe war eine wohl aus Jerusalem übernommene Mitternachtsmesse (in
nocte, volkstümlich „Christmette“ genannt, da sie mit der Mette
zusammenfiel), deren Stationskirche die Marienbasilika auf dem Esquilin
war (S. Maria Maggiore). Dorthin wurde im 11. Jahrhundert auch die
Tagesmesse verlegt; denn sie beherbergte in der Krypta eine Nachbildung
der Geburtsgrotte.
Als
dritte selbständige Messe kam im Morgengrauen (mane in aurora,
volkstümlich aufgrund des Evangeliums von der Anbetung der Hirten
„Hirtenamt“ genannt) in der byzantinischen Hofkirche Santa Anastasia auf
dem Palatin hinzu – „(eventuell aus Höflichkeit gegenüber dort
residierenden byz[anzinischen] Beamten)“. Dort wurde am 25. Dezember das
Fest ihrer Titelheiligen Anastasia von Sirmia gefeiert.
Diese
päpstliche Stationsliturgie führte zu der einmaligen und einmalig
bleibenden Situation, dass drei verschiedene Messen mit
unterschiedlichen Messformularen am gleichen Tag gefeiert wurden. Die
Textausstattung stammt von Gregor dem Großen. So kam die
Weihnachtsliturgie als Ganzes in den gallisch-fränkischen Norden. Karl
der Große hat sie dann für verbindlich erklärt. Im 11. Jahrhundert
tauchen in Frankreich erstmalig szenische Darstellungen im Gottesdienst
auf, sogenannte Weihnachtsspiele. Franz von Assisi stellte Greccio in
Umbrien eine Krippe mit einem lebenden Ochsen und Esel auf, verlas in
der Messe das Evangelium und hielt eine Predigt. Kaiser Joseph II.
verbot die Krippenspiele im Gottesdienst, die deshalb in den häuslichen
Bereich wechselten und zum Brauchtum wurden.
An
dieser Messliturgie hat die Liturgiereform Paul VI. im Wesentlichen
festgehalten. So steht noch heute die etwas unromantische klare
dogmatische Aussage zur Gottheit Christi aus der Entstehungszeit im
Vordergrund. Die Weihnachtszeit beginnt heute mit der ersten Vesper von
Christi Geburt am späten Nachmittag des 24. Dezembers bis zum Fest der
Taufe Christi am ersten Sonntag nach Epiphanie (Sekretariat der
Bischofskonferenz 1996, S. 122 ff.). Es gibt auch immer noch die drei
Messformulare, wenn auch heute erlaubt ist, die Texte auszutauschen.
Die
Lesungstexte schreiten in den Messen fort. In der Vorabendmesse am 24.
Dezember steht noch die Erwartung im Vordergrund (Jes 62,1–5
EU;
Apg 13,16–26
EU
und Mt 1,1–25
EU).
In der Christmette wird die Freude ausgedrückt (Jes 9,1–6
EU;
Tit 2,11–14
EU
und Lk 2,1–14
EU).
Die Hirtenmesse am Morgen handelt von der Hoffnung auf Erlösung durch
die Inkarnation (Jes 62,11 f.
EU,
Tit 3,4–7
EU
und Lk 2,15–20
EU).
Das Hochamt bzw. die Tagesmesse hat Gottes Heilsplan zum Gegenstand, wie
er im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1,1–18
EU)
zum Ausdruck kommt; vorausgehende Lesungen sind Jes 52,7–10
EU
und Hebr 1,16
EU.
Innerhalb der Weihnachtsoktav dürfen keine anderen Heiligenfeste
gefeiert werden mit Ausnahme der drei comites Christi, nämlich
Stephanus, Johannes des Evangelisten und der Unschuldigen Kinder. Seit
1970 begeht die katholische Kirche den Oktavtag (Neujahr) als
Hochfest der Gottesmutter Maria. Bis 1969 wurde am Neujahrstag das
Fest der Beschneidung des Herrn begangen. Am Sonntag zwischen dem
1. und 5. Januar oder, wenn kein Sonntag dazwischenfällt, am 2. Januar,
wurde das Fest des allerheiligsten Namens Jesu gefeiert.
Evangelisch
In den
deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten am 24. Dezember mit
der Christvesper. Die liturgischen Texte bestehen aus den Weissagungen
des Alten Testaments (Mi 5,1–3
LUT;
Jes 9,5–6a
LUT
und Jes 11,1 f.
LUT)
und der Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums. Dazwischen singt die
Gemeinde Weihnachtslieder.
Um
„nächtlichen Unfug“ zu unterbinden, verlegte man die Christmette, die im
Zentrum von Weihnachten steht, in den frühesten Morgen des Festtages
(oft um 4 Uhr) oder ersetzte sie durch die vorabendliche Vesper. Die
behördlichen Reserven gegen den Gottesdienst um Mitternacht führte bis
ins 18. Jahrhundert zu Konflikten. Die Zahl der Gemeinden, in denen
heute der Nachtgottesdienst abgehalten wird, nimmt wieder zu. Das
Evangelische Gottesdienstbuch von 1999 nahm dafür ein eigenes
Formular auf. Eine Besonderheit des evangelischen Weihnachtsfestes, die
bis in die Reformationszeit zurückreicht, ist es, das Weihnachtsfest
auch auf den zweiten (früher gar den dritten) Weihnachtstag auszudehnen.
Viele Kirchenordnungen regelten, dass auch am zweiten Feiertag über die
Geburt Jesu zu predigen sei. Das Evangelische Gottesdienstbuch
bietet dafür zwei Formulare, „Christfest I“ und „Christfest II“, die
aber austauschbar sind. Das Fest des Erzmärtyrers Stephanus kann in
einem Abendgottesdienst berücksichtigt werden. Der Neujahrstag kann auch
als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu begangen werden.
Die
Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest früher ab. Deshalb
gibt es keine genuin reformierten liturgischen Besonderheiten; sie
übernahmen schließlich in vielen Fällen lutherische und unierte
Traditionen. Die Entwicklung des Weihnachtsfestes wird in dieser
Beziehung daher unter dem Titel „Brauchtum“ behandelt.
Amerikanische Lutheraner, Episkopalisten und Methodisten benutzen das
Common Lectionary, welches von der Consultation on Common Texts
erstellt worden ist. Danach werden folgende Texte verwendet: Jes 9
LUT,
Tit 2
LUT,
Lk 2,1–20
LUT
oder: Jes 52
LUT,
Hebr 1
LUT
und Joh 1,1–14
LUT
oder: Jes 62
LUT,
Tit 3
LUT
und Lk 2,1–20
LUT.
Bei
den aktiven Gemeindemitgliedern der Anglikaner bildet die Kommunion in
der mitternächtlichen Eucharistiefeier den Höhepunkt. Während das
frühere Book of Common Prayer am Heiligen Abend nur in einigen
Gebeten auf das Weihnachtsfest hinwies, wird in den heute gebräuchlichen
Agenden, wie dem Common Worship aus dem Jahre 2000, das
Weihnachtsereignis ins Zentrum der Schriftlesung und der Gebete gerückt.
Feiertagsregelungen
Die
Weihnachtsfeiertage sind gesetzliche Feiertage im Dezember oder Januar.
Je nach Land ist die Festlegung der Anzahl der Feiertage
unterschiedlich. Die deutsche Festlegung auf die beiden Feiertage am 25.
und 26. Dezember geht historisch auf Martin Luther zurück. Als dritter
Weihnachtsfeiertag kann Epiphanias bzw. das Dreikönigsfest am 6. Januar
dazu gelten; auch dieser ist in einigen deutschen Bundesländern
gesetzlicher Feiertag.
Kritik

Kommerzialisierte Figur eines Weihnachtsmannes
In der
pastoralen Literatur wird auch Kritik an dem Weihnachtsfest in heutiger
Gestalt geübt, das durch religionsfremde Motive und Erscheinungsformen
„verunreinigt“ sei. Die Kritik lässt sich im Wesentlichen auf die drei
Schlagworte Profanierung, Kommerzialisierung sowie Hektik und Stress
konzentrieren.
Unter
dem Schlagwort „Profanierung“ wird vor allem vorgetragen, dass das
Weihnachtsfest entchristlicht und zu einem Familienfest für jedermann
geworden sei. Der theologische Gehalt gehe dabei über weite Strecken
verloren. Stattdessen nähmen Kitsch und Sentimentalität zu. Demgegenüber
ist zu betonen, dass das Weihnachtsfest seit jeher zweigleisig gewesen
ist, einmal kirchlich-sakral, zum anderen als Volksfest mit Gelagen und
Besäufnissen, was immer wieder zum Einschreiten der Obrigkeit geführt
hat. Die Ausbildung als Familienfest, im Wesentlichen seit dem 19.
Jahrhundert verstärkt zu beobachten, zeigt, dass es jedenfalls in den
nördlichen Breiten ein Bedürfnis gibt, ein Fest zur Belebung und
Stärkung von Binnenbeziehungen, besonders in der Familie, zu feiern.
Dass sich ein solches Fest an ein kirchliches Fest anschließt,
profaniert das kirchliche Fest selbst nicht zwangsläufig. Allerdings
geht mit der Reduzierung auf Familie auch eine Ausgrenzung randständiger
Gruppen einher. Deshalb betreiben viele Organisationen eine Ergänzung
durch Weihnachtsfeiern für Alleinstehende und Nichtsesshafte.
Unter
dem Schlagwort „Kommerzialisierung“ wird die weit in die Adventszeit
zurückreichende Ankurbelung des Umsatzes mit Weihnachtsmotiven in den
Kaufhäusern und der Werbung beklagt. Weihnachten ist in vielen Ländern
das Konsumereignis des Jahres und viele Branchen erwirtschaften im
November und Dezember über ein Fünftel (20 Prozent) des Jahresumsatzes
(statistisch gleichverteilt wären in einem Zeitraum von zwei Monaten
knapp 17 Prozent zu erwarten):
Dabei
wird ein wesentlicher Unterschied zur Werbung im übrigen Jahr übersehen:
Normalerweise zielt die Werbung darauf ab, dass der Beworbene sich
eigene Wünsche erfüllt. Im Weihnachtsgeschäft geht es darum,
nahestehende Mitmenschen zu beschenken. Das Geschenk oder die „Gabe“ ist
seit ältester Zeit der Menschheit ein wesentliches Mittel zur
Stabilisierung von Beziehungen. Überall auf der Welt gibt es Feste, die
einen Gabenaustausch zum Inhalt haben.
Unter
dem Schlagwort Hektik wird kritisiert, dass der Mensch in der
Adventszeit nicht zur Ruhe komme, weil er vollständig mit den
Festvorbereitungen und dem Suchen nach dem passenden Geschenk
ausgelastet sei.
Künstlerische Verarbeitung des Weihnachtsthemas
Ikonographie
Die
früheste bekannte Darstellung der Geburt Jesu stammt aus der Zeit um
320. Dort ist die Krippe einem Altar angeglichen.
Symbolik, Bildinhalte und Bezüge
Die
christliche Kunst entwickelte ihre Motive zunächst aus den Erzählungen
des Matthäus- und Lukasevangelium sowie aus den apokryphen
Kindheitsevangelien. Hinzu kamen viele Legendentexte verschiedener
Herkunft. Seit den Darstellungen in den Katakomben im 3. Jahrhundert bis
weit in die Renaissance wurde die Geburtszene mit der Verkündigung an
die Hirten und der Anbetung der Magier verbunden. Der Stall kommt im 4.
Jahrhundert hinzu. Sehr früh sind schon die besondere Beziehung Jesu zu
Maria Thema der Bilder, zum Beispiel das erste Bad oder die das
Jesuskind stillende Mutter, wobei über Maria ein Stern steht (Domitilla-
und Priscilla-Katakomben, spätes 3. Jahrhundert). Zu einem neuen Thema
führte die Entdeckung der Geburtsgrotte durch Flavia Iulia Helena und
die Erbauung der Geburtskirche durch Kaiser Konstantin. Schon seit dem
frühen 4. Jahrhundert befinden sich Ochs und Esel auf den Bildern, die
auf Jesaja 1,3 verweisen: „Der Ochs kennt seinen Besitzer, der Esel
seine Krippe“. Sie und die Magier auf dem gleichen Bild bedeuten, dass
sowohl die höchsten als auch die niedrigsten Lebewesen das Kind anbeten.
Auch symbolisierte der Ochs als reines Tier das jüdische Volk, das an
das Gesetz gebunden ist, der Esel als unreines Tier die heidnischen
Völker unter der Last des Heidentums. In den byzantinischen
Darstellungen sind auch die beiden Hebammen Zelomi und Salome
dargestellt, die in der christologischen Auseinandersetzung der
damaligen Zeit die wirkliche menschliche Geburt Jesu betonen sollen. Die
an der jungfräulichen Geburt Jesu zweifelnde Salome will diesen Umstand
mit ihrer Hand untersuchen, die dann zur Strafe verdorrt. Die Berührung
des Jesusknaben heilt sie wieder. Dieses Thema ist im 5. und 6.
Jahrhundert ein beliebtes Motiv der östlichen Kunst und ist auf der
linken vorderen Ciboriumssäule (Ciborium ist ein Baldachin) von San
Marco in Venedig, die aus Konstantinopel geraubt wurde, dargestellt.
Die
Gattung der Biblia pauperum [Armenbibel] weist in ihren Bezügen
eine ganze Reihe von Anspielungen auf: Die Wurzel Jesse, Dan 2,45
LUT:
Maria ist der unbehauene Berg, die Geburtshöhle ihr Schoß. „Ohne Zutun
eines Menschen brach ein Stein los.“ Weihnachten wird mit Ostern in
Beziehung gesetzt. Die Höhle ist auch Sinnbild seines Grabes. Irenäus
verglich die Menschwerdung Christi mit seiner Höllenfahrt zwischen Tod
und Auferstehung. Als Präfigurationen der Jungfräulichkeit Mariens
gelten vor allem: Der brennende Dornbusch (Ex 3
EU).
So wie die Flamme den Dornbusch nicht verzehrte, so versehrte die
Empfängnis nicht die Jungfräulichkeit. Felizetti beschreibt eine Ikone
im Sinaikloster aus dem 14. Jahrhundert, auf der Maria selbst in den
brennenden Dornbusch gestellt ist. Dann der grünende Aaronsstab (Num
17,23
EU)),
da Aarons Stab Blüten trug, ohne gepflanzt worden zu sein. Dann Gideon
mit dem Vlies (Ri 6,37
EU),
denn dies war das Zeichen der Berufung Gideons zu Rettung seines Volkes
und symbolisierte das Wirken des Heiligen Geistes an Maria. Dann
Ezechiel vor der verschlossenen Pforte (Hes 44,2
EU))
ebenfalls als Symbol der Jungfräulichkeit Mariens. Diese vier
Präfigurationen wurden bereits im 9. Jahrhundert in der byzantinischen
Kunst entwickelt und kamen später auch ins Abendland. Sie finden sich
auf Tafelbildern des 15. Jahrhunderts, wo sie um die Darstellung der
Geburt Christi herum gruppiert werden, so zum Beispiel auf der
Mitteltafel des Flügelaltars im Kloster Sams.
Auch
die antike Ikonographie der Mysterienkulte, die ebenfalls die Geburt
eines Gottes kannten, hatte Einfluss auf die frühen christlichen
Darstellungen, wie gewisse Parallelen zu antiken Darstellungen zur
Geburt Alexanders oder des Dionysos zeigen. Auf einem Elfenbeinrelief um
550 zeigt die Hebamme Salome Maria ihre verdorrte Hand. Die Haltung
Mariens, liegend, halb aufgerichtet mit der linken Hand am Kinn ist sehr
ähnlich der halb liegenden und halb sitzenden Semele bei der Geburt des
Dionysos auf einer Elfenbeinpyxis in Bologna.
Stilfragen

Buoninsegna, Die Geburt Christi

Giotto
Die Geburt Jesu
Am
Anfang fehlt auf vielen Bildern Maria, häufiger noch Josef. Sie wurde
erst zum zweiten Schwerpunkt, als Maria 431 auf dem Konzil zu Ephesus
als „Gottesgebärerin“ anerkannt wurde. In der byzantinischen
Ikonographie kommt den beiden Geburtshelferinnen eine besondere
Bedeutung zu, die das Kind baden (Abb. 1) und die Einmaligkeit
Jungfrauengeburt Marias bezeugen. Meist liegt Maria erschöpft auf einer
Liege (κλίνη), was den menschlichen Geburtsvorgang betonen soll. Das
Kind ist in ein Tuch in Analogie zum späteren Leichentuch gewickelt. Die
Szene wird in der Regel in einer Grotte dargestellt, wobei auch das
Höhlengleichnis Platons in Verbindung mit Jesus als dem Licht der Welt
eine Rolle gespielt haben mag. Joseph wird regelmäßig wesentlich älter
dargestellt, steht im Hintergrund und bewacht die Szene. Frühchristliche
und byzantinische Bilder von der Geburt sind wesentlich seltener als die
mit Magiern und Hirten, also der Epiphanie. Typisch für den
byzantinischen Einfluss in Italien ist das Bild von Duccio di
Buoninsegna). Der Unterschied zur rein byzantinischen Darstellung liegt
in der Darstellung der persönlichen Beziehungen der Personen auf dem
Bild untereinander. Die wachsende Marienfrömmigkeit, die franziskanische
Spiritualität und der Humanismus führten später dazu, dass bereits in
der Hochgotik die frühere etwas distanzierte Darstellung zwischen Maria
und dem Jesuskind einer innigeren Verbindung zwischen beiden wich und
einer natürlicheren Darstellung Platz machte. Damit änderte sich auch
die Rolle Josefs, der eine aktivere Rolle zugewiesen bekam. Typisch für
die neue Darstellungsweise ist die Anbetungsszene von Giotto die Bondone.

Die
Anbetung der Hl. drei Könige

Isenheimer Altar
Im 14.
Jahrhundert häufen sich Darstellungen, in denen Maria und Josef
beiderseits des Kindes auf dem Boden sitzen, möglicherweise eine
Anspielung auf die Demut. Am Ende des 14. Jahrhundert fließen genrehafte
Motive in das Bildmaterial ein. Josef bereitet für Mutter und Kind ein
Essen, oder er wärmt sich die Hände an einem Ofen. Auch das Herstellen
von Windeln oder das Trocknen von Windeln durch Josef wird
darstellenswert. Dabei sind diese Sorgehandlungen Josefs als ein
Adoptionsakt zu deuten (Blisniewski 2000). In der Spätgotik ist nicht
mehr die Darstellung der Kindheitsgeschichte als solche Ziel der
Darstellung, sondern die meditative Betrachtung der Menschwerdung. Es
bildet sich eine Tendenz zum Andachtsbild heraus. Der Anbetungstypus
entwickelt sich bis zum 16. Jahrhundert zum vorherrschenden Motiv. Ein
besonderer Höhepunkt ist das theologisch-spekulativ ausgestaltete
Geburtsbild von Matthias Grünewald auf der zweiten Schauseite des
Isenheimer Altars (Abb. 3) und die Anbetung der Magier von Albrecht
Altdorfer (Abb. 4).
Musik
Speziell weihnachtliche Musik hat ihren Ursprung in der musikalischen
Gestaltung der drei Festmessen (spezielle Hymnen und Responsorien
bereits seit frühchristlicher Zeit bekannt) sowie dem Gloria der Engel
bei den Hirten auf dem Felde, von dem das Lukasevangelium 2, 14
berichtet.
Weihnachtslieder
In
allen christlichen Kulturen bildete sich seit dem Mittelalter ein
Bestand an speziellen volkstümlichen Weihnachtsliedern heraus, die
zumindest anfangs in engem Zusammenhang mit der Kirche standen und von
ihr auch in Gottesdiensten usw. eingebunden wurden.
Der
deutsche Bestand an Weihnachtsliedern wurde durch Martin Luther
wesentlich bereichert. Von ihm stammen:
-
Gelobet seist du
Jesus Christ (Strophe 2 bis 7)
-
Vom Himmel hoch, da
komm ich her (Text und Melodie)
-
Vom Himmel kam der
Engel Schar (Text und Melodie)
Mit
Versionen in etwa 300 Sprachen und Dialekten hat das 1818 erstmals
aufgeführte Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht die größte
Verbreitung gefunden. Ebenfalls weltweit bekannt ist das Lied O du
fröhliche ausgebreitet. Für den englischsprachigen Raum sind
Jingle bells und We wish you a merry christmas hervorzuheben,
es bestehen aber auch noch traditionelle Bräuche wie das Absingen von
Carols (alte englische Weihnachtslieder).
Kunstmusik
Auch
in der über die Jahrhunderte sich entwickelnden Kirchenmusik entstanden
zahlreiche speziell weihnachtliche Werke, die zum Teil bis heute bekannt
und beliebt sind, zum Beispiel Heinrich Schütz' Weihnachts-Historie,
und natürlich allen voran J. S. Bachs Weihnachtsoratorium, ferner die
auf Weihnachten bezogenen Teile des Messias von Händel. Auch Carl
Heinrich Graun, J. G. Rheinberger, Engelbert Humperdinck, L. H. Berlioz,
C. Saint-Saëns, E. Martin und Giselher Klebe haben in verschiedenen
Jahrhunderten Weihnachtsmusik verfasst.
Populäre Musik
Der
überlieferte Bestand an Weihnachtsliedern, der ursprünglich nur im
Kontext von Familie und Kirche gesungen wurde, gehörte bald auch zum
Repertoire der Straßenmusikanten. Im letzten Jahrhundert begannen dann
auch Kaufhäuser sowie Funk und Fernsehen sie zur Einstimmung und
gezielten Werbung einzusetzen.
Neue,
der Popmusik zuzurechnende Weihnachtslieder befassen sich textlich in
den meisten Fällen nicht mit dem Kern der christlichen
Weihnachtsbotschaft, sondern beschränken sich auf andere Aspekte wie zum
Beispiel das Besingen der Weihnachtsvorfreude. Vielfach ist den Stücken
leicht anzumerken, wie sie das spezifisch Christliche bewusst zugunsten
einer weltanschaulichen Unbestimmtheit ausklammern (zum Beispiel The
Spirit of Christmas). Häufig sind es nur noch reine Winter- (wie
Let it snow von Frank Sinatra) oder sogar normale Liebeslieder (wie
Last Christmas von Wham!), in denen lediglich einige Klangeffekte
zum Einsatz kommen, die gemeinhin mit der Weihnachtszeit assoziiert sind
(Schlittenglöckchen, Chöre, Orgeln etc.).
Diese
Tendenz der inhaltlichen Abkehr von den Wurzeln war allerdings schon bei
vielen Liedern des 19. Jahrhunderts zu beobachten (Lasst uns froh und
munter sein, Kling Glöckchen und viele andere).
Weihnachten in der Literatur
In der
abendländisch, christlich geprägten Literatur wird die
Weihnachtsgeschichte, die (Vor-)Weihnachtszeit oder auch nur das
Weihnachtsfest selbst seit Jahrhunderten thematisiert, sei es am Rande
als zeitlich bestimmender Fixpunkt eines (fiktiven) Ereignisses, das
dadurch einen bewusst evozierten Beiklang bekommt, oder sei es gleich
als beispielhafte Umdeutung eines jeweils aktuellen Zeitgeschehens in
familiären oder auch gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das kann dann
als ernsthafte Auseinandersetzung mit der neutestamentlichen
Weihnachtsgeschichte, aber auch als kritische, sich an den Auswüchsen
der Feierlichkeiten reibende Polemik nachzulesen sein.
Dementsprechend ist die Zahl der Veröffentlichungen hierzu Legion;
beispielhaft seien hier Klassiker genannt wie die Märchen A Christmas
Carol (dt. „Eine Weihnachtsgeschichte“) von Charles Dickens oder
Bergkristall von Adalbert Stifter. Neben den märchenhaft
besinnlichen Erzählungen und Romanen dieser Tradition hat sich die
Spannbreite der Genres seit Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem
auch um satirische Erzählungen wie Nicht nur zur Weihnachtszeit
von Heinrich Böll bis hin zu Kriminalromanen oder -anthologien mit
Titeln wie Blutiges Fest oder Eiskalte Weihnachten
erweitert.
Unzählig sind die sich hierbei von vorneherein an Kinder und Jugendliche
wendenden Geschichten, angefangen mit Klassikern wie Peterchens
Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz und Nußknacker und Mausekönig
von E.T.A. Hoffmann über Weihnachten im Stall von Astrid Lindgren
bis hin zu den neueren Erzählungen Das Weihnachtsgeheimnis und
Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort von Jostein Gaarder.
Lotet das letztgenannte Buch von Jostein Gaarder die Thematik mit
durchaus tragischen Momenten auf Leben und Tod aus, geht es vielen
Kinder- und Jugendbuchautoren zumeist schlicht darum, die kindlichen
Erwartungen an das „Gabenfest“ mit dem „eigentlichen“ Sinn
weihnachtlicher Nächstenliebe korrespondieren zu lassen – in den
Bilderbüchern für die ganz jungen Leser bzw. Zuhörer rücken dann nicht
selten anstelle des Christkindes die zu Werbe- und Gabenträgern
gewordenen Nikolaus und Weihnachtsmann in den Vordergrund. Im siebten
und letzten Band der Harry Potter-Reihe erlebt der Titelheld Weihnachten
auf der Flucht – jedoch ist in diesem Band wie in den Bänden zuvor das
Weihnachtsfest nur auf die Muggelwelt bezogen und dient ansonsten
sinnentleert als reine Zeitangabe für eine Ferienzeit der
Hogwarts-Schüler.
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