Ostern ist im Christentum das
Fest der Auferstehung Jesu Christi. Diese geschah nach dem Neuen
Testament (NT) am „dritten Tag“ von Jesu Kreuzigung an (1_Kor 15,4
EU). Daraus
entstand die kirchliche Karwoche mit dem Karfreitag als Todestag Jesu
und Karsamstag als Tag der Grabesruhe, auf die der Ostersonntag als
Auferstehungstag folgt.
Tod und
Auferstehung Jesu fallen nach dem NT in eine Pessachwoche. Der Termin
dieses jüdischen Hauptfestes bestimmt auch das Osterdatum mit: Ostern
wird im westlichen Kalender immer am Sonntag nach dem ersten
Frühjahrsvollmond gefeiert und liegt somit frühestens am 22. März,
spätestens am 25. April.
Ostern
ist für die meisten Christen das wichtigste Fest, weil die Auferstehung
des Sohnes Gottes den Tod und die ewige Verdammnis aller Menschen nach
ihrem Glauben endgültig besiegt hat. Einige Protestanten sehen jedoch
den Karfreitag als höchsten christlichen Feiertag an, da schon der Tod
Jesu Christi, nicht erst seine Auferstehung, die Menschheit von der
Erbsünde erlöst habe. Für viele orthodoxe Christen sind Tod und
Auferstehung Jesu gleich bedeutsam: Sie feiern beides in der Osternacht.
Der Name
Ostern stammt wohl aus einer germanischen Wurzel. Viele heute
populäre Osterbräuche und -symbole sind außerchristlicher Herkunft. Die
Kirchen integrierten einige davon in ihr Auferstehungsfest.
Bezeichnungen
Viele
Sprachen bezeichnen das Osterfest mit einer Wortableitung vom
aramäischen pas-cha, angelehnt an das hebräische Wort Pessach:
-
Afrikaans: pase
-
Dänisch: påske
-
Esperanto:
pasko
-
Finnisch:
pääsiäinen
-
Französisch:
Pâques
-
Griechisch:
Πάσχα (= Pas-cha)
-
Isländisch:
páskar
-
Italienisch:
Pasqua
-
Niederdeutsch:
Pa(a)schen
-
Niederländisch:
pasen
-
Portugiesisch:
Páscoa
-
Rheinische
Mundart: Posch, Posche oder Poschde, Poschte
-
Rumänisch:
paşti
-
Russisch:
Пасха (=
Pas-cha)
-
Schwedisch:
påsk
-
Spanisch:
Pascua.
Sie
weisen damit sprachlich auf die unauflösbare Beziehung der Auferstehung
Jesu auf den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei und die bleibende
Angewiesenheit des Christentums auf die Existenz des Judentums hin.
Die
meisten slawischen Sprachen nennen es „Große Nacht (Nächte)“, auf
Polnisch Wielkanoc, Tschechisch Velikonoce und Slowenisch
Velikanoč. Die Balten nennen es den/die „Großen Tag(e)“: auf
Lettisch Lieldienas, Litauisch Velykos, Bulgarisch
Великден, Ukrainisch Великдень. Das ungarische húsvét
bedeutet wörtlich „Fleisch zu sich nehmen“, das kroatische uskrs
bedeutet „Auferstehung“.
Etymologie
Das
deutsche Wort Ostern und das englische Easter haben die
gleiche sprachliche Wurzel, deren Etymologie verschieden erklärt wird.
Das
Herkunftswörterbuch von Duden leitet das Wort vom altgermanischen *Austrō
> *Ausro für „Morgenröte“ ab, das eventuell ein germanisches
Frühlingsfest bezeichnete und sich im Altenglischen zu *Ēostre, *Ēastre,
im Althochdeutschen zu ôstarun fortbildete. Der Wortstamm ist mit
altgriechisch ēōs „Sonne“ und lateinisch aurora verwandt,
die ihrerseits weitere Sprachen beeinflusst haben.
Ēostra ist erstmals 738 bei Beda Venerabilis (de temporum ratione
15) belegt. Auf ihn geht die Vermutung zurück, das Wort habe eine
angelsächsische Lichtgöttin bezeichnet, nach welcher der Monat April auf
angelsächsisch Ēosturmanoth benannt war. Das Deutsche Wörterbuch
der Brüder Grimm zitiert ihn mit dem Vorbehalt, er könne diese Göttin –
als deren späteren Namen sie Ostara vermuten – erfunden haben.
Wahrscheinlicher ist, das Beda Volkstraditionen aufgriff, die im Rahmen
frühjährlicher Vegetationsriten, sowie mit den Matronen- und Disenkulten
beziehungsweise der altsächsischen Idisi in Verbindung standen,
und darüber hinaus im damaligen paganen germanischen Raum üblich waren
und teilweise heute noch tradiert werden.
Die
Einführung beziehungsweise Kultivierung des Begriffs Ostern in
Deutschland hängt eng mit der Strukturierung der fränkisch-deutschen
Kirchenprovinzen zusammen. Diese waren unterschiedlich sprachlich und
klerikal geprägt. Im Erzbistum Köln, der kölnischen Kirchenprovinz, die
fränkisch geprägt war, herrschte der Begriff pāsche vor und wurde
vor allem in den heute erhaltenen Dokumenten so auch geschrieben.
Bonifatius hatte als Bischofssitz Mainz, und aus der angelsächsischen
Tradition wurde dort in den Dokumenten ôstarun in
angelsächsischer Anlehnung als typisches Missionswort verwendet.
Wegen der Entdeckung des leeren Grabes Jesu „früh am Morgen, als eben
die Sonne aufging“ (Mk 16,2 EU)
wurde die Morgenröte in der Christenheit zum Symbol der Auferstehung.
Die Canones Hippolyti (um 350) gaben daher für die Osternacht die
Weisung: Nemo igitur illa nocte dormiat usque ad auroram
(„Niemand soll in dieser Nacht schlafen, sondern wach bleiben bis zur
Morgenröte“). Dies knüpfte auch an die biblische Exodustradition der
Israeliten in der Nacht des „Vorübergehens“ (hebräisch Pessach, englisch
passover): „Eine Nacht des Wachens war es für den Herrn, als er
sie aus Ägypten herausführte. Als eine Nacht des Wachens zur Ehre des
Herrn gilt sie den Israeliten in allen Generationen.“ (Ex 12,42
EU).
Honorius
Augustodunensis (12. Jh.) leitete Ostern von Osten (vgl. englisch
easter und east) ab, der Himmelsrichtung des
Sonnenaufgangs. Viele neue Christen ließen sich damals „bei
Sonnenaufgang“ am Ostermorgen – althochdeutsch zu den ostarun –
taufen.
Die
Evangelische Kirche in Deutschland erklärt den Namen aus einem
Übersetzungsfehler: Die Osterwoche hieß auf Lateinisch hebdomada in
albis („Weiße Woche“). Dieser Plural des Adjektivs alba
(weiß, liturgische Symbolfarbe) sei irrtümlich als „Morgenröte“
übersetzt worden, die althochdeutsch eostarun hieß.
Der
Namensforscher Jürgen Udolph erklärt das Wort aus der nordgermanischen
Wortfamilie ausa („gießen“) und austr („begießen“). So
wurde ein vorchristlicher Wasserritus als vatni ausa („mit Wasser
begießen“) bezeichnet; dann hätte die österliche Taufe die
Begriffsbildung veranlasst.
Ostern im Neuen Testament
Erscheinungs- und Grabüberlieferung
Die neutestamentliche Osterüberlieferung wird im Kern auf die
Jerusalemer Urgemeinde zurückgeführt. Sie begann mit dem emphatischen
Jubelruf, der bis heute viele Ostergottesdienste weltweit eröffnet (Lk
24,34 EU):
-
Der Herr ist wahrhaftig auferstanden ... (und Simon erschienen)!
Nach dem
Neuen Testament ist Jesu Auferweckung exklusive Tat Gottes und wurde von
keinem Menschen beobachtet. Erst ihre Folgen werden für seine ersten
Nachfolger als wahrnehmbar beschrieben: Frauen aus seiner Heimat, die
sein Sterben und seine Grablegung mitangesehen hatten, entdecken, dass
sein Grab leer ist; dabei teilt ein Engel ihnen das Wunder der
Auferweckung mit, sagt kommende Erscheinungen Jesu in Galiläa voraus und
beauftragt sie zum Weiterverkünden seiner Auferstehung.
Laut der ältesten Version dieser Geschichte (Mk 16,1-11
EU) führen die Frauen
diesen Auftrag jedoch nicht aus, da sie sich fürchten. Erst Jesu eigenes
Erscheinen und Handeln bringt seine verzweifelten Jünger zum Glauben an
sein neues, unzerstörbares Leben (Lk 24,31ff
EU). Jesu Begegnung mit
elf der nach ihrer Flucht (Mk 14,50) am Abend des Ostertages wieder
versammelten Erstberufenen ist nach allen vier Evangelien der
Durchbruch: Jesus bringt seine Jünger zum Glauben an ihn, stellt die
zerbrochene Gemeinschaft mit ihm wieder her und beauftragt sie zur
weltweiten Mission (Mk 16,14ff; Mt 28,16-20; Lk 24,36-50; Joh 20,19-23).
Die Jerusalemer Urchristen hielten die Namen der ersten Osterzeugen als
besonders bedeutsam für ihren Glauben fest (1_Kor 15,3-8
EU). Paulus von Tarsus,
der sich als letzter in diese Reihe stellte, erzählt, dass er dem
Auferstandenen als Christenverfolger persönlich begegnet sei, sich
dadurch zum Völkerapostel beauftragt sah und die Jerusalemer Urchristen
erst Jahre danach kennengelernt habe (Gal 1,15-20
EU).
Der „dritte Tag“
Nach dem wohl frühesten christlichen Glaubensbekenntnis wurde Jesus am
„dritten Tag gemäß der Schrift“ von den Toten erweckt (1 Kor 15,3-4
EU). Diese Angabe
bezieht sich zum einen auf die Entdeckung des leeren Grabes am „ersten
Tag der Woche“ (Mk 16,2 EU;
Mt 28,1 EU; Lk 24,1
EU; Joh 20,1
EU) und die
Jesuserscheinung vor einigen seiner Jünger am Abend desselben Tages (Lk
24,21 EU). Dieser
Auferstehungstag folgte nach den Evangelien dem Schabbat nach Jesu Tod
am Hauptfesttag des Pessach. Dabei zählte die damalige jüdische
Zeitrechnung jeden angebrochenen Tag als ganzen Tag mit.
Zum anderen bringt diese geprägte Formel Jesu Auferstehung mit mehreren
vorgegebenen Traditionen in Verbindung. So ist der „dritte Tag“ im
Tanach häufig der Tag einer Rettung aus Todesnot und ultimativen Wende
zum Heil durch Gottes Eingreifen in die Geschichte: so besonders
deutlich in Hos 6,2 EU.
Dies reflektieren auch Jesu Leidens- und Auferstehungsankündigungen, die
in den synoptischen Evangelien seine Passionsgeschichte einleiten und
gliedern. Das Markusevangelium bevorzugt dabei den Ausdruck „nach drei
Tagen“ (μετὰ τρεῖς ἡμέρας: Mk 8,31; 9,31; 10,34), der jedoch eine
Binnenfrist, keine Ablauffrist angibt, wie die Aussage „innerhalb von
drei Tagen“ (Mk 14,58; 15,29) bestätigt. Im Matthäusevangelium dominiert
die Ordinalzahl mit bestimmtem Artikel (Mt 16,21; 17,23; 20,19). Diese
findet sich auch im Lukasevangelium (Lk 9,22; 18,33; 24,7; nicht in Lk
9,43bff).
Während diese Ankündigungen häufig als nachträgliche Redaktion von
Urchristen gelten, enthalten auch einige Leidens- und Todesankündigungen
eine Dreitagesangabe, die als mögliche echte Jesusworte angesehen
werden: so das Rätselwort vom „Zeichen des Jona“ (Mt 12,40
EU), dessen Angabe „nach
drei Tagen und drei Nächten“ dem Osterdatum jedoch widerspricht, und das
Wort vom Tempelabriss und -neubau „in drei Tagen“, das die Urchristen
auf Jesu Tod und Auferstehung bezogen (Joh 2,19ff
EU).
Verhältnis zum Pessach
Jesu
Kreuzigung fand nach den Synoptikern am Hauptfesttag des Pessach, dem
15. Nisan, statt. Nach dem Johannesevangelium dagegen starb er am 14.
Nisan zur selben Zeit, als die Pessachlämmer im Tempel geschlachtet
wurden.
Jesu Tod
wird somit im Urchristentum in die Leidensgeschichte, andererseits die
Befreiungshoffnung Israels eingezeichnet. Seine Auferstehung ist die
ultimative Bekräftigung dieser Hoffnung und ihre Ausweitung auf alle
Völker.
Das
christliche Abendmahl ist aus dem jüdischen Sederabend entstanden und
hat inhaltliche Elemente daraus übernommen. Dazu gehört das Symbol des
Osterlammes, das an die bis 70 n. Chr. am Tempel geschlachteten
Pessachopfer erinnert.
Ostern in der Kirchengeschichte
Streit um das Osterdatum
Hauptartikel: Osterdatum
Ostern
gehört zu den beweglichen Festen, deren Kalenderdatum jedes Jahr
variiert. Der Ostersonntag hängt vom ersten Frühlingsvollmond ab, wobei
der Frühlingsanfang festgelegt ist auf den 21. März und anders berechnet
wird als im jüdischen Kalender. Alle übrigen beweglichen christlichen
Feiertage werden vom Ostersonntag aus berechnet.
Eine
einheitliche Festlegung des Osterdatums wurde notwendig, da die
Christengemeinden Ostern zu verschiedenen Zeitpunkten feierten. So
feierten die Quartodezimanier Ostern immer am 14. Nisan,
ungeachtet des Wochentages. Die Protopaschisten feierten das Fest
zwar an einem Sonntag, aber immer an dem Sonntag nach dem 14. Nisan.
Jedoch war durch die Zerstörung des Jerusalemer Tempels und der
Zerstreuung der Juden das System der bezeugten Sichtbarkeit des ersten
Mondes zerstört worden, und der jüdische Kalender geriet in Unordnung.
Später
wurden bei der Einführung des julianischen und noch später des
gregorianischen Kalenders jeweils neue Regeln zur Festlegung des
Osterdatums verwendet. Da sich die Ost- und die Westkirchen nicht über
eine einheitliche Berechnungsgrundlage einigen konnten, können die
Ostertermine der römisch-katholischen/evangelischen und der orthodoxen
Christen um bis zu fünf Wochen voneinander abweichen.
Die Osterwoche
Der
österliche Festkreis beginnt in den westlichen Kirchen seit dem Jahr
1091 mit dem Aschermittwoch, dem eine 40-tägige Fastenzeit folgt. Diese
erinnert an die 40 Jahre der Israeliten in der Wüste sowie an die 40
Tage, die Jesus in der Wüste fastete und betete. Die Fastenzeit, auch
österliche Bußzeit genannt, endet mit dem 40. Tag am Karsamstag. Das
östliche Christentum rechnet die Sonntage zur Fastenzeit mit hinzu,
zählt aber andererseits die Woche vor dem Ostersonntag nicht mit zu den
40 Fastentagen, sondern als eigene Zeitperiode.
Diese
letzte Woche vor Ostersonntag, die Karwoche, beginnt mit dem
Palmsonntag, an dem die Christen den Einzug Jesu in Jerusalem feiern. Am
Gründonnerstag feiert das Christentum das letzte Abendmahl Jesu mit
seinen Jüngern.
Am
folgenden Karfreitag wird des Todes Jesu am Kreuz gedacht, am Karsamstag
ist Grabesruhe, und am dritten Tag, dem Ostersonntag, wird schließlich
die Auferweckung Jesu von den Toten gefeiert.
Osterliturgie
Da
Ostern nach dem Neuen Testament am frühen Morgen mit der Entdeckung des
leeren Grabes Jesu begann, finden viele christliche Ostergottesdienste
bereits am frühen Morgen des Ostersonntags oder am späten Abend des
vorangehenden Karsamstags statt.
Der
Morgen, die Morgenröte, das Erscheinen des Lichts nach finsterer Nacht
ist in vielen Kirchenliedern, literarischen Werken und künstlerischen
Darstellungen feststehendes Symbol für die Auferstehung Jesu und die
kommende Auferweckung aller Menschen. So heißt es im Hymnus der Laudes
vom Ostersonntag:
Der Morgen rötet sich
und glüht, der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die
Erde auf, und klagend stöhnt die Unterwelt …
Außerchristliche Einflüsse

Ostereier vor einem Osterfeuer
Frühlingsfeste
Viele
vor- und außerchristliche Religionen verehren die Sonne als Licht- und
Lebensspenderin wie einen Gott und feiern deshalb Frühlingsfeste wie das
iranische Nouruz. Deren Termin ist oft an das Äquinoktium am 20. oder
21. März angelehnt.
Auch
einige heutige Osterbräuche werden auf germanische und keltische
Sonnenkulte zurückgeführt: etwa die Osterfeuer und das Osterrad.
Neuheiden feiern Ostern als Ostara-Fest nach einer
altgermanischen Göttin Ostara, als deren Symbole sie Osterei und
Osterhase angeben. Diese Fruchtbarkeitssymbole sind als Osterbräuche im
deutschen Sprachraum jedoch erst seit dem 17. Jahrhundert belegt. Ein
Hase als Ostersymbol ist in christlichen Quellen aus Südosteuropa seit
der Spätantike belegt; seine Herkunft aus einem germanischen
Frühlingskult ist unbelegt.
Dieser Artikel steht unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Ostern
in der freien Enzyklopädie
Wikipedia
und ist unter der
GNU-Lizenz für freie Dokumentation
lizenziert.
Die Autoren-Historie ist
dort
einsehbar.