Allerheiligen (lat.: Omnium Sanctorum), begangen am 1.
November in der Westkirche bzw. am ersten Sonntag nach Pfingsten in
den orthodoxen Kirchen, ist ein Hochfest der römisch-katholischen
Kirche bzw. Principal Feast der anglikanischen Kirchen, ein
Fest („Gedenktag der Heiligen“) in den lutherischen Kirchen, und
wird auch in weiteren protestantischen Kirchen gefeiert. An
Allerheiligen wird aller Heiligen gedacht, auch solcher, die nicht
heilig gesprochen wurden, sowie der vielen Heiligen, um deren
Heiligkeit niemand weiß als Gott. Der Tag kann also als
Gedenktag der Heiligen bezeichnet werden, den die Kirche auch mit
einer Allerheiligenlitanei begehen kann. Das Kirchenjahr kennt nur
einen Tag, an dem aller Heiligen gedacht wird.
Geschichte

Ganzkörperreliquie Heilige Munditia (250), St. Peter (München)
Das
Fest wurde eingeführt, da es unmöglich war, jeden Heiligen an einem
besonderen Tag zu feiern. Jährliche Gedenktage für Verstorbene – ob
Märtyrer, Heilige oder einfache Gläubige – gab es bereits im antiken
Christentum. In den östlichen Kirchen finden sich seit Anfang des 4.
Jahrhunderts dann ausdrücklich Allerheiligenfeste, die allerdings
als „Herrentag aller Heiligen“ am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert
wurden. In der westlichen Kirche weihte Papst Bonifatius IV. am 13.
Mai 609 oder 610 das heidnische römische Pantheon in Rom – zuvor das
Heiligtum der antiken Götterwelt – der Jungfrau Maria und allen
Heiligen und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am
Freitag nach Ostern. Papst Gregor III. weihte über hundert Jahre
später eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen und
legte daher für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November. Ende
des 8. Jahrhunderts begann man an diesem Tag dieses Fest vor allem
auch in Frankreich zu feiern. Allmählich verbreitete sich in der
gesamten Westkirche der 1. November. Papst Gregor IV. legt 835
Allerheiligen für die gesamte Westkirche auf den 1. November fest.
Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag

Polnischer Friedhof zu Allerheiligen
In
Österreich, Liechtenstein, den katholisch geprägten Kantonen der
Schweiz (siehe Feiertage in der Schweiz), den deutschen
Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz und Saarland sowie in Luxemburg, Italien,
Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Polen, Ungarn, Kroatien,
Slowenien, Slowakei und Litauen ist Allerheiligen ein gesetzlicher
Feiertag. In Schweden fällt der Feiertag auf den Samstag nach dem 1.
November. In den Niederlanden wurde Allerheiligen als gesetzlicher
Feiertag 1960 abgeschafft.
In
den genannten deutschen Bundesländern ist Allerheiligen ein
sogenannter stiller Feiertag. Das heißt, dass an diesem Tag keine
Tanzveranstaltungen durchgeführt werden dürfen und laute Musik
verboten ist (Tanzverbot).
Brauchtum

Zwei
Mainzer Newweling
Vom
oberösterreichischen Inn- und Hausruckviertel bis zum
südostbayerischen Chiem- und Rupertigau waren aus Hefeteig
geflochtene Zöpfe sehr beliebt als Allerheiligengebäck. Dieser
Brauch hat sich bis heute erhalten. Ein derartiger aus Hefeteig
geflochtener Zopf wird in der nördlichen Oberpfalz zu Allerheiligen
als „(Allerheiligen-)Strietzl“ vom Firmpaten an sein Firmkind
verschenkt.
Am
Tag nach Allerheiligen begeht die römisch-katholische Kirche den
Allerseelentag, an dem der Armen Seelen im Fegefeuer gedacht wird.
Vielerorts wird die damit verbundene Gräbersegnung bereits am
Nachmittag des Allerheiligentag vorgenommen. Damit verbunden ist der
Brauch, die Gräber vor allem mit Lichtern besonders zu schmücken.
Auf den Mainzer Friedhöfen wird die traditionelle Mainzer Kerze, der
Newweling, entzündet.
Im
englischen Sprachraum wird Allerheiligen (engl. „All Saints“, „All
Saints' Day“) häufig mit dem Prozessionslied „For All the Saints“
begangen.
Allerheiligen und Halloween
Am
Vorabend, dem 31. Oktober, wird heutzutage in den Vereinigten
Staaten und vielen Ländern Europas Halloween gefeiert. Das Wort „Halloween“
leitet sich aus der amerikanisch-englischen Bezeichnung „All Hallows
Eve“ (Vorabend von Allerheiligen) ab. Neben den Wurzeln des Fests
als Vorabend eines Hochfests, an dem es üblich ist, Vigilien
abzuhalten, könnte das Fest möglicherweise auch auf ältere
heidnische Bräuche zurückgehen (vgl. Samhain). In der heutigen, aus
Nordamerika zurückgekommenen Form hat es eine stark
kommerzialisierte und säkularisierte Form angenommen.