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Die im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung "deutsche Schrift" betont den besonderen Stellenwert der gebrochenen Schriftenarten für die geschriebene deutsche Sprache des 16. bis 20. Jahrhunderts. In diesen 500 Jahren haben sich die beiden bekanntesten Vertreter, die Fraktur (als Druckschrift) und die Sütterlin (als Handschrift) herausgebildet.

Bis Anfang des 20. Jahrhundert war die deutsche Schrift als Druckschriften auch in anderssprachigen Ländern gebräuchlich, wurden aber dann von der Antiqua-Schrift verdrängt. In Deutschland hat sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine aktive Verwendung von zwei Schriftarten gehalten, als einziges Land wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhundert die gebrochenen Schreibschriften an den Schulen gelehrt und als Amtschrift verwendet.

Der Ausdruck "deutsche Schrift" ist wahrscheinlich italienischen Ursprungs und lässt sich schon als "lettera tedesca" Ende des 19. Jahrhunderts in Oberitalien nachweisen. Gemeint waren damit die für deutsche Texte üblich gewordenen Schriften, "Schwabacher" und "Fraktur". Zur Zeit der Humanisten kommt als Schöpfung zur deutschen Schrift die Antiqua (Antiqua bedeutet "Altschrift oder alte Schriften") auf,  sie entstand aus der karolingischen Minuskel. Die humanistische oder lateinische Schrift setzte sich von Italien ausgehend schnell im größten Teil Europas durch.

Schriftformen

Die wichtigsten Druck- und Schreibschriften:

Die Frakturschrift behauptete sich als Schrift der Reformation und damit als Gegenpol zu der von der römisch katholischen Kirche verwendeten Antiqua. Auch wenn es immer wieder Reformbewegungen gab, zog sich der deutsche Antiqua-Fraktur-Streit bis ins 20. Jahrhundert. Während der Gotik verbreiteten sich die gebrochenen Schriftformen in ganz Europa, in Deutschland hauptsächlich die Textur, in Italien und Spanien gerundeten Varianten wie die Rotunda.

Der Ausdruck "Fraktur" kommt aus dem lateinisch und bedeutet  "Bruch" und besagt, dass die aus dem klassischen Altertum stammenden runden Linien der Buchstaben Brechungen erfuhren. Diese Entwicklung begann schon im 13. Jahrhundert als in der Baukunst die romanischen Rundbögen zu den typisch gotischen Spitzbögen gebrochen wurden.

Die Frakturschrift geht über verschiedene Zwischenstufen mit ihren Kleinbuchstaben auf die sogenannte karolingischen Minuskeln (Kleinbuchstaben) und mit ihren Großbuchstaben auf die lateinischen Kapitalien (Majuskeln) zurück.

Aus der karolingischen Minuskel entwickelte sich seit dem 12. Jahrhundert die gotische Schrift, deren Name eine Analogie zur kunsthistorischen Stilepoche der Gotik ist.

In den Schreibstuben Nordfrankreichs entstand so die erste gotische Schriftform, diese hohe, schmale Schrift empfand Johannes Gutenberg in seinem ersten Buchdruck des Abendlandes, der 42zeiligen Bibel von 1455 nach. Um das Jahr 1470 erscheint dann im deutschen Kulturkreis eine zweite gebrochene Schrift. Die "Schwabacher", benannt vermutlich nach dem Ort Schwabach bei Nürnberg. Mit der Reformation und Bibelübersetzung durch Martin Luther und der daraus resultierenden Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache, gab die Schwabacher Schrift der deutschen Sprache eine vollkommene Form.

Unter anderem hält mit Albrecht Dürer um 1517 die Fraktur (im engeren Sinn) mit ihren feineren Buchstaben rasch Einzug  im deutschen Sprachraum. Sie findet jedoch auch bei den östlichen und südöstlichen Nachbarn sowie in Skandinavien starke Verbreitung. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts werden anfangs alle und später die meisten der deutschen Texte in Fraktur gesetzt, damit hat sich die Fraktur zu der "deutschen Schrift" entwickelt.

Die „gotischen“ Schriften wurden in Deutschland immer als wesentliches äußeres Kennzeichen deutscher Kultur verstanden und politisch instrumentalisiert.

Die gebrochenen Schriften verloren während dem Nationalsozialismus an Bedeutung. Der Normalschrift-Erlass erklärte im deutschen Reich seit 1941 die gebrochenen Druckschriften und auch kurz danach die gebrochenen Schreibschriften als abgeschafft. Zur neuen „Normalschrift“ wurde die Antiqua, kurz darauf wurden auch die Lehrpläne in den Schulen geändert, alle nachfolgenden Regierungen haben diese Regelung dann beibehalten.

Warum wurde die "deutsche Schrift", die Fraktur aufgegeben, was trug zu diesem Kulturverfall bei? Der bedeutendste und wahrscheinlich entscheidende Anstoß dafür war die Anordnung des Reichsleiters der NSDAP, Martin Bormann, am 3.1.1941 im Auftrag von Adolf Hitler. In dieser Anordnung wird die "sogenannte gotische Schrift" als "Schwabacher Judenlettern" bezeichnet und es musste nur noch die (lateinische) Antiqua als "Normal-Schrift" verwendet werden. Aufgrund dieses Verbots verschwand die deutsche Schrift gänzlich als Schreibschrift und im Frakturdruck aus Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Lehrplänen und Fibeln.

Nach 1945, bis in die siebziger Jahre wurde die "deutsche Schrift" in einigen Bundesländern zwar noch in der Grundschule gelehrt, jedoch nicht mehr als Schrift für die Praxis, sondern nur noch, um die Kenntnis dieser Schrift nicht gänzlich untergehen zu lassen und zumindest ein Lesen der Schrift zu ermöglichen. Von praktischer Bedeutung ist die Kenntnis deutscher Schriften heute hauptsächlich noch für Historiker und Ahnenforscher. Ihre wissenschaftliche Aufbereitung ist Aufgabe der Paläografie. Für den Erhalt der deutschen Schriften als „europäischen Kulturguts ersten Ranges“ setzt sich der Bund für deutsche Schrift und Sprache ein. Sein Ziel ist es, „einer Verdrängung der in acht Jahrhunderten gewachsenen sichtbaren Ausdrucksform der deutschen Sprache entgegenzuwirken“.

Die meisten verwendeten Schriften werden im modernen Buchdruck als Antiqua-Schriften klassifiziert.  In Deutschland werden die Druckschriften durch die DIN 16518 zur Klassifikation der Schriften in 11 Klassen eingeteilt, von denen 8 Klassen den so genannten Antiqua-Schriften zugeordnet werden. In dieser DIN-Klassifikation werden „gebrochene Schriften“ in den Klassen X zusammengefasst, die ihrerseits wieder in die Unterklassen Xa (gotische Schrift), Xb (rundgotische Schrift), Xc (Schwabacher Schrift) und Xd (Fraktur (Schrift)) untergliedert sind, da sie in ihrer Entwicklung in einem historischen Zusammenhang stehen.

Gestaltungselemente

Für eine bessere Lesbarkeit besitzt die Fraktur- und Sütterlinschrift vier Eigenschaften,

die sie im Gegensatz zur Antiqua auszeichnen:

1.) Viele Buchstaben haben Ober- und Unterlänge und ragen dadurch auffälliger aus dem Zeilenband heraus, sie werden somit besser vom Auge erfasst, z.B.:

 

2.) Die Buchstaben unterscheiden sich allgemein stärker voneinander und werden somit sicherer erkannt. Dadurch dass die Frakturschriften schmaler sind, können mehr Buchstaben auf einen Blick erfasst werden und hat somit positive Auswirkungen beim Lesen von deutschen Texten, weil eine Silbe durchschnittlich mehr Buchstaben enthält als in den meisten anderen europäischen Sprachen.

3.) Das Endungs- oder Schluss-s deutet durch sein auffallendes Symbol signalhaft das Ende eines Wortes an. Innerhalb eines Wortes, fällt es durch die Nahtstelle (Fuge) des zusammengesetzten Wortes sofort ins Auge.

Beispiel:   (in lat. Schrift: Ausschuss)

Druckschrift

Schreibschrift

Die Wortbilder der Fraktur nimmt das Auge leichter und schneller auf als die gleichförmigen Zeilenbänder der Antiqua. Beispiele:

Druckschrift

Schreibschrift

Wortinhalte können oft durch die Antiqua nicht eindeutig wiedergegeben werden. Die obigen Wörter zeigen wie eindeutig sie durch Fraktur wiedergegeben werden können: Einmal ist - bei gleicher Antiqua-Schreibweise! - die Tube mit Wachs gemeint, das andere Mal die Stube des Wachpersonals.

Schulmuseum Dresden

Deutsche Schrift

Bund für deutsche Schrift und Sprache

 

 

 

 

 

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